US Open 1996

Größer, besser, spektakulärer, drei Schlagworte, die auch 1996 wieder für die US-OPEN in Orlando/Florida voll zur Geltung kamen. Diese – auch in Europa immer beliebter werdende Veranstaltung im Urlaubsziel Nr. 1 im Süden der USA, zog mehr als 2.000 Teilnehmer aus der ganzen Welt in ihren Bann, um in den Kategorien Formen, Waffenformen und Semikontakt-Kickboxen um die Preisgelder und die, wie immer, riesigen Trophäen zu kämpfen. Ein Bericht von Rüdiger Miller.

Triumph bei Mickey Mouse
Karlsruher Roland Conar gewinnt US-Open in Florida

Roland Conar

Grand Champion: Roland Conar

Der Austragungsort der Veranstaltung in Orlando war das Twin Towers Hotel am Eingang der weltberühmten Universal Studios gelegen, was es für die Athleten angenehmer machte, da sie von ihren Hotelzimmern mit dem Aufzug direkt in die Halle gelangen konnten und sich lange Anfahrtszeiten im, zu dieser Jahreszeit, überfüllten Orlando ersparten.

Day 1
Der Freitag war ganz den Team-kämpfen, Seminaren und dem Bruchtest-Wettkampf gewidmet. Zu Beginn, gegen 17.00 Uhr gaben Mike Chaturantabut , WAKO-Weltmeister und Nr. 1 der NASKA im Bereich Musikformen und Waffen sowie Hoyoung Pak, langjähriger Champion der NASKA in der Kategorie Soft-Style, jeweils ein einstündiges Seminar über Stretching, Kicking und Sprungtraining, das bei den über 100 Teilnehmern großen Anklang fand. Anschließend wurde der Meister im Bruchtest ermittelt, gefolgt von den Teamkämpfen, die das Highlight dieses Tages bildeten. 18 nationale und internationale Mannschaften (Schweiz, Deutschland,…) zu je 3 Teammitgliedern kämpften um die Krone der MACHO-Team-Challenge. Auch aus Deutsch-land waren zwei Teams angereist, Unter Führung von WAKO-WM Martin Kilgus kämpfte sich das Team, das noch aus Roland Conar und Svonko bestand, bis ins Viertelfinale vor, wo es leider unterlag. Das zweite deutsche Team aus dem Kyoshinkai-Karate-Lager, das auf das Vollkontakt spezialisiert ist, unterlag schon in Runde eins deutlich seinen Gegnern aus den USA. Sieger und somit zum vierten Mal Champion in Folge wurde das John-Paul-Michell-Team unter Führung von Coach Don Rodriguez. Die drei Kämpfer, Weltmeister Pedro Xavier, Neuzugang Brian Ruth und Veteran Richard Plowden ließen keinem ihrer gegnerischen Teams auch nur den Hauch einer Chance um nur in die Nähe des Sieges zu kommen. Sie gewannen jeden Kampf überlegen und sicherten sich den Sieg und die Prämie ohne Niederlage.

Svonko

Das deutsche Team in Stars’n’Stripes: Svonko Gribl, Martin Kilgus und Roland Conar.

Day 2
Wie bei den nahezu perfekt organisierten Turnieren der NASKA so üblich, begannen um Punkt 9 Uhr die Formenwettkämpfe in 3 Hallen auf 28 Kampfflächen gleichzeitig. Nach Beendigung der Waffenformen gegen 10.30 Uhr wurde das Geschehen sofort mit den traditionellen und freien Formen fortgesetzt. Um ca. 12 Uhr waren die Formenwettkämpfe abgeschlossen und es konnten die ersten Paarungen im Semikontakt ausgelost wurden. Da in Amerika von jeher das System der Startkarten bevorzugt wurde gab es auch hier kaum Verzögerungen im Ablauf. So wurde diese , für europäische Verhältnisse „unglaubliche“ Teilnehmerzahl auch in einer ebenso unglaublich kurzen Zeit „abgefertigt.“ Wo europäische Veranstalter, bei mehr als 200 Startern teilweise überfordert sind und diese bis weit in die Abendstunden auf die Kampffläche schicken, beendeten die Amerikaner ihr Turnier gegen 17 Uhr samt allen Finalkämpfen.

In der Pause zwischen dem offiziellen Ende der Veranstaltung und der (Nighttime-Show gegen 19 Uhr, wurde die komplette Haupthalle bestuhlt, die Licht- und Tonanlage aufgebaut und Fernseh- und Videokameras installiert. Um 18.30 Uhr wurden die Türen für die Zuschauer geöffnet und um 19.15 Uhr, mit kleiner Verspätung, die Show von Veranstalter Mike Sawyer vor ausverkauftem Haus eröffnet.

Nach dem Abspielen der Nationalhymne und einer Nunchaku-Demonstration betraten die Gewinner der Waffenkategorien der Jugend und Junioren die Bühne. War es Nervosität oder schieres Pech der Teilnehmer, auf jeden Fall landete an diesem Abend mehr als nur eine Waffe auf dem Bühnenboden. Zu Beginn seiner Form verlor der Kalifornier Jimmy Pham eine seiner Kama, setzte seine Form fehlerlos fort, bekam aber trotzdem keine Wertung. Ebenso Casey Marks, der Champion des letzten Jahres. Sie konnte ihren Bo nach einer Luftdrehung nicht mehr rechtzeitig greifen und dieser schlitterte über die Bühne. Ebenfalls keine Wertung für sie. Einzig Jennifer Santiago aus New York zeigte eine perfekte Kama-Form und wurde so, doch etwas unglücklich über die Art des Sieges, Grandchampion.
Die beiden nächsten Programmpunkte waren der Damen- und Senioren-Semikontakt-Grandchampion. Zum zweitenmal wurde nun der Nachwuchs auf die Bühne gebeten, um diesmal den Formen-Grandchampion auszutragen. Hier lieferten sich, wie schon im Vorjahr der aus New York stammende Kingston Ng und der Kalifornier Jimmy Pham ein Kopf an Kopf-Rennen. NG letztjähriger Gewinner des Turniers, der durch seine explosiven Kicks und hervorragende Sprungtechniken beeindruckte, verlor nur um 2/100 Punkte den Pokal und das Preisgeld an seinen Konkurrenten, der mehr auf Akrobatik und Show setzte.

Mike Chat

Mike Chaturantabut

Nach einer Pause wurde das Programm dann mit den Waffenformen der Erwachsenen fortgesetzt, welche wie schon im Vorjahr, der Kalifornier Mike Chat, der 1995 auch WAKO-WM in dieser Kategorie wurde, mit großem Vorsprung, für sich entschied. die Bühne wurde nun kurz umgebaut und es konnte sofort mit den drei Grand Champion-Kategorien im Semikontakt weitergemacht werden. Leider fiel gleich der erste der drei Kämpfe aus, da sich Finalist Hector Santiago, der zuvor Pedro Xavier mit 5:4 Punkten ausschaltete, in diesem Kampf so schwer verletzte, daß er die Teilnahme am GC absagen mußte. So wurde er kampflos zum Sieger erklärt. Kampf Nr. 2 war dafür die überraschung des Abends. Hier stand der deutsche Ausnahmekämpfer Roland Conar aus Karlsruhe als einziger Nicht-Amerikaner im Finale. Conar, der sich schon in den Vorkämpfen in absoluter Bestform zeigte, hatte es mit seinem Gegner Richard Perry aus Boston aber nicht leicht. Der Kampf wogte hin und her, bis kurz vor Schluß, als Conar mit zwei blitzschnellen Attacken die Führung übernahm und diese bis zum Schluß auch beibehielt. Nach dem Schlußgong applaudierte das amerikanische Publikum lautstark einem überglücklichen Roland Conar, der somit der erste Europäer ist, der jemals ein Großereignis der NASKA als Grand-Champion und in diesem speziellen Fall, als ISKA-World Champion, verlaßt. Auch im 3. Kampf, dem Schwergewicht, ging es noch einmal hart zur Sache. Der New Yorker Jerry Fontanez, vielen noch von der WAKO-WM 1993 in Atlantic City in Erinnerung, verlor hier knapp gegen einen Fighter aus Orlando.

Mike Sawyer

Veranstalter Mike Sawyer überreciht den Pokal an Roland Conar.

Das vorletzte Event dieses Abends war der Damen-Formen-Grandchampion. Hier war, im Gegensatz zum Vorjahr, das Niveau sehr hoch und die Gewinnerin aus Kalifornien schloß ihre Soft-Style-Form mit einer perfekten 10er-Wertung von allen 7 Kampfrichtern ab. Sie verwies damit ihre Landsfrau Michelle Krasnoo auf Platz 2, die auch diesmal wieder mehr auf Show und Aussehen setzte, als auf Technik.
Zuguterletzt und als Höhepunkt des Abends betraten die Gewinner der Herrn-Formen-Kategorien die Bühne. Schon zu Beginn wußte man, daß dieser GC zwischen drei Teilnehmern ausgetragen werden würde. Alle drei sind Mitglieder im JPM-Team und namentlich jedem Kampfsportler der NASKA sicherlich ein Begriff. Mike Chat, John Valera und Kevin Thompson. Und genau diese Reihenfolge wurde beibehalten. Kevin Thompson mit seiner ausdrucksstarken traditionellen Form, John Valera mit seinen unglaublichen Sprungkicks und Mike Chat mit einer Symphonie aus Technik und Show waren am Ende gerade einmal 2/100 Punkte voneinander entfernt. Mike, der an diesem Tag nun seinen zweiten Grand Champion-Pokal in Empfang nahm, wußte aber auch, daß sich diese Reihenfolge schon beim nächsten Aufeinandertreffen dieser drei ändern könnte.
Nach Ende der Abendgala ging es noch zur „Victory Party“, bei der alle Teilnehmer und Gäste noch bis in die frühen Morgenstunden ausgelassen feierten.

Mike Chaturantabut

Bericht erschien in KICK Ausgabe 10 /1996.

Autor: Rüdiger Miller

 

Category: Point Fighting

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