Elvis Presley Karate

Khang Rhee und Elvis Presley

Elvis Presley (re.) mit Meister Kang Rhee

Der 16. August 1997 markiert den 20. Todestag des berühmtesten Rocksängers aller Zeiten: Elvis Presley. Nur noch wenige wissen, daß der „King“ ein hochgraduierter Schwarzgurtträger im Kenpo-Karate-System war. In den siebziger Jahren zeigte er großes Engagement beim Verbreiten dieser Sportart, die direkt hinter seiner Musik das wichtigste war, und dem neuen Fullcontact. Unser Mitarbeiter John Corcoran hat bereits in zahlreichen US-Publikationen Presleys Liebe zum Karate dokumentiert. Für KICK recherchierte er eine neue Dokumentation mit allen Fakten über Elvis Presley und seine enge Verbindung zum Kampfsport.


Elvis Presley, der unsterbliche Star, brachte unserer Welt das Rock`n`Roll-Fieber, sein Lebensstil wurde durch außerordentliche Größe bestimmt. Seine einzigartige Stimme brachte die Herzen der Frauen zum Schmelzen, seine Songs erklommen die Spitzen der Charts. Eine halbe Milliarde Schallplatten hatte er bis zu seinem Tod am 16. August 1977 verkauft. Laut RCA, seiner Plattenfirma, stieg die Zahl im September 1984 auf eine Milliarde, mehr als jeder andere Einzelinterpret oder jede Gruppe je verkaufen konnten. Am ehesten kamen immer die Beatles an seine Erfolge heran, doch in den meisten Kategorien belegten sie hinter Elvis nur Rang zwei. Bis 1977 erhielt Presley 127 Goldene Schallplatten, eine für je eine Million verkaufte Scheiben. Laut den Eintragungen im Guinessbuch der Rekorde übertraf er damals alle Sänger.
Sein bekanntes Konzert 1973 „Elvis: Aloha from Hawaii“ verfolgten über eine Milliarde Menschen weltweit live am Fernsehen. Das waren mehr Zuseher als die erste Mondlandung. Der „King“ spielte in 33 Filmen die Hauptrolle, wobei die erfolgreichsten drei rund 36 Millionen Dollar allein in den USA und Kanada einspielten. Zu einer Zeit als die Schauspieler noch nicht soviel verdienten strich er für jede Hauptrolle mindestens eine Million Dollar ein.
Neben diesen ungewöhnlichen Zahlen, wurde er als Träger des 8. Dan im Karate bekannt. Im Vergleich zu den schwindelerregenden Zahlen, die unumstritten seinen Erfolg im Showbusiness belegen, stellt diese Graduierung sicher seinen kleinsten Verdienst dar. Man kann sagen, er ist der am höchsten graduierte Prominente, man kann sogar sagen, er war der berühmteste Mensch, der Karate betrieb.

Bill Wallace Elvis Presley

Der King mit Fullcontact-Champ Bill „Superfoot“ Wallace, mit dem er drei Wochen zusammen trainierte

Was auch immer man über Elvis Presley sagen konnte, Karate war immer ein Teil von ihm. Es war auf der einen Seite die Basis für sein Image als Macho, auf der anderen Seite spielten die Sportler eine große Rolle in seinem Leben. Wie er es bereits mit seinem „Boogie-and-Blues“ Rhythmen geschafft hatte, verhalf er dem Karate zu Anschaulichkeit in der Öffentlichkeit. Er tat dies schon sehr früh, rund ein Jahrzehnt bevor Bruce Lee zur Kampfsportlegende wurde.
Erst mit seinem Tod endete die Hingabe für das Karate, daß während seiner Lebzeit nur von seinen Freunden und Bodyguards sowie einige wenige Kampfsportler, die trotz der intensiven Abschirmung, mit ihm zusammen kamen. Es ist eine Tatsache, daß es in der Karriere des Superstars Elvis Presley nur vier Dinge gab, die allgegenwärtig waren: Musik, Geld, sein Manager Colonel Tom Parker und seine Leidenschaft für das Karate.
Es ist mehr als nur legitim, wenn wir zu seinem 20. Todestag, die Wahrheit über seine Verwicklung, Leidenschaft und Einfluß um das Karate dokumentieren. Presleys erstes Interesse für den Kampfsport wurde geweckt, als er 1958 in Fort Hood eine Demonstration von Judo oder Jiu-Jitsu beobachtete. Laut Joe Esposito, Presleys langjährigem Tourmanager, der ihn in der Armee kennenlernte, war es die Lektüre eines Karatebuches, welche ihn zum Karate brachte. Elvis war damals als Soldat in Friedberg im Taunus stationiert. Wenn man den Erinnerungen Espositos glaubt, dann muß es sich bei der Lektüre entweder um Mas Oyamas erstes Buch „Was ist Karate“ oder um eine Story über Oyama im US-Magazin Black Belt gehandelt haben.

Trotz groІer Bekanntheit, lieІ Elvis sich nur selten beim Karatetraining fotografieren. Dieses Foto entstand im Taekwondo Institut von Memphis.

Trotz groІer Bekanntheit, lieІ Elvis sich nur selten beim Karatetraining fotografieren. Dieses Foto entstand im Taekwondo Institut von Memphis.

In seinem 1994 veröffentlichten Buch „Good Rockin‘ Tonight“ schrieb Esposito, daß Elvis seinen Freund Lamar Fike fragte, ob er einen Karatelehrer kannte. Dieser Mann, der erste formelle Sensei von Elvis, war der Shotokan-Stilist Jürgen Seydel, bei dem er 1958 in Bad Nauheim mit dem Training begann. Dazu Esposito: „Karate gab ihm das Selbstvertrauen, das ihm als Kind fehlte.“ Während eines kurzen Aufent- haltes in Paris trainierte Elvis unter Tetsugi Murakami, einer der ersten Karatelehrer in Europa. 1960 verbrachte Elvis einmal neun Tage in Folge in Paris. Jeden dieser Tage nutzte er, um mehrere Stunden mit Murakami zu trainieren. Weitere zahllose Trainingsstunden verbrachte er mit Rex Mansfield, einem anderen US-Soldaten, der mit ihm in Deutschland stationiert war.

Besessen vom Karate
Elvis war gelinde gesagt von Karate besessen. In seinem o.e. Buch schrieb Esposito ferner: „Obwohl wir viel Spaß hatten, wirkte Elvis oft etwas verschlossen, teilweise richtig angespannt. Er wollte seine Knöchel für Bruchtestübungen abhärten. Oft unterbrach er seinen Monolog um mit der Faust gegen die Wand oder einen harten hölzernen Gegenstand zu schlagen. Es war die Geschichte des Mas Oyama, die ihn dazu inspirierte. An einem Abend hat er uns über diesen Meister erzählt, der so gut war, daß er einem wütenden Bullen die Hörner mit seinen Händen abschlagen konnte. Elvis sagte: ‚es ist egal, ob das wahr ist oder nicht – aber ich will so gut werden‘.“

Elvis mit Meister Khang Ree

Elvis mit Meister Kang Rhee

Seinen ersten Dan erhielt Elvis 1960 in Memphis, Tennessee, unter Hank Slemansky aus den Shito Ryu. Slemansky unterrichtete u.a. Dan Inosanto, den späteren Musterschüler von Bruce Lee. Er verstarb Mitte der sechziger Jahre bei einem Militäreinsatz in Vietnam. Was immer es gewesen sein mag, das Elvis am Karate so ausserordentlich begeisterte, sprang auf alle anderen über, die mit ihm trainierten. Seit er mit dem Training begonnen hatte suchte und fand er Freunde, die den Enthusiasmus mit ihm teilten.

Karate im Film
Obwohl seine 33 Filme wenig da-zu geeignet waren, ihn als Schauspieler berühmter werden zu lassen, taugten sie allemal dazu, das Karate zu verbreiten. Er bestand einfach darauf, in seinen Filmen die Techniken aus der asiatischen Kampfform zu demonstrieren. Elvis hatte die Auffassung, daß der Gebrauch seiner Karatekenntnisse einen einzigartigen Charakter beinhaltete, wenn er Kampfszenen spielen mußte. Damals war er einer von vielleicht gerade mal 100 Amerikanern, die Kenntnisse auf dem Level eines Schwarzgurtes besaßen.

Ohne Anerkennung
Nach allen Berichten, die vorliegen, läßt es Elvis zu einem Pionier des Karate in der westlichen Welt aufsteigen. Für seine Bemühungen erhielt er nie eine Anerkennung, die seinen Verdiensten gerecht werden könnte. Dabei gab es durchaus Zeiten, als er sich über eine Auszeichnung gefreut hätte. Einfach gesagt, die Kampfszenen waren damals rauh und ohne Zauber im Vergleich zu den wendigen und fortgeschrittenen Auftritten von Bruce Lee zu Beginn der siebziger Jahre. Alle Kampfszenen waren gleich grausam, bis auf die mit Elvis Presley, sie blieben den Leuten in Erinnerung.

Technik auf Schwarzgurt-Niveau
In seiner Jugend war Presley in hervorragender Form, seine Techniken sollen herausragend gewesen sein, wenn man Augenzeugen von damals glaubt. Er war selbstbewußt genug, Millionen Menschen vor dem Fernsehgerät in seinen Bann zu ziehen. Dabei zeigte er gerne seine Techniken bei Konzerten oder anderen Auftritten. Um sein Hobby mit seinen Freunden zu teilen, half er den Stil seinem Bodyguard Red West und seinem Cousin Sonny West beizubringen. Später wurden sie seine Sparringpartner bzw. seine „Fall Guys,“ die in Filmszenen als Opfer mit ihm arbeiteten, wenn es darum ging, seine Schläge vor der Kamera zu verdauen.

Black Belt Urkunde

Elvis erhaelt eine Urkunde des koreanischen Meister Kang Rhee vom Memphis Institut (heute bekannt als „Black Belt Bureau“)

Zu dieser Zeit pflegte Red West eine Freundschaft mit dem Schauspieler Robert Conrad, einem Schwarzgurt im amerikanischen Karatesystem Kenpo. Durch seine Freundschaft, wurde West oft als als Stuntman in dessen Serie „Wild, Wild West“ engagiert. Wenn die Serie heute wiederholt wird, kann man im Abspann Reds Namen lesen. Zu dieser Zeit begann Presley seine Bruchtests regelmäßig vorzuführen, z.B. um sich bei Drehpausen zu Filmarbeiten die Langweile zu vertreiben. Damit präsentierte er erstmals einen sensationellen Aspekt des Karate in der Öffentlichkeit.

Traumprojek „The New Gladiators“
Sein Lieblingsobjekt war ein Dokumentarfilm über das Karate, den er 1974 drehte. Der Film erhielt den Namen „The New Gladiators,“ wurde jedoch bis heute nicht veröffentlicht. George Waite, ein Kenpo Schwarzgurtträger und Schüler von Ed Parker, hatte sich das Konzept ausgedacht. Parker war es, der ihn mit Elvis zusammenbrachte. Der Film handelte über das Karate, die Kämpfer und authentische Wettkämpfe. Elvis bot seine volle finanzielle Unterstützung an, weiter war eine Hauptrolle mit ihm im Gespräch und seine Stimme als Moderator. „The new Gladiators“ konzentrierte sich schließlich auf Aufnahmen von vier Turnieren. Zwei davon fanden in Europa statt, Teamkämpfe amerikanischer Fighter gegen Briten, bzw. Belgier. Die anderen beiden Turniere waren die Invitational Championships der Urquidez Brüder in Beverly Hills und die Western Pro-Am in Oakland, Kalifornien. In der Zwischenzeit erkrankte Elvis, laut Waite, später starb er.

Seltene Aufnahmen
Wie man weiß, nahm Presley ab 1975 stark zu, bis zu 100 Kilo soll der sonst so drahtige Sänger gewogen haben. Kurz davor konnte Waite noch Material von Elvis im Memphis Karate Institut, das von Bill Wallace und Patrick Wrenn geführt wurde, zusammenstellen. Darüber gibt es eine kleine Geschichte: Am 8. Januar 1975 wurde Elvis 40 Jahre alt. Es gab eine Titelgeschichte in „People,“ einer großen US-Zeitschrift mit Millionenauflage. Presley erlaubte es für gewöhnlich nicht, daß man während seines Karatetrainings fotografierte, es gab nur wenige Ausnahmen. Das war eine der wenigen Ausnahmen. Natürlich nutzte dieser Artikel über das Training von Elvis dem Image des Karate in den USA. Anwesend bei den Aufnahmen waren Bill Wallace, Fred Wrenn, die Wests und Dave Hebler, ein weiterer Bodyguard und Schwarzgurt im Kenpo Karate.

Training mit Bill "Superfoot" Wallace

Gemeinsames Training: Elvis und Bill Wallace

Waites Kameramann belichtete zwei 20-minütige Filmrollen. Es ist das einzige authentische Vermächtnis seines Karatetrainings mit dem King. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie wertvoll diese Aufnahmen sind, wenn man weiß, daß Sammler bereit sind, für einen unbedeutenden Teil seiner Kleidung 1.500 Dollar auf den Tisch zu blättern.
Waite sagte 1977 in einem Interview, „The New Gladiators war eine Sache, die Elvis bereits seit vielen Jahren verwirklichen wollte, praktisch schon seit seiner Zeit in Deutschland. Er wollte eine wahre Dokumentation bringen, nicht etwa einen Film mit Bruce Lee Charakter und hohen, schnellen Kicks. Er wollte zeigen, wie es zugeht auf der Kampffläche, eine Sache die nur Schwarzgurte wirklich erfahren. Es gab Filmemacher, die sich die Aufnahmen nach seinem Tod mit der Absicht es auszuschlachten angesehen haben. Ich war daran nicht interessiert. Ich wollte mich nicht wie eine Hure fühlen und den Tod eines Freundes zum Geldverdienen benutzen. Ich würde den Film gerne so zeigen, wie Elvis es sich gewünscht hätte.“ „The New Gladiators“ blieb bis heute unveröffentlicht. Nur ungefähr zehn Sekunden von Waites Aufnahmen wurden 1981 in der 90-minütigen Kinobiografie „Elvis“ ausgestrahlt.

Karate on stage
Zum ersten Mal integrierte Elvis seine Karatetechniken und Tanzbewegungen in einer Weihnachtsshow auf NBC, einem der drei großen US-TV-Sender, in einem Sketch über „Big Boss Man.“ Die begleitende Tanzcombo vereinte die stechenden Karatekicks Presleys mit weichen rhythmischen Tanzbewegungen. Seither verbinden viele Karateexperten die beiden Künste für Liveshows und Fernsehauftritte. Elvis war der erste, der die einzigartige Ästhetik in der Verbindung beider Künste erkannte und umsetzte.
Nach einer neunjährigen Konzertpause trat Elvis 1969 erstmals wieder live auf. Die Premiere fand im Hilton Hotel in Las Vegas statt. Seine Konzerte boten ihm eine ideale Spielwiese für sein Lieblingshobby. Elvis begann, Techniken aus dem Karate in seine Bewegungen einzubauen. Seine ihm eigene Art sich zu bewegen und die Massen zu begeistern, hatte unübersehbare Wurzeln aus dem Kampfsport hinzugewonnen. Die neue Choreographie war ein überwältigender Erfolg. Dank des Kings bekam das Karate einen massiven Schub nach vorne. Seine Vorführungen waren für die Sportler Millionen Dollar wert – und dabei mußte kein Kampfsportler auch nur einen Pfennig für diese tolle Werbung bezahlen.

Die Rolle des Karate in einer gescheiterten Ehe
Zurück in Deutschland, während der letzten Tage seiner Statio- nierung für die US Army, traf er Priscilla Beaulieu, die bildhübsche Tocher eines Air Force Piloten. Elvis und Priscilla heirateten 1967 in Las Vegas nach einem langwierigen und von den Medien hochgehaltenen Gerichtsverfahren. Von persönlichen Problemen zerrissen wurde die Ehe bereits 1972 geschieden. Das Karate spielte eine wesentliche Rolle in der Trennung der Eheleute Presley, denn Priscilla verließ Elvis wegen Karate Champion Mike Stone aus Los Angeles. Das verdeutlicht selbst für Nichtkampfsportler die wesentliche Rolle, die das Karate im Leben des Superstars spielte.

Elvis mit Karate Kick

In Drehpausen trainierte der King seine Karate Kicks

Ein Teil der Flitterwochen verbrachte das frisch vermählte Paar 1967 auf Hawaii, wo sie einen Wettkampf besuchten, der von Ed Parker veranstaltet wurde. Es war das einzige Turnier, auf dem Elvis als unangekündigter Gast auftrat. Sein zweiter Auftritt scheiterte 1973 an den Veranstaltern, die mit „erleben sie Elvis live,“ ihren Wettkampf ankündigten. Er blieb den kalifornischen Karatemeisterschaften einfach fern. Er mußte sich zurückhalten, denn sein Auftreten verursachte große Menschenaufläufe, was nur mit strengen Sicherheitsvorkehrungen zu bewältigen war. Mike Stone gewann das besagte Turnier auf Hawaii und Elvis überreichte ihm damals den Pokal. 1972 trafen sich die beiden in Las Vegas wieder. Elvis hatte einen Auftritt, Stone arbeitete als Bodyguard für den Schallplattenproduzenten Phil Spector, der seit den sechziger Jahren als Vorreiter der neuen Popmusik galt.

Priscilla verliebt sich in Karate Champ Mike Stone
Beim Konzert stellte Elvis zwischen seinen Songs Spector und Stone dem Publikum vor. Er lud sie ein, hinter die Bühne zu kommen. Nachdem Spector ging, lud er Stone auf seine Penthouse Suite ein, wo sie die ganze Nacht über ihr gemeinsames Hobby diskutierten. 1986 veröffentlichte Priscilla das Buch „Elvis and Me,“ in dem sie ausführt: „Später am Abend forderte Elvis mich auf, mit Mike zu trainieren. Er hatte diese Killer-Qualitäten. Nichts, was auf zwei Beinen stand, konnte ihn besiegen. Ich habe ihn bereits beeindruckt, als er mich das erste Mal sah. Er ist ein richtig böser Junge – ich mag seinen katzenhaften Stil.“ Priscilla hatte bereits unter Ed Parkers Leitung dreimal die Woche privaten Unterricht genommen. Später trainierte sie in Memphis, um bei Kang Rhee das koreanische Taekwondo zu lernen. „Ich lernte schnell, daß mehr dahintersteckte als Gewalt,“ erklärt sie, „es ist eine Philosophie.“ Zurück in Los Angeles rund drei Wochen nach diesem ersten Treffen in Las Vegas nahm Priscilla die 45-minütige Autofahrt auf sich, um Stone in Huntington Beach beim Training zuzusehen. Aufgrund der großen Entfernung zog sie es jedoch vor in der Schule von Chuck Norris (lange vor seiner Schauspielkarriere) direkt in Las Vegas zu trainieren. Mike Stone fuhr gelegentlich in Chucks Dojo, wo er mit ihr übte. „Mike strahlte Selbstvertrauen aus, er hatte Stil und Charme. Es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft,“ schreibt sie weiter.

Turnierbesuche mit Stone und Norris
Stone und Norris stellten Priscilla die populären japanischen Kultfilme wie „Blind Swordsman“ vor. „Mit Mike besuchte ich Karate Turniere vor Ort und ihn benachbarten Landkreisen. Ich filmte und fotografierte einige top Karatekämpfer. Ich wollte ihren individuellen Stil einfangen um sie Elvis zu zeigen. Ich hoffte, daß wir beide unseren Spaß daran haben würden. Schließlich schuf ich mir einen neuen Freundeskreis, unter denen ich mich akzeptiert fühlte.“
Priscilla trainierte bis zum grünen Gürtel. Durch ihre hohe Flexibilität und Beweglichkeit, die sie in Tanzstunden erarbeitet hatte, sowie ihre natürliche Grazie führte sie bemerkenswerte Katas aus, die sie weit über dem Durchschnitt ihrer Gürtelfarbe demonstrierte. „Ich war vom Karate so besessen wie Elvis,“ schreibt sie. „Jetzt konnte ich Elvis verstehen. Es war das Erreichen von Vertrauen und das Meistern der eigenen Körperbewegungen. Die Martial Arts haben mir soviel Selbstvertrauen und Bestätigung gegeben, daß ich meine Gefühle neu erlebte und meine Stimmung ausdrücken konnte wie nie zuvor.“ Die Beziehung zwischen Priscilla und Stone wurde romantisch. Der Vorhang zur Bühne der populärste Scheidung in der Geschichte des Showbusiness wurde hochgezogen.

Ed Parker Connection
Ed Parker (1939-1990) ist der Kampfsportler, der den größten Einfluß auf Elvis ausübte. Parker traf den Sänger 1960 erstmals im Beverly Wilshire Hotel in Beverly Hills. Elvis hatte eine Demonstration von ihm in der Hotellobby gesehen und traf ihn darauf. 1978 sagte Parker in einem Interview: „In seiner Zeit in der Armee hatte Elvis einen sehr steifen Stil erlernt, ihm gefiel die Flexibilität des Kenpo.“ Aus diesem Treffen erwuchs eine Freundschaft sowie die Beziehung von Meister und Schüler. „Er trainierte mit mir ab und zu,“ sagte Parker, „von unserem ersten Treffen bis kurz vor seinem Tod.“


Parkers Beweglichkeit fasziniert
Parker agierte als Berater Presleys, wenn es um Ratschläge in Sachen Karate ging. Außerdem schaute er nach Sportlern, wann immer er die Gelegenheit dazu hatte. Dave Hebler und George Waite waren Schüler von Parker, sie erhielten durch ihn die seltene Gelegenheit, die nur einem von einer Million zuteil wurde, den King persönlich kennenzulernen.
Elvis war fasziniert von Parkers beweglichem Karate Stil. Seine dynamischen Selbstverteidigungs-Übungen und die Art seines Unterrichts gefielen dem King. Als Beweis für Presleys Faible für Parkers Kenpo Stil dürfte die Tatsache stehen, daß er auf seiner Gitarre ein Abzeichen der International Kenpo Karate Association anbrachte. Man kann es auf hunderten von Fotos erkennen, wenn Elvis in den siebziger Jahren seine Gitarre hält. Darüber hinaus ist es in drei Konzertdokumentationen sichtbar, die 1972 und 1973 veröffentlicht wurden.
Das war noch nicht alles. Wie bereits gesagt, zeigte Elvis seine Karate Techniken auf der Bühne. Jedesmal wenn er eine dieser weichen, rollenden Bewegungen aus dem Kenpo ausführte schrien die Fans auf. Er wußte, das es den Leuten gefällt. Natürlich gab es auch andere viel gewöhnlichere Dinge, welche den Fans gefielen. Als die Frauen die Bühne stürmten und dem King ihre Unterwäsche zuwarfen, konnte keine Karate Technik mithalten.
Geschenke und Dank
Als Zeichen seiner Anerkennung für seinen großen Karate Mentor schenkte Presley Ed Parker einen neuen Cadillac. So wie Parker die Geschichte erzählt, nahm ihn Elvis mit zu seinem Anwesen in Beverly Hills, wo er sagte, „dieses Auto versperrt meine Einfahrt. Willst du es wegfahren?“ Parker dachte, Elvis würde ihn bitten, das Fahrzeug zur Seite zu fahren. Er war erstaunt, als er ihm erklärte, daß er es ihm schenken will. Dieselben Worte wählte Presley, als er Dave Hebler 1972 einen Mercedes 280 SL gab.
Elvis schenkte Parker auch eine sehr teure digitale Uhr mit den gleichen Initialen, die beide gemein hatten, E.P. Damit sich Parkers Frau nicht ausgelassen fühlte, schenkte Elvis ihr einen funkelnden Diamantring. Das beste Geschenk das Parker erhielt war sein spektakuläres „American Eagle“ Gewand und den Gürtel. Elvis hätte es während seines Konzerts in Hawaii tragen sollen.
Die Großzügigkeit des Rocksängers erfüllte nicht immer ihren Zweck. 1973 stellte er einem Karateka die Summe von 50.000 US-Dollar zur Verfügung, um ein Dojo aufzubauen. Das Geld wurde jedoch für den Bau des Eigenheims verbraucht.
Laut Bill „Superfoot“ Wallace, der Elvis für die Zeit von drei Wochen im Tennesse Karate Institut unterrichtete, „gab er auch jemand anderem ein neues Auto. Es war so lustig, denn zur selben Zeit, als er ihm das Auto schenkte, bekam sein Lehrer Elvis den siebten Dan. Dabei hatte er selbst gerade mal den siebten Meistergrad.“ George Waite erinnert sich ebenfalls lächelnd an den Vorfall. „Elvis machte selbst darüber Witze. Er sagte, er müsse vorsichtiger mit den Karate Leuten sein. Du gibst ihnen Geld, dann siehst du sie nie wieder.“
Es gibt andere Anzeichen dafür, daß Presleys berühmte Großzügigkeit schamlos ausgenutzt wurde. Z.B. sagte Bill Wallace in einem Interview 1977. „Ich will mich für ihn entschuldigen, obwohl er es nicht hören wird, für all diese Leute, vielleicht auch für mich, die durch ihn Vorteile erzielt haben.“

Geschenkte Gürtelgrade
Es scheint, die Geschenke erklären, wie Presley seine hohen Dangrade erreichte. Es wird berichtet, daß Kang Rhee aus Memphis Elvis ehrenhalber den achten Meistergrad verliehen hat. Ed Parker verlieh ihm ebenfalls Grade, den ersten 1971 oder 1972. Dazu Parker: „Ich war der Meinung, er hatte es wirklich verdient. Es war nicht so was wie ein Ehrentitel. Sein Grad spielt dabei eigentlich gar keine Rolle. Wie ist das mit dem Tod? Welcher Grad Tod hat man, wenn man stirbt? Sagen wir ganz einfach, er war unter allen Umständen ein guter Schwarzgurt!“

Rettung für „Superfoot“
Von 1970 bis zu seinem Tod erweiterte Elvis seine Interessen über den körperlichen Aspekt der Martial Arts hinaus. Er hörte teilweise völlig auf, zu trainieren, das war um 1973. Später fing er wieder an, um fit zu werden. Es gab eine Phase, in der Dave Hebler, Bill Wallace, George Waite und Pat Wrenn seine Kampfsport-Brüder wurden. Mitte der Siebziger gab es eine Trennung zwischen Elvis und seinen vertrauten Bodyguards Hebler, Red und Sunny West. Es war keine glatte Trennung, die im Buch „Elvis: What Happend“ näher beschrieben wird. Es hatte jedoch die positive Wirkung auf sein Engagement für den Sport. Elvis wollte das Karate den Massen zugänglich machen. Bill Wallace, der Elvis nur für drei Wochen im August 1974 trainierte war ein Freund von Red West, er hatte Presley dadurch oft zuvor persönlich getroffen. Was Elvis für „Superfoot“ tat, ist heute ein Teil der Legende Bill Wallace.

1973, ein Jahr vor dem Gewinn der ersten Weltmeisterschaften im Fullcontact, wurde der Mann, der als schnellster Fußtechniker der Welt bekannt wurde, bei einem Turnier durch einen Kick auf sein linkes Bein aus dem Wettbewerb geworfen. Es war eine schwere Verletzung, die weitere Wettkämpfe unmöglich machte, denn Wallace konnte nur mit diesem verletzten linken Bein kicken. Das rechte konnte er wegen einer schweren Knieverletzung nie benutzen. Die Behandlung der Ärzte brachte keine Besserung, Wallace hatte große Schmerzen. Elvis hatte davon gehört und rief Wallace an: „Komm rüber nach Graceland, ich habe etwas für dich.“ In der Zwischenzeit hatte Presley einen Akkupunktur-Spezialisten aus Los Angeles einfliegen lassen. „Der steckte 18 Nadeln in mein linkes Bein,“ erinnert sich Wallace. „Vom Knöchel bis zur Hüfte steckten die Nadeln drin. Ich schwöre mit meiner Hand auf einem Stapel von Bibeln, daß man mir 15 Minuten später gegen das Bein hätte treten können, und es kein bißchen weh getan hätte.“ Die Heilung war endgültig. Das war ein wertvolles Vermächtnis, das Elvis für Wallace hinterließ. Durch den Gebrauch seines legendären linken Fußes knockte Wallace seine Gegner bei Aufschlaggeschwindigkeiten von knapp 100 km/h reihenweise aus. Bis heute ist Wallace einer der bekanntesten Sportler, obwohl er bereits 1980 seine Ringkarriere ungeschlagen beendete.
Alles spielte sich hinter verschlossenen Türen ab, nur selten gelangte etwas über Elvis und seine wahre Verbindung zu Kampfsportlern ans Tageslicht. Es gab viele Kämpfer, die sich bemühten, die rechte Hand für den King abzugeben. Die Leute, die wirklich wissen, was passierte, schweigen sich darüber aus. Es gibt jedoch Hinweise, welche stichhaltige Vermutungen über die wahre Haltung des Kings aufzeigen.
Z.B. wunderte man sich, warum Elvis nie einen WM-Kampf von Bill Wallace besuchte. 1975 hatte Elvis einen Tag vor Wallaces erster Titelverteidigung gegen Lokalmatador Joe Corley einen Auftritt in Atlantas Omni Hotel. Wallace traf Elvis kurz nach dem Konzert, doch er sagte sein Kommen wegen eines neuen Engagements ab. Später hat Wallace seinen Titel gegen andere Herausforderer verteidigt, u.a. in Las Vegas, wo Elvis das ganze Jahr über ein Suite angemietet hatte. Trotzdem ist der King nie aufgetaucht.
Für den Schwergewichts-Weltmeister Muhammad Ali hatte Elvis eine sehr wertvolle Robe mit seinem Namen auf der Rückseite eingestickt anfertigen lassen. Wallace hat nie eine ähnliche Zuwendung erhalten.
1974 kursierte ein bösartiges Gerücht darüber, daß Presley Wallace die Summe von 10.000 US-Dollar dafür angeboten hatte, damit er nicht an den ersten Weltmeisterschaften in Long Beach teilnimmt. Wallace ärgert sich darüber: „Er war unter dem Einfluß von Ed Parkers Erscheinung. Ich will nicht sagen, daß Elvis mir 10.000 Dollar angeboten hatte, aber er bat mich nicht teilzunehmen und bemerkte, daß es nicht zu meinem Nachteil sein würde.“ Was hätte Elvis dazu bringen können? 1977 sagte Wallace in einem vertraulichen Gespräch dazu: „Ed Parker. Ich weiß nicht warum. Vielleicht dachte er, daß der Austragungsort Los Angeles seinem Turnier, den Internationals, schaden könnte. Wir hatten die besten vier Karate Kämpfer der Welt … nein, viel mehr sogar.“

Gegensätze
In den letzten Jahren seines Lebens, schwankte Elvis zwischen Begeisterung und tiefer Depression. Hebler und West erinnern sich an das Training. Sie sagen, Elvis hätte begeistert angefangen und sich dann hingesetzt und bis zum Ende des Trainings gegessen. Während einer Show in Las Vegas führte er einmal für eine halbe Stunde eine Karatetechnik nach der anderen vor. Ein anderes Ereignis in der Casinostadt geriet zu einer lustigen Angelegenheit. Ein Fan sprang im Konzert auf die Bühne und rannte auf Elvis zu. Red West schnappte ihn und führte ihn im Schwitzkasten ab. Ein zweiter Fan kam auf die Bühne und legte sich mit einem Backgroundsänger an. Die Bühne des Hilton sah aus wie bei einer Saalschlägerei in Hollywood. Tische, Stühle und Gläser flogen durch die Luft. Als wieder Ruhe einkehrte und die Bodyguards drei Attentäter abgeführten sprang Elvis weiterhin munter auf der Bühne umher und führte Kicks und Schläge in die Luft aus. Wie man sagt, soll Elvis die ganze Zeit keinen einzigen der Rabauken angegriffen haben, die Menge schrie dennoch voller Faszination. Die Tagespresse stellt die Sache etwas anders dar: Es wurde geschrieben das Elvis die drei Rowdies mit Karatetechniken allein hingestreckt hat. Auf diese Pressemeldung hin versuchten die Angreifer den King auf eine Million Dollar Schmerzensgeld zu verklagen. Der Gerichtsfall wurde nie verhandelt.
Presleys kämpferische Einstellung war nicht immer so daneben. Dazu Parker: „Er glaubte an Prinzipien wie Ehre, Respekt und Bruderschaft. Eigenschaften, die man über die alten Karate Meister verbreitete.“ Er lebte wahrlich nach diesen Richtlinien. Einige Tage vor seinem Tod berichteten die Nachrichtenagenturen darüber, daß er eine tätliche Auseinandersetzung zweier Männer dadurch verhindert hat, in dem er aus seiner Limousine gestiegen ist und sie aufgefordert hat, nicht zu kämpfen. Sie waren über seine Präsenz erstaunt und gaben sich freidlich die Hand.

Das Vermächtnis
Wie der King selbst sagte, wurde seine Liebe für das Karate nur von seiner Musik übertroffen. Er sah sich selbst gleichermaßen als Karateka und Sänger, nicht als ein Musiker, der ein wenig Karate betreibt so wie viele andere Showgrößen. Einmal soll er zu George Waite gesagt haben: „Es macht mir nichts aus, der Welt zu zeigen, daß ich Karate mache.“ Waite fragte ihn warum er sich dann nicht für das Cover von Fighting Stars ablichten lassen wolle. Elvis antwortete: „Nein, nicht für Fighting Stars. Das ist nur etwas für Berühmtheiten. Ich bin ein richtiger Karateka. Ich will auf das Cover von Black Belt.“
„Er sagte mir oft,“ erklärt Ed Parker, „daß er gerne im Karate beschäftigt wäre, wenn er nicht in der Unterhaltungsbranche gelandet wäre. Er wollte lehren und lernen.“ Als ein Mensch mit 19 Jahren Background in den Künsten, hatte er enorme Erfahrungen gesammelt. Er war ein glaubwürdiger Träger des Schwarzen Gürtel, der sein Geld selbstlos dafür einsetzte, um den Kampfsport nach vorne zu bringen. Es ist traurig, daß seine Hingabe für die Budogemeinde zu seinen Lebzeiten nicht gewürdigt wurde. Laut Wallace,“ … hat Elvis viele Leute zum Karate gebracht, die sonst nie damit in Berührung gekommen wären. Sie wurden nur durch ihn darauf gebracht.“
Der frühere amerikanische Karate Champion Pat Wrenn gibt Elvis große Anerkennung dafür, daß er Karate in seinen Filmen gezeigt hat: „Wissen sie, James Cagney hat einmal etwas mit Judo in seiner Karriere gemacht („Blood on the Sun“, 1942). Aber es war Elvis, der zum ersten Mal Karate brachte.“
Es erst mit seinem Nachruf wirklich bewußt, daß Elvis Presley für das Karate mindest ebensoviel bewegt hatte wie für die Schallplatten-Industrie. Wann immer in Zukunft ein weiteres Buch über den King geschrieben wird, wird man das Karate wiederfinden. Der King ist zwar Tod, doch für die Kampfsportwelt hat er ein positives Vermächtnis hinterlassen. Sein Name wird ewig leben.

Kicksider mit Elvis Presley

KICK August 1997


Diese grossartige Reportage wurde vom US-Korrespondenten John Corcoran erstellt und erschien in der August Ausgabe 1997.

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