Danny Bill

Europa gegen Thailand 1995

Dany Bille Muay Thai fighter

Dany Bill (l.) machte dem Thai mit harten Kopfkicks zu schaffen.

Große Galaveranstaltungen, das kennt man in Österreich kaum. Nachdem er 12 Jahre in Thailand lebte und trainierte, will der Wiener Sportschulbesitzer Wilhelm Wokurka das Thaiboxen in der Alpenrepublik ganz nach oben bringen. Seine erste Gala fand als Open Air statt – das Budget lag bei drei Millionen Schilling. Hauptattraktion: Thailand gegen Europa und Fights mit den Lokalmatadoren Pawlak und Hinterseer.

In Frankreich, Holland und England gab es etliche Vergleichskämpfe zwischen Europäern und Thailändern im Muay Thai, andere Länder hielten sich in diesem Kräftemessen zurück. Und wenn woanders solche Vergleiche angestellt wurden, dann waren es vornehmlich Fighter aus den erstgenannten Nationen, die gegen die Thais in das Ringgeviert kletterten. In Teeskirchen, südlich von Wien, sah es Ende August auf dem Freigelände des ÖAMTC nicht anders aus.

Bomben Show
Nachdem tagsüber zahlreiche Freizeitaktivitäten wie Hubschrauberflüge, Fahrersicherheitstraining und Konzerte auf dem Programm standen, fieberten die rund 1.300 Zuschauer, die Kämpfer und vor allem der Veranstalter Wilhelm Wokurka dem Beginn der angesetzten Kämpfe entgegen. Je näher der erste Rundengong rückte, umso schlechter sah das Wetter aus. Starke Winde und eine dichte Bewölkung veranlaßten auch die Zuschauer auf den billigen Plätzen sich kurz vor Beginn der Gala in das VIP-Zelt zurückzuziehen. Pünktlich zum geplanten Veranstaltungsbeginn fielen dann auch Regentropfen auf den Ring und die Regenschirme der Zuschauer, die sich nicht mehr rechtzeitig ins überfüllte Zelt der Ehrengäste retten konnten. Doch, der Veranstalter wird erleichtert aufgeatmet haben, die Tropfen blieben vorerst die einzigen, der Rest der Veranstaltung verlief trocken.

Muay Thai

Kassriouri (l.) überraschte Ahanpa mit harten, spektakulären Kicks.

Fünf WM-Fights
Der neue Weltverband WPKL aus Holland führte Aufsicht über die ersten fünf Kämpfe, die allesamt im Rahmen des Vergleiches als Weltmeisterschaften ausgekämpft wurden. Den ersten Fight dominierte der Thailänder Kuklit Sona-yayram mit seinen Ellbogenchecks und gegen Ende mit soliden Körperkicks. In seinem 104ten Kampf errang er über den Holländer Ahmed Gouane seinen 70sten Sieg. Dem zweiten Holländer, Dak aus dem Ommoord Gym in Rotterdam, ging es ähnlich. Er kämpfte zu verhalten, um den Thai zu gefährden, und unterlag nach Punkten.
Der dritte Fight brachte die ersten kämpferischen Höhepunkte der Veranstaltung. Der Holländer Jerry Morris dominierte in diesem Fight vor allem mit seinen hervoragenden boxerischen Kombinations Fähigkeiten das Geschehen. In der dritten und vierten Runde brachte er den jungen Thai ein um das andere Mal in starke Bedrängnis. Der Thai hat teilweise nur noch im Clinch seine Rettung gesucht. Seine gefürchteten Kniestöße konnte er lediglich in der fünften und letzen Runde anbringen. Beim Verlesen des Urteils gab es die große Überraschung: Der Thai wurde mit 2:1 Richterstimmen zum Punktsieger erklärt, enttäuschte Pfiffe und Buhrufe kamen aus dem zum Großteil unkundigen Publikum.

Eigenwillige Regelauslegung
Als unkundig mußten sich schließlich auch so manche Fachleute von den Offiziellen hinstellen lassen. Die in die Kritik geratenen Verbandsvertreter erklärten, daß die zaghaften Kniestoßversuche des Thais im Clinch streng nach den Regeln höher bewertet wurden als die knallharten Boxtechniken von Morris, die beinahe zu einer vorzeitigen Entscheidung geführt hätten. „Man kann ja nicht alles wissen,“ wird sich Morris nach dem Fight gesagt haben.

Niederlage für Thai
Die erste Niederlage der Thais folgte schließlich in Kampf Nummer vier. Der Franzose Dany Bill überraschte seinen thailändischen Kontrahenten mit zahlreichen Kicks zum Kopf und sauberen Boxkombinationen. Sakmuang hatte trotz 135 bestrittener Kämpfe nicht die Möglichkeit, dem Franzosen standzuhalten. Der 23-jährige Bill, der schon viele andere hochkarätige Fighter besiegte, die z.B. gegen Ramon Dekker gewannen, erreichte einen deutlichen Punktsieg über einen ratlos wirkenden Thailänder.

Dany Bill

Der Franzose Dany Bill war der beste Fighter des Abends. Er siegte deutlich.

Harte Back-Kicks
Der letzte Fight der WM-Serie sah ein äußerst spannendes Gefecht. Gegenüberstanden sich der Holländer Kassriouri aus Amsterdam und Tanjy Poahanpa. Der Holländer traf den Thai mehrmals mit knallharten gedrechten Sprungkicks zum Körper, die ihn mit voller Wucht zurückschleuderten. Der junge Holländer setzte den Thai bis zum Ende der dritten Runde derart stark unter Druck, daß man kaum noch an einen Sieg des Thais denken konnte. Der Thai merkt dies, wirft seinen Mundschutz nach einem schweren Treffer zur Seite und versucht zu retten, was zu retten ist. In der vierten Runde setzt er trotz eines Cuts den Holländer unter Druck, gewinnt den vorletzten Durchgang mit hauchdünnem Vorsprung. In der letzten Runde dominiert der Thai den Fight mit Clinch und Knietechniken. Nach dem deutlichen Rückstand aus den ersten drei Runden hätte der Thai jedoch kaum die Chance auf einen Punktsieges haben dürfen. Und wieder mußten sich Fachleute und Zuschauer durch die Punktrichter überraschen lassen: Der Kampf wurde unentschieden gewertet.

Franky Pawlak

Franky Pawlaks (r.) Generalprobe für den WM-Fight glückte nach Punkten.

Pawlak kämpft wie ein „Flash“
Nach weiteren Rahmenkämpfen ging es dann auf die beiden Hauptkämpfe mit den Lokalmatadoren zu. Zunächst stieg der polnischstämmige Weltergewichtler Franky „Flash“ Pawlak gecoacht von Franz Haberl in den Ring. Über fünf Runden soll nach Kickboxregeln mit Lowkicks gefightet werden, doch der holländische Kontrahent legt gleich mit Knietechniken los. Nach zwei ernsthaften Ermahnungen durch den Kampfrichter akzeptiert er dann die für ihn ungewohnten Regeln. Pawlak glänzt jetzt mit seinem aggressiven, technisch versierten Kampfstil. Er attackiert oft mit Drehkicks zum Kopf, punktet mit harten Lowkicks und so manchen harten rechten Boxhieben. Am Ende der fünf Runden geht Pawlak als deutlicher Punktsieger aus dem Gefecht hervor. Für ihn ist die Generalprobe zu seinem WKA Weltmeisterschaftskampf am 30. September gegen den amtierenden Champion Eval Denton aus England geglückt.

Ronny Hinterseer enttäuschte. Coach Wokurkas Betreuung blieb ohne Erfolg.

Dilemma für Ronny Hinterseer
Weniger glücklich ist der Kampfverlauf für Ronny Hinterseer aus Linz im letzten Kampf der Veranstaltung. Hinterseer erleidet gegen den eckig kämpfenden Belgier Kurt de Pauw eine blamable Niederlage. Dabei zerbricht der Österreicher diesmal nicht an der Dominanz seines Gegners, sondern mehr an sich selbst. Er sucht nur den Clinch, versucht seinen Gegner zu werfen, und findet sich am Ende selbst am Boden wieder. Nicht allzu selten wirft er sich nach einem mißglückten Clinchversuch vor seinen Gegner auf den Boden, um ihn mit einem Griff um die Knie fest an sich zu drücken um weitere Aktionen zu ersticken. Nach zahlreichen harten Kopftreffern, die ihn mehrmals zu Boden senden, ist die Enttäuschung groß, als Hinterseer überdeutlich nach Punkten unterliegt. Wenige Wochen zuvor hatte er noch einen großartigen Fight gegen Kash „The Flash“ Gill geliefert, dieser deutliche Leistungseinbruch war einfach unerklärlich. Bei allen anderen Niederlagen, die er bislang gegen gute Leute erlitten hatte, lieferte er zumindest einen guten, sehenswerten Kampf. Doch unter freiem Himmel hat es bei ihm nicht funktioniert. Vielleicht hat er einfach nur einen schlechten Tag erwischt. Seine letzte Chance, zu zeigen, daß er doch im internationalen Spitzenfeld um Titel mitmischen kann, soll er am 11. November in Wien erhalten. Dann veranstaltet Wilhelm Wokurka in einer 3.000 Mann-fassenden Großraum-Diskothek seine nächste große Galaveranstaltung in der Hauptstadt.

Kurz nach Mitternacht verließen die letzten Zuschauer das Gelände, mittlerweile war es nicht nur sehr frisch, sondern eher frostig. Knapp zwei Stunden später gingen starke Schauer nieder, als ob Petrus um das Risiko einer Open-Air-Kickboxgala gewußt hätte, und seine Wolken bis zum Gehtnichtmehr zurückgehalten hatte. Übrigens: Die attraktiven Rundengirls aus dem Nobelnachtclub Beverly Hills hatten bereits nach dem dritten Kampf ihre Bikinis gegen Mäntel eingetauscht und das Anzeigen der Runden einer wärmer angezogenen Kollegin überlassen. Mal sehn, wer sich am 11. November wärmer anziehen muß: Die Rundengirls oder Ronny Hinterseer. Die Zuschauer dürfen sich allemal auf eine heiße Show freuen, denn Topfighter aus ganz Europa sollen wieder um internationale Titel streiten.

Willy Wokurka

Willy Wokurka

Kurzporträt: Veranstalter Willi Wokurka
An den Rest der Welt
Über zwölf Jahre lebte der 37jährige Österreicher, der zuvor seine Brötchen bei der Seefahrt verdiente, in Thailand. Dort begann er mit dem Thaiboxen, bestritt nach eigenen Angaben zahllose Kämpfe an verschiedenen Orten im Land. In die Alpenrepublik zurückgekehrt hat er sich vorgenommen seinen Lieblingssport vom stiefmütterlichen Dasein zu befreien. Seine großen Veranstaltungen – nächstes Jahr soll ein Fight mit Amerikanern folgen – sind nur ein Teil seines Plans. Der andere Plan umfaßt die Etablierung einer landesweiten Sportschulkette. Die erste Kämpferschmiede hat er in Kottingbrunn eröffnet, neue Schulen sollen in Wien, Graz und in Tirol folgen.

Kick Joe Lewis

KICK 12/95 mit Joe Lewis

Diese Reportage erschien in Ausgabe 12/95, der ersten vollfarbigen Ausgabe der Kick Illustrierten. Es war ein exklusiver Beitrag des Chef-Rekakteurs.

Christine Bannon Rodriguez

US Open und Ocean State Nationals 1995

Für viele sind die Vereinigten Staaten ein Traum, so auch für etliche Kampfsportenthusiasten. Sie kommen immer dann ins Schwärmen wenn sie von den großartigen Karate- und Kickboxdarbietungen hören. Was sich insbesondere in der Musikkata und Semikontaktwelt in den USA abspielt, übertrifft europäische Dimensionen um Klassen. Bislang hat es noch kaum ein Europäer geschafft auf der anderen Seite des grossen Teichs zu überzeugen. Unser Mitarbeiter Rüdiger Miller besuchte die großen Turniere an der Ostküste. Hier seine Reportage.

WAKO Germany

WAKO Germany Fighter: Roland Conar, Jürgen Schorn und Maik Böttcher

US-Open

Orlando, Florida

Hitze, erdrückende Luftfeuchtigkeit, Attraktionen im Überfluß und eine hervorragende Organisation, das waren die Charakteristika der US-Open, einem der größten Semikontakt- und Formenturniere im Südosten der Vereinigten Staaten. Wie bereits seit vielen Jahren veranstalteten Mike Sawyer, Mike McCoy und Cory Schäfer Anfang Juli ein perfektes Mammuttunier in der meistbesuchten Touristenstadt des „Sunshine State“ Florida, in Orlando.

Das Convention Center, 1987 Schauplatz des legendären Kickboxfights zwischen Don Wilson und Branko Cikatic, bot den rund 2.000 Teilnehmern und Zuschauern eine Kulisse wie man sie sich z.B. in Europa einfach nicht vorstellen kann. Auf über 30 Kampfflächen begann das Turnier pünktlich um 9.00 Uhr am Morgen mit den Waffen Formen. Es folgten Formen mit und ohne Musik bevor die ersten Semikontakt-Ausscheidungen anfingen. Die Favoriten konnten sich problemlos durchsetzen und siegten in den Finali, die direkt an die Qualifikationskämpfe anknüpften. Zwischendurch wurden die Finale der Formenklassen „ausgekämpft“. Unter den Siegern der einzelnen Divisionen wurden die fünf besten Darsteller ermittelt, die am Abend um den Grandchampiontitel stritten.

Christine Bannon Rodriguez

Christine Bannon Rodriguez

Showtime
Pünktlich 19. Uhr: Showtime! Nachdem Vollkontakt-Opa Bill „Superfoot“ Wallace die ausländischen Teilnehmer mit einer Ehrenplakette auszeichnete, begannen die Grandchampion-Wettbewerbe. Zunächst stritten die Junioren in den Formen um die große Trophäe. Der bislang ungeschlagene Schüler von John Chung (Washington) Kingston Ng setzte seine unglaubliche Serie fort und siegte erneut. Bei den „Kleinen“ siegte in den Waffen die Kalifornierin Casey Marks mit einer eindrucksvollen Bo-Kata vor den zwölfjährigen Jimmy Pham, der im November übrigens bei der Budogala auftreten soll.

Xavier siegt
Weiter ging es mit den Grandchampionfights im Semikontakt. In den leichten Gewichtsklassen sichert sich WAKO Weltmeister Pedro Xavier problemlos Titel und Siegprämie. In den mittelschweren Klassen hatte es Kevin Thompson ein gutes Stück schwerer. Sein Sieg über Joesph Alexander fiel nur sehr knapp aus. In den schweren Klassen siegte Anthony Price, der seinen Kontrahenten gleich zu Beginn des Kampfes mit einem Hook-Kick außer Gefecht setzte. Bei den ganz schwerern Fightern setzte sich zum neunten Mal der farbige Anthony „Mafia“ Holloway an die erste Stelle. Kaum zu erwähnen, die Grandchampionkämpfe der Damen. Die nationale und internationale Elite fehlte in Orlando fast gänzlich. Die recht unbekannten Kämpferinnen und Formenläu-ferinnen boten kaum mehr als nur Mittelmäßiges.
Carmichael Simon besiegt Mike Chat
Der krönende Höhepunkt des Abends bildete der Wettstreit um den Grandchampiontitel der besten Formen- und Waffen-Formen-Darsteller. Alle Größen der US-Szene waren vertreten. Richard Brandon, Jon Valera und Mike Chaturantabut zeigten je zwei atemberaubende Formen, die an Perfektion und Timing kaum zu überbieten waren. So endete der Wettstreit dann auch denkbar knapp nachdem zwei Stechen nötig geworden waren mit einem hauchdünnen Sieg für den Kalifornier Mike Chaturantabut, der mit seiner Kama-Form die Zuschauer mehrmals von den Sitzen riß.

Pokale

Typisch Amerikanische Riesen-Trophies in allen Klassen.

Noch spannender wurde es in der freien Formenklasse. Gabe Reynaga und Rich Brandon wärmten die Zuschauer mit eindrucksvollen Katas aus, bevor Jon Valera als erster eine „Standing Ovation“ erhielt. Doch dann kamen erst die beiden besten amerikanischen Formenläufern, neben denen selbst ein Jean Frenette verblassen würde: Mike Chaturantabut und Carmichel Simon. Letzterer dominierte über die letzten Jahre eindrucksvoll die Juniorklassen. Die US-Open bedeuteten seinen Einstand in der Erwachsenenklasse. Und was für ein Einstand: Mit sagenhaften, blitzschnellen Sprung- und Drehkicks, bei denen er sich um bis zu 540 Grad drehte (eineinhalb Drehungen !), erhielt er Höchstnoten und siegte mit zwei Hundertstel Punkten Vorsprung von seinem neuen Erzrivalen Mike Chat. Carmichel ist somit der unumstrittenen Meister der „Königsklasse der Formen.“
Unter den zahlreichen Teilnehmern befanden sich auch in diesem Jahr Sportler aus Europa. Im Semikontakt kämpften u.a. Roland Conar (Karlsruhe), Maik Böttcher (Hamburg) und Martin Kilgus (Loffenau, WAKO-WM) mit. Sie schieden vor dem Finale aus. Im Formenbereich sicherte sich der junge Österreicher Rüdiger Miller (Rattenberg) den neunten Rang.

Ocean State

Providence, Rhode Island
Gerade mal zwei Wochen nach den US-Open fand in Providence, Rhode Island, das nächste große Turnier in den Vereinigten Staaten statt. WAKO-US-Coach Don Rodriguez und seine Frau Christine Bannon organisierten die 15ten Ocean State Nationals. Auch dieses Turnier bot nicht nur Wettkampf, sondern ein ansprechendes Rahmenprogramm. So fand z.B. am Vortag ein Formenseminar mit dem mehrfachen US-Champion Chris Cassamasa und ein Teamkampf zwischen dem Macho-Team und den Metro-All-Stars statt.
Gut 1.200 Teilnehmer nahmen an diesem prestigeträchtigen Turnier teil. Trotz der hohen Teilnehmerzahl setzten sich zumindest in den Formenklassen mit Richard Branden, Mike Chaturantabut, Carmichel Simon, Kingston Ng, Kevin Thompson und Butch Marks die Favoriten an die Spitze ihrer Divisionen. Anders sah es im Semikontakt aus. Im Leichtgewicht verlor der favorisierte Vorjahressieger Kevin Thompson bereits im zweiten Kampf. Nur wenige Sekunden dauerte das Finale im Mittelgewicht. Nach fünf Sekunden lief Ronald Brady in eine Rechte von WAKO Weltmeister Pedro Xavier und ging schwer K.o. Sieger: Xavier. Im Schwergewicht siegte einmal mehr Anthony „Mafia“ Holloway.
Die Abendveranstaltung fand nicht mehr in der Sporthalle statt, der Ballsaal des Holliday Inn Hotels diente als Austragungsort für die Grandchampionkämpfe und den Showteil, der mit einer Demonstration der siebenfachen Formen- und Semikontakt-Weltmeisterin Christine Bannon-Rodriguez, die trotz ihres Rücktrittes vom aktiven Wettkampf zeigte, daß sie noch zur absoluten Weltspitze im Formenbereich gehört, eröffnet wurde.
Weltklasse im Semikontakt gab es danach in zwei Weltmeisterschaftskämpfen der WAKO Pro in der Klasse bis 84 Kilo und bis 74 Kilo zu sehen. Zunächst war die höhere Gewichtsklasse an der Reihe. Der Weltranglisten-Erste Soltan Szucs aus Ungarn und der Ami John Payton punkteten über fünf Runden um die Wette. Der Ungar wirkte jedoch deulich schwerfälliger und unterlag deutlich nach Punkten. Bis 74 Kilo stritt mit Lajos Hugyetz ein weiterer Ungar um die WM-Krone gegen einen Ami. Chris Rappold mußte dabei schon nach wenigen Sekunden von einem Hook-Kick am Kopf getroffen zu Boden gehen. Im Verlauf des Gefechts blieben beide Akteure stets eng beisammen, die Punktwertungen wechselten ständig. Kurz vor Ende führte der Ungar noch mit einem Punkt, doch dann entschied US-Boy Rappold mit einer Zwei-Punkte-Technik das Gefecht in letzter Sekunde für sich. ­

US Forms Grand Champion

Grossartige Formenläufer wie Mike Chat bei den Grandchampionships in Rhode Island werden spannend bewundert

Als nächstes standen die Grandchampion-Vorführungen der Formensieger auf dem Programm. Sowohl mit als auch ohne Waffen mußte sich der Kalifornier Mike „Chat“ Chaturantabut gegen Richard Branden (Waffen) und Carmichael Simon geschlagen geben. Simon dürfte mit seinem Doppelsieg bei den US-Open und den Ocean State Nationals über Mike Chat deutlich gezeigt haben, daß er zur Zeit die absolute Nummer eins im Formenbereich in den USA, und damit auf der ganzen Welt ist. Europäische Formenfans werden jedoch noch einige Zeit warten müßen, bis sie den US-Star zu sehen bekommen. Während die Nummer zwei Mike Chat bereits im November bei der Budo-Gala zu sehen sein wird, wird man Carmichael Simon voraussichlich erst Ende Februar 1996 als Stargast bei Budoshows und Kickboxgalas zu sehen bekommen (KICK wird berichten, die Verhandlungen laufen noch).
Das große US-Turnier war damit jedoch nicht zu Ende. Abschließend gab es noch einen Vergleichskampf zwischen dem bekanntesten amerikanischen Semikontakt Team um Jean-Paul Mitchell und einer kanadischen Auswahl zu sehen, welchen die US-Boys knapp für sich entscheiden konnten. Nach der Beendigung des sportlichen Wettkampfes ging es zum gemütlichen Teil über. Die Teilnehmer trafen sich zu einer Victory-Party, wo sie bis spät in die Nacht feierten. Auch das Feiern ist eine Besonderheit amerikanscher Turniere, die für Europa nachahmenswert sein dürfte.

Kick Joe Lewis

KICK 12/95 mit Joe Lewis

Diese Reportage erschien in Ausgabe 12/95, der ersten vollfarbigen Ausgabe der Kick Illustrierten. Es war ein exklusiver Beitrag von Rüdiger Miller – damals aktiver Formenläufer und freiberuflicher Journalist.

Tomas Barada

IAKSA WM 1997

Die fünfte Welt­meisterschaft des Weltverbandes für Amateur­kickboxen, IAKSA, fand Ende Septem­ber 1997 in Birming­ham, England statt. Zeitgleich feierte man mit dieser WM das 10-jährige Bestehen des Weltverbandes.
Trotz organisatorischer Mängel, wurde die Meisterschaft nach Ansicht der Beteiligten gut über die Bühne gebracht. Knapp 400 Teil­nehmer aus 30 Nationen und vier Kontinenten stritten um die Gunst der Punkt- und Kampf­richter. Entsprechend der strengen Statuten des Verbandes durften nur echte Amateure an dieser WM teilnehmen, die auch wirklich die Nationalität ihres Landes nachweisen konnten. Hier hebt sich die IAKSA von anderen Verbänden deutlich ab.

Günther Wenninger

Günther Wenninger (li) holte erneut Gold für Österreich

Aus sportlicher Sicht geriet die WM zum Höhepunkt der IAKSA-Geschichte. Sie übertraf dabei sogar die letzte Auflage in Kanada. Viele Favoriten blieben bereits in den Vorkämpfen auf der Strecke und so manche Ausscheidungskämpfe waren Final verdächtig. Gab es früher pro Nationalteam nur wenige herausragende Kämpfer, so konnte man diesmal eine deutlich gestiegene Leistungsdichte beobachten. Die Türken hatten in der Vergangenheit noch nie eine Goldmedaille erkämpfen können, diesmal gewannen sie gleich dreimal Gold im Vollkontakt. Das läßt darauf hoffen, daß die Europameisterschaft 1998 in Istambul eine Bereicherung werden wird.

Ebenfalls drei Goldmedaillen gingen an die USA und Kanada, die jeweils fünf Finalisten stellten. Traditionell stark auch die Irländer: mit drei ersten Plätzen erreichten sie ihr bestes Ergebnis seit ihres Beitritts. Im Vollkontakt blieben die Russen mit viermal Gold stärkste Nation. Überraschend, daß sie auch im Leichtkontakt (Charapova, Damen, -65 Kg) und Semikontakt (Morozov, Herren, +91 Kg) Kämpfer stellten, die bis ins Finale vordringen konnten.

Master Sken

Im Showteil zeigte Master Sken (li.) seine beliebten Muay Thai Vorführungen

Viele neue Länder nahmen teil. Unter ihnen Länder aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Libanon konnte mit zwei dritten Plätzen einen guten Einstand feiern. Die Tschechen zeigten sich von ihrer starken Seite. Jana Moravcova (Damen, -55 Kg) und Dusan Macak (-81 Kg) errangen Weltmeisterehren.
Das Abschneiden des deutschen Teams war enttäuschend. Torsten Weber erreichte als einziger Deutscher im Leichtkontakt, +91 Kg, das Finale, wo er sich dem Österreicher Robert Kruckenhauser geschlagen geben mußte. Im Semikontakt scheiterte Weber beim Einzug in das Finale an einem weiteren Österreicher. Der spätere Sieger Günther Wenninger war an diesem Tag einfach nicht zu schlagen. Mit Michael Steier belegte lediglich ein weiterer Deutscher im Leichtkontakt bei den Herren einen Medaillenrang mit Platz drei. Bei den Damen erreichte Christine Zöllner über 65 Kg die Silbermedaille. Der emtierende Europameister Mark Lewandowski scheiterte an Reiner Gerdenitsch, seinem Finalgegner der letzten EM aus Graz.

Tomas Barada

Tomas Barada kickt sich souverän zu einem weiteren Weltmeisterschaftstitel


Zwei Kämpfer ragten aus dem Teilnehmerfeld deutlich hervor. Der Slowene Tomas Barada, bereits mehrfacher IAKSA und WAKO Welt- und Europameister, deklassierte in der Klasse bis 67 Kg nicht nur seinen französischen Finalgegner Bicer. Selbst seine Vorkämpfe gewann er jeweils mit einem Vorsprung, der für mehrere Fights gereicht hätte. Der Österreicher Richard Klima fiel ebenfalls auf. Durch seine guten Kicks und seine Beweglichkeit konnte er in all seinem Kämpfen überzeugen.

Martin Mutanda

Martin Mutanda, der erste Fullcontact-Weltmeister aus Afrika

Erstes Gold für Afrika
Ein hohes Niveau herrschte im Vollkontakt über 91 Kg. Hier ging der Afrikaner Martin Mutanda an den Start. Der symphatische Fighter von der Elfenbeinküste erreichte bereits einen Vize-Weltmeistertitel im Semikontakt (Berlin, 1991) und im Leichtkontakt (Hull, 1995). Für den dritten Anlauf hatte er sich die härteste Disziplin ausgesucht. Mit drei K.o.-Siegen hatte er sich erfolgreich ins Finale gekämpft, wo er dem Russen Alexandre Skolov gegenüberstand. Nach drei Runden votierten die Punktrichter mit 2:1 Stimmen für den Afrikaner, der somit als erster Vertreter seines Kontinents einen Titel im Kickboxen errang.

Roland Conar im Pech
Die Kampfrichterleistungen konnte man angesichts nur fünf Proteste, von denen nur zwei angenommen wurden, als positiv ansehen. Unmut kam bei einigen harten Leichtkontaktkämpfern auf, denn die Unparteiischen hatten die Anweisung erhalten zu festen Kontakt, „Vollkontakt mit T-Shirt“, sofort zu unterbinden. Großes Pech hatte der in Deutschland lebende Kroate Roland Conar. Nach mehrfachem Gewinn eines Titels bei der WKA erwischte er bei der IAKSA einen rabenschwarzen Tag. Er unterlag bereits im ersten Kampf dem Tschechen Miroslav Sobotka deutlich.

Kick illustrierte 1998

Die letzte KICK Ausgabe vom Februar 1998


Diese Reportage wurde von unserem Wiener Korrespondenten und IAKSA Experten Fritz Exenberger verfasst und erschien in der Ausgabe 02/98. Es war die letzte noch im Handel erhältliche KICK Ausgabe, denn danach wurde das Budo Journal eingestellt. Fritz Exenberger betreibt u.a. die Octagon Sportschule in Wien: https://www.octagon.at/

Roland Conar kick

Ocean State Grand Nationals

Roland Conar kick

Roland Conar mit einem Volltreffer auf dem Weg ins Finale

Kreation, Engagement und Perfektion, dies sind die drei Schlagworte, mit denen man die 17. Ocean State Grand Nationals im US-Bundesstaat Rhode Island umschreiben kann. Der „kreative“ Kopf im Hintergrund war wie immer WAKO-US-Präsident Don Rodrigues, der sich wieder zahlreiche Neuerungen einfallen ließ, die dieses Turnier von allen anderen NASKA Turnieren abhebt. Auch „engagierten“ er und sein Team sich für eine Teilnahme möglichst vieler ausländischer Teilnehmer. Es ist eines der am „perfektesten“ vorbereiteten und durchgeführten Großturniere Amerikas.

Qualifikation für WM in Polen

Dies war bereits am Freitag, den 11. April 1997 zu sehen, als im Rahmen dieser Veranstaltung die US-Ausscheidungen für das WAKO-WM-Team in Polen durchgeführt wurden. Nach sehr intenisv geführten Kämpfen und knappen Formenentscheidungen, immer unter dem wachsamen Auge von Rodrigues, der auch US-Coach ist, stand am Schluß fest, daß Amerika 1997 eines der stärksten Teams seiner Geschichte stellen wird. Dabei sind u.a.: Pedro Xavier, Mike Pombeiro, Jon Valera, John Payton, Casey Marks und Richard Branden. Dies war aber nur das Vorprogramm an diesem Abend, im Anschluß fand die MACHO-TEAM-CHALLENGE statt. Begonnen wurde hier mit dem Team-Formenwettbewerb, den überraschend das Team aus Südafrika gewinnen konnte, die mit ihrer traditionellen Karate-Kata das Team Paul Mitchell mit Mike Chat und Jon Valera mit 2/10 Punkten unterschied auf Platz zwei verwiesen. Gleich darauf ging es mit Semikontakt weiter. Deutschland war auch dieses Jahr durch Roland Conar, Martin Kilgus und Zvonko Griebl vertreten, die sich erst im Viertelfinale knapp geschlagen geben mußten. Der Sieg ging an diesem Tag eindeutig an das Team Paul Mitchell, das zur Zeit in den USA nicht zu besiegen ist.

Kevin Thompson

Kevin Thompson gewinnt die Formenklasse der Senioren

Toller Zeitplan: 1.500 Sportler in 6 Stunden bewältigt: Am Samstag wurde das Convention Center von Providence, der Hauptstadt von Rhode Island von 1.500 Teilnehmern gestürmt, die das Organistionsteam immer fest im Griff hatte. Pünktlich um 9 Uhr wurde auf 25 Kampfflächen begonnen und so unglaublich es auch klingen mag, um 15.00 Uhr war dieses Turnier inklusiv Finalkämpfen beendet.

Deutsche im Pech

Leider lief der Tag für die Deuten nicht so gut. Bei den Formen belegte Sandra Heß nur Platz 6 und Andreas Dieckmann den 5. Rang. Im Semikontakt verlor Roland Conar (umstritten) im Finale gegen Ronald Brady und belegte somit „nur“ Platz 2. Martin Kilgus scheiterte hingegen schon am Einzug ins Finale und mußte sich mit Platz 3 zufriedengeben, ebenso Svonko Griebl der einem Medaillenrang schon in den Vorrunden ade sagen mußte.

Die Deutschen: Zvonimir Gribl, Martin Kilgus, Roland Conar

Auf zur Nighttime Show

Nach Beendigung der Ausscheidungen schlossen sich die Tore des Convention Centers für alle Teilnehmer und öffneten sich erst wieder nach diversen Vorbereitungen und Umbauarbeiten um 19.30 Uhr zur „Nighttime-Show“. Eröffnet wurde diese von den Team-Kata-Champions des Vortages aus Südafrika, die nocheinmal ihre perfekte Synchronkata vorführten. Weiter ging ess mit dem Damen-Formen-Grandchampion, den die Kalifornierin Anita Lopez mit einer hervorragenden WU-SHU Form für sich entschied. Auch bei Programmpunkt 3 wurde wieder ein Formen-Grandchampion ausgetragen, diesmal bei der Jugend. In 1997 noch ungeschlagen demonstrierte der Kalifornier Jimmy Pham sein Können und gewann vor Casey Marks Pokal und Preisgeld.

Mike Chat Kata

Normalerweise Kontrahenten – diesmal ein Team: John Valera (li.) und Mike Chat


Dem Publikum, das bereits jetzt in bester Stimmung war, wurde aber noch mehr Formen-Kost serviert, denn jetzt ging es noch um den Waffen-Grandchampion der Erwachsenen. Klarer Favorit war hier John Valera, der bei den Vorausscheidungen schon Mike Chat besiegte. Nach einer unglaublichen Darbietung, die das Publikum zu Standing-Ovations begeisterte, machte John alles klar und ging mit seinem ersten (aber noch nicht letzten) Grandchampion-Titel nach Hause.

Pedro Xavier holt Grandchampion Trophäe

Nach einer kleinen Pause, in der diverse Ehrungen durchgeführt wurden (in Amerika ist dies sehr beliebt, hier wird jeder von jedem für etwas geehrt) startete man mit den Herren-Semikontakt-Grandchampions. Im ersten Kampf um den Lightweigt-GC trat Favorit Pedro Xavier gegen den Newcomer Askia Allison an und hatte nicht die geringsten Probleme sich den Titel zu holen. Mit hervorragenden Hand- und vor allem Fußtechniken übte er von Anfang an Druck auf Allison aus und ließ diesem keine Chance zu punkten. Weitaus spannender ging es im Kampf um den Middelweight-GC zu. Der Newcomer im Team-Paul-Mitchell Mike Pombeiro stand hier Routinier Ronald Brady gegenüber. Beide legten schon zu Beginn ein sehr hohes Tempo vor und die Punktezahl beider kletterte unaufhörlich nach oben. Letztendlich entschieden aber Mike Pombeiros schnelle Kicks das Match und so ging die Trophäe mit 16:14 Punkten an den sympathischen Kalifornier. Nun sollte eigentlich der Kampf um den Heavyweight-GC folgen, leider konnte dieser aber nicht ausgekämpft werden, da sich Qualifikant Steve Babcock tagsüber verletzte. Der Sieg ging kampflos an John Payton aus Massachusetts.

Kevin Thompson muß in „Rentner-Klasse“ starten

Die nächste Überraschung erwartete die Zuschauer im Senioren-Semikontakt-GC wo sich Champion Kevin Thompson, der seit letztem Jahr in dieser Klasse kämpfen „muß“, da man in Amerika nach Überschreiten der 34-Jahre-Grenze nicht mehr in den unteren Kategorien starten darf, erstmals einem Gegner aus Italien gegenübersah. Dieser, eigentlich als Coach des italienischen Teams, rund um WAKO-Präsident Ennio Falsoni, angereiste „Oldie“ kämpfte sich tagsüber durch zahlreiche, recht harte Ausscheidungen und stand verdient im Grandchampion. Leider hatte der zwar um mindestens zwei Köpfe größere Italiener nicht mit dem trickreichen Kampfstil von Thompson gerechnet. Dieser ließ ihn bei Angriffen immer ins Leere laufen und konterte nach belieben. So kam es, daß der Italiener mit einer 8:0 Niederlage von Thompson regelrecht abgefertigt wurde. Na ja, immerhin im Grandchampion-Finale steht man trotzdem nicht jeden Tag.
Italy USA WAKO

Premiere: Team-Weltmeisterschaft USA gegen Italien

Wie bereits erwähnt kam auf Einladung von Don Rodrigues ein 15-Mann(Frau) starkes Team aus Italien nach Amerika und 3 Mitglieder dieses Teams, genauer Markus Zadra, Marco Ferrarese und Emanuele Bozzolani sollten an diesem Abend gegen das Team von Don Rodrigues bestehend aus den drei WAKO-PRO Weltmeistern, Pedro Xavier, John Payton und Chris Rappold um den ersten WAKO-PRO-TEAM-TITEL kämpfen. Das Publikum in der Halle war in der richtigen Stimmung und so wurde beiden Teams zuerst einmal ein frenetischer Beifall gespendet. Man spürte die Anspannung in der Halle, die bei dieser Premiere sowohl von Kämpfern als auch von den Zuschauern ausging. So standen sich in Kampf eins WAKO-WM Emanuele Bozzolani und John „Iceman“ Payton gegenüber. Da die Amerikaner immer noch den Fehler machen, die Europäer zu unterschätzen, kassierte Payton gleich zu Beginn von Bozzolani vier Punkte, was die Amis natürlich schockte und den Geräuschpegel in der Halle sofort sinken ließ. Aber Payton revanchierte sich bald und so stand es nach Runde eins nur 5:3 für Italien. In Runde zwei war eindeutig klar, wer diesen Kampf dominierte und Bozzolani machte den Sack endgültig zu. Kampf eins ging somit an Italien. Hockstimmung im italienischen Lager, Diskussionen auf amerikanischer Seite. Es folgte Kampf zwei. WAKO-PRO-WM Markus Zadra stand hier Chris Rappold gegenüber. Der um einige Kilo leichtere Rappold, mag wohl einer der am meisten unterschätzten Fighter sein, hier kämpfte er aber so stark wie nie. Konterstark wehrte er so jeden Angriffsversuch Zadras ab und machte seine Punkte. Zadra ließ sich aber nicht so leicht auspunkten und hielt den Kampf durch schnelle Punkte offen. Erst in Runde zwei zog der Amerikaner mit Unterstützung des tobenden Publikums unaufhaltsam davon und gewann diesen Kampf mit 13:10 Punkten. Ein wahrer Leckerbissen des Semikontakts wurde im letzten Kampf aufgetischt. Pedro Xavier und WAKO-EM Marco Ferrarese standen sich gegenüber. Hier wurden nicht nur von den Kämpfern Höchstleistungen gezeigt, auch die Kampfrichter wurden aufgrund des hohen Tempos aufs äußerste gefordert. Beide Kämpfer ließen das komplette Technikprogramm vom Stapel und zeigten Semikontakt in höchster Vollendung. Auch das Publikum war mittlerweile nicht mehr auf den Sitzen zu halten und feierte jeden Punkt des Amerikaners ausgelassen. Man kann zwar nicht sagen, daß Xavier diesen Kampf kontrollierte, trotzdem war es der Amerikaner, der von Anfang an dominierte. Ferrarese punktete ebenfalls häufig und nicht weniger spektakulär, er konnte Xavier aber eigentlich nie ernsthaft geführden. Am Ende von Runde zwei ging dann auch dieser Kampf an die USA. Somit, nach Addition aller Punkte besiegte die USA Italien mit 34 zu 30 Punkten und war somit neuer WAKO-PRO Team Titelträger. Als Besonderheit dazu wäre noch zu sagen, daß diese Veranstaltung Chuck Norris Aktion „Kick Drugs out of Amerika“ unterstützte und pro erzielten Punkt US-$ 25,— an dessen Organisation weiterleitete.

Sandra Heß

Sandra Heß

John Valera schlägt Mike Chat mit Höchstnoten

Den Abschluß der Show bildeten zwei weitere Formenkategorien. Als erste wurde der Jugend-Waffen-GC ausgetragen. Hier ist es immer wieder erstaunlich zu welchen Leistungen schon die jüngere Elite Amerikas fähig ist. Sieg und Prämie ging auch hier, wie bereits im Vorjahr an die Favoritin Casey Marks, die mit ihrer sehr emotional vorgetragenen Bo-Form die Kampfrichter ein ums andere mal überzeugt und so bereits heute zu einer der erfolgreichsten Formenläuferinnen Amerikas zählt. Nun war es Zeit für die Königskategorie der Formen, den Herrn Formen-Grandchampion. Hier betraten die Gewinner der einzelnen Kategorien der Vorausscheidungen nacheinander die Bühne: Alan Sandorn (Soft-Style), Mike Chat (Musical), Kevin Thompson (Senior), Rick Jacobs (Traditional) und Jon Valera (Korean). Favoriten waren Mike Chat und John Valera. Zwar zeigte der Rest des Teilnehmerfeldes hervorragende Leistungen, entschieden wurde die Sache aber zwischen den beiden Kaliforniern. Mike Chat war an diesem Tag wie immer brillant, zeigte hohe Sprungkicks, elegante Techniken und absolute Synchronität. Trotzdem – John Valera war an diesem Tag einfach „heiß“ auf den Titel. Er begeisterte Publikum und Kampfrichter gleichermaßen mit blitzschnellen Kicks, Drehungen und Sprüngen, die im Ablauf teilweise nicht mehr zu verfolgen waren. Als John wieder auf dem Boden „aufsetzte“ erhielt er von 6 der 7 Kampfrichter die Höchstnote und nahm Titel Nummer zwei an diesem Tag in Empfang.

Eine Reise wert

Bei der anschließenden Party wurde noch kräftig bis in die frühen Morgenstunden gefeiert und alle Teilnehmer gingen mit dem Gefühl nach Hause, ein großartiges Wochenende verbracht zu haben und Kampfsport vom feinsten erlebt zu haben. Für einen Trip zu einem US-Turnier können wir die Ocean State Grand Nationals bestens empfehlen.

Kick Elvis Presley
Diese Reprtage erschien in der KICK Ausgabe 08/1997, verfasst von Rüdiger Miller aus Österreich.

Roland Conar

WAKO IDM 1997 = Midnight Show

Internationale Deutsche Meisterschaft 1997 des DKBV in Ebern – Dreifachturnhalle platzt aus allen Nähten – starke internationale Besetzung – Funktionäre kränkeln weiter am WAKO-Syndrom.

Roland Conar

Roland Conar (re.)

Ohne zu übertreiben, darf die Internationale Deutsche Meisterschaft 1997 in den Kategorien Semi-, Leicht- und Vollkontakt-Kickboxen sowie im Formenbereich als eines der teilnehmerstärksten Turniere Europas bezeichnen. Mehr als 750 Teilnehmer fanden sich im bayerischen Ebern ein, wo sie die Dreifachturnhalle fast zum Überlaufen brachten. Leider konnte Organisator Jürgen Schorn nicht verhindern, daß aufgrund einiger Fehlbesetzungen in seinem Team und gewohnter Kompetenzrangelein seitens der WAKO-Offiziellen die Veranstaltung wieder zu einer Mitternachtsshow ausartete.

Kata zum Beat des Sprechers

Da alle Ansagen sowie die Musik für die Formenkategorie über ein und dieselbe Anlage liefen, gab es schon zu Beginn Schwierigkeiten, da manche Teilnehmer ihre Musik nicht mehr hörten und ihre Formen stattdessen synchron zur Stimme des Sprechers laufen mußten. Im Verlauf des Turniers wurde dieses Problem beseitigt und so nahm die Veranstaltung doch noch einen geregelten Verlauf.

Stare Ostnationen dominieren im Vollkontakt

Im Vollkontakt waren alle Klassen sehr stark von Teilnehmern aus dem Osten besetzt. Sie dominierten fast immer ihre Klassen. Aus deutscher Sicht sind hier vor allem die Leistungen von Sven Altner aus Sachsen, Claudio Vigorelli aus Niedersachsen und Abtin Ramin aus Baden Württemberg hervorzuheben. Altner, der alle Vorkämpfe problemlos überstand, zeigte auch im Finale einen technisch sauberen Kampf, unterlag aber seinem russischen Gegner. Vigorelli, aus dem Stall von Antonio Spatola überzeugte sowohl Kampfrichter als auch Publikum durch seine Vielseitigkeit und Kampfstärke. Auch er kämpfte sich ohne nennenswerte Probleme durch die Vorkämpfe und hatte auch im Finale mit seinem Gegner aus der Ukraine nur in den seltensten Momenten Probleme. Hervorragend präsentierte sich Abtin Ramin in der Klasse -75 kg. Technisch hochstehendes Kickboxen bestimmte seine Kämpfe und an seinem Siegeswillen an diesem Tag scheiterten alle seine Vorrundengegner sowie sein Finalgegener aus der Ukraine klar.

Sven Altner

Sven Altner, Leipzig (li.)

Kerstin Kotyrba

Leichtkontakt bleibt in deutscher Hand

Im Leichtkontakt durchbrach Deutschland klar die Welle aus dem Osten und sicherte sich den Sieg in 8 der 13 Kategorien. Mit hervorragenden Leistungen glänzten unter anderem Claudio Vigorelli, Abtin Ramin, Kerstin Kotyrba, Claudia Schregele, Andreas Hahn, Mike Bela, Stefan Beranek und Thomas Eismann, die alle ihre Klassen gewannen. Wo Deutschland im Vollkontakt nicht überzeugen konnte, hier gelang es eindeutig.

Sandra Heß

Sandra Heß

Sandra Hess siegt gleich zweimal

Bei den Formen wurden die Kinder- und Jugendklassen wie schon in den letzten Jahren vom Black Belt Team rund um Uwe Mandler beherrscht und bekannte Namen wie Jerome Cornelius, Niki Hennig und Maria-Luise Coppola fanden sich auf den vordersten Plätzen wieder. Bei den Erwachsenen fiel vor allem auf, daß viele der Topstars nicht am Start waren. Trotzdem war das Niveau sehr hoch. Man konnte viele neue Ideen und Kreationen sehen. Herausragend an diesem Tag war Andreas Dieckmann vom Team TOPTEN, der sowohl die Waffen- als auch die Formenkategorie gewann. Bei ihm wird es spätestens nächstes Jahr soweit sein, daß er zu den ganz großen in Europa gehören wird. Bei den Damen lief Sandra Hess praktisch konkurrenzlos ihre Formen. Sie trat bereits am Nachmittag mit 2 ersten Plätzen den Weg zu einem Showauftritt in Karlsruhe an.

Roland Conar besiegt WAKO-Weltmeister Lajos Hugyetz

Auch im Semikontakt war es, trotz starker internationaler Beteiligung wieder ein großer Tag für Deutschland. Bis auf ganz wenige Ausnahmen gingen alle Semikontakt-Kategorien an deutsche Kämpfer bzw. Kämpferinnen. Bei den Damen beherrschten Gonca Bagci, Miriam Diller und Gerlinde Melch ihre Klassen klar. Spannend wurde es in der Klasse -65 kg, in der Melanie Moder aus Bayern im Finale auf die bis dahin dominierende Claudia Schregele traf. Ganz knapp ging dieser Kampf dann an Moder, die durch ihre guten Beintechniken überzeugen konnte. Auch bei den Herrn wurden die favorisierten Kämpfer ihrem Image gerecht und ließen ihre Gegner teilweise recht frustriert im Ring zurück. Dazu zählen unter anderem die beiden Weltmeister Martin Kilgus und Thomas Pfaffl, „Oldie“ Andreas Betsche, Günther Schönrock und Harald Heinen. Zwei der spannendsten Finalkämpfe sah man in der Klasse -57 kg, wo sich Rolf Leipert aus Hessen und Hasan Arslan aus Baden Württemberg ein wahres Technikgefecht lieferten. Am Schluß hatte Leipert knapp die Nase vorn und gewann Titel und Pokal. Ebenfalls spannend präsentierte sich das Match zwischen Spitzenkämpfer Roland Conar und dem mehrfachen Weltmeister Lajos Hugyetz aus Ungarn (-79 kg). Zwar dominierte Conar den Kampf schon von Beginn an, aber der etwas müde wirkende Hugyetz kam immer wieder heran und kurz vor Schluß gab es sogar wieder Gleichstand. Nun spielte Conar seine Flexibilität aus und deckte Hugyetz mit einer blitzschnellen Technikserie ein, die ihm die entscheidenden Punkte einbrachte.

Fazit

Zusammenfassend wäre nur noch zu sagen, daß dieses Turnier trotz großer Verzögerung und dem späten Ende recht gelungen war – was man jedoch nur feststellen konnte, wenn man blieb – und in dieser Form sicher wiederholt werden sollte.

Kicksider mit Elvis Presley
Diese Reprtage erschien in der KICK Ausgabe 08/1997, verfasst von Rüdiger Miller aus Österreich.

WMAC TV

Zum Thron des Drachen

Amerikas Spitzenkämpfer duellieren sich in der TV-Serie „WMAC-Masters“. Die Show und das Geschehen hinter den Kulissen sollen den Sportlernachwuchs fördern.

So wie man vor einigen Jahren über die „Ninja Turtles“ und später über Filmstars wie Jean-Claude van Damme gesprochen hat, unterhält man sich heute in amerikanischen Fachkreisen über die TV-Serie WMAC Masters – Quest of the Dragon Star. Es ist die Fernsehserie, in der die großen Stars der amerikanischen Semikontakt- und Formenszene auftreten. Leider ist sie bei uns noch nicht im TV ausgestrahlt worden, doch, was nicht ist, kann noch kommen. Wir haben uns bei den Dreharbeiten hinter die Kulissen gewagt.

Das World Martial Arts Council – WMAC – ist eine fiktive Kampfsport Organisation, die in einem Turnier Kampfsportler aller Stile zusammenführt und gegeneinander antreten läßt. Nur die besten der Besten werden eingeladen. Jeder Teilnehmer erhält ein KI-Symbol, das seinen Charakter darstellt, und einen Künstlernamen. Christine Bannon ist „Lady Lightning“, Hakim Alson „The Machine“, Larry Lam „Warlock“, Richard Branden „Yin Yang Man“, Herb Perez „Olympus“, Mike Bernardo „Turbo“ und Mike Chaturantabut ist „Wizard“. Jede Episode spielt gut 30 Minuten. Zwei Stars treten am Anfang jeder Show gegen „Shadow Warriors“ an.

WMAC TV

Bridget Riley, Chrstine Bannon, Mermer Chan

Sobald diese Angreifer, vergleichbar mit Ninjas, besiegt sind, treten die beiden Hauptakteure gegeneinander an. Der Sieger erhält das KI-Symbol seines Gegners in einer feierlichen Zeremonie überreicht, um es sich wie einen Orden an den Gürtel zu heften. Sobald ein Kämpfer zehn dieser KI-Symbole auf seinem Gürtel zählt, erhält er das Recht, den amtierenden Champion herauszufordern. Gewinnt er auch diesen Kampf, darf er den „Thron des Drachen“ besteigen.

Obwohl bei WMAC Masters die Kämpfe im Vordergrund stehen, präsentieren die Produzenten den überwiegend jugendlichen Zuschauern Hintergrundwissen über die wahren Züge der dargestellten Charakter und den Budosport schlechthin. Blenden in die Vorbereitungsräume der Sportler, wo diese sich aufwärmen und friedlich miteinander umgehen. Man will die jungen Zuschauer erziehen und ihnen aufzeigen, daß die Aggressivität in den Martial Arts nur auf die Aktionen im Ring beschränkt sein darf. Gedreht wird in den Universal Studios in Florida. Außenaufnahmen werden im abwechslungsreichen Themenpark der Studios gedreht. Wo täglich Touristen gemütlich durchschlendern, kicken und taktieren Christine Bannon und Co. sich zwischen dem Weißen Hai und einer King Kong Figur.

Christine Bannon WMAC Masters maske

Letzte Handgriffe in der Maske kurz vor Drehbeginn zu einer neuen Folge

Die Schauspieler werden hart gefordert, Drehtage mit 14 Stunden sind keine Seltenheit. Die Außenaufnahmen werden teilweise zu exotischen Tageszeiten geschossen, schließlich ist der Themenpark tagsüber voll mit Besuchern. Die Regisseure und Choreographen legen laut Christine Bannon-Rodriguez hohen Wert auf eine realitätsnahe Ausführung der Techniken, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln eingefangen werden. Es ist nicht selten, daß Einstellungen bis zu 20 mal wiederholt werden. Für Stunts stehen keine Stuntmen zur Verfügung, so daß die Akteure selbst brenzlige Szenen selbst ausführen müssen.
Regisseur Isaac Florentine („Power Rangers“) garantierte durch seine einschlägige Erfahrung in diesem Genre zusammen mit Shannon Lee, der Tochter von Bruce Lee, die als Moderatorin durch die Serie führt, für den Erfolg. Nebenbei wird die Serie über Kampfsportschulen vermarktet, ähnlich dem Vorbild der „Ninja Turtles“ oder „Power Rangers.“

Kicksider mit Elvis Presley
Diese Reprtage erschien in der KICK Ausgabe 08/1997, verfasst von Rüdiger Miller aus Österreich.

Andy Hug

K1 Fieber in Zürich

Andy Hug mit Siegerpokal

Andy Hug mit Siegerpokal


Wahnsinn, über 12.000 Zuschauer kamen in Juni 1997 in Zürich zur K-1 Fightnight ins Züricher Hallenstadion. Liveübertragung im schweizer TV mit Rekordquoten und via Satellit in Japan. Alle wollten sie einen Mann sehen: Andy Hug. Der Schweizer, der vor rund 10 Jahren begann im Kyokushin-Fullcontact-Karate auf sich aufmerksam zu machen, kämpft jetzt als einer der besten Schwergewichts-Thaiboxer im K-1-Zirkus an oberster Stelle. Nach dem Sieg im K-1 Turnier mußte er in der größten Veranstaltungsstätte, die sein Heimatland aufzuweisen hat, gegen seinen Erzrivalen Mike Bernardo in den Ring steigen.
Es ging um den Thaibox-WM-Titel nach Version der World-Kickboxing-Organisation, WKA über fünf Runden zu drei Minuten. Anders als die meisten Zuschauer, die einfach nur ihren Andy gewinnen sehen wollten, favorisierten die meisten Fachleute den Südafrikaner Bernardo. Er hatte Hug bereits zweimal vorzeitig besiegt, der Schweizer gewann nur einmal.
Die hohen Anforderungen, die man an das Aufeinandertreffen der beiden Gladiatoren stellte, wurden erfüllt. Beide lieferten sich einen spannenden Kampf. Bernardo versuchte Hug zu stellen, um ihn mit seinen gefürchtet harten Faustschlägen zu treffen und möglichst vorzeitig ins Land der Träume zu schicken. Hug mußte sich gut bewegen, um diesen Schlägen auszuweichen. Wenn ihm das gelang und er den Südafrikaner mit Lowkicks unter drucken setzen konnte, war er der Favorit. Eine besonders schwere Aufgabe für den Eidgenossen, doch sicher eine lösbare.
Der Kampf im restlos ausverkaufte Hallenstadion begann. Andy bewegte sich gut, wich den Angriffen des Südafrikaners aus und konterte mit einzelnen Lowkicks. Zwischendurch ließ er seine technische Brillanz aufblitzen und zeigte gute Kicks in Kopfhöhe. So ging die erste Runde vorbei. Die zweite Runde verlief ähnlich, bis wenige Sekunden vor dem Gong der linke Haken Bernardos am Kinn des Schweizers explodierte. Hug lag am Boden – seine Fans, die eben noch vor Begeisterung tobten, waren plötzlich still. Hug schaffte es, wieder aufzustehen, der Ringrichter sah, daß er wieder klar war. Noch etwas benommen setzte Hug sich in die Ecke, wo er von seinem Coach Gong aufgefrischt wurde. Jetzt stellte man sich die Große Frage: kann Andy die dritte Runde überleben? Kann er sich fangen, und zurückkämpfen? Oder wird Bernardo, der weiß, wann er nachsetzen muß, den Kampf jetzt beenden? Die Spannung war groß, aber das gehört zu einem guten Kampf. Es ist eben dieses Kribbeln und diese große Ungewißheit, das das Warten auf die nächsten Sekunden so spannend macht.
Der Gong ertönt und die beiden WM-Aspiranten machen sich an die Arbeit. Hug weiß, daß er sich gerade jetzt keinen Fehler leisten kann, Bernardo kennt seine Chance. Als die möglicherweise entscheidende dritte Runde beginnt, sieht man Hug wieder auf flinken Beinen, er weicht dem Südafrikaner aus. Dennoch wird er in einen offenen Schalabtausch verwickelt, steckt einiges ein, fightet jedoch unbeeindruckt zurück und landet einen soliden linken Kniestoß zum Kopf, als dieser sich etwas zu tief abduckt. Das hat den Weltranglistenzweiten richtig durchgeschüttelt, er wird langsamer. Noch etwas langsamer wird er, als der flinke Schweizer unachtsam wird und einen Frontkick etwas zu tief ansetzt. Bernardo erhält nach dem Tiefschlag vom japanischen Kampfrichter eine kurze Pause. Ab da kontrolliert er das Geschehen. So geht es in der vierten Runde weiter. Hug bewegt sich, trifft gut mit Lowkicks gegen das führende Bein. Als Bernardo den Bogen raus hat, wechselt Hug die Strategie und trifft Bernardo voll mit einem linken Lowkick, der Bernardo sichtlich ermüdet. Erst zum Ende der Runde landet er wieder wirkungsvolle Treffer.

Roundhouse Kick zum Kopf. Andy Hug gegen Mike Bernardo

Die letzte Runde verläuft ähnlich wie die dritte und vierte, nur daß Hug sich jetzt noch mehr bewegt und Bernardo kaum mehr an ihn herankommt, bzw. beim Versuch mit einem kurzen Lowkick oder einem schnellen Frontkick zum Bauch aufgehalten wird.
Am Ende feiern die begeisterten Schweizer ihren Volksheld: Andy Hug gewinnt diesen WM-Kampf nach Punkten, erhält von WKA-Präsident Paul Ingram den WM-Gürtel und zahlreiche andere Siegprämien, mit denen er stolz für die Kamera posiert.

Resultate der Kämpfe:
Zürich, 7. Juni 1997: Ernesto Hoost (NL) KO1 Shaun Johnson (GB), Andy Hug PT5 Mike Bernardo (Südafrika), Perry Ubeda (NL) PT5 Stephane Nikiema (F), Taiei Kin (JAP) PT5 Orlando Wiet (NL), Marino Deflorin (CH) PT5 Hideki Boku, Michael Thompson PT5 Musashi (JAP), Masaaki Satake (JAO) PT5 Kirkwood Walker (GB)

Kicksider mit Elvis Presley
Diese reprtage erschien in der KICK Ausgabe 08/1997. Andy Hug verstarb am August 24, 2000 nach Krankheit. Erinnerungen an diesen tollen fighter findet man hier: www.andyhug.com

Joe Lewis and John Graden

Defensive Fussfeger mit John Graden

Wie gut ein Gegner im Treten und Schlagen auch sein mag, es gibt immer einen Weg, ihm einen Dämpfer zu verpassen, indem man ihm das wegnimmt, was er immer für selbstverständlich betrachtet hat: Den Boden unter seinen Füßen. Seit sie denken können sind die Menschen immer davon ausgegangen, daß sie, mal abgesehen von dem einen oder anderen Erdbeben, festen Boden unter den Füßen haben. Ihnen diesen Halt zu nehmen, das ist das Prinzip des defensiven Fegens. Die meisten Systeme beinhalten ein Repertoire von Fußfegern, die es sich zu üben lohnt. Was hier beschrieben wird sind jedoch Fußfeger, die als Kontertechniken eingesetzt werden. Das Ergebnis ist ein Feger, der einfacher auszuführen und oft effektiver ist. Das Wichtigste dabei ist das Timing.

Joe Lewis and John Graden

Joe Lewis mit Fussfeger gegen Autor John Graden

Während eines Angriffs präsentiert der Gegner stets einen oder mehrere verletzliche Punkte. Dies sind Momente, in denen er kaum dazu in der Lage ist, zu blocken oder sicher zu stehen. Als Beispiel soll hier eine gestreckte Technik, ein Kick vielleicht, angeführt werden. Während den meisten Kicks ist der Unterleib ein offenes Ziel, bei vielen Fausttechniken sind der Kopf und der Oberkörper leicht zu treffen. Ein anderes Beispiel wäre das Zurückziehen des Beins in der Endphase eines Tritts. Darauf zielt dieser Artikel ab, denn hier gibt sich die ausgezeichnete Möglichkeit, Fußfegers anzubringen, ohne daß sich der Gegner dabei effektiv wehren kann. Er bleibt nahezu schutzlos ausgeliefert.
Wenn Fußfeger unterrichtet werden, geschieht das meist auf folgende Weise: Die Schüler stellen sich partnerweise auf und üben die Technik, eine nach der anderen. Dabei passieren oft zwei Dinge: Erstens hilft derjenige, der geworfen bzw. gefegt wird nach, indem er sein Gewicht verlagert und sich werfen läßt. Das führt zu einer falschen Selbsteinschätzung. Der andere häufige Fehler hat den gegenteiligen Effekt: Der Geworfene steht so fest, daß nicht einmal ein Baseballschläger sein Bein bewegen könnte. Wer versucht, dieses Bein zu fegen, wird zwangsläufig frustriert.
Der Konterfußfeger verhindert dieses Frustrationsgefühl. Er ist so konzipiert, daß er das Bein, das von einem Kick abgesetzt wird, einfach umlenkt. Wenn der Gegner nach einem Kick sein Bein absetzt, wird es entweder auf der Innen- oder der Außenseite des eigenen vorderen Fußes stehen. Ein Beispiel dafür ist der Rundtritt, der verwendet wird, um die Distanz zum Gegner zu überbrücken. Nachdem das Bein zurückgezogen wurde, ist es Zeit, aktiv zu werden: Sobald das Bein den Boden berührt, lenken wir es um. Dadurch verliert der Gegner seine Balance. Oft wird er direkt zu Boden gehen, was dazu führen wird, daß er seine künftigen Aktionen mit mehr Vorsicht starten wird. Es geht also auch darum, die Selbstsicherheit des Gegners zu zerstören.
Wenn ich einen Gegner mit besseren Kicks und Handtech-niken vor mir habe, wäre es unsinnig, zu versuchen, mich auf dieses Spiel einzulassen. Meine Techniken werden einfach nicht mithalten können. Die strategische Frage heißt dann: Wie kann ich seine Stärken neutralisieren? Im Krieg ist es oft die Strategie, den Generalstab auszuschalten, denn dann nutzen alle Panzer und Bomben nichts mehr. Im Ring gilt es ebenfalls, die Front (Kicks und Punches) zu überwinden und das Kommandozentrum (Kopf) zu zerstören. Wem es gelingt, seine Linie zu durchbrechen und ihm das zu nehmen, worauf er sich bisher immer verlassen konnte, der hat den Vorteil auf seiner Seite.
Denkt darüber nach: Was für ein Gefühl ist es, wenn man sich, jedes mal, wenn man seinen besten Kick macht, auf den Hintern setzt oder zumindest Mühe hat, auf den Beinen zu bleiben? Oder welchen Effekt hat es, wenn bei einem Punch das vordere Bein plötzlich nicht mehr dort ist, wo es sein sollte?
Vorsicht und Unsicherheit, oder nicht? Vielleicht nicht übermäßig, aber oft genügt es, den Gegner ein wenig an den eigenen Techniken zweifeln zu lassen, und schon wendet sich das Blatt.
Fußfeger als Konter sind sehr leicht zu lernen und können dennoch sehr effektiv sein. Ich selbst habe zwei Leuten damit die Knöchel gebrochen, daher Vorsicht. Manchmal hat der Gegner bereits zu viel seines Gewichts auf das Bein verlagert, dann bewegt sich nur noch Schienbein und Wade, während der Fuß stehen bleibt. Das Resultat ist ein verstauchter oder gebrochener Knöchel. Trotzdem ist es meist ein weniger schmerzhafter Feger als der Angriffsfeger.
Bei uns in der USA-Karate-Schule in St. Petersburg, Florida, tragen die Schüler Schienbeinschützer und Fußschoner um das zu üben. Der eine führt einen geraden Fußstoß aus und setzt ihn ab, während der andere versucht, den absetzenden Fuß so rechtzeitig zu fegen, daß der Angreifer bereits bei dem ersten Kontakt des Gleichgewicht verliert. Dabei kann es auch mal passieren, daß der Angreifer in die volle Grätsche gezogen wird. Später machen wir die gleiche Übung gegen den Rundtritt (Roundhousekick, bzw. Mawashi Geri). Dabei muß dann nach hinten gefegt werden, da das Bein meist hinter dem vorderen Bein des Angreifers abgesetzt wird. Jedem liegt die eine Übung mehr als die andere. Die meisten werden eine oder zwei Anwendungsmöglichkeiten finden, die ihnen liegen. Das ist gut so. Die meisten Konterfußfeger setzen nicht viel Gewichtsverlagerung voraus, da der Bewegungsaufwand des Fegers an sich sehr klein ist, wie man auf den Fotos sehen kann.
Es ist nur ein kleines Umlenken, was den Gegner auf den Boden schicken kann. Arbeite an den Fegern, dann arbeiten sie für dich. Mit ein wenig Übung wird es gelingen, das Kommandozentrum auszuschalten und dem Gegner seinen Stand schwer zu machen. Das frustriert ihn und bedeutet für dich Sieg auf ganzer Linie.

John Graden Karate

John Graden

Vor mehr als 20 Jahren begann John Graden unter den amerikanischen Karate Pionieren Walt Bone und später Joe Lewis mit dem Karate und Taekwondo. Als aktiver Kämpfer erreichte er mit dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft im Vollkontakt Kickboxen (WAKO, London, 1985) seinen sportlichen Zenith. Fußfeger waren stets eine seiner Lieblingstechniken, sowohl im tradtitionellen Wettkampf, beim Semi- oder Vollkotakt. Als Begründer der NAPMA, einer amerikanischen Vereinigung kommerzieller Sportschulen veröffentlichte der heute 36jährige, in Florida lebende Amerikaner mehrere Bücher („Black Belt Management“) und das zweimonatlich erscheinende Magazin „Professional Martial Arts.“

Samurai Magazin Bill Wallace

Samurai Magazin 02/1997


Diese Reportage wurde in der Samurai Ausgabe 02/97 veröffentlicht. John Graden hat die NAPMA verlassen und betreibt heute MATA..

Peter Cunningham Abs

Bauchtraining à la Sugarfoot

Cunningham kickboxing abs

Peter Cunningham mit perfekten Abs. Von ihm kann man viel lernen.

Thai- und Kickbox-Weltmeister Peter Cunningham, USA, zeigt seine Übungen, mit denen er seine Bauchmuskulatur gegen die harten Treffer seiner Konkurrenten trainiert.

Es gibt keinen Sport, bei dem eine extrem gute Bauchmuskulatur so wichtig ist, wie das Thaiboxen. Stellen Sie sich vor, sie wären ein Topkämpfer im Thaiboxen und sie würden einem ebenbürtigen Fighter im Ring gegenüberstehen. Sie wissen um die harten Kniestöße und Schienbeinkicks und sind sich bewußt, daß sie diesen nicht immer entkommen können. Sie müssen folglich bereit sein, diese zum Körper zu nehmen. Das funktioniert nur mit einem besonders guten Bauchmuskeltraining. Der US-Amerikaner Peter „Sugarfoot“ Cunningham ist einer der besten Thaiboxer der letzten Jahre. Wenn man seine Kämpfe kennt, weiß man, daß er weiß, worüber er spricht, wenn er seindrucksvoll demonstriert.
Gerade beim Belasten dieser Muskelpartie gab es in den letzten Jahren wertvolle sportwissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse, so daß die klassischen Situps, die man mit festgestellten Beinen ausgeführt hat, nahezu vollständig von den Crunches, bei denen allein die Bauchmuskeln trainiert werden, abgelöst wurden. Wer sich in der Anatomie des menschlichen Körpers ein wenig auskennt, weiß, daß es sehr schwer ist, die Bauchmuskeln völlig isoliert zu trainieren. Es werden meist andere Muskelgruppen im Rücken, Po und in den Oberschenkeln mittrainiert. Letztlich ist gerade das ein wertvoller Aspekt des allgemeinen Trainings. Mit diesen „Nebenwirkungen“ erreicht man eine bessere Haltung von Hüften und Oberkörper, denn die Rückenmuskulatur wird gestärkt.




Nehmerqualitäten im Bauch- und im seitlichen Oberkörperbereich haben nicht unbedingt mit der extremen Ausbildung (Definition) oder Masse der Muskulatur zu tun. Es kommt primär auf die Fähigkeiten des Kämpfers an, eine Situation zu erkennen, in der er getroffen werden kann, um dann so schnell zu reagieren, um seine zu einem Waschbrett angespannte Bauchmuskulatur als Schutz vor den empfindlichen Organen anzuspannen.

Didafat testet Peter Cunninghams Abs

Autsch! Harte Knietreffer wie hier in seinem letzten Fight gegen Dida aus Frankreich steckt Cunningham mit angespannten Bauchmuskeln problemlos weg.

Bestellformular: Peter „Sugarfoot“ Cunningham’s Civilized Warring: Fundamental Kickboxing Techniques

Peter Cunningham erinnert sich an seine aktive Zeit, die noch nicht lange zurückliegt: „300 Situps und Crunches“ hat er täglich in den letzten 6 bis 8 Wochen vor eine Kampf absolviert, sonst waren es immerhin 150 bis 200 alle zwei bis drei Tage. Unterteilt hat er die Übungen, die er auf den Bildern zu diesem Artikel ausführt, in Sätze von jeweils 50 Übungen. Das ist deutlich mehr als für ein normales Fitnessprogramm als sinnvoll erachtet wird (15 – 20), doch man muß bedenken, daß bei einem Thaiboxkampf andere Anforde-rungen an die Härte und Ausdauer der Muskulatur gestellt werden. „Man kann nicht einfach schlapp machen, weil man den Bauch bereits 20 Mal in einer Runde angespannt hat,“ erklärt „Sugarfoot“ die hohe Wiederholungszahl in seinem Training. Das hört sich logisch an, schließlich muß er wissen, wie hart es im Ring zugeht. Daß es für eine gut ausgeprägte Bauchmuskulatur nicht nötig ist, täglich eine derart harte Prozedur über sich ergehen zu lassen, zeigen die aktuellen Aufnahmen, die anläßlich eines Seminars im Berliner Fitneßcenter Satori-Spandau entstanden sind. Trainingspartner: Roland Conar. „Ein Jahr nach meinem letzten Kampf trainiere ich ein- bis zweimal die Woche meinen Bauch mit 100 bis 150 Wiederholungen.“ Nicht schlecht. Also – rann an den Speck und trainieren wie „Sugarfoot“.

Bauchmuskel Training

A) High Crunch
Beine möglichst getreckt lassen und ca. 3 Sekunden halten, wenn man die Füße berührt. Die obere Bauchpartie wird beansprucht.
B) Halbes Radfahren
Mit den Ellbogen abstützen, gerader Rücken, und die abwechselnd heben ohne sie jedoch ganz abzusetzen. Langsam ausführen. Gut für die Seiten.
C) Crunches
Klassische Crunches, immer locker bleiben und die Füße ruhig halten. Schon nach wenigen Wiederholungen spürt man die Muskeln.

Bauchmuskel Training Kickboxen

D) Sit Ups
Diese Übung mit Partner ist klassisch wie keine andere. Man sollte sich jedoch nicht ganz nach vorne beugen, sondern nur bis die Muskeln anspannen, da sonst der Rücken falsch belastet wird.
E) Side Ups
Seitliche Situps sollten nur ausgeführt werden bis die Muskeln spannen, kurz halten und wieder runter.
F) TURN UPS
Situps mit leichtem Oberkörperdrehen sind gut für die seitliche Muskulatur.
G) Cool Down
Leicht abstützen und locker Beine überkreuzen. Das sieht locker aus, ist bare sehr effektiv.

Bestellformular: Peter „Sugarfoot“ Cunningham’s Civilized Warring: Fundamental Kickboxing Techniques

Samurai Magazin Bill Wallace

Samurai Magazin 02/1997


Diese Reportage wurde in der Samurai Ausgabe 02/97 veröffentlicht. Vielen Dank für die Mithilfe am Entstehen gehen an Trainingspartner Roland Conar, Organisator Klaus Nonnemacher und Andreas Große vom Budokan Berlin. Bitte lesen sie passend dazu das Interview mit Peter Sugarfoot Cunningham: Interview..

Hubert Numrich

Kämpfen bis zur Aufgabe

Hubert Numrich

Hubert Numrich zeigt Bodenkampf Techniken des Vale Tudo Stils.

mma lehrer

MMA Lehrer Hubert Numrich mit Meisterschueler Felix

Alles redet von Freefight, regellosen Кäfigkämpfen, Ultimate Fights, Vale Tudo und anderen Auseinandersetzungen bis zur Aufgabe oder dem endgültigen Knockout. Wir haben den Schwergewichts-Fighter Hubert Numrich, der als einziger Deutscher an ultimativen Wettkämpfen in Holland und Brasilien teilgenommen hat, im Darmstädter Holiday Sportpark besucht und ihn gebeten, uns zusammen mit seinem Trainingspartner Felix Hanschmann, 24, Kampfkombinationen aus seinen Repertoire vorzuführen. Sehen Sie selbst, wie der mehrfache Kickboxchampion, 38, seine stilübergreifenden Freefight-Kombinationen anwendet.

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