73. Deutsche Meisterschaft im Amateurboxen

Um es vorwegzunehmen: Die Überraschungen blieben bei den 73. Deutschen-Amateur-Box-Meisterschaften vom 17. bis 21. Oktober in der Duisburger Rhein-Ruhr-Halle aus. Von den als Favorit gestarteten Boxern patzte nur der Berliner Halbschwergewichter Thomas Ullrich. Hatte Ullrich im Vorjahr noch Serienmeister Sven Ottke klar besiegt und auch bei der diesjährigen WM eine gute Figur abgegeben, so mußte er sich dem früheren Junioren-Weltmeister Torsten Bengtson (Schwerin) geschlagen geben. das allerdings werteten nicht alle als totale Überraschung.

Schmerzensgeld
in Duisburg

Torsten Bengston

Torsten Bengston siegte über den Favoriten Thomas Ullrich

Thomas Ullrich muß doch erst mal verkraften, was für ein Rummel um seine Person entfacht ist. „Profi-Angebote mit Riesensummen können einen jungen Boxer eben auch verunsichern,“ meinte Bundetrainer Helmut Ranze, der ansonsten ein positives Fazit zog. Zumindest was den sportlichen Teil in den meisten Gewichtsklassen anbetraf. Denn für manche Vorstellungen hätte man – so Ranze – „den Zuschauern Schmerzensgeld zahlen müssen.“ Damit waren vor allem die Kämpfer im Schwer- und Superschwergewicht gemeint, deren Kampfesführung nicht immer Meisterschaftsniveau erreichte. Die „Schmer-zensgeldzahlungen“ wären auch bei kleinem Etat ohne weiteres möglich gewesen, war das Besucherinteresse bescheiden. Rund 4.000 Besucher zählten die Verantwortlichen, die richtige Zahl dürfte niedriger gelegen haben.

deutsche Meisterschaft

Rene Schultz verteidigt sich gegen Weltmeister Zoltan Lunka

Entscheidungen im Hinblick auf die Nominierungen für den Olympiakader 1996 in Atlanta/ USA sind in Duisburg noch nicht gefallen. Sowohl Dirk Eigenbrodt (Mittelgewicht), der sich dem wiedererstarkten Sven Ottke beugen mußte, als auch Thomas Ullrich und der verletzte Halbfliegengewichtler Jan Quast (Bayer Leverkusen) haben noch einige Chancen, um auf den Olympiazug aufzuspringen. Neben guten Leistungen in der Bundesliga, steht im kommenden Jahr auch noch der Chemie-Pokal in Halle und die Europameisterschaft in Dänemark auf dem Programm, ehe die Koffer für die Reise über den großen Teich gepackt werden müssen. Herausragend waren die Leistungen von Sven Ottke, der seinen zehnten Meistergürtel gewinnen konnte, nachdem er im Finale Dirk Eigenbrodt mit 16:10 Trefferpunkten besiegen konnte und nunmehr in der ewigen Rangliste aller Deutschen Meister hinter Peter Hussing (Brabach/ 16 Titel) auf den zweiten Rang vorrückte. Und Oktay Urkal punktete den Militärweltmeister Steven Küchler deutlich mit 33:11 Trefferpunkten aus, wurde dafür als Bester Boxer des Turniers ausgezeichnet.

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Rene Schultz verteidigt sich gegen Weltmeister Zoltan Lunka

Fest steht hingegen, daß der halbschwere Bert Schenk (Berlin) keine Möglichkeiten mehr hat, ins Olympiageschehen einzugreifen. Der muskulöse Schenk unterschrieb bei der Universum-Box-Promotion einen Profivertrag und wird im Februar in Cottbus sein Debüt geben. Aller Voraussicht nach wird er jedoch schon bald wieder im alten Kreise trainieren, denn spätestens nach Olympia werden viele Amateure zu den Profis abwandern.

Die neuen Deutschen Meister auf einen Blick

Halbfliegengewicht: Marcel Wagner (BC Chemnitz)
Fliegengewicht: Zoltan Lunka (SV Halle)
Bantamgewicht: Dirk Krüger (TSC Berlin)
Federgewicht: Falk Huste (Frankfurter Boxring)
Leichtgewicht: Heiko Hinz (Schweriner SC)
Halbweltergewicht: Oktay Urkal (NSF Berlin)
Weltergewicht: Andreas Otto (Frankfurter BR)
Halbmittelgewicht: Markus Beyer (Spandauer BC)
Mittelgewicht: Sven Ottke (Karlsruher SC)
Halbschwergewicht: Torsten Bengtson (Schweriner SC)
Schwergewicht: Luan Krasniqi (BSV Rottweil)
Superschwergewicht: Timo Hoffmann (SV Halle)

Sven Ottke

Alle Meister bei der Siegerehrung

Kicksider Kick Illustrierte 02-1996
Dieser Bericht erschien in Ausgabe 01/02 1996 und wurde von Tobias Drews erstellet.

Category: Boxen

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