Kickaerobic

Sie finden Kampfsport interessant, haben aber keine Lust, sich den stileigenen Ritualen wie Gi und Gürtel zu unterziehen? Sie sind auch von Aerobic angetan, es hat allerdings ein bißchen den Reiz des Neuen verloren?

Eine Mischung aus Kickboxen und Aerobic soll neuen Schwung in deutsche Dojos bringen. Erste Seminare mit US-Pionier John Graden finden bereits im Herbst statt. Vera Meusel berichtet im Vorfeld.

Dann können Sie nun beruhigt in die Zukunft blicken, denn es ist wieder einmal soweit: Kickaerobic, ein neuer Boom aus den USA, greift auf Deutschland über (KICK berichtete bereits in der Ausgabe 04/97 über diesen neuen Trend aus den USA). Kickaerobic – anderswo nennt man es Cardio-Karate, Aero-Kick oder auch Cardio Kickboxing (Begriffe sind zum Teil rechtlich geschützt) – ist jenseits des großen Teiches mittlerweile in aller Munde und wird bereits in vielen Sportstudios angeboten. Es ist eine gekonnte Mischung aus traditionellen Karate-Techniken und einer Aerobicstunde, die Grund-lagen der Selbstverteidigung gepaart mit Fitneß- und Kondi-tionstraining.Vorreiter dieser Bewegung ist vor allem John Graden, auch der „Bill Gates“ der Martial Arts genannt. Er hat das geschafft, wovon so manch ein Sportler träumt: das Hobby zum Beruf und sich selbst damit zum Millionär zu machen. John Graden, Kämpfer, Trainer, Autor („Black Belt Management“), Gründer der National Association of Professional Martial Artists (NAPMA) und der ersten in den USA verbreiteten Martial Arts Zeitschrift für Budosportprofis „Martial Arts Professional“ (MAPRO), hat die Marktlücke entdeckt: „Es sind zumeist Kinder, die sich mit Begeisterung und Elan ihrem Kampfsport hingeben, so fühlen sich die Erwachsenen zwischen 18 und 35 weit weniger von den Ritualen und der Härte dieser Sportarten angezogen.“ Und welcher Durchschnittserwachsene findet schon die Zeit, sich neben seiner beruflichen Karriere und seiner Familie auch noch an zwei bis drei Tagen in der Woche einem intensiven Training zu widmen? Und: Viele Dojo- und Studioleiter unterrichten noch nach den überlieferten rauhen Methoden, mit denen sie selbst vor vielen Jahren erfolgreich wurden. Das mag nun nicht weniger von Erfolg gekrönt sein, allerdings verschreckt es viele Schüler. Wer mag heute noch Abhärtungstraining für die Handknöchel und endlose Liegestütz über sich ergehen lassen? Graden ist sich dieser modernen Einstellung bewußt: „Es ist die größte Angst der meisten Erwachsenen vielleicht dumm und ungeschickt zu wirken.“ Obwohl vermutlich jedem klar ist, daß „noch kein Meister vom Himmel gefallen ist“, möchte es doch niemand so recht auf sich beziehen. Auch wollen sich die meisten Menschen in ihrer ohnehin knapp bemessenen Freizeit nicht mit komplizierten Techniken und einer straffen Dojo-Etikette konfrontiert sehen. Der schnelle Erfolg zählt – im Beherrschen der Übung und möglichst auch im Kalorienverbrauch. Die eigene Figur steht vor allem beim Fitnesstraining der Frauen im Vordergrund.
Aus diesen Überlegungen entstand Kickaerobic. Mit einfachen Bewegungsabläufen und intensivem Herz-Kreislauf-Training die ideale Kombination für jedermann und -frau. Und auch die finanzielle Seite ist erfreulich günstig: Normale Sportbekleidung, Turnschuhe und höchstens leichte und nicht allzu teure Boxhandschuhe reichen völlig aus. Es wird nicht gegeneinander gekämpft, wie das bei verschiedenen Kampfsport-arten erforderlich ist. Hier entspricht der Aufbau des Unterrichts eher den Gruppen herkömmlicher Aerobic-Klassen. Das bedeutet: weniger Verletzungsrisiko – mehr Spaß. Damit ist eines ganz klar: Kickaerobic ist kein Ersatz für das traditionelle Karate, Kickboxen oder andere Stile. Im Gegenteil, es ist eine willkommene Bereicherung, die vor allem die Spaß-Komponente in den Vordergrund bringt, aber auch Aspekte der Selbstverteidigung einbezieht. Ein Angebot, was sich vordergründig an die etwas älteren Jugendlichen und Erwachsenen richtet, die schon voll im Berufsleben stehen.

John Graden

John Graden (re.) wird am 27.-28. September 1997 in Hamburg erstmals den neuen Trendsport aus den USA vorführen. Infos: Geert Lemmens

Während Ihre Kinder vom Schwarzgurt träumen und darauf hin trainieren, können Sie sich schon auf eine durchtrainierte Figur, eine ausgezeichnete Kondi-tion und wohl auch ein bißchen mehr Selbstsicherheit im Alltag freuen. Es handelt sich nicht nur um Aerobic. Es kann durchaus sein, daß Einsteiger durch den Enthusiasmus für das Training nicht doch noch Ihre Liebe für eine der bisher gar nicht beachteten Kampfsportarten entdecken?

Dieser Artikel erschien in Ausgabe 10/97. Weieter informationen zu John Graden gibt es unter der Webseite www.martialartsteachers.com. Geert Lemmens: www.kadgamala.de.

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