WKA Weltmeisterschaft 1996

Die Stadt der goldenen Dächer Prag war Austragungsort der 2. WKA Amateur Weltmeisterschaft im Semikontakt und Formen. Auf diesem für die WKA noch neuen Gebiet fanden sich trotz der Tatsache, daß dies nach Karlsruhe erst die zweite Weltmeisterschaft dieser Art war, 513 Starter aus 21 Nationen ein. Organisiert wurde das Spektakel von Dr. Michal Frabsa, dem tschechischen WKA-Repräsentanten. Besonderer Dank galt der Firma Jim Beam, die nicht nur als Sponsor tätig war, sondern auch Trinkproben ausgab, womit erklärt werden kann, warum einige Bilder leichte Unschärfen erkennen lassen können. Für die, die Nichts abbekommen haben: selber schuld! Das nächste Mal nach dem Wiegen nicht sofort ins Hotel verschwinden!

WKA Weltmeisterschaft Prag

Kampfrichter Branko Slauf beobachtet einen actionreichen Kampf der starken Damen aus England und Kanada

Kanadisches Team kam, sah und siegte
Das zahlenmässig stärkste Team entsandten, wer hätte das nicht gedacht, die Engländer. Mit rund hundert Athleten waren sie von der Insel angereist. Da es ihnen nicht geglückt war, ein Flugzeug zu chartern, mußten die wackeren Briten die rund dreißigstündige Anfahrt in einem Bus bewältigen. Zeit zum Teetrinken hatten sie dabei sicher genug. Mit neunzig Teilnehmern waren als zweitstärkstes Team die Kanadier dabei. Dank dem organisatorischen Talent von John Douvris, das sich schon bei der IAKSA WM 95 in Kanada abzeichnete, konnte die Strecke Ottawa – Prag doch mit dem Flugzeug absolviert werden. Zum Glück für das kanadische Team. So kamen sie mehr oder weniger ausgeruht nach Prag, was sich auch in der Medaillenbilanz widerspiegelte. In der Nationenwertung waren die Kanadier erfolgreichste Nation mit 12 goldenen, 11 silbernen und 11 bronzenen knapp vor den Briten mit 11 goldenen, 10 silbernen und 9 brozenen Medaillen. Was Flugzeugfliegen alles ausmachen kann. Zur Ehrenrettung der Briten muß betont werden, daß sich die Insu-laner als kampfstärker erwiesen, während die Kanadier einen Großteil ihrer Medaillen bei den Formen gewinnen konnten. Auch das deutsche Team unter Leitung von Klaus Nonnenmacher schlug sich tapfer. 4 mal Gold, 8 mal Silber und einmal Bronze ließen sie in der Nationenwertung ganz nach vorne kommen. Die erfolgreichste Einzelleistung brachte die Kanadierin Bernadette Ambrosia (siehe Interview in dieser Ausgabe). Daß sie neben Kata, wo sie den ersten Platz bei der Freestyle Hard Kata und den zweiten Platz bei der Hard Style Kata belegen konnte, auch noch kämpfen kann, bewies sie eindrucksvoll durch ihren Sieg in der Klasse bis 60 Kg. Dort stand sie im Finale der Deutschen Leyla Uzuntas gegenüber, der sie die Goldmedaille abkämpfen konnte.

Backfist

Schnelle Fauststöße und Backfists gab es in allen Semikontaktkämpfen zu sehen.

Erfolgreiches deutsches Team
Teamkapitän Klaus Nonnemacher konnte durchaus mit dem Erfolg der Deutschen Mannschaft zufrieden sein. Wie erwartet setzten sich Nonnenmacher, Roland Conar und Martin Kilgus durch und wurden jeweils mit Gold belohnt. Die Vierte im Bunde war Anja Binder, die sich bis 65 Kg Gold holen konnte. Ein deutscher Sieg wäre es ohnehin geworden, denn Adriane Doppler war im Finalkampf ihre Gegnerin, die Zweite wurde. Auch Sofia Nemarevic und Leyla Uzuntas mußten sich gegen die starken Gegnerinnen Amanda Quansah aus England und der Kanadierin Bernadette Ambrosia geschlagen und sich mit Silber zufrieden geben. Stefan Zitz bis 60 Kg und Markus Gutensohn über 91 Kg war ebenso der Sieg nicht vergönnt, dafür aber Silber gewiss. WAKO Weltmeister Thomas Pfaffl mußte sich in der Klasse bis 71 Kg mit dem dritten Rang begnügen.

Anja Binder

Die Deutsche Anja Binder errang bei den Damen den einzigen WM-Titel für Deutschland

Auch bei Kata: Kanada vorne
Neben den Semikontaktlern waren die Formenläufer am Start. Und gar Einiges konnte man da sehen. Formen mit langen Stöcken, Formen mit kurzen Stöcken, Formen mit Holzstöcken, Formen mit Aluminiumstöcken, Formen ganz ohne Stöcke, Formen mit Musik und Formen ohne. Im großen und ganzen kann gesagt werden, daß nach wie vor die Amerikaner die Trendsetter im Formenbereich sind, und alles was auf den großen amerikanischen Turnieren geboten wird mit einiger Verzögerung dann auch irgendwann in Europa zu sehen ist. Wer noch immer denkt, Jean Frenette ist der Gott im Formenlauf, ist nicht mehr in. Anstatt in den drei Minuten hunderttausendmal zu kicken sind jetzt hohe Sprünge, Salti und Flickflack das, was die Amerikaner machen und somit zum Trend wird. Dies spiegelte sich auch im Medaillen- klassement wieder. Kaum eine Klasse, in der kein Mitglied des kanadischen Teams auf dem berühmten Stöckchen stand. Der Holländer Sylvester Engellhart war einer der wenigen, die den kanadischen Pulk durchbrechen und sich durchsetzen konnten. Zweimal Gold in Soft Style und Freestyle Soft waren seine Belohnung. Auch Deutschlands weibliches Kata Ass Sandra Hess mußte sich der „Canadian Power“ geschlagen geben und belegte im Freestyle Hard hinter Bernadette Ambrosia Rang zwei. Rang zwei wurde es auch für Andreas Dieckmann im Freestyle Hard hinter Joe Osborn aus Kanada. Bei den Kindern be-stochen vor allem der erst sechsjährige Kanadier Robert Lavoie und die beiden Engländerinnen Chloe Bruce und Emma Elmes, die Frenette im wahrsten Sinne des Wortes „alt“ aussehen ließen. Die Österreicher waren wieder nur mit dem olympischen Gedanken, „dabei sein ist alles,“ am Start. Zwei vierte Plätze durch Herbert Wackerle (Freestyle Hard) und Dominik Rab (Hard Style) waren die magere Ausbeute. Selbst Österreichs Kata-Ass Rüdiger Miller mußte sich mit einem siebten Platz zufrieden geben. Der Ruf Österreichs konnte also wieder einmal nur durch die österreichschen Journalisten beim Whiskeyverkosten gewahrt werden.

Formen Kata

Ein gutes Niveau erreichten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Formenklassen.

Teilweise katastrophale Schiedsrichterleistungen
Als größtes Manko dieser Welt-meisterschaft waren wohl die Schiedsrichterleistungen zu kritisieren. Oft lag die Vermutung nah, als seien sich die Herren mit der Fliege nicht unbedingt sicher, was uns wie werten sollten, und so kam es zu manchen abenteuerlichen Ergebnissen. Während ein Schiedsrichter für einen Fußtreffer zum Kopf zwei Punkte vergab, gab ein anderer nur einen, der Dritte untersuchte gerade, was er sich denn da aus der Nase gepuhlt hatte, sah also nichts und der Hauptkampfrichter war zu sehr damit beschäftigt zu überprüfen ob denn seine Perücke verrutscht sei oder nicht. Wer immer auch den Briten Bruce Moffatt als obersten Schiedsrichter eingesetzt hatte, war sich nicht bewußt, was er denn da getan hatte. Erst als die oberste Schiedsrichterposition in tschechische Hände überging, lief es einigermaßen störrungsfrei weiter. Auch bei den Formen dürften sich nicht alle Anwesenden Punkterichter im Klaren darüber gewesen sein, worum es denn eigentlich geht, und so war man sich nie sicher, ob die Betreffen-den wirklich eine Punktewertung für die Form abgaben oder nur anzeigten wieviele Stunden sie in der Nacht geschlafen hatten. Aber wie es WKA Präsident Paul Ingram so schön erklärte:“ Diese WM hat aufgezeigt, woran es im Semikontakt und Formenbereich bei uns noch zu arbeiten gilt. Es gibt Leute, die sehr gut schiedsen, aber auch Leute die das sehr schlecht tun. Man muß in Zukunft versuchen dies auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und neu beginnen.“ Wahre Worte. Mal sehen ob es das nächste Mal besser klappt.

WKA Germany

Das deutsche Team erreichte Rang zwei im Mannschaftskampf.

Das deutsche Team

Bei den Team-Kämpfen, bei denen fünf Kämpfe ausgetragen werden, und die Mannschaft gewinnt, die zuerst drei Siege erringt, gingen die deutschen Mike Kretschmar, Frank Schweikert, Svonko Griebel, Hasan Arslan, Özdemri Arslan und Kosta Galazios an den Start. Besonders erwähnenswert ist die Leistung von Frank Schweikert, der im Team-Kampf über sich hinauswuchs. Im Halbfinale schlug das deutsche Team in einem harten Kampf die 1995er Team-Weltmeister aus Kanada, wobei diese schon mit 2 zu 1 in Führung lagen und die deutschen Kämpfer sich keine Niederlage mehr erlauben konnten. Im Finale gegen England gab es eine knappe und harte Niederlage. Hätte der Finalkampf noch am Samstag stattgefunden, so hätten die Engländer mit ihrem ursprünglich schwächeren Team antreten müssen. Am Sonntag wurden zwei Kämpfer wegen Verletzung ausgetauscht und durch frische Athleten ersetzt.
Mit dem dritten Platz in der Nationenwertung hinter Kanada und England kann das deutsche Team sehr zufrieden sein. Das gute Ergebnis, wobei England nur eine Goldmedaille mehr errang, läßt auf die WKA-Europa-Meisterschaft ‘96 in Dublin hoffen. Herausragend war die positive Stimmung unter den deutschen Sportlern, die erst am 6. Oktober nach der Deutschen Meisterschaft in Erfurt endgültig nominiert wurden, und schnell zu einem Team zusammenwuchsen.

Roland Conar vs Martin Kilgus

Roland Conar (li.) und Martin Kilgus hatten gut lachen:
sie errangen erneut die begehrten WM-Titel der WKA im Semikontakt.

Resultate: 1996 WKA Weltmeisterschfaft im Semikontakt Kick-Boxen und Formen

Hansi Hinz

Der Bericht wurde in KICK Ausgabe 01/02 1997 veröffentlicht. Fotos und Text: Steve Kainath und Horst Kalcher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*