Chakuriki Forever

25 und kein bißchen leise!
Das bekannte Chakuriki Dojo
von Thom Harinck ist seit 1972 immer noch on the Top!

Chakuriki Harinck

Marmor und Gold, das neue Schild für das Dojo Chakuriki gab es als Geschenk von den besten Fightern.

Ein viertel Jahrhundert sind in Kampfsportkreisen ein lange Zeit. Viele kommen, noch mehr gehen und beinahe alles ändert sich. Doch ein Gym, das es schaffte durch all Jahren fast durchgehend an der Spitze zu stehen, feierte vor kurzem sein 25 jähriges Bestehen: Das Amsterdamer Dojo Chakuriki von Thom Harinck.

Party mit mehr als tausend Gästen
Diese Gelegenheit lies sich Chakuriki-Begründer Thom Harinck natürlich nicht entgehen und zeigte, daß er und seine Kämpfer nicht nur im Ring sondern auch außerhalb zur Spitze gehören. In der Jaap Edenhaal in Amsterdam wurde zur Geburtstagsparty gerufen. Mehr als tausend Chakuriki Fans folgten dem Ruf und fanden sich ein. Alles was in der holländischen Thaiboxszene Rang und Namen hat, fand sich ein um Thom Harinck zu gratulieren. Darunter natürlich die Chakuriki Recken Peter Aerts, Gilbert Ballentine, Branko Cikatic, Perry Ubeda, Patrick Erikson, Corinne Gerris und, und, und. Unter den Gästen waren zahlreiche ausländische Thaiboxfans und Anhänger anwesend. Man war nicht nur zum Essen und Trinken zusammen gekommen. Thom Harinck verlieh zahlreichen Schülern Auszeichnungen für besondere Leistungen. Diese empfingen unter anderen Branko Cikatic, Peter Aerts, Gilbert Ballentine und Corinne Geeris, um nur einige aufzuzählen.

Chakuriki Fighters

Thom Harinck vor dem aufwendig gestalteten Plakat für seine große Jubiläums-Party im Januar 1997

Auch für Harinck war es Zeit Geschenke entgegenzunehmen. Aus Dankbarkeit für seine Betreuung und seinen Beistand sowohl im als auch außerhalb des Ringes wurde ihm von seinen Schülern eine Marmorplatte mit dem Chakuriki-Emblem in Gold überreicht, die nun das Chakuriki Gym schmückt. Nach dem offizielen Teil zeigten die Chakuriki Anhänger, daß sie auch außerhalb des Ringes bereit sind, ihr Letztes zu geben. Bis spät in die Nacht zog sich die Party, und wer Thom Harinck und seine Mannen einmal beim Feiern erlebt hat, weiß, daß sie hier genau soviel Stehvermögen haben wie im Ring.

Gruppenfoto der Kämpfer und Jugendlichen

Wie alles begann
Lang lang ist es her, daß der junge Thom Harinck auf einem Kreuzschiff arbeitete, das ihn durch die ganze Welt brachte. Damals betrieb er zwar schon Jiujitsu, die Erfahrung der anderen Art begegnete ihm aber in Südafrika. Während eines längeren Aufenthaltes vertrieb man sich die Zeit mit Boxen. Harinck merkte bald, daß es sich nicht um normales Boxen handelte, sondern um Boxe Fran-caise, auch als Savate bekannt. Zurück in Holland begann er sein Training zu intensivieren und begann mit Boxen und Karate. Daneben war er im Stuntmen-Team „Stuntteam Six“ tätig, das er, wie der Name schon verrät, zusammen mit fünf Freunden betrieb. 1972 schlug dann für die Kampfsportwelt die große Stunde. In Amsterdam West in der Cliffordstraat wurde das erste Chakuriki Gym gegründet. Damals war es eine Mischung aus Karate, Judo, Boxen und Ringen. Daneben wurden Kobudo Waffen Bo, Sai, Nunchaku und Manrikigusari gelehrt. Bald verbreitete sich der Bekanntheitsgrad Thom Harincks und man mußte sich um eine neue Trainigsgelegenheit umsehen.

Jugendliche lernen Muay Thai

Nach dem Fannius Scholtenstraat folgte der Beuningenstraat, bis er sich endlich im van Halstraat niederlies, wo sich das Chakuriki Gym heute noch befindet. Schon bald nach Gründung des Gyms begannen die Chakuriki Kämpfer im Ausland zu kämpfen. Dort machte sich das harte Training unter Thom Harinck bezahlt. Nachdem man die Franzosen in die Schranken verwiesen hatte, holte man sich bei Brückners EM 1975 in Berlin drei Titel. Der Name Chakuriki hatte einen festen Platz in der europäischen Kickboxszene gefunden. Nun versuchte Thom Harinck auch in Thailand Fuß zu fassen. Er fuhr 1978 mit fünf Schülern in das Mutterland des Muay Thai. Hier lief es nicht so erfolgreich wie von Europa gewohnt. Alle fünf Kämpfer wurden vernichtend geschlagen, was Thom Harinck zeigte, daß er noch einiges zu lernen hatte. Zurück in Amsterdam wurde die in Bangkok erhaltene Lektion verwertet und das Trainig umgestellt. Wer heute in das Chakuriki Gym kommt, wird ein Training finden, das zu 90% aus Muay Thai besteht. Die Umstellung machte sich bezahlt und schon bald darauf waren die Chskuriki Kämpfer wieder ganz oben zu finden.

Gilbert Bellentine

Auszeichnung für Gilbert Ballentine: Der farbike Leicht-Gewichtler ist einer der besten Fighter des Amsterdamer Spitzendojos.

Konkurrenz aus Japan
Zur selben Zeit begann auch Jan Plaas in seinem Mejiro Gym Kickboxen zu unterrichten. Anders als Harick hatte er seine Kenntnise aus Japan von Kenji Kurosaki. Schon bald entstand das, was man allgemein als „gesunde Konkurrez“ versteht. „Gesund“ mag in diesem Zusammenhang wohl nicht gerade der richtige Ausdruck sein, denn die Kämpfe, die sich die beiden Gyms gegeneinander lieferten, gehörten zu den härtesten der Harten. Begegnungen wie Gilbert Ballentine gegen Milo El Geubli in den achtziger Jahren gingen in die Kickboxgeschichte ein. Doch gerade dieses Verhältnis brachte Holland laut Thom Harinck dorthin, wo es heute in Kick- und Thaiboxen ist, nämlich ganz an der Spitze. Damals versuchte in Amsterdam jeder den anderen zu übertrumpfen, was sich darin niederschlug, daß Kickboxen auf dem höchsten technischen Niveau entstand. 1983 gründete Thom Harinck den MTBN (Muay Thai Bond Netherland), im Jahr darauf die WMTA (World Muay Thai Association) und die EMTA (European Muay Thai Association). Auch hier hatte er das richtige Gespür, denn mittlerweilen zählt die WMTA 47 Mitgliedsnationen. Aber auch bei anderen Organisationen ist Thom Harinck vorne dabei. 1994 wurde er von der IMF (International Muay Thai Federation) zum Europapräsidenten gewählt. 1995 ernannte Montri Mongkolsawad ihn zum Vice Chairman des WMTC (World Muay Thai Council).

Eine eigene Linie von Sportartikeln gibt es aus dem bekannten Dojo, z.B. einen Lederrucksack.

Erfolg auf der ganzen Welt
Aber nicht nur Thom Harinck ist international angesehen, auch seine Fighter sind im In- und Ausland begehrt. Die Chakuriki Kämpfer besitzen auf der ganzen Welt einen guten Ruf, egal ob in Europa, Amerika, Thailand oder auch in Japan, wohin sich die Kickboxszene in den letzten Jahren immer mehr verlagert hat. Gerade dort schaffte Harinck das beinahe Unmögliche und holte sich in Reihe die K-1 Grand Prix Siege von 1993 bis 1995 durch Branko Cikatic und Peter Aerts. Das erklärte Ziel für 1997 ist auch wieder der Sieg des K-1 Grand Prix, der mittlerweilen mit 250.000 Dollar dotiert ist, und erstmals im Tokyoter Stadium, einem Baseball Stadium mit Platz für 60.000 Zuschauer, abgehalten werden soll. Für seine japanischen Fans hat Thom Harinck eine besondere Überraschung bereit. Nachdem er 1994 seinen Rücktritt erklärt hatte, begibt sich Branko Cikatic wieder in den Ring – und das mit 43 Jahren. Der Kroate hat in Japan für vier Kämpfe unterschrieben, danach werde man weitersehen, so Harinck. Und auch für Peter Aerts soll es ein erfolgreiches Jahr werden. Nach seiner Krankheit wieder genesen, sei er zwar noch nicht hundertprozentig der Alte, Harinck meint aber, daß er schließlich noch jung sei, und seine beste Zeit erst in zwei bis drei Jahren erreichen werde. Mit 28 Jahren sei, laut Harinck, das beste Alter für Schwergewichtler, und bis dahin hat Aerts noch Zeit. Nichtsdestotrotz heißt es, erst einmal Erzrivalen Andy Hug zu entthronen und den Sieg des K-1 Grand Prix erneut nach Holland zu holen.

Am Haalstraat 52 liegt das bekannteste Thaibox-Dojo der Welt.

Neue Generation in zwei bis drei Jahren
Soweit die Pläne für das neue Jahr. Neben den Superstars des Chakuriki Gyms zählt Harincks Aufmerksamkeit natürlich auch den jungen Kämpfern wie z.B. Gerald Pique. Diese werden die Stars der kommenden Jahre, so Harinck, und werden in zwei bis drei Jahren ganz oben sein. Im Moment sei er dabei, die fünfte Generation Kämpfer großzuziehen, wobei eine Generation ungefähr fünf Jahre an der Spitze sei. In den nächsten Jahren werden sicher einige der aktuellen Starkämpfer wie Ballentine und Cikatic aus dem aktiven Ringgeschehen zurücktreten, was dann wieder Platz für den Nachwuchs schaffe. Auch für die ganz Kleinen sorgt Harinck schon vor. Das Kindertraining im Chakuriki ist proppenvoll mit kleinen Kämpfern, denen die Handschuhe bis zu den Ellbogen gehen und die Thaiboxhosen bis zu den Knien reichen. Doch der süße Eindruck, den die Kleinen vor dem Training vermitteln, schwindet, sobald sie die ersten Geraden und Lowkicks schlagen. Und ist Harinck selbst anwesend, geben auch die ganz Kleinen ihr Bestes. Spätestens dann besteht nur noch wenig Zweifel, daß man hier die zukünftigen Peter Aerts und Corinne Geeris trainieren sieht. Wie man sieht, hat Thom Harinck alle Hände voll zu tun, sodaß es im Moment so aussieht, daß er auch die nächsten fünfundzwanzig Jahre erfolgreich absolviert.

Coach Thom Harinck

Harinck mit Branco Cikatic (li.) und Peter Aerts

Thom Harincks
persönliche Rankingliste seiner Kämpfer:

1. Branko Cikatic
2. Gilbert Ballentine
3. Peter Aerts
4. Perry Ubeda
5. Patrick Erikson
6. Faisal Reding
7. Corinne Geeris
8. Boulem Bellani
9. Martin van Emmen
10. Gerald Pique

Cynthia Rothrock

Diese Reportage wurde in der Kick Ausgabe 04/97 veröffentlicht und erschien im Juni 1997. Text: Horst Kalcher. Fotos: Horst Kalcher und Archiv Harinck. Der Text dient als Archiv.
Anmerkung: Thom Harinck hat sein Dojo in Amsterdam abgegeben. Er lebt mit seiner Familie im Ruhestand und vergibt Lizenzen für Chakuriki Dojos u.a. in Brasilien und Deutschland.

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