Powernight Thai-Kickboxing Gala

Erneut erhält die 18-jährige Karlsruherin Regina Halmich Ende 1993 die Chance, als erste Deutsche einen Europameistertitel der WKA im Profi-Damen-Kickboxen zu erreichen. Es gilt, die erfahrene Französin Veronique Lelouer zu besiegen. Weiterer Höhepunkt: Der “Super-Prestigaght” im Croisergewicht zwischen Lokalmatador Maus Nonnemacher und dem Troisdorfer Jörg Karasch. 800 Zuschauer erwarten eine Actiongeladene Thai-Kickboxing Gala.

Regina Halmich

Regina Halmich kickt gegen Veronique Lelouer.

Promoter Jürgen Lutz firmiert für die Gala in der Karlsruher Carl-Benz-Halle unter seinem erfolgreichen Promotionlabel “Royal Promotion”. Dennoch hält sich die Resonanz in Grenzen, fehlen insbesondere die Publikumslieblinge Georgis Peresteris und Frank Scheuermann. Peresteris hatte sich wenige Tage zuvor einen Muskelfaserriß zugezogen, und Scheuermann stand in den Vorbereitungen für seinen Kampf gegen den Hamburger Bruce Özbek.

KO in Runde 1
Nach zahlreichen Vorkämpfen in der B- und C-Klasse kommt es in der Auseinandersetzung zwischen Lokalmatador Karalambos und dem Fuldaer Ildemir Bagram, der für den Neuenstädter Wolfgang Körner einspringt, zum ersten Höhepunkt. Dieser Kampf, der auf 5 Runden mit Lowkicks angesetzt ist, endet schnell. Der Favorit Karalambos befördert seinen Aushilfsgegner bereits in der ersten Runde mit einer krachenden Rechten ins Land der Träume.

Thai-Kickboxing Karlsruhe

Schnelles Ende in den Vorkämpfen.

Comeback
Kurz vor der Pause feiert Lokalmatador Mehmet Kaya nach gut zweijähriger Ringpause sein Comeback gegen den Frankenthaler Orhan Celik Der 20-jährige Karlsruher, der vor zwei Jahren in der Europahalle den Deutschen Meister in Thaiboxen nach Version des MTBD, Perez, deklassierte, zeigte, daß er auch ohne Lowkicks ein absoluter Feger im Ring ist Celik blieb chancenlos. In der zweiten Runde lief der 22 Lenze zählende Frankenthaler voll in die harte Rechte Kayas hinein und geht schwer angeschlagen zu Boden, Zwar kann er sich mit einiger Mühe wieder auf die Beine bringen, doch der Kampfrichter zählt den benommenen Fighter gnadenlos aus. Ein erfolgreiches Comeback für Mehmet Kaya, dessen Kampfrekord nun bei 21 Siegen in 26 Kämpfen steht Bei seinem nächsten Kampf wird Kaya trotz dieser guten Leistung eine weitere Steigerung vollbringen müssen. Er soll demnächst in Paris gegen den starken Holländer Ramon Dekkers antreten.

Demos des German Power Teams
Nach der Pause geht es weiter mit Demonstrationen des German Power Teams von Hansi Hinz, der nebenbei die gesamte Veranstaltung moderiert. sein Team, bestehend aus Ali Engin, Roland Conar, Robert Ulbrich und Alexandra Mirai, zeigt einen Querschnitt aus dem bekannten Semikontakt Training. Im nächsten Fight geht es weiter mit Juri Wegelin aus dem Bulldog Gym und dem Türken Sami Akin, der für den Speyerer Habisreiter einspringt Nach drei Runden kann Wegelin einen knappen Punktsieg verbuchen.

EM-Fight
Der Hauptkampf des Abends steht an: Regina Halmich und Veronique Lelouer streiten um die vakante Europameisterschaft der WKA in der Klasse bis 50 Kg. Die 18-jährige Lokalmatadorin hatte bereits im März in der Europahalle versucht, einen EM-Titel zu erringen. Damals scheiterte sie an der Italienerin Maria Tabuso, vornehmlich, weil sie versäumte, ihre Kampfesvorteile im letzten Kampfdrittel zu verteidigen, und die Initiative der Gegnerin überließ. Diesen Fehler wollte sie diesmal nicht wiederholen. Regina Halmich beginnt ihren 19ten Kampf mit großem Elan. In den ersten vier Runden ist sie klar besser als ihre Kontrahentin, trifft mit guten Boxtechniken und erschütterte die Französin mehrmals mit ihrer harten Rechten. Zu Beginn der fünften Runde läßt die Lokalmatadorin nach und es scheint, als würde sie denselben Fehler begehen wie bei ihrem vergeblichen Titelanlauf gegen Tabuso. Doch der Schein trügt, Regina Halmich hat sich schnell wieder gefangen und dreht in den letzten beiden der insgesamt sieben Runden auf. Auch wenn sie den Aufrufen ihres Trainers Jürgen Lutz, mehr mit Lowkicks zu aggieren, nicht immer promt nachkommt, gestaltet Regina den Kampf eindeutig. Sie verläßt sich auf ihre guten Handtechniken, mit denen sie selbst in der letzten Runde noch etliche Wirkungstreffer landet. Mit ein wenig mehr Erfahrung wird sie in Zukunft sicher auch am Kampfende die Ratschläge aus der Ringecke besser befolgen können.

Regina Halmich

Henk Verschuur hebt Regina Halmichs Hand zum Sieg.

Klarer Punktsieg Am Ende der Kampfdistanz gibt es für die Punktrichter nur eine Lösung: Sie erklären Regina Halmich einstimmig zur neuen Europameisterin. Alle drei Jiris werten den Kampf mit 69 zu 66 Punkten für die Lokalmatadorin, die mit dieser tollen Leistung ihren 16ten Sieg verbuchen kann.

Aufholjagd
Der Karlsruher Schwergewichtschampion der WKA Ergin Solmaz, springt im vorletzten Kampf gegen den Augsburger Perchanidis ein. Nachdem die ersten vier Runden mit klaren Vorteilen für den Gast enden, holt der Karlsruher in der fünften und letzten Runde enorm auf und schickt seinen Widersacher mit einer Kombination von Fausttreffern kurz vor Ende des Kämpfes zu Boden. Ergin Solmaz gewinnt somit glücklich durch Ko.

Klaus Nonnemacher trifft Karrasch mit einem perfekten Backkick.

Nonnemacher verletzt
Abschließend kommt es zum “Super-Prestige-Fight” zwischen Klaus Nonnemacher und Jörg Karasch, dem aufstrebenden Troisdorfer Talent, das bereits nach dreijährigem Training ganz weit oben in den Ranglisten der Verbände MTBD und IKBF zu finden ist. Nonnemacher, um drei Kilo leichter als sein Widersacher, geht in einer schlechten Verfassung in den Ring. Durch sein Engagement, die Veranstaltung durch eigene Promotion zu unterstützen, hat er das Training sträflich vemachläßigt, wofür er gleich zu Beginn der ersten Runde bestraft wird. Eine harte Rechte trifft ihn beim Gongschlag zur Pause, so daß ihn der holländische Unparteiische Henk Verschuur zu Beginn der zweiten Runde anzählt In der zweiten Runde wird deutlich, daß Nonnemacher den Kampf gegen den Schützling von MTBD-Trainer Reiner Brosio an diesem Tag kaum gewinnen kann, auch wenn er gelegentlich mit Sprungkicks seine technische Klasse demonstriert. Von seiner Bestform ist der Karlsruher Sportstudent am heutigen Tage weit entfernt Die dritte Runde bringt für ihn das vorzeitige Aus. Als Karasch ihn in die Ecke drängt und mit einem Lowkick maltretiert, verletzt sich der Karlsruher am Knie. Der Kampf wird abgebrochen und Jörg Karasch zum Sieger durch technischen Ko erklärt Klaus Nonnemacher wird mit dem Sanitätswagen ins Krankenhaus transportiert, wo man ihm einen Bänderabriß diagnostiziert, der in den. Folgetagen operativ behandelt werden muß.

Fazit
Dank des eindrucksvollen Comebacks von Mehmet Kaya und dem überzeugenden Titelgewinn von Regina Halmich ist die Gala trotz der bescheidenen Zuschauerzahlen und der Verletzung von Klaus Nonnemacher ein guter sportlicher Erfolg. Die näcste Gala steht für den 9. April 1994 an. Dann soll Frank Scheuermann in der 4.000 Zuschauer fassenden Europahalle seinen alten WM-Titel von Winston Walker zurückholen dürfen.


Der Troisdorfer Schützling von Reiner Brosio, Jörg Karasch (oben, in dunklen Shorts) gewinnt durch Abbruch in der dritten Runde über den verletzten Karlsruher IKBF-Weltmeister Klaus Nonnemacher.


Ferdinand Mack

Diese Reportage erschien in der Januar Ausgabe 1994.

Category: Kickboxen

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