Benny Urquidez Interview

Das Interview im Interview:
Im Ring und im Training mit Benny Urquidez

Benny beherrscht den gesprungenen Back-Kick meisterhaf. Für ihn ist es der härteste Kick überhaupt.

KICK: Was haben sie getan, wenn sie ihrem Gegner ertmals im Ring gegenübergestanden haben ?

Urquidez: Im Ring muß ich meinen Gegner richtig kennenlernen. In der ersten Runde habe ich seine Waffen getestet, um zu sehen, wo seine Stärken und Schwächen liegen. In der zweiten Runde have ich seinen Körper attackiert, um zu sehen, ob er etwas aushält, ein gutes Kinn hat und ob seine Beine in guter Verfassung sind. In der dritten Runde begann ich, seine Schwächen auszunutzen.

KICK: Warum haben sie damit bis zu dritten Runde gewartet ? War das nicht zu spät bei einem aggressiven Gegner ?

Urquidez: Normalerweise ist das ein guter Weg, um die Qualitäten des Gegenübers herauszufinden. Ein richtiger Profi muß jeoch nicht bis zur dritten Runde warten, er kann schon nach der ersten Runde an die Arbeit gehen. Für mich war das einfach mein normaler Anfang. In den ersten drei Runden habe ich mich praktisch aufgewärmt. Ich würde es jedoch nicht jedem raten. Ein Amateur hat z.B. nur drei Runden um einen Kampf zu gewinnen. Er muß seinen Gegner bereits in der ersten Runde durchschauen.

KICK: Wie erkennen sie die Schwächen ihres Gegners ?

Urquidez: Zuerst muß man herausfinden, was hinter den Waffen des Gegners steckt. Man sieht dann, wie schnell und genau er ist und wieviel Dampf dahinter steckt. Wenn der Gegner gut boxen kann, muß man daran vorbei an die Schwachstellen kommen, z.B. an die Nieren, die Leber, etc. mit harten Kicks. Wenn er gute Beine hat, muß man sie dadurch neutralisieren, in dem man näher kommt, und den Körper bearbeitet. Man testet seine Waffen am besten, wenn man sie blockt. So weiß man, woran man ist, ohne später die volle Wucht spüren zu müssen.

KICK: Haben sie die Größe ihrer Gegner zum Anlaß genommen, ihre Taktik zu ändern ?

Urquidez: Die Strategie spielt sich immer auf der mentalen Ebene ab. Physisch habe ich alle gleich behandelt. Wenn ich sage, daß ich gegen alle gleich gekämpft habe, dann meine ich, daß ich alle hart getroffen habe, und zwar an den empfindlichen Stellen. Wenn man gegen einen großen Fighter antritt muß man hart kämpfen, und zwar dicht am Körper. Einen kleineren Fighter bearbeitet man mehr von außen. Einen größeren muß man damit bekämpfen, daß man nah an ihn rankommt und gerade trifft, weil er einen Reichweitenvorteil hat. Wenn man nah am Mann ist kann er mit seinen starken Waffen nicht verletzen. Ein kleinerer bewegt sich so schnell wie ich, so daß ich auf Distanz bleibe, um von seinen Waffen nicht getroffen zu werden.

KICK: Wieviel sollte man jeden Tag trainieren ?

Urquidez: Ein Profi sollte rund vier Stunden pro Tag trainieren, aber nicht an einem Stück. Man muß das Training verteilen. Morgens sollte man eine Stunde laufen, nachmittags zwei Stunden hart trainieren, abends eine gute Stunde locker üben. Auf diesem Weg fällt einem das Trainingh sehr leicht, es wird zum natürlichen Tagesablauf. Ein Berufstätiger würde das ganze in einem zwei bis drei Stunden dauernden Workout an einem Stück absolvieren, zu einem Zeitpunkt der ihm durch seinen Tagesablauf diktiert wird.

Benny Urquidez

Bill Wallace und Benny Urquidez (re) bei einem Fotoshooting in Los Angeles. Foto: Deubner.

KICK: Wie härten sie ihre Beine gegen die Kraft der Lowkicks ab ?

Urquidez: Man muß seine Beine so trainieren, daß sie den Schmerz der Angriffe akzeptieren, ohne daß sie in einem Schockzustand verharren. In Thailand kickt man mit seinem Schienbein gegen einen Baum, der einen harten Kern, aber eine weiche Haut besitzt. Wir simulieren das dadurch, daß wir einen Stab nehmen und ihn polstern. Dadurch verhindern wir, daß die Haut Schaden nimmt. Das Problem mit den Lowkicks ist, daß man sich daran gewöhnen muß. Normalerweise erfahren wir nie einen solchen Schmerz, wie ihn diese Techniken verursachen.Als natürliche Reaktion setzt der Körper einem Schockerlebnis von noch nicht erfahrenem Schmerz eine Schutzfunktion entgegen: Er will aufgeben. Man muß sich also daran gewöhnen, zuerst langsam und konstant, dann durch Steigerung.

KICK: Was ist ihrer Meinung nach der kraftvollste Kick ?

Urquidez: Ein gesprungener Back Kick aus der Drehung ist am kraftvollsten, weil man praktisch in den Gegner hineinspringt, mit einer Technik, bei der man mit dem eigenen Knochen zuerst trifft. Das erlaubt eine viel höhere Kraftentfaltung als z.B. ein runder Fußstoß. Der gesprungene Backkick ist der kraftvollste und zugleich gefährlichste Kick in den Martial Arts.

KICK: Wie wichtig ist richtiges Timing ?

Urquidez: Timing ist sehr wichtig. Wenn man mit einem großen Gegner im Ring steht, der nicht ganz so schnell ist, muß er den Mangel von Geschwindigkeit mit gutem Timing ausgleichen. Ein kleiner und schneller Mann braucht das nicht so stark, er kann sich auf seine Geschwindigkeit verlassen, größere und langsamere Leute brauchen es jedoch umso mehr.


Andre Lima

Dieses Interview führte Andre Alex Lima (links). Es Erschien in Ausgabe 8-1995 und war Teil der Titelgeschichte.

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