Pentjak Silat Champion

Jodeln kann er als Wiener nur im begrenzten Ausmaß, dafür ist er weltweit der erfolgreichste Ausübende einer Sportart, die die meisten Österreicher nicht einmal aussprechen können: Pentjak Silat. Zweifacher Welt­meister im Seni (Formen) sowie zweifacher Vize­welt­­meister im Kampf und in den Gruppenformen machen ihn in dieser von Indonesiern beherrschten Kampfkunst zur Aus­nahme­erscheinung.

Norbert Plassnigg

Norbert Plassnigg – Ein Österreicher ist weltweit der erfolgreichste Pentjak Silat Formenläufer


Kampfkunst aus Indonesien
Pentjak Silat stammt aus dem Gebiet Indonesien und Malaysien. Übersetzt bedeutet Pentjak Silat soviel wie „kunstvolles Kämpfen“. Charakteristisch sind die Nachahmungen, ähnlich wie beim Kung Fu, von Tierbewegungen und der Wechsel zwischen langsamen und schnellen Techniken. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den regionalen Stilen, was sich besonders im Formenbereich niederschlägt. Als Wettkampfform wurden von der IPSI (Internationale Pentjak Silat Vereinigung) Kampf und Formen festgelegt. Beim Kampf (Olah Raga) wird ein Brustschutz getragen, die Tech-niken werden mit vollem Kontakt ausgeführt. Bei den Formen (Seni), die mit und ohne Waffen und in der Gruppe jeweils mit Musik ausgeführt werden, wird großer Wert auf die Rhythmik und Ästhetik des Ausübenden gelegt. Dies läßt zwar des öfteren den Eindruck eines Tanzes als einer Kampfform aufkommen, aber wer Pentjak Silat Kämpfe gesehen hat, wird schnell davon überzeugt sein, daß es sich um einen sehr gefährlichen Tanz handeln kann, den ausgerechnet ein Wiener tanzen kann wie kein anderer: Norbert Plassnigg.
Am Anfang war Jujutsu
Begonnen hat die Kampf­sportkarriere des mittlerweilen 33 jährigen Norbert Plassnigg, wie so oft in Österreich der Fall, mit Jujutsu. Schon im zarten Kindesalter machte er das erste Mal Kontakt mit wienerischen Judomatten. Mit elf Jahren kam es zu einer für ihn schicksalhaften Begegnung. Plassnigg traf auf Frans Harivijadi, der gerade aus Indonesien zurückgekehrt war und in Wien begann Pentjak Silat zu unterrichten. Der kleine Norbert entdeckte, daß ihm die neuen Bewegungen weitaus mehr zusagten als das herkömmliche Jujutsu und began so die indonesische Kampfkunst zu trainieren. Dem Jujutsu blieb er aber trotzdem treu. Er absolvierte noch die Prüfung zum ersten Dan und wurde auch noch Vize-Europameister der Junioren.
Gabriele Plassnigg

Auch Ehefrau Gabriele ist erfolgreich auf internationalen Wettkämpfen dabei.


Erste Teilnahme an WM
Den ersten „richtigen“ Kontakt mit der indonesischen Kampfkunst hatte Plassnigg aber erst 1984 bei seiner ersten WM Teilnahme. Obwohl am Anfang des Turnieres ausgeschieden, wurde ihm damals der wahre Sinn des Pentjak Silat bewußt. Die Indonesier hatten einen ganz anderen Lebensrhythmus und auch ihre Fähigkeiten im mentalen Bereich waren bemerkenswert, was sich beides sowohl im Kampf auch als im Formenbereich widerspiegelte. Plassnigg erkannte, daß er sich mit seiner Methode nicht auf dem richtigen Weg befunden hatte und machte sich auf die Suche nach einem Großmeister, der ihn in die tiefe Kunst des Pentjak Silat einweisen konnte. Diesen fand er auch und zwar in Form der beiden Holländer Frans Veetman und Danny Dinsbach, die sich bereitwillig seiner annahmen.
Südostasiaten auf die Plätze verwiesen
Die Wahl Plassniggs scheint richtig gewesen zu sein, denn bei der nächsten WM 1986 in Wien sah schon alles ganz anders aus. Diesmal war er nicht schon zu Anfang der Wettbewerbe draußen, sondern länger dabei. Viel länger. Sowohl im Kampf als auch in den Formen kam er bis ins Finale. Während er sich im Kampf seinem indonesischen Gegner geschlagen geben mußte und somit Vize-Weltmeister wurde, konnte er im Formenbereich noch ein Scheibchen drauf legen und den Sprung ganz nach oben auf das berühmte Treppchen schaffen. Weltmeister und Vize-Weltmeister bei einer WM, keine schlechte Ausbeute. Daß dies nicht nur eine einmalige Gelegenheit war, die durch eventuelle Heimvorteile gepuscht wurde, bewies er bei der WM 1990. Auch diesmal schaffte er es ganz nach oben und konnte den Weltmeistertitel im Formenbereich mit Waffen holen. Doch auch hier bewies Plassnigg Kontinuität und konnte bei der WM 1994 noch eins draufsetzten. Zusammen mit seiner Frau Gabriele und Bettina Blach wurde er Vize-Weltmeister bei den Gruppenformen.
Norbert Plassnigg
Seit drei Jahren neuer Stil
Doch so ganz schien Plassnigg noch immer nicht zufrieden zu sein. Etwas fehlte ihm noch auf dem Weg zum vollkommenen Glück. Aber auch dem wurde in der Zwischenzeit abgeholfen. Seit ungefähr drei Jahren holt er sich den letzten Schliff auf Java bei Großmeister Papak Uho Holidin, der ihn in die geheimen Tiefen des Pentjak Silat einweist. Aber nicht nur das kampfkünstlerische Glück wurde auf Java gefunden, auch die Hochzeit mit Frau Gabriele wurde bei Großmeister Holidin vollzogen. Daß sein Wissen über die asiatischen Kampfkünste die Bereiche des Pentjak Silat weit überschreitet, bewies Plassnigg schon des öfteren in Wien, wo er zweimal als Veranstalter der „Nacht der Kampfkünste“ auftrat. Veranstaltungen, die einen sehenswerten Querschnitt durch die Wiener Budoszene boten. Auch hier zeigte er, daß man mit Einsatz einiges erreichen kann. Auch wenn es bis jetzt „nur“ zwei Weltmeister- und zwei Vize-Weltmeistertitel waren, die Norbert Plassnigg zum erfolgreichsten Pentjak Silat Betreibenden im Formenbereich machten.
 


Bruce Lee Cover
 
Dieser Beitrag fand in der 4. Ausgabe 1997 seine Veröffentlichung.
Erstellt wurde der Beitrag von Horst Kalcher.

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