Niki Hennig

Kaum Nachwuchsarbeit wurde in den letzten Jahren im deutschen Kampfsport geleistet. Dennoch gibt es mittlerweile einen Star unter der “Kleinen”, der mit seinen Musikkatas die Massen ebenso bewegt wie einst der Kanadier Jean Frenette. Die Rede ist von Niki Hennig aus Worms.

Niki Hennig

Niki Hennig

Der 8-jährige Niki ist in der Turnierszene längst kein Unbekannter mehr. Im Juni 1993 ist er erstmals durch einen Auftritt bei der Mannheimer Kickboxgala “Fight Night” einem weiteren, kampfsportinteressierten Publikum bekannt geworden. Nach seiner Kata standen die Zuschauer auf den Stühlen, tosender Beifall. Das hat es in Deutschland bislang noch nicht gegeben; oder besser gesagt, fast nicht. Schließlich gab es einmal den 11-jährigen Amerikaner Skipper Kelp, der Anfang der achtziger Jahre mit seinen Eltern in einer Mannheimer US-Kaserne lebte. Er war als Jugendlicher im Deutschen Freestyle Kampfsport zu großen Ehren gekommen. Skipper lieferte sich seiner Zeit packende Kata-Duelle mit dem führenden Daryll Tyler, u.a. in der Leverkusener Rundsporthalle. Heute ist Skipper wieder in den USA Er ist ein aufstrebender Profiboxer, der schon bald um die Weltmeisterschaft im Weltergewicht kämpfen soll.

Niki mit Trainer Uwe Mandler

Spagath ? Kein Problem
Niki ist an Flexibilität kaum zu überbieten. Er übt sein Spagath nicht auf dem Boden, sondern zwischen zwei Stühlen, oder was auch immer gerade da ist um seine Füße zu halten. Und wenn sein Trainer Uwe Mandler sagt “Niki mach mal einen hohen Sidekick, damit der Fotograf ein Bild machen kann”, dann streckt sich das Bein des Jugendlichen in die Höhe und bleibt dort erst einmal stehen. Frühestens nach zwanzig oder dreißig Sekunden fragt Niki dann mal, “Kann ich das Bein jetzt herunter nehmen”. Und wenn der Fotograf immer noch nicht den Auslöser gefunden hat, dann hält Niki das Bein etwas länger in der Luft – kein Problem.

Von Frenette und Wallace gelernt
Dazu sein Trainer: “Ich habe viele Leute, die so gelenkig sind, aber Niki ist einfach spitze.” Mandler hat in den letzten Jahren Seminare mit Jean Frenette, Bill Wallace und anderen Kampfsportgrößen besucht und sich das Beste herausgesucht. Seit gut zwei Jahren ist er mit seinen besten Ueuten in der europäischen Turnierszene in den Formenwettbewerben und im Semikontakt unterwegs. Sein Black-Belt-Team holte schon viele Trophäen mit nach Pfeddersheim, dem Wormser Stadtteil, in dem das Black-Belt-Center beheimatet ist.

Unbesiegt in 1993
Niki gewann bislang alles, was er für sein Alter gewinnen kann – und das in unterschiedlichen Verbänden von DBO bis WAKO. Selbst im Ausland ist der 122 cm große Grüngurt erfolgreich. Siege bei der SAKEV in der Schweiz und bei der WKA in Holland waren ebenso Erfolge wie erste Plätze bei den Turnieren der US-Army. 1993 blieb Niki ungeschla-gen, verlor kein einziges von über 20 Turnieren im Hardstyle. Wenn Niki nicht gerade trainiert, geht er zur Schule (Lieblingsfächer Mathe und Sport). Er besucht zur Zeit die dritte Grundschulklasse oder schaut sich gerade einen seiner Lieblingsfilme an. Am liebsten sieht er “Lucky Kids”, “Ninja Turtles” oder die Streifen seines großen Vorbildes Jean-Claude van Damme (Geballte Ladung).

Berufswusch Polizist
Sein Weg zum Weltmeistertitel scheint vorprogrammiert, sobald er mit 16 Jahren an den internationalen Titel-kämpfen teilnehmen kann. Dennoch hat Niki die Realität vor Augen und visiert einen ordentlichen Beruf an. Am liebsten möchte er Polizist werden und Verbrecher jagen.


Alfie Lewis

Diese Reportage erschien in Kick Ausgabe Februar 1994.

 

Category: Reportagen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*