Die Stuntschule

Hermann Joha

Chef-Ausbilder Hermann Joha erklärt die Ausbildungswege zum Profi-Stuntman, bzw. Stuntwoman

Wer kennt sie nicht, die Fernsehserie “Ein Colt für alle Fälle”? Zur Erinnerung: Der Stuntman Colt Seavers (gespielt von Lee Majors) erlebt mit seinem eigenwilligen Partner Howie und einer hübschen Blondine allerlei Aufregendes in seinem Zweitjob als Kopfgeldjäger. Im Hauptberuf verdient “Colt” seine Brötchen als Stuntman, kann seine Erfahrungen aus diesem Metier auch immer wieder bei der Jagd auf die Ganoven einsetzen. Eben diesen Job des “Colt Seavers” macht in deutschen TV-Produktionen unter anderem das Team der Düsseldorfer Stuntschule “Action Concept” um Begründer und Chef-Ausbilder Hermann Joha, der gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Roger Scholz, Matthias Barsch, Stefan Richter und Tanja de Wendt auch immer wieder hoffnungsvolle Nachwuchstalente sucht und für die Arbeit in bestimmten Situationen ausbildet. KICK besuchte die Stuntleute in Düsseldorf bei einem Informationsnachmittag, bei dem Interessierten “Nachwuchsstuntleuten” Einblick in das Training und die Ausbildung gegeben wurde.

Hauptsache: Volljährig
Grundsätzlich gilt: Jeder oder jede interessierte, der (die) das 18. Lebensjahr erreicht hat, bzw. eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten vorweisen kann, dazu noch die allgemeine Schulpflicht erfüllt und die nötigen körperlichen Voraussetzungen mitbringt, kann sich als Stuntman oder Stuntwoman ausbilden lassen, wobei sich die Ausbildung durchaus auf vier und mehr Jahre erstrecken kann. “Das liegt aber vor allem daran, daß die Einheiten am Wochenende gemacht werden, sodaß jeder, der sich zur Ausbildung bei uns entschließt, auch gleichzeitig seinen derzeitigen Beruf weiterhin ausüben kann” erläutert Stuntfrau Tanja de Wendt. Die einzige Frau im fünfköpfigen Team hat es bereits bis an die Spitze geschafft. Im Zuge der fernsehtechnischen Gleichberechtigung kamen auch immer mehr Frauen in die Hauptrollen – somit müssen immer mehr Frauen gedoubelt werden.

ac-matte

Dabei sind es nicht immer die vermeintlich spektakulären Stunts, die von den Stuntleuten übernommen werden. Zwar doubelte Tanja de Wendt auch schon die “Tatort”-Kommissarin Ulrike Folkerts in einer nicht ungefährlichen Szene, sprang in der Vorspann-Szene der wöchentlichen RTL-Serie “Die Wache” von einem mehrstöckigen Hochhaus, doch auch kleinere, “bodenständige” Stürze hat sie in ihrem Repertoire. “In einer Szene sollte Inge Meysel von einem Auto geschnitten werden, dabei leicht wanken und letztlich vor Schreck umfallen”, erinnert sich Tanja de Wendt, “das wäre jedoch für eine Frau in ihrem Alter unter unglücklichen Umständen schon zu gefährlich gewesen, die Möglichkeit einer Verletzung war zu groß.” Denn in der Filmindustrie gilt: Den Hauptdarstellern soll nach Möglichkeit nichts passieren, ein paar Tage Drehpause aufgrund eines kleinen Malheurs in solch einer oder ähnlichen Szene kostet bereits eine kleine Stange Geld. Und weil die eigene Gesundheit für die Stuntleute eine übergeordnete Stellung besitzt, sind sie keineswegs nur die draufgängerischen, verwegenen Typen, die keinerlei Gefahren scheuen und ohne Netz und doppelten Boden wilde Verfolgungsjagden inszenieren, aus mehreren Metern Höhe auf nackten Asphalt springen und an Fassaden herumklettern, als gäbe es dabei kein Risiko. “Unsere Aufgabe besteht darin, mit der Gefahr zu arbeiten, und so viele Risikoquellen wie möglich von vornherein auszuschalten,” unterbinden die Ausbilder von Anfang an waghalsige Manöver der Neueinsteiger, die sich Mitte Januar im “Schnupperkurs” eine eigene Meinung gebildet haben. Körperliche Fitneß ist eine weitere Voraussetzung, ansonsten gibt es keinerlei Größenbeschränkungen. “Schauspieler sind ja auch unterschiedlich groß oder dick, sodaß auch solche Stuntleute gute Einsatzchancen besitzen,” erläutert Tanja de Wendt, gibt danach einen kurzen Einblick in die bevorstehenden Trainingseinheiten: Stürze aus mehreren Metern Höhe (in eine dicke Schaumstoffmatte), Treppenstürze nach einer kurzen Schlägerei, Abrollen nach Aufprall auf eine fahrendes Fahrzeug (in diesem Fall ebenfalls gepolstert) und dazu ein erstes Fahrertraining mit Schleuderlehrgang auf zwei PS-starken BMW-Boliden. Im Anschluß daran erklärt Hermann Joha die Perspektiven der Ausbildung, die zunächst in vier Blöcken absolviert wird.

Guter Leistungsstand
“Wer rund zwei Drittel der Ausbildungszeit mitmacht, der wird schon einen geeigneten Ausbildungsstand erhalten,” meint Joha zu der Möglichkeit, auch mal das eine oder andere Wochenende daheim zu bleiben. Denn viele der Interessenten kommen nicht aus dem Großraum Düsseldorf, haben somit erhebliche Anfahrtszeiten in Kauf zu nehmen. Hinzu kommen die Ausbildungskosten, die sich auf 200 Mark pro Monat belaufen. “Dafür bekommt Ihr bei Eignung schon bald die Möglichkeit, als Komparse Euch einen Teil des Geldes wieder zu verdienen,” verspricht Joha, der desöfteren von den Produktionsfirmen auf geeignete Komparsen angesprochen wird.

Düsseldorfer Stuntschule

Das Team der Düsseldorfer Stuntschule (v.l.n.r.):
Stefan Richter, Matthias Barsch, Tanja de Wendt, Roger Scholz und Hermann Joha (sitzend)

Geld durch Können
Die Stuntman-Situation in Deutschland schätzt Joha wie folgt ein: “Es gibt ungefähr 500 Leute, die sich Stuntman nennen, davon üben aber nur 150 ihren Job wirklich profihaft aus und höchstens fünfzig verdienen letztlich durch ihr Können auch wirklich gutes Geld.” Wer ebenfalls dahin kommen will, muß vorerst am Ende eines jeden Ausbildungsblockes einen Test zu den bisherigen Inhalten absolvieren, der jedoch gegebenenfalls wiederholt werden kann. Ziel der Grundstufenausbildung ist es die Qualifikation zum Actiondarsteller zu erlangen, welche wiederum zur Teilnahme an der Hauptstufe berechtigt. Bis dahin werden anhand der aktuellen Actionfilme die betreffenden Szenen analysiert, werden Special-Effects zum Thema Feuer behandelt, werden Drehorte besucht, wird die ausländische Stuntszene durchleuchtet und werden Seiltricks sowie Schleudertechniken bei Film und Fernsehen erprobt.

Vorsprung inklusive
Durch die Vielseitigkeit ist diese Rundum-Ausbildung auch für den Einstieg in andere Bereiche des Fern-sehens nützlich, kann den entscheidenden Vorsprung beinhalten. Die Einblicke in die Vorgehensweise des Fernsehens, in die unterschiedlichen Schnittechniken und den Aufbau der verwendbaren Special-Effects sind auch für Kameraleute und -assistenten sowie Beteiligte an der Aufnahmeleitung von besonderem Interesse.

Irre viel Spaß
Von den 70 “Schnupperkurs”-Teilnehmern füllten die meisten noch vor Ort ihr Anmeldeformular aus, wollen von nun an ihr Glück in der Möglichkeit suchen, Actiondarsteller werden zu können. “Das war wirklich eine super Sache und hat irre viel Spaß gemacht,” sprach Francisco Guerreiro (21) aus Unna allen Teilnehmern im Anschluß an das Seminar aus dem Herzen. Auch er hofft, in ein bis zwei Jahren mit der Ausbildung beginnen zu können, derzeit fehlt dem Kampfsportler einfach noch die nötige Zeit.

Wer Interesse an weiteren Informationen zum Thema “Stunt(wo)man – Ausbildung” hat, der kann direkt an die Stuntschule schreiben.

action conceptDie Adresse lautet:

Stuntschule Düsseldorf
Postfach 10 31 26
40 201 Düsseldorf

Ernie Reyes

Kick 1995 Ausgabe 05

KICK berichtete in Ausgabe 05/1995 über Action Concept. Text: Tobias Drews. Der Verfasser ist ein bekannter Journalist. Er leitet u.a. den Bombus Verlag mit vielen lesenswerten Buchtiteln.

Brasilianisches JJ

Reylson Gracie

Bodenkampf BJJ

Unterricht mit Reylson Gracie in Las Vegas

Tun uns die Herausforderungen gut ?

In den letzten Jahren hat kein anderer Kampfsport für soviel Aufsehen gesorgt wie das brasilianische Jiu-Jitsu der Gracie Familie. Die ersten internationalen Auftritte scheinen heute in einer technischen Neuorientierung zu gipfeln. Man erreichte das auf zwei Ebenen: 1. durch persönliche Herausforderungen, Mann gegen Mann, Stil gegen Stil. 2. durch Siege bei den populären und kontroversen „Ulimate Fighting Championships,“ die über Pay-TV und Videos in aller Welt bekannt wurden. Reylson Gracie über die spektakulären Kämpfe seiner Familie. Von John Bishop.


Den größten Verdienst tragen dabei Rorion Gracie und seine Brüder, die in Torrance, einem Vorort von Los Angeles leben. Obwohl man das Jiu-Jitsu der Gracies seit über 25 Jahren in den USA kennt, war es erst Rorion, der die „Gracie Challenges“ in den letzten Jahren bekannt machte. Nicht alle Familienmitglieder stimmen diesen Herausforderungen zu. Reylson Gracie, der drittälteste Sohn des legendären Familienvaters Carlso, ist einer davon. Der 53-jährige Reylson Gracie unterrichtet in Las Vegas als der Senior-Instruktor des Familienclans. Ihm wurde von der „Federation of Jiu Jitsu de Rio“, des brasilianischen Verbandes für Gracie Jiu Jitsu, der 9. Dangrad verliehen. Im folgenden Interview erzählt er mehr über das Jiu Jitsu der Gracies, die Herausforderungen und sein Sicht über die Zukunft des Systems.

KICK: Können sie die Debatte, wer das Gracie Jiu Jitsu begründet hat, beenden?

PortraitIn Brasilien gibt es darüber keine Diskussionen, weil jeder Kampfsportler das System der Gracies kennt. In Amerika und Europa kennt man uns erst seit wenigen Jahren. Durch einige Mitglieder meiner Familie gibt es jetzt einige Verwirrung. Mein Vater, Carlos Gracie, war der einzige Begründer des Gracie Jiu Jitsu. Er starb (1994) im Alter von 92 Jahren. Er war der erste Mann, der Jiu Jitsu in Brasilien unterrichtete. Er lernte das Jiu Jitsu von einem Freund der Familie, Mitsuo Maeda Koma. Koma war ein ehemaliger Jiu Jitsu Weltmeister, der durch den Kaiser von Japan eine hohe Amtsfunktion erhielt. Er kontrollierte im 19. Jahrhundert die Auswanderungen von Japan nach Brasilien. Mein Vater war gerade ein Teenager als Koma ihn ab 1918 das Jiu Jitsu beibrachte. Mein Onkel Helio war damals nur sechs Jahre alt. Er war der jüngste der vier Brüder meines Vaters und der letzte Bruder, den mein Vater unterrichtete.

KICK: Sie haben sich der abweisend über die Challenges der Gracies in den USA geäußert. Warum ?


Um meine Abneigung zu begründen, muß ich ihnen einige Hintergrundinformationen geben. Als die erste Herausforderung durch meinen Vater vor rund 70 Jahren ausgesprochen wurde, geschah dies aus Notwendigkeit. Jiu Jitsu war in Brasilien als Kampfsport völlig unbekannt und viele Anhänger der anderen Systeme beleidigten uns. Sie müssen dabei verstehen, daß in meiner Heimat die Ehre eines Mannes und seine Selbstachtung zwei der höchsten Werte darstellen.

reylson-6-sw

Um die Effektivität des Gracie Jiu-Jitsu unter Beweis zu stellen, lud mein Vater Kampfsportler aller anderen Systeme zu einer Herausforderung ein. Wir haben dabei keine bestimmten Leute angesprochen. Wir haben nur gesagt, daß wir bereit sind unser System mit anderen zu messen. Es ist eine Tatsache, daß wir ab diesem Punkt niemand mehr herausfordern mußten: Alle kamen zu uns, um uns herauszufordern. Einige kamen sogar aus Japan. Als wir die Effektivität unseres Systems bewiesen hatten, verloren die Herausforderungen an Bedeutung. In Wahrheit wurden solche Challenges nur noch von verstoßenen Schülern unserer Schule ausgesprochen, deren Selbsteinschätzung weit über ihrem Können angesiedelt war.
Mein Vater vertrat die Meinung, daß die Unterwerfung eines anderen Kämpfers keinen Wert hatte. Er glaubte daran, daß man in der Lage sein sollte, sich selbst und seine Würde durch gute, starke Techniken verteidigen zu können. Das ist der Grund dafür, warum mein Bruder Carley, der seit über 25 Jahren in den USA unterrichtet, niemals jemand herausgefordert hat. Ich kann mich daran erinnern, daß Helio für den Fall, daß er und seine Söhne in die USA auswandern, ihm versprechen mußte, „keinen Amerikanern blutige Gesichter zu schlagen.“ Obwohl meine Cousins das System sehr populär machten und viel Geld durch das Ausweiten der Challenges verdient haben, meine ich, daß es auf lange Sicht dem System in Amerika schadet.

KICK: Wie sollen die Siege bei Herausforderungskämpfen und der „Ultimate Fighting Championships“ (UFC) dem Stil schaden?

Erstens, weil die Pay-per-view TV-Show von meinem Cousin Royce Gracie gewonnen wurden. Royce benahm sich stets wie ein Gentleman als er über seine Herausforderer sprach. Er besiegte sie mit guten, sauberen Jiu-Jitsu Techniken. Er hat nie versucht, jemand wirklich zu besiegen oder ihn zu verletzen. Als die Wettkämpfe neu aufgelegt wurden, hatte er größere und gemeinere Gegner. Es wurde blutig und am Boden liegende Kämpfer wurden getreten und verletzt. Andere Veranstalter kamen auf den Plan und es gab plötzlich viele andere Wettkämpfe ähnlicher Art außerhalb der UFC. Als nächstes gingen alle Veranstalter nach Brasilien, um nach potentiellen Teilnehmern für ihre Shows zu suchen.
In Brasilien gibt es knapp 200 Mitglieder der Gracie Familie, die Jiu-Jitsu betreiben. Einige können sich den Versprechungen der geldgierigen Veranstalter nicht erwehren. Sie sehen nur den möglichen Ruhm und das Geld, mit dem sie in die Staaten gelockt werden. Jetzt sind diese Wettkämpfe nur dazu da, daß Kampfsportler verletzt werden. Sie werden dadurch beleidigt, allein im Namen des Geldes. Ich meine, daß die Gracies dadurch zu einem Ziel degradiert werden, das jeder treffen will. Man sieht uns nicht mehr als Menschen, die Kampfsport mit anderen teilen wollen.

KICK: War es der Wunsch ihres Vaters, das System auf diese Weise weit zu verbreiten?

Nein. Mein Vater wollte nur, daß es weltweit an Männer, Frauen und Kinder weitergereicht wird. Er lehrte die Traditionen, die er von meister Koma erlernt hatte. Er war der Auffassung, daß das Training im Jiu-Jitsu, das Leben erleichtern soll. Den Wettkampf bewertete er so wie eine Versicherung, die einen für den Ernstfall absichert, obwohl man hofft, sie nie in Anspruch nehmen zu müssen. Die Challenge-Kämpfe gefallen mir nicht, weil man uns in der Öffentlichkeit mehr als Straßenkämpfer statt als Kampfsportler porträtiert. Ich Frage mich ernsthaft, ob zivilisierte Leute ihre Kinder in eine Gracie-Schule bringen, nachdem sie einen dieser Kämpfe gesehen haben?

BJJ

KICK: Es gibt jetzt viele Schulen, die als Dojos für brasilianisches Jiu Jitsu die Türen öffnen. Hat es einen Bezug zum System der Gracies?

Es gibt kein brasilianisches Jiu-Jitsu. Wenn sie sich diese Lehrer anschauen, werden sie sehen, daß sie in einer Akademie der Gracies gelernt haben. Ein gutes Beispiel sind die Machados. Sind sind Blutsverwandte der Familie und die lernten von den Gracies. Man muß bedenken, daß jeder, der – besonders in Südkalifornien – den Namen Gracie Jiu Jitsu benutz, von meinem Cousin Rorion verklagt wird. Ich selbst wurde verklagt, als ich meinen eigenen Namen für meine Akademie in Corona Del Mar, Kalifornien, benutzte. So findet man das Gracie System heute unter vielen anderen Bezeichnungen.

KICK: Wie verbreitet sich das System der Gracies?

In Brasilien gibt es über 250.000 Menschen, die aktiv Gracie Jiu Jitsu betreiben. In den USA gibt es vielleicht erst 500 Leute, die den Grundkurs des Systems vollendet haben. Insgesamt dürften es noch nicht einmal 2.000 Menschen sein, die bislang im Gracie Jiu Jitsu unterrichtet wurden. Das ist nicht sehr erfreulich für ein System, das bereits über 25 Jahre in diesem land unterrichtet wird. Genau das wollte mein Vater nicht. Er wußte, daß es nicht genug Gracies gibt, um das System über die ganze Welt zu verbreiten. Seinem Gefühl nach sollten wir andere Menschen in anderen Ländern suchen, die das System an ihre eigenen Landsleute weiterreichen.

reylson-2-sw

KICK: Gibt es ihrer Meinung nach noch andere Gründe, warum sich das System nicht weiter verbreitet?

Ein Ausspruch von Rorion, der sagt, es dauert zehn Jahre um den Schwarzgurt zu erlangen, trägt dazu bei. Obwohl es klar macht, daß die Anforderungen unseres Systems sehr hoch sind, verringert es unsere Chancen, neue Schüler zu rekrutieren. Ich meine, daß viele Leute davon abgeschreckt werden, wenn sie zehn Jahre trainieren müssen, um bis zum Schwarzgurt zu kommen.

KICK: Ist es nicht richtig? Wie lange dauert es nun, um in ihrem System den Schwarzen Gürtel zu erreichen?

Es stimmt nicht ganz. Sie müssen wissen, daß Gracie Jiu-Jitsu traditionell nur im Privatunterricht weitergegeben wurde. Wenn jemand nur eine Stunde pro Woche nahm, brauchte er zehn Jahre. Wenn jemand aber fünfmal die Woche mehrere Stunden trainiert, kann er den Schwarzgurt durchaus in zweieinhalb oder drei Jahren erreichen. Wer zweimal die Woche trainiert, wird gut fünf Jahre dafür brauchen. Natürlich sind das nur Durchschnittswerte, die durch Unterschiede in physischen und mentalen Eigenschaften abweichen können.

Reylson Gracie

Über den Wert des Schwarzgurts im Brazilian Jiu-Jitsu

KICK: Was wünschen sie dem Gracie Jiu-Jitsu in Amerika und dem Rest der Welt für die Zukunft?

Ich fühle ähnlich wie mein Vater. Ich möchte sehen, daß sich das Gracie Jiu-Jitsu um die ganze Welt verbreitet, besonders in Amerika. Ich will Männer, Frauen und Kinder aus allen Gesellschafts- und Altersschichten das System lernen. Mein Vater hat nie die Forderung aufgestellt, daß wir das einzig wahre System betreiben und Sportler anderer Systeme zu uns überwechseln sollen. Wir denken jedoch, daß wir ein sehr starkes System vorweisen können, das effektive Selbstverteidigung zusammen mit den Tugenden der Martial Arts unterrichtet. Wenn wir über Sportler anderer Stile sprechen, meinen wir, ihnen Techniken beibringen zu können, mit denen sie ihre Fähigkeiten verbessern können. Das Teilen dieses Wissens ist ein wichtiger Teil eines jeden Kampfsporttrainings. Mein Vater übernahm z.B. Techniken aus den Boxen um sein Jiu-Jitsu stärker zu machen. Ich will damit sagen, daß wir aufhören andere herauszufordern und beginnen, ihnen etwas beizubringen.

kick-9706John Bishop führte dieses interessante Interview für ‚Kick – illustrierter Kampfsport‚ Ausgabe 06/1997.

Werbung:
Brazilian Jiu Jitsu Produkte

TKD WM

TKD WM 1995 in Manila

Aziz Acharki

Aziz Acharki ist nach Michael Arndt der erste deutsche Weltmeister seit acht Jahren.

Das glaubt mir zu Hause
doch keiner.

Welcher Sportler träumt nicht davon, einmal Weltmeister zu werden. Der Weltbeste zu sein, ist eben mehr, als nur ein Turnier zu gewinnen. Am Sonntag den 19. November 1995 wurde für Aziz Acharki dieser Traum wahr. Als der Kampfleiter im Finale des Light-Weight-Kampfes (-70kg) die Hand von Aziz hob, konnte Acharki es noch nicht glauben. Seine ersten Worte nach dem Finale waren: „Das glaubt mir zu Hause doch keiner.“ Am Ende dieses dritten Tages der 12. Herren- und 5. Damen-Weltmeisterschaften in Manila/Philippinen war der erfolgreichste Tag einer deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften im Taekwondo seit 1979 in Stuttgart vorüber, denn neben Acharki konnte Monika Sprengel in der Gewichtsklasse Fly-Weight (-47kg ) den Titel der Vizeweltmeisterin gewinnen.


Auf diese Weltmeisterschaften hatte sich das deutsche Team besonders gut vorbereitet. Vorberei-tungslehrgänge der Bundestrainer Georg Streif (Herren) und Josef Wagner (Damen) legten den Grundstein für ein Team, das sich einiges vorgenommen hatte. Eine Reise der Kaderathleten nach Kuba mit einem gemeinsamen Training und dem abschließenden Turnier diente der WM-Vorbereitung und zeigte dem deutschen Team bereits, was Sie in Manila erwarten sollte: Lateinamerikaner, die athletisch, kämpferisch und taktisch hervorragend eingestellt sind. Bei den Damen mußte kurzfristig für die verletzte Diana Creti (-55kg) nachnomniniert werden. Daß die “Ersatzfrau“ keineswegs nur Ersatz war, sollte sich im Laufe des Turniers noch zeigen.

DTU Damen Team

Das Team der Damen mit dem DTU-Präsidenten Stefan Klawitter (l.) und dem Vize-Präsidenten Roland Klein (re.)

Das deutsche Team
Mit zwei kompletten Teams (8 Damen und 8 Herren) sowie den beiden Bundestrainern unterstützt durch Shin In Shik (Bundestrainer der Jugend), Mannschaftarzt Dr. Dietmar Sauter, dem Masseur Ernst Stegmann, dem Head of Team, Roland Klein (Vizepräsident der DTU), und dem Manager des gesamten Teams, Wolfgang Trybus-Poppe (Bundesmedienreferent der DTU) ging es am Samstag den 11.11.1995 um 11.00 Uhr in Frankfurt los. Start zum Abenteuer Weltmeisterschaften in Manila.


Um ein großes Maß an Professionalität zu entwickeln, war von der DTU dieses große Team nach Manila entsandt worden. Im Umfeld der SportlerInnen sollte alles mögliche getan werden, damit man sich auf den rein sportlichen Bereich konzentrieren konnten. Und jeder im Team konnte sich über Aufgaben und Arbeit nicht beklagen; immer gab es irgendwelche Informationen zu besorgen oder die Fahrten zum Trainingsort in Manila mußten geplant werden usw. usw.. Auf Arzt und Masseur wartete Schwerstarbeit. Ebenfalls mit den Team flog der einzige deutsche Referee Dietmar Ruf, der während der fünf Wettkampftage viele Einsätze als WTF-Kampfrichter zu bewältigen hatte.

Jetlag und Infektionen
Überseeflüge haben ihre eigenen Gesetze. Lange Flugzeiten (in diesem Fall 14 Std.) „Jetlag“ und die Klimaumstellungen haben schon so manchen Touristen für die ersten Tage außer Gefecht gesetzt. So haben auch die SportlerInnen unter diesen Rahmenbedingungen zu leiden gehabt. Doch für die hieß es nach einem langen und anstrengenden Flug und bei Temperaturen von 28-35 Grad Celsius sowie einer Luftfeuchtigkeit von über 70% bereits gleich nach der Akkreditierung und dem Einchecken im Hotel: Training für alle auf der Terrasse des Hotels.

Georg Streif

Die deutsche Herrenmannschaft mit Offiziellen und Bundestrainer Georg Streif (2. v.re.)

Abenteuer Training
Zweimal täglich wurde in den Tagen vor den Wettkämpfen trainiert. Einmal alleine in der Inter-nationalen Schule in Manila, was auf Vermittlung einer ehemaligen Schülerin von Josef Wagner arrangiert werden konnte, und ein zweites Mal gemeinsam mit den anderen Nationen in einem riesigem Sportareal in der Basketballhalle. Die Fahrten zu diesen Trainingsorten waren in den ersten Tage ein kleines Abenteuer, da die Taxifahrer nicht immer den Weg kannten. Bei diesen Fahrten konnte man sich einen kleinen Eindruck von Manila verschaffen. In dieser 12-Millionen-Einwohnerstadt hat nach den schweren Unwettern die noch eine Woche vor unserer Anreise wüteten, der Alltag wieder Überhand genommen. Dennoch sah man die Armut und das Elend sowie riesige Prachtbauten und ein niemals nachlassendes Verkehrschaos, das mit einem nie verschwindenden Smog von morgens bis spät in der Nacht Manila prägt.

Gesunde Nervosität
Die mahnenden Worte des Mannschaftsarztes über Verhaltensregeln bzgl. Essen, Trinken und sonstiger Gefahren, die diese asiatische Metropole „bietet“, wurden dann auch in der ersten Mannschaftsbesprechung von allen sehr ernst genommen.
Bei einigen ließ mit der Zeit die Vorsicht jedoch nach, was sich noch rächen sollte. Je näher die Wettkämpfe kamen, um so mehr machte sich eine gesunde Nervosität sowohl bei den Aktiven, als auch bei den Offiziellen und Bundestrainern bemerkbar.

Die Wettkampftage
Die Bantamgewichte (Damen -51kg; Herren -58kg) eröffneten am Freitag die Wettkämpfe. Für die beiden „WM-Neulinge“ Patrizia Manuele und Jan Krumpen war bereits nach dem ersten Kampf alles vorbei. Jan Krumpen unterlag dem türkischen Teilnehmer und Patrizia Manuele mußte sich der Teilnehmerin aus Australien geschlagen geben. Die gelungene Eröffnungsfeier und der Einmarsch der Nationen, insgesamt waren 78 Länder am Start, fand bereits in etwas gedrückter Stimmung im Team statt. Am zweiten Tag ging einer der Hoffnungsträger und der erfolgreichsten Kämpfer an den Start, Marcus Nitschke ( Middle Weight, -83kg). Der 27jährige beim P&P Allgäu trainierende Nitschke wäre nach einem Freilos in der ersten Runde und nach Siegen über die Sportler aus Panama und Chinese Taipeh in seinem dritten Kampf mit einem Sieg über den Koreaner Lee Dong Wan bereits in den Medaillenrängen gewesen, doch der spätere koreanische Weltmeister ließ Marcus nicht zur Entfaltung kommen, und so mußte er sich mit dem Erreichen des Vier-telfinales zufriedengeben. Sahin Ozan (Fin-Weight -50kg) erging es nicht besser. Nach einem Freilos und einem Sieg über den Teilneh-mer aus Lesotho, kam für Sahin das Aus.
Ebenfalls im Weltergewicht der Damen (-70kg) konnte Anke Girg aus Gelnhausen nach einem Freilos und einem Sieg über die Griechin das Viertelfinale erreichen, wo sie der späteren Weltmeisterin, der Spanierin Ireana Ruiz, unterlag.

Cathrin Vetter

Cathrin Vetter (re.) im Kampf gegen die starke Koreanerin

Die erste Überraschung
Die erst 19jährige Tharsini Thevathasan (Fin Weight -43kg) aus Hildesheim kämpfte wie bereits bei der EM in Zagreb mit einem unbändigen Kampfeswillen. Ihr Erreichen des Viertelfinales nach Siegen äber die Kämpferinnen aus Azerbaijan und Schweden war bereits ein großer Erfolg für die junge Fighterin. In ihrem dritten Kampf gegen die Italienerin Christina Atzeni versuchte die Hildesheimerin trotz einer schweren Verletzung am linken Fuß alles, um noch in die Medaillienränge zu kommen, leider vergeblich. Nach diesem Kampf mußte Tharsini von unserem Arzt ins Krankenhaus gebracht werden. Der erste Verdacht auf einen gebrochenen Fuß bestätigte sich jedoch nicht. So war Tharsini an den kommenden Tagen zwar stark „gehbehindert“.

Der entscheidende Tag
Der dritte Tag sollte zum Tag des deutschen Teams werden. Es begann jedoch mit einem Schock. Aydin Ates (Fly Weight -54kg ) hatte es in seinem ersten Kampf mit dem Iraner Mehdad Rokni zu tun. Ates kontrollierte über zweieinhalb Runden den Kampf, eine kleine Unachtsamkeit am Ende der dritten Runde brachte jedoch den Ausgleich für den Iraner und per Kampfrichterentscheid wurde dieser zum Sieger erklärt. Dieser Kampf mit seinen spektakulären Aktionen war genau, was die Zuschauer sehen wollten. Sicher enttäuschend für den amtierenden Europameister, denn gerade sein Finalegegner von Zagreb, der Türke Kutluca, wurde Weltmeister in dieser Klasse.
Sonja Schiedt (Light Weight -60kg) hatte sich viel für die WM vorgenommen. Gut vorbereitet machte sich jedoch bei den Trainingseinheiten in Manila eine alte Verletzung am rechten Fuß bmerkbar. Unter großen Schmerzen, die jeder der sympathischen Fighterin aus Neuaubing bei jedem Tritt und Schritt ansehen konnte, kämpfte sie sich bis ins Viertelfinale durch. Nach Siegen über die griechischen- und jugoslawischen Teilnehmerinnen war gegen die spätere Vizeweltmeisterin aus Argentinien, Veron Sanchez Vaniana, jedoch Schluß. Mit einer gesunden Sonja Schiedt wäre mehr möglich gewesen.
Unbemerkt nach vorne

Monika Sprengel

Silbermedaillistin:
Monika Sprengel

 

Gleichzeitig kämpften sich Aziz Acharki (Light Weight -70kg) und Monika Sprengel (Fly Weight -47kg) in ihren Gruppen unbemerkt nach vorne. Monika schaltete als erstes ihre indische Konkurentin und dann die favorisierte Spanierin Maria Jose Jimenez aus. Bereits der Einzug ins Viertelfinale war ein großer Erfolg für die 21jährige Sportstudentin aus Garbsen. Ihr Sieg im Viertelfinale gegen die Schwedin war bereits die große Überraschung. Mit ihrer kämpferischen Einstellung und ihrem guten taktischen Kampfverhalten sowie dem Willen zum Sieg war Monika nach dem Gewinn des Halbfinales gegen die Vietnamesin bereits überglücklich. Im Finale gegen die Türkin Hamide Bickin, die in ihren Vorkämpfen unter anderem die Koreanerin aus dem Rennen warf, zeigte Monika noch mal alles was sie konnte, geschicktes Abwarten genauso wie den beherzten Angriff. Den überaus harten Attacken der Türkin war sie an diesem Abend jedoch nicht gewachsen. Die Silbermedaille und damit den Titel der Vizeweltmeisterin konnte ihr jedoch keiner mehr nehmen. Überglücklich und physisch total erschöpft fiel sie nach den Schlußsignal dem Bundestrainer Josef Wagner in die Arme, der mit diesem Erfolg in Verbindung gebracht werden muß.

Wie ein Raubtier . . .
Nun wartete die deutsche Mannschaft auf das letzte Finale des Abends. Sollte noch eine Steigerung möglich sein? Souverän hatte sich Aziz Acharki bis ins Finale durchgesetzt. Einen deutlichen Sieg gegen Lesotho folgte ein 15:3 gegen den Teilnehmer aus Hong Kong. Der Sieg über den Türken Bünjamin Yaz, der in Stuttgart bei Park Soo Nam trainiert und Aziz schon einmal besiegt hatte, war wie ein Weichenstellen für Aziz. Sein Viertelfinalgegner aus Brasilien und der sehr unbequeme Halbfinalist aus Schweden forderten ihn sowohl physisch als auch psychisch alles ab. Hier zeigten sich seine Stärken von Aziz: Wie ein Raubtier umtänzelte er leichtfüßig und geschmeidig seine Gegner, um dann mit einer ungeheuren Dynamik auf sein Gegenüber zuzuspringen und mit Doppelpaltungs und ungeheuer harten Dwitchaggis den Angriff seiner Gegner abzustoppen und zu punkten. Zum Finale brauchte Aziz die Betreuung des ganzen Teams, Arzt und Masseur bearbeiteten ihn und jeder kann vorbei und wünschte ihm viel Glück. Auch Sportler anderer Nationen, die Aziz von vielen Turnieren her kannten, kamen und klopften ihm anerkennend und auffordernd vor dem Finale auf die Schultern.

Aziz Acharki

Goldjunge:
Aziz Acharki

Das Ende des Finales gegen den Mexikaner Roberto Estrada Garibay war an Spannung und Dramatik nicht zu überbieten, doch dank seiner enormen Kraftreserven und seines unbeirrten Kampfeswillen konnte sich Acharki verdient als Sieger und neuen Weltmeister feiern lassen. Und das wurde auch getan: Überglücklich und total am Ende konnte er kaum fassen, was um ihn herum geschah. Das gesamte Team umarmte Aziz und viele kamen an diesem Abend dazu und feierten mit der Mannschaft und mit dem Weltmeister und der Vizeweltmeisterin.

Montesumas Rache
Der vierte Wettkampftag war für die Kämpfer nach dem Jubel des Vortages besonders schwer, die Erwartungen waren plötzlich sehr hoch. Es begann auch sehr verheißungsvoll, sowohl Sven Hündersen (Feather Weight -64kg), Cathrin Vetter (Feather Weight -55kg) und Olaf Wilkens (Heavy Weight +83kg) konnten ihren ersten Kampf gewinnen und Bettina Hipf (Heavy Weight +70kg) siegte kampflos. Doch bei Olaf Wilkens zeigte sich, daß, wenn nicht jeder 100% aufpaßt, mit dem Essen und Trinken in diesen Regionen, die Wirkungen den Aufwand von Monaten zunichte machen können. „Montesumas Rache“ traf Olaf so stark, daß ein Einsatz lange Zeit fraglich war. So war es fast „Glück im Unglück“, daß Wilkens im zweiten Kampf gegen den Schweden durch einen Kick des Schweden in der Kampfunterbrechung K.O. zu Boden ging und der Schwede disqualifiziert wurde, denn 3 Runden hätte Wilkens in diesem Zustand sicherlich nicht durchgehalten. Zu seinem dritten Kampf gegen den späteren Weltmeister Myong Sook Jung (Korea) trat er auf Anraten des Arztes und des Bundestrainers nicht mehr an. Sicher eine herbe Enttäuschung, wäre er doch gern mit einem Titel zu seinem neuen Verein gekommen. Ob er sich für ein großes Turnier noch einmal motivieren kann, ist fraglich.

Keine Normalform
Schlimmer traf es Bettina Hipf. In einem nach ihren eigenen Maßstäben schlechten Kampf, in dem sie nie Normalform erreichte, verlor sie gegen Griechenland. Die Enttäuschung war allen anzumerken. Sven Händersen, hatte es in seinem zweiten Kampf mit den starken Spanier Francisco Zas zu tun. Lange Zeit konnte Sven den Kampf offen gestalten, hier zeigte sich die gute psychische Einstellung von Händersen und seine bereits profihafte Einstellung bei seiner ersten WM. Doch der erfahrend Zas konnte in der letzten Runde das Blatt zu seinen Gunsten wenden.

Deutliche Unterlegenheit
Cathrin Vetter hatte es in ihrem zweiten Kampf mit der übermächtigen Koreanerin Seung Min Lee Jan zu tun. Trotz aller Gegenwehr, die die Qualitäten der Polizeibeamtin aus Blaufelden deutlich zeigten, mußte sie sich der späteren Weltmeisterin geschlagen geben. Bleibt nur zu hoffen, daß Cathrin entgegen ihren Ankündigungen deutlich weniger zu machen, sich noch einmal für ein großes Turnier qualifizieren kann, denn sie ist der Turniertyp, der sicher bei richtiger Vorbereitung ganz weit vorne landen kann.
Der letzte Tag ließ mit den restlichen zwei Gewichtsklassen Hoffnung beim Deutschen Team aufkommen. Doch zur Überraschung aller hatte die erfahrende Sonny Seidel (Welter Weight -65kg) einen rabenschwarzen Tag. Im ersten Kampf gegen Finnland schied sie aus. Ein so frühes Aus hatte keiner erwartet und Marco Scheiterbauer (Welter Weight -76kg) hatte als ersten Gegner (leider) einen Koreaner. Trotz einer hervorragenden Leistung und dem absoluten Willen zu gewinnen, konnte Marco auch mit der Unterstützung fast aller Zuschauer seinen Gegner nicht bezwingen. Einige sehr umstrittene Punktendscheidungen für den Koreaner wurden mit lauten Pfiffen begleitet. Hier sollte nicht der Bessere gewinnen.


Fazit

Der große personelle und finanzielle Aufwand der Deutschen Taekwondo Union für diese WM hat sich gelohnt. In der Gesamtwertung kamen die Herren auf einen hervorragenden vierten Platz hinter den Philippinen, Spanien und Korea,also zweitbeste Nation in Europa. Die Damen erreichten einen sechsten Platz hinter den USA, Türkei, Spanien, Chinese Taipeh und Korea. Diese Plazierungen zeigen deutlich, daß der eingeschlagene Weg der DTU,sich für den Leistungssport genauso stark zumachen wie für den Breitensportbereich,erste Erfolge zeigt. Sicherlich muß noch vieles verändert werden, eine Professionalisierung der Vorbereitung, engere Zusammenarbeit mit den Landes- und Heimtrainern sowie eine gezielte Förderung und Sichtung der Jugend. Die anderen Nationen kommen gewaltig nach, es gibt keine leichten Gegner mehr bei einer WM oder EM. Bis Olympia 2000 gibt es noch sehr viel zu tun, packen wir`s an.

Regina Singer

Die Tirolerin Regina Singer verfehlte die Medaillenränge nur knapp.
Für Österreich erreichte sie einen respektablen fünften Rang, ebenso Judith Pirchmoser.

 

KURZ NOTIERT
Die nächste WM wurde in Manila auf der Sitzung der WTF nach Hong Kong vergeben. Auf der Strecke blieben Zagreb und Paris. Besonders erfreulich für die DTU: Der Zuschlag für den World Cup 1998, für den sich die Deutsche Taekwondo Union beworben hatte, ging nach Sindelfingen. Hier gibt es in den nächsten Jahren viel zu tun. Die DTU hat erneut die Gelegenheit, ein großes Turnier auszurichten und sich für die Gastfreundlichkeit in vielen Ländern während der letzten Jahre zu revanchieren.

Resultate der TKD Weltmeisterschaft

 

Herb Perez

Kick 02/96 Herb Perez

 

Aus Manila berichtete Wolfgang Trybus-Poppe, Pressereferent der DTU.

Lorenzo Lamas mit Shihan Miki

Lorenzo Lamas – Stets ohne Double

Lorenzo Lamas mit Shihan Miki

Wenn Lorenzo Lamas in der Fernsehserie “Renegade” die fiesen Kerle zur Strecke bringt, braucht er dafür kein Double. Lamas übt sich seit 1979 in verschiedenen Kampfsportarten. Wenn Lamas im Fernsehen seine Gegner regelmäßig mit Kicks oder Hebeln schachmatt setzt, kann man ganz sicher sein, daß er es wirklich selbst ist. Für diesen bekannten Schauspieler stellen die Kampfkünste mehr dar als nur ein Mittel zum Zweck – um eine Kampfsportszene zu verkaufen. Für ihn sind sie eine Lebensphilosophie.


Lorenzo Lamas ist der gutaussehende, langhaarige Typ, der auf seiner Harley auf den Video-Highways unterwegs ist, um als Reno Raines in der beliebten Serie “Renegade” (Pro 7, Donnerstag abend) schrägen Typen das Handwerk zu legen. In den 60-minütigen Folgen läßt er Frauenherzen höher schlagen, wenn er durch schnelle Bewegungen seine schulterlangen Haare fliegen läßt und die fiesen Kerle mit einer prompten Drehung seines Handgelenks und ein oder zwei phantastischen Kicks außer Gefecht setzt. “Es war meine Idee, in `Renegade’ Kampfsportszenen einzubauen, und somit der Figur mehr Gestalt zu geben,” erklärt Lamas. “Im Skript heißt es lediglich:`Reno kämpft gegen drei Leute,’ aber es wird nicht weiter auf Details eingegangen. Es wurde mir Überlassen, den Kampfstil zu wählen, den ich wollte. Lamas begann 1979 in einem der Studios, die früher von Chuck Norris geleitet wurden, mit dem Kampfsport-Training, wo er sieben Jahre lang Tae Kwon Do bei Jun Chong lernte. Mit dem Wunsch, sein Wissen zu erweitern, kam er 1990 zu Budo Jujitsu. “Dieses System wurde von Al Thomas entwickelt. Es verbindet viele Jujitsu-Techniken mit Judo und einigen Karate-Grundtechniken,” sagt Lamas. “Ich trainierte drei Jahre lang privat mit Al und erreichte einen Dangrad in seinem System. Und es gelang mir, aus der Verbindung von Tae Kwon Do und Budo Jujitsu einmalige Kombinationen zu entwickeln.

Shihan

Shihan Miki ist der Lehrmeister Lorenzos in Sachen Schwertkampf.

Eine Mischung aus Lang- und Kurzdistanz-Techniken
“Tae Kwon Do bildete für mich eine wirklich gute Grundlage im bezug auf Tritte und optimale Straßenkampf-Techniken. Im Budo Jujitsu wird viel auf sehr enger Distanz gekämpft, was ja im Tae Kwon Do nicht gemacht wird. So kam es dann, daß ich, als ich mit “Renegade” begann, und anfing, ein für Filme geeignetes System zu entwickeln, viele spektakuläre Tritt-Techniken aus dem Tae Kwon Do und gleichzeitig Elemente aus dem Nahkampf des Jujitsu Übernahm. Jeder fragt mich nach meinem Stil, aber es ist wirklich eine Kombination aus beidem.” Als Schauspieler hat Lamas gelernt, sein eigenes Ich mit dem des Charakters verschmelzen zu lassen, den er gerade darstellt. Diese Vermischung der Persönlichkeiten ist ein schwieriger Balanceakt, der jedoch, richtig ausgeführt, eine Figur wie Reno aus “Renegade” erschaffen kann, der ein fiktionaler Charakter ist, der die Züge des reellen Schauspielers trägt. “Ich bin sicher kein Ausreißer auf der Flucht vor einem Verbrechen, das er gar nicht begangen hat, aber manchmal können sich Wirklichkeit und Fiktion vermischen,” erläutert Lamas. “Ich liebe Motorräder, ich liebe Kampfkunst, und das sind Züge, die ich meiner Figur einverleibt habe.


Woche für Woche dieselbe Rolle
“Wenn man jahrelang, Woche für Woche, die ganze Zeit nur eine Rolle zu spielen hat, sehe ich in meinem Fall, daß ich dazu neige, die Rolle so zu spielen, wie ich mich selbst verhalten würde. Ich bin der festen Überzeugung, daß es die Pflicht eines Schauspielers ist, dem Publikum die Wahrheit zu erzählen, ein Stück Dialog zu nehmen und es zu verinnerlichen, so daß das, was er sagt auch wahr klingt. “Wenn man so lange in einer Serie mitwirkt wie ich in `Renegade’, kann man es gar nicht verhindern, ein kleines Stück deiner eigenen Persönlichkeit mit einzubringen. Gott sei Dank, daß Reno eine rechtschaffene Persönlichkeit und kein Drogendealer. Reno ist ein hauptsächlich positiver Charakter, so daß ich keine Probleme habe, dies mit ihm zu teilen.”

Charakterzüge sind der Kampfkunst entnommen
Die Züge, die Lamas Persönlichkeit ausmachen, haben ihre Wurzeln fest in den Kampfkünsten verankert. Denn, wie Reno, ist Lamas ein Mensch, der konzentriert bleibt und sich unter Kontrolle hat. Lamas schreibt viel von Ausgeglichenheit seines Charakters den Kampfkünsten zu.

Schwert Training

 

Lernprozeß seit dem weißen Gürtel
Für Lamas hat der Lern- und Reifungsprozeß, der als Weißgurt begann, ihm den Weg in eine höhere Verstehensebene gewiesen. Bei den meisten Kampfkünstlern, die eine der Disziplinen Über einen längeren Zeitraum trainiert haben, verdrängt die Harmonie des Geistes, des Körpers und der Seele die Kampftechniken und erlaubt so dem Ausübenden, in hohem Maße vom “do” oder “Weg” des Karate-Do zu profitieren.

Neue Art des Denkens
“Was ich durch die Kampfkünste – Über die reine Schulung von Techniken und körperlichen Kampf-Fertigkeiten hinausgehend – gelernt habe, ist eine Art des Denkens, eine Art der Konzentration, die ich auch in meinem täglichen Leben Gebrauch mache,” sagt Lamas. “Als Schauspieler und als Rennfahrer ziehe ich noch immer Nutzen aus einer Konzentrationsübung, die ich vor 15 Jahren aus den Kampfkünsten heraus erlernt habe. Es wird zu einer Lebensphilosophie. Ich übernehme all die Betrachtungsweisen einer gewaltlosen Form der Selbstverteidigung in meine Lebensweise. Und ich habe vor, meinen Kindern die gleiche Denkweise beizubringen.”

Wissen um Zuschauer und der Gewaltaspekt
Lamas ist sich voll und ganz des Einflusses bewußt, den seine Rolle auf diejenigen hat, die sich die Serie ansehen. Aus diesem Grund verwendet er keine tödlichen Techniken in seinen Kampfszenen. “Ich neige dazu, in `Renegade’ sehr viel Jujitsu anzuwenden, weil es meiner Figur (Reno) erlaubt, viele seiner Widersacher zu überwältigen, ohne sie dabei schwer zu verletzen,” betont Lamas. Ich möchte Reno als einen Menschen darstellen, der die Kampfkünste nur als letzten Ausweg zum Einsatz kommen läßt. Er kämpft nur, wenn er in die Enge getrieben wird und keine andere Wahl hat, um sich zu verteidigen. Deshalb verwende ich die weicheren Bewegungen aus dem Jujitsu, wie Hebel, Würge- und Haltegriffe – und nicht die vernichtenden Stöße, die es im Tae Kwon Do gibt.” Einer der Gründe für den Erfolg von “Renegade” sind die wirklichkeitsnahen Kampfszenen. Viele Fans der Serie sind selbst Kampfsportler und sie lassen ihren Star unmittelbar wissen, wie sehr sie die Sorgfalt, mit der die Szenen entwickelt wurden, zu schätzen wissen. “Viele der Fans, die sich “Renegade” ansehen, haben schon mal Kampfsport gemacht,” so Lamas. “Ich bekomme oft Post von Leuten, die mir schreiben, daß sie es wirklich genießen, einen richtigen Kampfkünstler seine eigenen Kampfszenen spielen zu sehen. Sie können genau sagen, wann auf dem Bildschirm ein Stuntman zu sehen ist und wann ein Double statt des richtigen Schauspielers.

Schwertkampf

Lorenzo Lamas beim Schwertkampftraining

“Solang wir die Kampfkünste in einer positiven Art und Weise präsentieren, die Szenen nicht kürzen und der Öffentlichkeit keine schlampige Arbeit bieten, erweisen wir der Kamfpkunst-Gemeinschaft einen großen Dienst. Ich hasse es, wenn ich jemanden sehe, der versucht, eine Technik hinzukriegen und sie nicht richtig macht. Dann würde ich schon lieber einen Stuntman, der in den Kampfkünsten unterrichtet wurde und der die Techniken gut zeigt, anstelle eines normalen Schauspielers sehen. Deshalb bin ich auch hier, um mit Shihan Miki zu trainieren.

Traditionelles Schwerttraining
Um seinen Fähigkeiten in den Kampfkünsten noch einen letzten Schliff zu verpassen, trainiert Lamas unter dem wachsamen Auge des Shihan (Meister) Minobu Miki vom Sport-Center in Point Loma, California, der einer der respektiertesten Lehrer im Westen Amerikas ist. “Man riet mir, mit Shinan Miki zu trainieren, um von ihm zu lernen, wie man mit einem Schwert umgeht. Es ging dabei um einen Film, der `Midnight Man’ heißt,” erklärt Lamas. “Das ist ein Actionfilm, der in diesen Sommer (‘95) als Video erschienen ist. Über ein Jahr lang trainierte ich mit Shinan Miki, um mir die Techniken einzuprägen. Als ich aufhörte für den Film zu trainieren, stellte ich fest, daß diese Art des Trainings ein sehr guter war, um zu den Grundlagen des traditionellen japanischen Karates zu gelangen.” Den “Weg des Schwertes” zu erlernen, war keine leichte Aufgabe. Trotzdem schienen Lamas die schwierigen Bewegungsabläufe leicht von der Hand zu gehen. “Er (Lamas) ist ein sehr guter Schüler,” sagt Shihan Miki. “Er lernt sehr schnell. Er arbeitet sehr hart an sich und ist sehr konzentriert.” Mehrere Stunden lang arbeitete der Karate- und Kobudomeister und Budo-Schauspieler daran, das Samurai-Schwert sauber aus seiner Scheide zu ziehen. Als das dann perfektioniert war, verbrachte er eine weitere Stunde damit, imaginäre Gegner mit der Klinge zu treffen und zu blocken. Zusammen Übten sie bis die Bewegungen so fließend waren wie Wasser. “Hier in Shihan Mikis Dojo wird das traditionellste Karate ausgeübt, das ich jemals gesehen habe,” gibt Lamas zu. “Das ist der Grund, weshalb ich noch hier bin und weshalb ich immer wieder zurück komme. Denn es ist immer wichtig, sich der Wurzeln zu erinnern, aus denen sich alle Kampfkünste entwickelt haben, und genau hier, im Japan Sports Center, kann man diese Wurzeln finden.” Neuerdings wird in Kanada ein neuer Film mit Lamas gedreht, der den Titel “Die Maske des Todes” (“Mask of Death”) trägt. Der talentierte Schauspieler wird eine Doppelrolle spielen: einen Polizisten und einen Drogen-Boß. Da in seinem neuen Film viele Verfolgungsjagden und Schußwechsel-Szenen zu sehen sein werden, gibt es dieses Mal nicht so viele Kampfkunst-Szenen. “Es wird einige Kampfsequenzen geben”, versichert er, “aber nicht viel Karate. Ich möchte nicht immer nur Kampfkunst zeigen. Manchmal kann es auch Spaß machen, einfach einen Stuhl zu nehmen und ihn jemandem Über den Kopf zu hauen. Aber ich werde die Stelle mit Kiai (Kampfschrei) versehen.” Was sein Karate-Training betrifft, so wird er, sobald der Film fertig ist, zurück im Dojo sein, weil Karate für Lamas mehr ist als ein Weg, eine Kampfszene in einem Film zu verkaufen. Für diesen berühmten Schwarzgurt ist es eine Lebensphilosophie. “Wenn man nicht übt und trainiert, scheint alles darunter zu leiden,” meint er abschließend. “Ich kann beim Kampfsport-Training sehr gut zu mir selbst zurückfinden.”

Renegade im Dojo: Lorenzo Lamas

Herb Perez

Kick 02/96 Herb Perez

 

Diese wunderbare Reportage erschien in Ausgabe 02/1996. Verfasst von: von Terry Wilson. Über den Autor: Terry Wilson ist ein mit dem Emmy ausgezeichneter Fernsehproduzent, langjähriger Danträger und Schriftsteller, mit Wohnsitz in San Diego, Kalifornien.

Werbung:
DVD Filme mit Lorenzo Lamas

Schleyerhalle Stuttgart

WAKO Weltmeisterschaft 1995

Mike Chat

Trotz Verletzung am Start und siegreich: Mike Chat

Fataler Vergleich: Es sollte die Super-WM der WAKO werden. Am Ende geschah, was Fachleute im Vorfeld befürchtet hatten: Das Turnier wurde ein Mega-Flop zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht. Die sportlichen Leistungen waren toll, doch bei durchschnittlich 300 Zuschauern pro Tag kam selbst dann keine Stimmung auf, als Lokalmatador Thomas Pfaffl die WM-Krone für Deutschland holte. Ein Vergleich zu Brückners Super-WM 1987 in der Müchener Olympiahalle kann in keiner Hinsicht gewagt werden. Vor acht Jahren strömten an zwei Tagen zehn Mal soviel Zuschauer in die Olympiahalle als in Stuttgart an drei Tagen. Ein trauriger Rekord, der den DKBV und seinen Präsidenten Dr. Ludger Dietze nach vorsichtigen Schätzungen über 300.000 DM Verlust einbrachte. Man hat die Zeichen der Zeit verkannt und den Enthusiasmus über den gesunden Menschenverstand gestellt. Ein teurer Spaß.



Es war die zehnte Weltmeisterschaft der World Association of Kickboxing Organizations, kurz WAKO, die im Semikontakt stattfand. Die Leichtkontakt-Kämpfer fighteten in der international noch jungen Disziplin zum vierten Mal um den globalen Titel, die Formenläufer zu fünften Mal.

Martin Kilgus

Nach 1991 holt Martin Kilgus zum zweiten Mal Gold für Deutschland (-63 Kg)

Die sportlichen Highlights bekam man in der Schleyerhalle vornehmlich in den Formenklassen zu sehen. Vorbei sind die Zeiten, an denen ein Jean Frenette als Abonnementssieger unangefochten hervorgehen konnte. Die Leistungsdichte in den vier Klassen Hardstyle, Softstyle, Waffen-Hard und Waffen-Soft gestaltet sich sowohl bei Damen als auch bei den Herren als das Beste, was man auf einem internationalen Turnier des Weltverband gesehen hatte. Die Darbietungen der durchtrainierten Darsteller waren so hochkarätig, daß ihr Wettstreit um den Titel einen höheren sportlichen Anspruch und einen größeren Unterhaltungswert besaß als so manche Budo-Großveranstaltung, die man hierzulande gesehen hat. Die ersten Starts der deutschen Teilnehmer verliefen nicht so, wie man es sich erhofft hatte. Die Leipzigerin Sandra Heß – man erinnert sich: vor einem Jahr gewann sie noch als Grüngurt den Grandchampion bei den German Open in Schweinfurt – ließ bei ihrer Waffenform vor lauter Nervosität die Kama fallen. Auch in der Hardstyle-Division konnte sich die junge Danträgerin trotz beachtlicher Darbietung nicht in die Medaillenränge vordrängen. Überraschen belegte die Kanadierin Maron Desrochers den ersten Rang. Dabei hätte die junge Britin Nicki Berwick mit ihren tollen Kicks viel eher auf die oberste Stufe des Treppchens gehört.

Antony Spatola

Antony Spatola siegt in Waffen Formen

WM-Titel für Spatola
Anthony Spatola aus Wolfburg sorgte bereits vor fünf Jahren als zwölfjähriger bei der Europameisterschaft in Spanien für Aufregung. Er siegte gegen seine Konkurrenz und wurde später disqualifiziert, weil er zu jung war. Bei den letzten Weltmeisterschaften in Atlantic City durfte er erneut nicht für Deutschland teilnehmen, weil Präsident Dietze befürchtete, daß Anthony mit seinen 15 Jahren nicht alt genug für eine Teilnahme war. Spatola startete für die Türkei und belegte Rang drei, ohne daß jemand merkte, daß er eigentlich zu jung für eine Teilnahme war. In Stuttgart nahm der fast Volljährige an den Softstyle und Waffen-Soft-Disziplin teil. Während er bei den Waffen durch leichte Schwergewichtsprobleme nur Rang drei erreichte, holte er sich in der Softstyle-Klasse erstmals den Titel des Weltmeisters.

Mike Chat Trophy

Silber für Werner Stark
Der Münchener Werner Stark hätte es beinahe geschafft, mit seiner Bo-Form gegen den spritzigen Ami Mike Chatarantabut zu siegen. Eben nur fast, denn Chat stand dem Deutschen, der wie gewohnt zur Titelmelodie von „Miami Vice“ auftrat, in Sachen Show zwar ein wenig nach, doch die perfekte Beherrschung des Kamas brachte dem Kalifornier schließlich einen Vorsprung von drei Zehntel Punkten. Die Verbesserung Starks gegenüber seinem letzten internationalen Auftritt war beeindruckend. Mit ein wenig Glück dürfte ihm vielleicht in zwei Jahren bei der nächsten WM der Sieg gelingen. Dann wäre er der erste Europäer überhaupt der einen Titel in der Königsklasse der Formen erringen könnte. Bis dahin bleiben die Amerikaner und Kanadier weiterhin unangefochten an oberster Stelle.

Werner Stark

Terminator Kata: Werner Stark

Drei Mal Gold
Bundestrainer Andreas Lindemann und Peter Bernt freuten sich zusammen mit den spärlichen Zuschauern sich über das hervorragende Abschneiden der Deutschen Akteure. Drei Goldmedaillen blieben im Land. So einen großen Triumph hat es im Semikontakt schon seit London 1985 nicht mehr gegeben. Die Ebernerin Miriam Diller holte in der Damenklasse bis 60 Kg den WM-Titel. Zwei Jahre zuvor hatte sie sich in Atlantic City noch mit dem zweiten Rang zufrieden geben müssen, jetzt war ihre Zeit gekommen. Die auffällig gute Kickerin erzielte etliche Zwei-Punkte-Wertungen und distanzierte ihre Konkurrentinnen zum Teil deutlich. Im Finale erreichte sie einen deutlichen 13 : 4 Punktsieg über die Ungarin Betty Kovacz. Der zweite Titel des ersten Finaltages ging an den Loffenauer Martin Kilgus (-63 Kg), der durch seinen denkbar knappen 9 : 8 Final-Erfolg über den US-Amerikaner Tony Young die Weichen für seinen zweiten Titelgewinn stellte. Den größten Erfolg seines Lebens feierte Lokalmatador Thomas Pfaffl. Der Stuttgarter deklassierte seine ersten beiden Kontrahenten mit je zehn Punkten Unterschied. Dann kämpfte sich der hochmotivierte Schwabe durch ein 11:9 über US-Boy Billy Brice und ein 11:8 über den Ungarn Istvan Toth ins Finale – Weltklasse! Bereits soweit in dieser mit 22 Kämpfern stark besetzten Klasse zu kommen war ein Meisterstück. Doch dann stellte sich erst die schwierigste Aufgabe. Es galt, den Profi-Weltmeister Marco Ferrarese aus Italien zu schlagen. Doch auch das schaffte der Lokalmatador. Thomas Pfaffl siegte nach einem spannenden Kampf mit einem Punkt Unterschied und erreichte sein höchstes sportliches Ziel. Er war wohl der glücklichste Mann an diesem Abend.

Andreas Lindemann

Bundestrainer Andreas Lindemann und Peter Bernt

Wieder Probleme mit der Nase
Weniger glücklich zeigte sich die Bayerin Anja Binder, die als einzige Deutsche am zweiten Finaltag um den WM-Titel kämpfen konnte. Sie mußte immer wieder die Fäuste der starken Italienerin Tiziana Zennaro einstecken. Während sie bereits bei der letzten Europameisterschaft über ein gebrochenes Nasenbein klagte und mit einer behelfsmäßig gestützten Nase den Titel holte, mußte sie diesmal den Schmerzen Tribut zollen und den Kampf gegen die Südländerin vorzeitig aufgeben. Mit Monika Henig (-50 Kg), Bagci Conca (-55 Kg), Rolf Leipert (-57 Kg) und Matthias Schlakat (-84 Kg) erreichten vier Deutsche immerhin noch den dritten Rang.

Leichtkontakt
Im Leichtkontakt Durchkämpfen konnte sich Bundestrainer Peter Zaar guter Leistungen der deutschen Akteure erfreuen, doch der durchschlagende Erfolg fehlte. Mit Claudia Schregle (-65 Kg), Ivo Bachor (-74 Kg) und Axel Büttner (-79 Kg) standen drei Vertreter des schwarz-rot-goldenen Banners im Finale, aber alle verloren.

Ivo Bachor

Ivo Bachor (li.) im Finale gegen den Ami Chris McBride

Claudia Schregele mußte sich der Russin Elena Logounkova geschlagen geben. Irgendwie fehlte der gut kämpfenden Passauerin der nötige Pep und Kampfgeist, ansonsten hätte sie als die technisch Überlegene der körperlich stärkeren Russin mehr den Kampf diktiert. Ivo Bachor unterlagen nach einer technisch hervorragenden, hart umkämpften Auseinandersetzung gegen Chris McBride, USA. Sein Stallgefährte Axel Büttner mußte der urwüchsigen Kampfesweise des amtierenden Weltmeisters Hermann Mühlheimer, im Vorkampf besiegte er den Franzosen Nasser Nassiri, aus der Schweiz Tribut zollen. Der Gelsenkirchener kam mit den unorthodoxen Angriffen des Eidgenossen, der als einziger seiner Landsleute eine Goldmedaille mit nach Hause nahm, nicht so zu recht, wie es nötig gewesen wäre. Trotz allem verloren die deutschen Finalteilnehmer nur denkbar knapp, denn die Urteil der Punktrichter waren nicht einstimmig. Neben Büttner und Bachor stand ein dritter Gelsenkirchener im Finale der WM im Leichtkontakt: Mitri Gassen. Er startetet jedoch nicht für Deutschland, er vertrat die israelischen Landesfarben. Im Gegensatz zu seinen Vereinskameraden konnte sich Gassen (-89 Kg) den WM-Titel erkämpfen. Nachdem er im Halbfinale den Deutschen Robert Pölsterl besiegte, gewann er auch das Finale über den Kanadier Martin Cantin. Mit Birgid Sasse (+65 Kg), Hidir Erdogan (-57 Kg), Bernd Reichenbach (-84 Kg), und Robert Pölsterl (-89 Kg) erreichten vier Deutsche den dritten Platz.

Starke Ungarn
Die Kampfdisziplinen wurden maßgeblich von den Ungarn geprägt. Als einzige Doppelweltmeisterin des Stuttgarter Turniers ging die Ungarin Rita Pesuth hervor. Sie dominierte bis 55 Kg sowohl das Semi- als auch das Leichtkontakt. Ohne Zweifel kann man sie als die weltbeste Kickboxerin bezeichnen, die zur Zeit bei der WAKO am Start ist. Mit exzellent getimeten Kicks und abgebrühten Kontern demonstrierte sie wahre Weltklasse. Mit Lajos Hugyetz beeindruckte ein weiterer Ungar die Fachleute. Er erreichte nach einer Aufholjagd mit dem Schlußgong den entscheidenden Punkt zum 16 : 15 und sicherte sich seinen vierten WM-Titel.

Rita Pesuth

Die Ungarin Rita Pesuth wurde Doppel-Weltmeisterin

Fazit
Trotz des wirtschaftlichen Fiaskos konnte die WM mit sportlichen Glanzpunkten aufwarten. Die Leistungsdichte in den Formen und im Leichtkontakt ist steigend, im Semikontakt dafür leicht sinkend. Leider beeinträchtigte die schwache Kulisse auch die Leistungen der Akteure. Mit entsprechend lauter Unterstützung hätte sicher einer der vier zweitplazierten Deutschen noch ein Quentchen mehr Motivation in seinen Kampf gelegt und die Punktrichter beeindruckt. Der Turnierorganiation war diesmal viel Gutes abzugewinnen. Emsig erbeiteten die Helfer des DKBV und die Angestellten der Schleyerhalle daran, einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, was ausnahmslos gelang. Große Kritik gab es von Seiten der Kämpfer über die ausgelegte Mattenfläche. Hier hatte man beim Verlegen Ober- und Unterseite vertauscht. Das führte dazu, daß Kämpfer ums eine oder andere Mal unfreiwillig ins Rutschen kamen und mit dem Gleichgewicht Probleme bekamen.
Anders als bei anderen WAKO-Weltmeisterschaften blieben die Akteure diesmal von eklatanten Fehlentscheidungen der Unparteiischen verschont. Es wäre erfreulich, wenn sich diese positive Entwicklung im Schiedsrichterwesen weiter entwickeln würde, und nur noch die sportliche Fairness über Sieg und Niederlage entscheidet.

Waterloo in Stuttgart
Die Stuttgarter WM war ein Trauerspiel, das der deutsche Kickboxsport in seiner 20 jährigen Geschichte noch nicht erlebt hat. An drei Tagen kamen zusammen kaum mehr als 1.000 Zuschauer, die nur im Mindestabstand von 15 Metern von der Finalkampffläche sitzen durften, rechte Stimmmung kam nie auf.

Schleyerhalle Stuttgart

Weniger Zuschauer als erwartet Die Weiten der Schleyerhalle – Geisterkulisse: Bei den Finalkämpfen befanden sich neben den Teilnehmern, Coaches und Funktionären kaum mehr als 300 Zuschauer auf einmal in der Halle. Auch die SDR-3-Club-Fete mit der bekannten Popband „Die fantastischen Vier“ wurde ein großer Reinfall.

Das Fiasko dürfte in erster Linie dem DKBV-Präsidenten Dr. Ludger Dietze zuzuschreiben sein. Als er vor zwei Jahren Zeuge eines ähnlichen Trauerspiels wurde, als im amerikanischen Atlantic City noch weniger Zuschauer beiwohnten, beschloß er, mit einer Weltmeisterschaft in Deutschland für seine alte Disziplin Semikontakt, in der er 1983 Weltmeister wurde, eine Lanze zu brechen und es salonfähig zu machen. Mit dem Kornwestheimer Kaufmann Winfried Raithel beauftragte der DKBV im Frühjahr 1994 einen Organisator für die Durchführung. Raithel sprach ebenso wie Dietze von einer Super-WM. Er selbst habe im benachbarten Ludwigsburg schon Semikontakt-Turniere mit 1.500 Zuschauern veranstaltet und zahlreiche kompetente Helfer an der Hand. Dietze vetraute ihm. Er hörte nicht auf die Kritiker, die erzählten, daß Raithel log, denn die Tribünen auf denen er soviele Zuschauer gesehen haben wollte, faßten höchsten 400 bis 500 und die waren besetzt mit Teilnehmern. So gingen die Monate ins Land, der Verband zerstritt sich, potentielle Sponsoren wendeten dem DKBV verärgert den Rücken. Anfang 1995 kam das große Erwachen: „In wenigen Monaten ist die WM, und nichts ist geregelt.“ Man begann zu rechnen. Und siehe da, von einem „Restrisiko von 30.000 DM,“ das Dietze im Originalton bis dato als realistisch hielt, konnte keine Rede sein. Er stellte fest, daß rund 400.000 DM nötig waren, um alle Rechnungen zu begleichen. Dennoch machte er weiter. Rund drei Monate vor dem Turnier trennte man sich von Organisator Raithel. Doch dann folgte ein Fehler nach dem anderen. Die Werbekampagne wurde ein großer Flopp. Drei unterschiedliche Plakate wurden gedruckt, eines unattraktiver als das andere. Diese Plakate wurden exklusiv in den Publikationen eines eiziges Fachverlages beigelegt und mit Anzeigen unterstützt. Eine Fehlinvestition, wie sich herausstellte. Offensichtlich hatte Dietze die Verkaufszahlen und die Zielgruppe der Magazine völlig falsch beurteilt. Eine Pressearbeit gab es gar nicht. Die Welt-Fachpresse wurde vom Stattfinden der WM noch nicht einmal informiert, geschweige denn eingeladen. Bei den Pressekonferenzen für die Lokalmedien bekamen die Journalisten gerade mal belegte Brötchen gereicht, in der Halle mußten sie sich langwieriger Akkreditierungsprozeduren unterwerfen. Kein Wunder, daß sie Kickboxen und die WAKO nicht gerade in positiver Erinnerung behalten. Doch zurück zum Werbefeldzug. In Stuttgart hingen keine Plakate aus und auch sonst konnte man kaum etwas vom Stattfinden der WM vernehmen. So war es dann auch nicht verwunderlich, daß der WM-Gewinn von Thomas Pfaffl am Wochenende in der Lokalpresse mit keinem Wort erwähnt wurde.

Thomas Paffl

Lokalmatador wird Weltmeister: Thomas Pfaffl. Hoch motiviert streckt Thomas Pfaffl die Faust in die Höhe. Er wird Weltmeister – 69 Kg.

Und dann war da noch die SDR-3-Clubfete, die am ersten Finaltag stattfand. Sie sollte als PR-Gag dienen, um mehr Zuschauer in die Hans-Martin-Schleyer-Halle zu locken, denn normalerweise ziehen solche Veranstaltungen – die fantastischen Vier traten live auf – rund 3.000 Fans. Doch der Werbefeldzug ging voll in die Hose: Kaum mehr als 300 zahlende Zuschauer verirrten sich zur Party.
Nachdem keine nennenswerten Sponsoreinnahmen erwirtschaftet wurden, langen die Einnahmen gerade mal – wenn überhaupt – für höchstens die Kaltmiete des ersten Veranstaltungstages. Wenn Zahnarzt Dietze nicht selbst für den Verlust aufkommt, wird er als Präsident des DKBV e.V. kaum darum herum kommen, Konkurs beim Amtsgericht Charlottenburg anzumelden. Doch selbst bei einer gerichtlich festgestellten Zahlungsunfähigkeit dürfte er nicht ganz aus dem Schneider sein. In die eigene Tasche greifen müssen wird er , wenn ihm und dem Rest des Vorstandes fahlässiger Umgang mit den Finanzen des Verbandes – Jahreseinnahmen unter 100.000 DM – vorgeworfen werden könnte. Verdient hat er es nicht, aber jemand muß halt bezahlen.

So brutal urteilte die Lokalpresse:

Bild Zeitung Stuttgart
Eine WM der Lachnummern . . .
Stuutgart – Bei der Kickbox Weltmeisterschaft in der Stuttgartert Schleyer-Halle herrscht das Chaos. Die WAKO wollte Werbung für ihren Sport betreiben, dafür war ihnen nichts zu teuer. Eine große „Welcome Party“ für alle Teilnehmer wurde organisiert. 22 Busse (Mietpreis zusammen 25.000 DM) standen an der Schleyer-Halle bereit, um die Gäste in eine Heilbronner Diskothek zu fahren. Alles umsonst – der Veranstalter hatte vergessen die Athleten einzuladen ! . . .

 

Sonntag Aktuell SportRote Augen, rote Zahlen
Kickbox-WM droht der totale Flop
Dr. md. dent. Ludger Dietze, 35, hat die Augen eines Mannes, der wenig schläft: rot, unterlaufen, die Ringe von olympischer Qualität. . . . Die WM ist schlechter besucht als das Rummelboxen auf Wasen. Es sind nur Gäste, Sponsoren, Journalisten und Verwandte ersten und zweiten Grades da. „So leer,“ sagt einer von der Hallenverwaltung, „ist es sonst nur, wenn wir geschloßen haben.“ . . . WAKO-Präsident Ennio Falsoni nennt die WM . . . ein Himmelfahrtskommando.  . . . „Ich stehe gerade,“ sagt der Kickbox-Präsident – und wirkt gebeugt. . . . In einer Ecke liegen vier samte Kissen, auf denen bei der Siegerehrung die Medaillen ruhen werden. Der Samt ist bordeauxrot. So wie die Augen von Dr. med. dent. Ludger Dietze.

Stuttgarter Zeitung
. . .  Schleyerhalle eine Nummer zu groß . . . „Mir tun die Veranstalter vom DKBV leid, wenn ich sehe, wie leer hier die Ränge sind . . . Nur 200 Zuschauer fanden am Freitag den Weg in die Halle . . . die Schleyerhalle teuer zu mieten, erwies sich als ein Flop . . .“

Nasser Nassiri

Hermann Mühlheim, Schweiz, holte sich nach 1993 den zweiten WM-Titel im Leichtkontakt (-79 Kg). Zweiter wurde Axel Büttner (li.), dritter Nasser Nassiri (re.)

Johnson Waffenkata

Willie „Bam Bam“ Johnson, USA, errang Gold mit seiner Säbelform im Softstyle Waffenbereich

Nicky Berwick Karate

Bei der WAKO-WM in Stuttgart hatte sie Pech mit den Punktrichtern. In Karlsruhe siegte die junge Britin Nicky Berwick souverän.

Caroline Suter

Die Schweizerin Caroline Suter nahm an den Formenwettbewerben teil. Gegen die stake Konkurrenz konnte sich die Eidgenössin jedoch nicht durchsetzen.

Resulte der WAKO World Championships in Stuttgart

 

Cover Joe Lewis

KICK 12/95 mit Joe Lewis

 

Dieser grosse Bericht erschien in Ausgabe 12/95 mit dem Titelbild von US-Karate Star Joe Lewis. Es war die umfangreichste Reportage der vollfarbigen Ausgabe. Ein Foto Bonus erschien in der folgenden Ausgabe.

Dolyo-Chagi

Germany on the TOP

Dolyo-Chagi

Anja Kampers (r.) punktet mit Dolyo-Chagi

Sardinia Open ´95, Anfang April. Auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien zeigten die SportlerInnen der Deutschen Taekwondo Union eindrucksvoll ihre Leistungsstärke. Mit sechs Gold-, elf Silber- und neun Bronze-Medaillen holten sie für die deutsche Nationalmannschaft den Titel in der Nationenwertung. Sie verwiesen das starke Teilnehmerfeld aus 13 Ländern, zu denen auch die Teams aus der Türkei und Ägypten gehörten, auf die Plätze.

Schlechte Organisation
Der organisatorische Background des Turniers lies, trotz des hochwertigen Teilnehmerfeldes, sehr zu wünschen übrig. Team Manager Peter van den Akker bestätigte dies: “Auffällig war das Fehlen von Vorinformationen und der üblichen elektronischen Score-Boards”. Die deutsche Mannschaft setzte der desolaten italienischen Organisation dennoch einen guten Teamgeist entgegen. Head of Team Wolfgang Thormählen betonte: “Die Zusammenarbeit im deutschen Team war trotz der großen Teilnehmerzahl harmonisch. Vor allem die Bundestrainer arbeiteten sehr kooperativ zusammen”.

Schiffmann dominierte
Die Jugend eröffnete den Medail-lenreigen für die deutsche Mannschaft. Jochen Schiffmann (-45 Kg), der aufs neue zu den besten Kämpfern des Turniers gehörte, setzte sich unangefochten bis ins Finale durch. Dort deklassierte er den Italiener Vogi und gewann durch Aufgabe in der zweiten Runde.
Daniel Betz holte Gold: Daniel Betz holte in der 70 kg-Klasse die zweite Gold-Medaille für Deutschland. Er schlug im deutschen Finale Alexander Mouhcine mit 2:1. Zuvor hatte sich der Öhringer gegen einen Italiener behauptet.

Salbeck mit Pech
Eine überzeugende Leistung bot Alexander Salbeck in der Klasse bis 50 kg. Er schaltete zunächst einen Italiener mit 6 : 1 aus. Im zweiten Kampf siegte er durch technischen K.o. in Runde drei. Im Finale gegen den Italiener Di Girolamo verlies den Neuaubinger das Glück. Nach einem verhaltenen Kampf fiel der Kampfleiterentscheid beim Stande von 3 : 3 gegen den Deutschen Meister aus.

TKD Deutschland

Die Deutsche Nationalmannschaft sicherte sich Gold in der Nationenwertung der Sardinia Open 1995

Silber für Florian Philipp
Eine weitere Silber-Medaille sicherte Florian Philipp dem deutschen Team in der Klasse bis 76 kg. Nachdem er sich im ersten Fight deutlich durch Kampfabruch behauptet hatte, unterlag er im Finale Baldini aus Italien.
Thomas Haas, Mustafa Khaddari und Ju-Hyun Koo erkämpften sich jeweils den dritten Platz.

Mädchen überzeugen
Die Gewichtsklassen bis 55 und bis 60 kg der weiblichen Jugend wurden klar durch deutsche Kämpferinnen beherrscht. In der 55er-Klasse setzte sich Juliane Stoll gegen die Italienerin Dore durch. Sabrina Kretzer besiegte die türkische Nationalkämpferin Ertechin in einer packenden Begegnung mit 5:4. Das Finale der deutschen Sportlerinnen wurde nicht ausgekämpft, der Sieg Juliane Stoll zugesprochen.
In der Klasse bis 60 Kg trafen im Endkampf Vize-Europameisterin Leslie Ellen Lanz und Dajana Mack aufeinander. Auch dieses deutsche Finale wurde kampflos zugunsten von Leslie Ellen Lanz entschieden.

Pandae-Dolyo-Chagi

Spektakulär: Ju-Hyun Koo (r.) trifft mit Pandae-Dolyo-Chagi

Anna Poppe überraschte
Für eine handfeste Überraschung sorgte Anna Poppe in der Klasse bis 47 Kg. Die frischgebackene Deutsche Meisterin schaltete im ersten Kampf die Italienerin Manias spielend mit 6:1 aus. Im Endkampf zeigte die Bremerin eine gute Leistung gegen die starke türkische Fighterin Selimoglu. Der Kampf endete zwar mit 1:3 gegen die deutsche Kämpferin, zeigte jedoch daß man künftig international mit ihr rechnen muß.
Eine gute Vorstellung bot Anja Kampers in der 43-Kg-Klasse. Nachdem sie sich sicher bis ins Finale vorgekämpft hatte, scheiterte die Dritte der Europameisterschaften trotz eines guten Kampfgeistes knapp an Atzeni aus Italien. Natascha Karow, Melanie Kildau und Nina Schneider rundeten den Erfolg der deutschen Jugend durch den Gewinn der Bronze-Medaille ab.

Gute Bilanz der Jugend
Bundesjugendtrainer Shin In-Shik zog angesichts der guten Leistungen der deutschen Jugend ein positives Resümee. In Hinblick auf die Jugend-Weltmeisterschaften ´96 betonte er jedoch: “Wir müssen vor der WM noch weitere hochwertige internationale Turniere besuchen, damit die Jugendlichen noch mehr Erfahrungen sammeln können”.

Leslie Ellen Lenz

Leslie Ellen Lenz (links) holte sich mit brillanten Techniken die Gold-Medaille.

Gemischtes Team
Damen-Bundestrainer Josef Wagner und Herren-Bundestrainer Georg Streif gingen mit einem gemischten Team an den Start. Neben einigen bekannten Leistungsträgern nahmen auch Athleten der „zweiten Garde” an dem Turnier teil, um internationale Praxis zu bekommen.
Bei den Damen erkämpfte sich Monika Poeplau die Gold-Medaille. Sie setzte sich im Finale des Schwergewichts knapp aber verdient gegen Vezmar aus Kroatien durch. Bilsen Ulusoy erreichte durch einen 6 : 1-Sieg über Italien souverän den Endkampf der Klasse bis 43 kg. Dort unterlag sie nach einer spannenden Begegnung der Amerikanerin Slane und belegte den zweiten Platz.

Silber für Diana Creti
Ebenfalls Silber sicherte sich Diana Creti in der 55 Kg-Kategorie. Nachdem sie sich in der Vorrunde kontinuierlich von Kampf zu Kampf gesteigert hatte, unterlag sie erst im Endkampf der Vize-Weltmeisterin Deliktas aus der Türkei nach einem ausgeglichenen Kampf mit 3 : 4. Cordular Sackers landete in der Klasse bis 70 kg ebenfalls auf dem zweiten Platz. Bronze holte Monika Sprengel in der Klasse bis 47 Kg.

Ercan Özkuru setzte sich durch
Für den größten Erfolg bei den deutschen Herren sorgte Ercan Özkuru, der sich in der stark besetzten Klasse bis 70 kg den ersten Platz erkämpfte. Dabei wäre fast das Viertelfinale, in dem er gegen den dritten Italiener in Folge antrat, zur Endstation für den World-Cup-Zweiten geworden. Als Stolperstein präsentierte sich jedoch nicht der Kontrahent des Esseners, sondern der italienische Kampfleiter, der, wie viele andere Kampfrichter dieses Turniers, durch das Niveau des Deutschen offenbar überfordert wurde. Aufgrund seiner kämpferischen Einstellung konnte Ercan Özkuru dieses Hindernis beseitigen und nach einem weiteren Sieg über den Italiener Di Lauro im Finale Aydogan (Türkei) mit 5:3 besiegen.

Schuchardts Comeback
In Topform präsentierte sich Jörg Schuchardt in der Klasse bis 50 kg. Durch einen klaren 4 zu 2-Sieg über Italien erreichte er das Halbfinale, wo er auf den zweifachen Europameister Aarun Ates aus der Türkei traf. In diesem Fight zeigte Schuchardt, daß er den Anschluß an die internationale Spitze wiedergefunden hat. In einer sehr ausgeglichenen Partie wurde der Türke in der dritten Runde wegen Unsportlichkeit disqualifiziert. Im Finale unterlag Schuchardt nach einem spannenden und technisch hochwertigen Kampf knapp dem Italiener Sotgia und belegte somit den zweiten Platz.

Bronze für deutsche Kämpfer
Den dritten Platz erreichte Jan Krumpen in der 58 kg-Klasse. Nach guten Leistungen in der Vorrunde mußte sich der Deutsche Meister im Halbfinale dem ägyptischen Nationalkämpfer El Said geschlagen geben. Aydin Ates belegte ebenfalls den dritten Rang für Deutschland. Der Europameister scheiterte im Halbfinale der Klasse bis 54 kg am Vize-World-Cup-Sieger Maboyouk aus Ägypten.
Fazit der Bundestrainer
Die Bundestrainer waren zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft. Georg Streif unterstrich: “Trotz des guten Niveaus zeigten gerade die neuen Akteure wenig Nervosität und eine gute Motivation”. Als nächste Bewährungsprobe steht der ETU-Cup in Thessaloniki für die Damen und Herren der DTU auf dem Programm. Dies ist das letzte große Turnier vor den Weltmeisterschaften, die im November auf den Philipinen stattfinden.

Eric Lee Cover

Ausgabe 07/1995 mit Eric Lee

 

Erschienen in Ausgabe 07/1995.
Verfasser: Kai Müller, Wiesbaden.
Kai ist ueber die folgdende Webseite zu erreichen:
Budo Schule Wiesbaden

Poomse

TKD Superlative in Hessen

Poomse

Vize-Europameister Franz Bartl überzeugte mit Poomse Sipjin

Als ein Turnier der Superlative präsentierten sich die Internationalen Hessischen Poomse (Formen) Meisterschaften, die Anfang Mai in Rodenbach stattfanden. Mit über 250 Startern aus 10 Bundesländern und 46 Vereinen, sowie einem Team aus Belgien mauserten sich die diesjährigen Titelkämpfe zu einem der größten Poomse-Turniere Europas. Angesichts des unglaublich starken Teilnehmerfeldes, das alle erfolgreichen Poomseläufer Deutschlands vorwies, konnte man dieses Turnier bedenkenlos mit den Internationalen Deutschen Meisterschaften auf eine Stufe stellen. Da die Veranstaltung als Ranglistenturnier gewertet wird und die Europameisterschaften in Rußland bevorstehen, war die hochkarätige Beteiligung nicht verwunderlich.

Starke Mädchen
Ein ausgesprochen gutes Niveau konnte man in den Klassen der weiblichen Jugend verzeichnen. Als die Spitze des Eisbergs kristalisierten sich Anna Poppe und Mirja Hitzemann heraus, die die A- und B-Klasse souverain anführten.

Nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ wußten die Klassen der männliche Jugend zu überzeugen. Herausragend: Kaygun Kamuran und Oguz Avar, die in der A- und B-Klasse eindrucksvoll ihrer Konkurrenz davonliefen und sich überlegen die Titel holten.

Favoriten siegen
Bei den Damen setzten sich mit Roya Afshar, Brigitte Karrasch und Brigitte Honnes die übermächtig Favoriten. Lediglich in der B-Klasse kam es zu einem spannenden “Kopf-an-Kopf-Rennen” zwischen Ute Möws, Anja Bahrs und Petra van den Heusen, das die Essenerin Möws knapp für sich entscheiden konnte. Daneben überzeugte Lydia Kellermayer aus Kolbenmoor, die sich dicht hinter Roya Afshar den zweiten Platz sicherte.

Führung behauptet
Bei den Herren konnten die Spitzenläufer die Führung ausbauen. In der A-Kategorie, die mit 35 Akteuren am besten besetzt war, kam es aufs Neue zu einer spannenden Auseinandersetzung, bei der Hado Yun vor Manuel Rovira und Roland Stenzel siegreich blieb. Franz Bartl, Bernd Bannenberg, Bernd Könnecker und Fritz Keller setzten sich mühelos über die hochklassige Konkurrenz hinweg. Im Synchronlauf-Wettbewerb zählte das Team von Tura Bremen mit Schmidt/Gorke/Stenzel zu den herausragenden Mannschaften. Die Vize-Europameister verwiesen überlegen den DJK Kolbenmoor und die Budo-Schule Wiesbaden auf die Plätze. Im gut besetzten Paarlauf-Wettbewerb konnten sich Kellermayer/ Bartl aus Kolbenmoor vor den Teams von Tura Bremen behaupten.

HTU-Demo-Team begeisterte
Zu einem Highlight der Veranstaltung wurde der Auftritt des Demo-Teams der Hessischen Taekwondo Union, das im Rahmen der Abendveranstaltung die zahlreichen Zuschauer und Sportler begeisterte. Mit einem kompakten Show-Programm zogen die hessischen Taekwondoin das frenetisch mitgehende Publikum in ihren Bann. Eindrucksvolle Slow-Motion-Aktionen, die sich mit rasanten Selbstverteidigungsaktionen, interessanten Zweikampf-Impressionen und Bruchtests abwechselten, brachten die Stimmung im Publikum auf den Siedepunkt.
Tura Bremen überlegen: In der Vereinswertung setzte sich Tura Bremen souverän gegen den zweitplazierten DJK Kolbenmoor durch. Platz drei belegte 1860 Bremen vor Tae-U Hannover und dem RSC Essen.

Eric Lee Cover

Ausgabe 07/1995 mit Eric Lee

 

Erchienen in Ausgabe 07/1995.
Verfasser: Kai Müller, Wiesbaden.
Kai ist ueber die folgdende Webseite zu erreichen:
Budo Schule Wiesbaden

Taekwondo Wien

TKD Gala in Wien

Taekwondo Wien

Norbert Herz, Octagon (l.) gegen Roman Sendor, Kumgang


Nachdem sich die erste Tae Kwon Do Gala mit Vorstellung der einzelnen Kämpfer und mit popiger Musik als eine tolle Abendveranstaltung bestens bewährt hat, wurde nun im Februar die zweite Tae Kwon Do Gala in Angriff genommen. Diese Veranstaltung stand unter dem Motto “best of the best”, Veranstalter waren wie immer der TKD Verein Octagon und die Mudokwan Sportschule. Erneut gelang es ihnen, ein Taekwondo Ereignis, ganz nach dem Geschmack des Publikums, auf die Beine zu stellen.

Vor toller Zuschauerkulisse kämpfte eine Auswahl der acht besten österreichischen Schwergewichte nach dem Turniersystem, um einen wertvollen Pokal sowie einem gut dotierten Sachpreis. Weiter wurde erstmals statt dem sonst üblichen Showprogramm ein eigener Bruchtest-Wettbewerb durchgeführt. Es meldeten sich acht Teilnehmer, die je einen Bruchtest mit maximal drei Holzbrettern im Stand oder Sprung, mit Faust oder Fuß brechen mußten. Die besten vier kamen ins Finale, wo sie wieder einen Bruchtest, anders als den vorher gezeigten, vorführen mußten. Als Sieger ging Christoph Staniek vom Tae Kwon Do Verein Tulln hervor.

Spannung garantiert
Die Kämpfe versprachen im Vorfeld einiges an Spannung, da sich die Teilnehmer von den Staatsmeisterschaften gut kannten. In der ersten Runde traft Kurt Koppensteiner (Ilkyok Wien) Auf Roman Brunner (HSV – Baden). Koppensteiner gewann diese Begegnung mit 4:1 und traf in der zweiten Runde auf Roman Sendor (Kumgang Wien), der seinerseits über Klaus Teufel (Tosan Wien) mit 6:2 weitergekommen war. Nach einem von Taktik geprägten Match gewann Sendor mit knappen 1:0 und stand als erster Finalist fest.
Im zweiten Pool kam Norbert Herz (Octagon Wien) mit 4:0 problemlos über Karl Mayer (Kumgang Stockerau) eine Runde weiter und traf dort wieder einmal auf seinen “Erzfeind” Christian Lehninger, ebenfalls Stockerau. Dieses emotional geführte Match mußte nach Kopftreffer gegen Lehninger beim Stand von 5:0 für Herz auf Weisung der Ärztin abgebrochen werden.

Deutlicher Sieg für Herz
Somit stand die Finalpaarung mit Sendor vs Herz fest. Sendor hatte sich in den Vorkämpfen den Fußrist verletzt und versuchte so, mit Taktik und Konter zum Erfolg zu kommen. Herz ließ sich als alter Fuchs aber auf nichts ein und gewann relativ klar mit 5:0.

Neue Gala in Vorbereitung
Den Siegerpokal sowie den Sachpreis überreicht der Präsident des Wiener Tae Kwon Do Verbandes Dr. Norbert Mosch. Als nächste Tae Kwon Do Gala ist ein Bundesländervergleichskampf zwischen den stärksten Bundesländern Wien und Tirol in Vorbereitung, der am 6. Mai in Wien stattfindet.

Eric Lee Cover

Ausgabe 07/1995 mit Eric Lee

Erschienen in Ausgabe 07/95.
Verfasser: Fritz Exenberger.

Joe Lewis Sidekick

Hart und Härter: Joe Lewis

Das Kennzeichen guter Fußtechnik oder:

Kicken mit aller Kraft

Joe Lewis Sidekick

Joe Lewis mit Flying Sidekick

“Das Geheimnis guten Kickens”, sagt Kickbox-Legende Joe Lewis, “basiert auf dem gleichen Konzept wie Bruce Lees Jeet Kune Do. Es heißt “effektive Explosivität”. Explosivität ist die Fähigkeit, Substanz in eine Technik zu legen. Unter den Begriff Substanz fallen zwei Dinge: Physikalische Umsetzung – also wie man sein Körpergewicht hinter die Kicks legt, und Überzeugung – der Technik muß emotionale Überzeugung zu Grunde liegen.” In dieser Exklusivgeschichte erklärt einer der größten Strategen, wie man mit aller Kraft zutritt.

Wie gefährlich wäre es, einen explosiven Kick zu kassieren? Ein Eindruck darüber läßt sich gewinnen, wenn man den Überlebensinstinkt von Tieren beobachtet. Die Tiere beißen, stoßen und verwenden oft Kicks, die Knochen bersten lassen. Daß ist kein großes Arsenal an Techniken, aber ein tödliches.

Der Kick ist die erste Waffe eines Kämpfers. Kicks sind der Grund, warum Karate und Taekwondo mehr Zuschauer anziehen wie andere Kampfkünste. Es gibt schnelle Kicker, schöne Kicker und Kicker, die mit viel Kraft zutreten. Selbstsicheres, effektives Kicken ist der Maßstab, an dem ein guter Kämpfer gemessen wird. Um als herausragender Kicker bezeichnet zu werden, muß jemand so zutreten, wie es vor ihm noch keiner getan hat. Ihm das dann nachzumachen, wird schwierig sein.
Gutes Kicken, ebenso wie gutes Kämpfen, ist keine Frage der gewonnenen Kämpfe, sondern eine Frage des Herzens. Wenn wir einen schnellen Kicker sehen, heißt es “olala”, und wenn wir einen kraftvollen Kicker sehen, dann heißt es “Wow”. Aber bei einem außergewöhnlichen Kicker kommt man als Zuschauer aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das ist das Anzeichen dafür, daß ein wirklich außergewöhnlicher Super-Kicker am Werk ist.

Amerikanisches Karate

1967: Joe Lewis (l.) attackiert Mitchell Bobrow bei den Rhee Nationals in Washington – ein Stück Amerikanischer Kampfsport Geschichte

Kicks können tödlich sein
Sind Kicks tödlich? Ja, zumindest können sie es sein. In den sechziger Jahren kämpfte ich gegen alle guten Schwergewichts-Karateka. Dabei habe ich niemals versucht, jemand mit meinem Side-Kick zu verletzen. Trotzdem endeten einige meiner Gegner im Krankenhaus. Sie haben behauptet, ich hätte zu hart zugetreten, aber ich bin der Meinung, sie waren einfach nicht in Form. Ich habe meine Gegner nie härter als meine Sparringspartner getreten, die ich nie verletzt habe. Ich wußte, daß der Side-Kick nicht nur effektiv war, sondern auch tödlich sein konnte. Mein Lehrer auf Okinawa, Kinjo Chinsaku, wurde als junger Schwarzgurtträger von fünf Männern angegriffen. Drei von ihnen hat er mit Side-Kicks erwischt, bevor die anderen beiden abhauen konnten. Zwei von den drei mußten dann ins Krankenhaus, der Dritte war tot.

Meine gefährlichste Waffe
Auch ich habe bald erkannt, daß der Side-Kick eine sehr gefährliche Waffe ist. Während des Sparrings trugen meine Gegner Kendo-Westen aus Fiberglas. Ich konnte nicht nur diese zerstören, sondern auch schwere Sandsäcke mit meinem Side-Kick zum platzen bringen.
Als ich von Okinawa zurück nach Amerika kam, hatte ich bereits meinen schwarzen Gürtel. Bei den Turnieren konnte ich mit meinem Side-Kick nicht nur Punkte sammeln und Turniere gewinnen, sondern auch Rippen brechen und die Leber, Niere oder Milz meiner Gegner verletzen. Manchmal, anstatt Rippen zu brechen, brach ich auch den Arm meines Gegners, wenn er versuchte, meinen Kick zu blocken. Dabei habe ich es aber nicht übertrieben, ich habe nicht mit übermäßiger Kraft zugetreten. Das war einfach die Art, wie wir in Okinawa zugetreten haben.

Die beste Verteidigung
Die beste Verteidigung ist ein guter Angriff. Was ist also der Sinn einer Verteidigung? Sie soll die Schwachstellen des eigenen Angriffs minmieren – und welche bessere Möglichkeit gibt es da, als den Gegner mit einem starken Kick zu treffen?
Meine Geheimnis des Tretens läßt sich ganz einfach beschreiben: hart trainieren. Das Geheimnis, ein außergewöhnlicher Kicker zu sein, beinhaltet viele Elemente auf verschiedenen Ebenen. Bevor wir jedoch die Vorbereitung für gutes Treten besprechen, will ich an die Grundprinzipien des Kämpfens erinnern. Dieser ‹Überblick hält den Leser davon ab, nur an seine Angriffe zu denken und die Aktionen des Gegners außer acht zu lassen.

Bestrafung
Einerseits geht es beim Kämpfen darum, den Gegner zu treffen und nicht getroffen zu werden. Von einer anderen Seite her betrachtet heißt das, es geht darum, dem Gegner auszuweichen und ihn für seine Angriffsversuche zu bestrafen. Man tauscht also keine Techniken aus. Auch nimmt man keinen Schlag auf, um dann einen zurückzugeben. Und gewinnen bedeutet nicht, die meisten oder die besten Schläge einzustecken, denn sonst bekämpft man sich selbst. Bei uns gibt es ein Sprichwort: “Wenn du boxen kannst, dann kannst du auch kämpfen, aber wenn du kämpfen kannst, heißt das noch lange nicht, daß du auch boxen kannst.” Das bedeutet, daß du, wenn du ein guter Techniker bist, du auch den Mut aufbringen kannst, ein guter Kämpfer zu werden. Du kannst dich mit den Besten messen. Doch die reine Tatsache, daß du das Herz eines Kämpfers hast und hungrig darauf bist, dich mit den Besten zu messen, macht dich weder zu einem guten Techniker noch zu einem Strategen. Ein guter intelligenter Kämpfer zu sein bedeutet auch zu wissen, wie und wann man diesen “inneren Motor” anschaltet. Auf dieser Ebene geht es vor allem darum, wie man sich selbst sieht. Mit einem Gegner hat das noch gar nichts zu tun.

Maynard

Die erste Umsetzung der Technik: Schattenkicken.

Die Vorbereitung
Gutes Treten basiert, genauso wie Bruce Lees Jeet Kune Do, auf dem Prinzip der effektiven Explosivität. Wer nicht nach vorne explodieren kann, wird das Jeet Kune Do nie richtig umsetzen. Genauso wird es schwierig sein, ein guter Kicker zu werden. Wichtig ist es, mit “Substanz” zuzutreten. Unter Substanz versteht man zwei verschiedene Dinge: Physikalische Umsetzung – man muß sein ganzes Körpergewicht hinter den Tritt legen – und Überzeugung. Das heißt, daß der Technik eine starke Emotion zu Grunde liegen muß. Der Gegner muß das im Moment des Kontakts merken.
Ein guter Lehrer erklärt nicht nur, wie ein Kick auszusehen hat, sondern auch wie man ihn explosiv werden läßt, besonders, wenn es darum geht, ihn ansatzlos ins Ziel zu bringen. Wenn man manchen Lehrern beim Unterrichten zusieht oder Fotos von ihnen betrachtet, sieht man keine Energie in ihren Augen. Auch zeigt ihre Körpersprache keine Selbstsicherheit. Es fehlt schlicht und einfach an Kampfgeist, ohne den die Kicks aber nie funktionieren werden. Man braucht den emotionalen Antrieb, um explodieren zu können.
Wer nicht explodieren kann, der wird auch Probleme haben, seine Kicks ins Ziel zu bringen, besonders beim Partnertraining. Es ist egal, wie hart oder schnell jemand zutritt, wenn der Kick nicht trifft, ist er keinen Pfifferling wert.
Wie man die Selbstsicherheit aufbaut:
Um das Vertrauen in die Beintechniken zu stärken muß man Schritt für Schritt vorgehen: zuerst muß die Basistechnik verinnerlicht werden. Danach sollten die Schnelligkeit, die Kraft, das Distanzgefühl, die Beinarbeit, das Timing und der Rhythmus entwickelt werden. Diese Prinzipien zu beachten ist unerläßlich.
Der erste Schritt wäre also, die Ausführung eines Kicks zu perfektionieren, beispielsweise die des Side-Kicks mit dem vorderen Bein. Übe, ihn explodieren zu lassen. Wenn du ihn startest, versuche, zwei Dinge zu vermeiden: Erstens, lehne deinen Oberkörper nicht nach vorne, denn so sieht der Gegner, daß du angreifen willst. Zweitens, spanne deinen Körper nicht an, denn auch das verrät deinem Gegner dein Vorhaben.

Auf einmal bewegen
Wer es vermeidet, während der einleitenden Bewegung zu “telegrafieren”, erhöht seine Chancen, seinen Kick ins ziel zu bringen, um ein vielfaches. Versuche also, den ganzen Körper auf einmal zu bewegen. Sobald die Schulter sich nach vorne bewegt, sollte sich auch der Fuß bewegen, um die Verteidigung des Gegners zu durchbrechen. Dieser explosive Ansatz gegenüber dem Gegner nennt sich “die Lücke schließen”. Ohne explosive Beinarbeit wird es allerdings nicht funktionieren.

Lernen, wie man explodiert bedeutet, zu entspannen und gleichzeitig zu kicken. Kicken ist ähnlich wie Boxen. Oft sieht man dabei zwei schwerwiegende Fehler: Ein Kämpfer, der angespannt ist und die Schulter beim Fauststoß leicht nach vorne schiebt, kündigt seine Aktion an. Außerdem verschenkt er Kraft, weil er mit der Schulter anstelle der Beine zustößt. Ein weiterer Fehler ist es, die Schulter zurückzuziehen. Auch hier wird dadurch telegrafiert und Kraft verschenkt.
Diese Fehler werden von vielen Sportlern auch beim Kicken gemacht. Wir müssen lernen, beim Kicken entspannt zu sein und die Energie von innen heraus wirken zu lassen. Dann können wir, wenn wir beispielsweise die Muskeln unserer Fußgelenke zu einer federnden Bewegung nutzen, mit viel Kraft zutreten, anstatt nur ein bißchen rumzukicken. Das ist dann so, wie wenn eine Pistolenkugel abgeschossen wird.
Das Gefühl dafür, einen Kick aus der Entspannung herauszuschießen, läßt uns schneller werden. Wir treffen härter, genauer und brauchen weniger Energie für ein besseres Resultat, was für den Gegner schwieriger vorherzusehen ist.
Zu diesem “Losschießen” gehört es auch, daß man das ganze Körpergewicht in die einleitende Bewegung eines Kicks legt. Manchmal kann man einen kleinen Schritt mit dem vorderen Bein machen. Gleichzeitig bringen wir die Schulter nach vorne, was eine Gewichtsverschiebung zur Folge hat, und den Körper hinter den eigentlichen Kick bringt. Je schneller du dich also bewegst, umso explosiver wirst du sein, und du wirst umso mehr Kraft in deinem Tritt haben.
Erinnere dich an die folgende Formel:
Weniger Gewicht, mehr Geschwindigkeit. Mehr Gewicht, mehr Kraft. Du brauchst also nicht immer das ganze Körpergewicht um den Schaden anzurichten, den du anrichten willst.

Emotionale Zielsetzung
Alle Techniken, die du machst, sei es vor dem Speigel, an der Pratze oder am Partner, sollten eine Nachricht übermitteln. Diese Nachricht sollte einen emotionalen Inhalt haben, und du solltest lernen, diesem Ausdruck zu verleihen. Ausdruck verleihen heißt: Kontakt machen. Es gibt drei Arten, zu Kicken: an das Ziel, auf das Ziel und durch das Ziel. Wir wollen durchtreten!
Um die Kicks wirken zu lassen, sage zu dir: “Ich kann da durchkicken”, wenn du versuchst, deinen Gegner zu treffen. Du willst, daß er erkennt, daß du schneller bist als er, also laß es ihn wissen, und tritt ihn so schnell, daß er die Technik nicht kommen sieht. Dann laß ihn wissen, daß du ihm wehtun, ihn umhauen kannst. Später kannst du ihn auch wissen lassen, daß du ihn beerdigen könntest. Das nennt man dann Überzeugung. Um zu lernen, wie man überzeugt, führe jede Technik immer so aus, daß sie gegebenenfalls Wirkung zeigen könnte.

sidekick kickboxing

Mit diesem Doppelsidekick simuliert man das Abstoppen eines hineinlaufenden Gegners. Wenn der erste Kick nicht sitzt, dann der zweite.

Kicken mit Substanz
Diese wichtigen Elemente in der Ausführung einer Technik nennen wir Substanz. Die Stärke deiner Substanz wird von deiner Explosivität bestimmt. Dein Gegner spürt das als Autorität deiner Bewegung. Gute Kicker bewegen sich immer mit Autorität. Die Entwicklung eines Kickers spielt sich auf drei Ebenen ab: Die erste Ebene ist die mechanische: Alle Übungen beschäftigen sich nur mit den Grundbewegungen. Hier geht es hauptsächlich um die zweite, die technische Ebene. Die Koordinationsübungen, die nun gemacht werden, verdeutlichen die Prinzipien, die hinter den Techniken liegen.

Das erste Prinzip ist die Distanz
Die richtige Distanz zwischen sich und dem Gegner zu finden ist sehr wichtig. Sie ist immer von der Größe des Gegners abhängig. Bei einem guten Kicker sollte man sich entweder außerhalb der Länge seines gestreckten Beins aufhalten, oder aber näher als seine Oberschenkellänge an ihn herangehen. Wichtig ist es, nicht in die Falle zu geraten. Die Falle ist seine Treffdistanz, also die, die zwischen seinem Knie und seinem ausgestreckten Fuß liegt. Als nächstes arbeiten wir an unserem Timing. Timing bedeutet, zur richtigen Zeit das richtige zu tun. Beim Kämpfen unterscheidet man zwischen kurzen und langen Schlägen. Eine Täuschung oder Finte wäre ein kurzer, ein Kick oder ein Fausstoß ein langer Schlag. Die Distanz zwischen den Gegnern bestimmt auch das Timing, das verwendet wird, wenn man einen Kick einleitet. Gegen einen größeren Gegner wirst du beispielsweise eine Finte mit der vorderen Schulter mit einem kleinen Schritt machen. Diesem kurzen Schlag folgt nun ein langer – der eigentliche Kick. Gegen einen Gegner, der von dir wegläuft, wirst du wahrscheinlich eine Serie langer Schläge machen, mehrere Kicks beispielsweise.
Das nächste Element ist die Beinarbeit, die von dem Timing beeinflußt wird. Gegen einen guten Konterkicker würde ich einen schnellen Step machen, um seinen Kick zu provozieren. Wenn er absetzt, bin ich drann…
Die Strategie ist simpel: Ich zwinge den Konterkämpfer dazu, mich anzugreifen. Den Angreifer dränge ich in die Defensive. Wenn mein Gegner unerfahren und ängstlich ist, überrenne ich ihn einfach und verschwende keine Zeit.
Paßt auf eure Beinarbeit auf, wenn ihr eine Technik einleitet: Wenn die Knie durchgestreckt sind, könnt ihr euch nicht schnell bewegen. Wenn die Stellung zu tief ist – wie bei den meisten Karate- und Taekwondo-Kämpfern – muß das hintere Bein bei einer durchdringenden Technik nachgezogen werden.
Um Kraft und Schnelligkeit in der Beinarbeit zu erreichen ist es wichtig, das Körpergewicht schnell verschieben zu können. Die kann man üben, indem man das Ge-wicht vom Fußballen des hinteren Fußes über die Fersen auf den Ballen des vorderen Fußes und wieder zurück verschiebt. Wenn du gezwungen wirst, zurückzugehen, mag es sinnvoll sein, das Gewicht auf den vorderen Fuß zu verlagern – sobald du dann mit dem hinteren Bein in die Nähe der Ringseile kommst, kannst du dich zur Seite drehen und dich von der Gefahr wegbewegen. Du kannst auch, wenn dein Gegner gerade tritt, dein Gewicht nach hinten verlagern und dann gleich wieder nach vorne explodieren. Lehne dich aber nie ganz zurück, denn sonst wird jegliche Beinarbeit und damit das Kontern unmöglich.
Das nächste Prinzip ist der Rhythmus. Man lernt, mit seinem Kampfgeist einen inneren Rhythmus aufzubauen. Der äußere Rhythmus zeigt sich dann durch die Bewegungen des Körpers. Du mußt lernen, den Rhythmus deines Gegners zu lesen, um ihn dann brechen zu können. Das Brechen des Rhythmusses ist die beste Taktik im Kampf. Diese Taktik wird ausgiebig in meiner Videoserie und in meinem bald erscheinenden Buch besprochen.

Kick Training Pads

Kondition und Kraft: Mit dieser Doppelkombination aus vorderem und hinterem Roundhousekick, beide werden mit voller Wucht getreten, erhöht man Kraft und Kondition.

Wenn du diese Prinzipien verwendest, sie mit deinen Lieblingsübungen kombinierst und in deinen Kampfstil mit einbeziehst, wirst du eine innere Sicherheit entdecken, die du nie zuvor hattest. Kampfgeist ist eine allumfassende Energie, die alle diese Elemente zusammenfügt.

Die höchste Ebene: Anwendung
An diesem Punkt wird es Zeit, die Koordinationsübungen zur Anwendung zu bringen. Dies geschieht, wenn man mit Pratzen oder direkt am Partner trainiert. Ich empfehle als Hilfsmittel den Sandsack, den Punching-Ball und die Thai-Pratzen. Bevor man jedoch mit diesen Trainingsgeräten trainiert, sollte man sich mit Schattenboxen und -kicken aufwärmen. Schattenkicken ist eine gute Vorbereitung auf das Stretching. Achte darauf, immer Doppeltritte zu machen.
Man sieht immer, wenn ein Experte mit den Pratzen arbeitet. Bei ihm geben die Pratzen einen besonderen Klang von sich, und der Sandsack schwingt. Es hört sich an wie Musik. Beim Pratzentraining lernt man mehr als nur Schnelligkeit, Kraft und Kondition. Man lernt, Druck zu machen und seine Aggressivität effektiv umzusetzen. Man lernt, den Gegner zu verwirren, kleine Öffnungen in der Deckung zu provozieren und den Kampf zu diktieren. Die Pratzen sind besonders gut dazu geeignet, durchdringende Bewegungen zu trainieren, die die Deckung des Gegners durchdringen können. Außerdem lernt man, wie man verschiedene Gegner bekämpft und was man nach einem Kick tun muß.

Beim Pratzentraining gibt es drei Arten von Kombinationen: Angriffskombinationen, Konterkombinationen und Nahkampfkombinationen. Bei den Angriffskombinationen bewegt sich der Partner immer Rückwärts, während du die Techniken ausführst. Bei den Konterkombinationen greift dich dein Partner, der die Pratzen hält, mit einem Kick an. Du weichst aus und Konterst auf die Pratze. Bei den Nahkampfkombinationen greift dein Partner mit den Pratzen an, du tauchst ab oder weichst zur Seite aus und schlägst dann einige Fauststöße und einen starken Tritt. Wichtig ist es, an allen drei Arten zu arbeiten.
Als ich während der sechziger Jahre auf Okinawa trainierte, begann ich mein Training zwei Stunden vor den anderen. Ich habe dann eine Stunde auf das Makiwara geschlagen und eine Stunde lang Sidekicks auf den Sandsack gemacht. Dabei habe ich mich vor allem auf meine Explosivität konzentriert. Ich habe immer die oben genannten Prinzipien bedacht und mit Überzeugung zugetreten. Das war für mich die beste Vorbereitung für einen perfekten Kick.
Wer sich an diese Richtlinien hält wird mit Sicherheit keiner dieser “No Energy”-Kicker. Keiner von denen, die nur ans Verlieren denken. Es ist ermutigend, zu wissen, der der Weg zum Sieg manchmal auch durch Niederlagen führen kann. Angst ist dabei normal, man darf sich nur nicht von ihr lähmen lassen.

Beachte immer die Substanz hinter deinen Kicks. Es ist nicht nur die Kraft eines Kicks, sondern auch die Überzeugung, die ihn wirken läßt. Stell dir vor, du wirst angegriffen und schreist “Stop”. Da spielt es keine Rolle, wie lange oder wie laut du brüllst, es ist dieser besondere Unterton in der Stimme, der den Job erledigt. Achte darauf, daß du nicht nur zu einem guten Techniker wirst, sondern zu einem, der auch kämpfen kann. Ich kann nur auf meine Art interpretieren, was gutes Treten ausmacht. Der nächste Spezialist wird den Standard wieder ändern, so wie es auch Bill Wallace gemacht hat. Dabei muß ich an den berühmten Golfer Ben Hogan denken, der gesagt hat: “Golf ist ein Glücksspiel, je mehr ich golfe, umso glücklicher werde ich.” Das gleiche trifft auf uns Kämpfer zu, denn: “Verlierer beklagen sich – Sieger trainieren.”

Film: Januar Lebt

Joe Lewis spielte die Hauptrolle in „Jaguar Lebt“ an der seite von Christopher Lee und Barbara Bach.

Wie Joe Lewis sich in die Geschichtsbücher eingekämpft hat
Ruhm verflüchtigt sich, Stars glitzern nur, doch Legenden sind unsterblich. Wir, die Öffentlichkeit, halten sie am Leben, denn wir brauchen sie, da sie beweisen, daß auch Sterbliche zu unsterblicher Größe aufsteigen können. In den Kampfkünsten geben uns Legenden wie Bruce Lee eine Idee davon, was es noch zu erreichen gibt.
Joe Lewis gilt, mehr als wahrscheinlich jeder andere Kampfsportler unserer Zeit, als lebende Legende, doch viele jüngere Leser wissen vielleicht gar nicht, weshalb. Da er nun weit und breit erklärt, wie ihr zu kicken habt, wird es wohl auch Zeit, seine beeindruckende Karriere Revue passieren zu lassen. In jedem Fall tut ihr gut daran, euch an seine Tips zu halten, denn seine Erfahrung spricht dafür.
Habt ihr euch je gefragt, wie Legenden zu Legenden werden? Ein weiser Mann hat einmal gesagt: Legenden werden nicht geboren, sie werden gemacht. Ich bezweifle das. Als Redakteur könnte ich eine große Publicity-Kampagne für irgend einen beliebigen Kämpfer starten und so einen Star aufbauen – was ich während der letzten 22 Jahre auch mit einer Handvoll Leute, die das wollten, gemacht habe. Aber die Wahrheit ist, daß das Rampenlicht einen noch nicht zur Legende macht. Es garantiert noch nicht einmal den Status eines Prominenten. Man kann aus einer Maus einfach keinen Elefanten machen und noch erwarten, daß die Öffentlichkeit daran glaubt. Der Star muß auf einer soliden Basis stehen, so daß auch die Öffentlichkeit an ihn glaubt. Wenn das nicht so ist, wird er bald in der Versenkung verschwinden.
In den Kampfkünsten gibt es eine außergewöhnlich hohe Anzahl genialer Legenden. Sind wir doch mal ehrlich – diese Legenden werden am laufenden Band produziert, denn ein guter Kämpfer spricht den tiefsten Instinkt eines jeden Mannes an – den Selbsterhaltungstrieb. Ein Kämpfer wird also immer viel Respekt von den Leuten bekommen, die nicht zu der elitären Gruppe der Danträger gehören. Dadurch sind schon viele Kleinstadt-Karate-Lehrer zu Legenden geworden, wenn auch nur in den Augen ihrer eigenen Schüler.
In keinem anderen Sport läßt sich solch ein Status in der Öffentlichkeit erreichen – O.K., Golf mag für Millionen interessant sein, doch kann Golf ein Leben retten? Da Taten mehr sagen als Worte, gibt es für Kämpfer zwei weitere Bereiche, in denen sie zu Legenden werden können: Film und Wettkampf. Aus diesen Bereichen kommen die Stars und die Legenden, wobei es von den letzteren nur sehr wenige gibt. Da wir uns in einer Kultur befinden, in der der Körper eine sehr große Rolle spielt, kommen die meiste Legenden aus dem Wettkampfbereich, wie zum Beispiel, Benny “The Jet” Urquidez, Bill “Superfoot” Wallace und natürlich Joe Lewis.
Joe Lewis wurde bereits nach seinem ersten öffentlichen Auftritt zur Legende. Im Gegensatz zu dem alten Spruch denke ich, daß Joe wirklich dazu geboren wurde, eine Legende zu werden. Wenige Menschen kommen mit solchen Anlagen zur Welt: Ein brillanter Intellekt, die Ausstrahlung eines Filmstars und ein außergewöhnlicher Kampfgeist. Den Rest seiner Fähigkeiten hat er irgendwo auf seinem Weg aufgehoben. Doch würde mich jemand fragen, was Lewis zur Legende gemacht hat – es ist sein einzigartiger Side-Kick. Er hatte einen Side-Kick, der Einschlug wie ein Rammbock, er war einfach nicht zu stoppen.
Einmal sagte ein berühmter Kampfsportler zu Lewis, der soeben wieder einmal die Rippen seines Gegners gebrochen hatte: “Wenn du mich so hart getreten hättest, hätte ich eine Pistole geholt und dich erschossen.” Wie weise. Ihn zu erschießen wäre wohl der einzige Weg gewesen, diesen Kick zu stoppen. Bis heute gilt Lewis als der Mann mit dem besten Side-Kick in der gesamten Kampfkunstszene.
Übernacht zum Helden geworden
Wie Joe Lewis durch seinen Side-Kick zur Legende geworden ist, ist nun Teil der Geschichte. Es ist wie bei Michael Jordan, der als Unbekannter des Basketball-Feld betrat und das Gegnerische Team einfach weggeblasen hatte.
Die sechziger Jahre waren eine rauhe Zeit im amerikanischen Karate. Die Kampffläche war damals nur etwas für hartgesottene Typen, die Mut hatten und Schmerzen ertragen konnten. Das Sparring von damals wurde “Non-Contact” genannt, die Regeln erlaubten keine Treffer zum Kopf und nur leichte Treffer zum Körper. Zu harter Kontakt war Grund für eine Disqualifikation.
Ungeachtet dieser Regeln galt harter Kontakt zu Kopf und Körper als normal. Ein Kämpfer konnte seinem Gegner die Knochen brechen oder ihn ins Reich der Träume schicken, ohne dafür disqualifiziert zu werden. Von einem guten Kämpfer wurde erwartet, das einzustecken und es irgendwie zurückzuzahlen.
Die Kämpfer trugen keine Schutzausrüstung, da diese noch nicht erfunden worden war. Manche – nicht alle – der Männer trugen einen Unterleibsschutz, und es gab nur zwei Gewichtsklassen unter den Schwarzgurten: Leicht und schwer.
Die Techniken von damals waren einfach und unsauber, verglichen mit dem heutigen Standard, ebenso wie die Regeln, nach denen dieser junge Sport ausgeübt wurde. Allerdings gab es auch keine gespielten Verletzungen, keine Beschwerden über die Kampfrichter und kein Preisgeld. Auch gab es keine Gerichtsprozesse, in denen ein Kämpfer den anderen verklagte.
Unter diesen wilden Voraussetzungen kam Joe Lewis zu seinem ersten Turnier, den prestigereichen US-Nationals, ausgerichtet von Großmeister Jhoon Rhee in Washington. Hier waren die besten Kämpfer der Nation versammelt.
Im Dojo hatte Lewis sich schnell durchgesetzt und sich nach sieben Monaten bereits seinen Schwarzgurt verdient. Er hatte nur 22 Monate lang trainiert, als er das erste mal auf die Kampffläche ging. Lewis hatte nicht nur keine Turniererfahrung, nein, er hatte nie zuvor ein Karate-Turnier gesehen und die Regeln waren ihm völlig unbekannt. Da er auch keinen seiner Gegner kannte, konnte er keine Strategie aufbauen.
Trotzdem sollte es als sein Tag in die Geschichte eingehen. Am Abend hatte er sich als Kämpfer etabliert und galt als der Alptraum eines jeden Gegners. Er gewann jeden Kampf mit nur einer einzigen Technik, dem Side-Kick, und keiner seiner Gegner machte auch nur einen Punkt.
Durch diese Leistung wurde Joe Lewis über Nacht berühmt. Heute, beinahe 30 Jahre später, bleibt er eine Sensation, denn sein Ruhm reicht bis in alle Ewigkeit. Solche Leute werden geboren. nicht gemacht…

Kick Joe Lewis

KICK 12/95 mit Joe Lewis


Fotos: Carey Frame.
Diese Reportage erschien in Ausgabe 12/95, der ersten KICK Ausgabe voll in farbe und erhöhter Auflage. Anmerkung: Joe Lewis verstarb am 31. August 2012 nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren.

Sugarfoot in Paris

Die besten Fullcontact Kickboxer aller Zeiten

Durch die Zerstrittenheit des Kickboxsports gibt es immer mehr Verbände, dadurch eine ständig wachsende Flut an Welt- und Europameistern. Kaum jemand hat ein Durchsehen. Wir haben uns die Mühe gemacht in Zusammenarbeit mit namhaften Journalisten, Trainern und bekannten Promotern eine ewige Top Ten Rangliste der besten Fullcontactfighter aller Zeiten zusammenzustellen. Die Rangliste stellt unserer Meinung nach zur Zeit die ultimative Reihenfolge im Vollkontakt dar. Dabei handelt es sich nicht um eine rein mathematische Zusammenstellung, bei der den Kämpfern für alle Siege Punkte addiert und für Niederlagen etwas abgezogen wird. Das Aufstellen einer solchen Rangliste ist auf die Gesamtzeit des Sports, von 1974 bis heute, ohnehin nicht möglich. Während man heute in aller Welt kickboxen kann, gab es diesen Sport in den ersten Jahren praktisch nur in den USA. Zu dieser Zeit, man nannte das Kickboxen noch Fullcontact Karate, rekrutierten sich die Sportler vornehmlich aus dem Karate und dem Point Fighting (=Semikontakt). Heute kommen immer mehr Kämpfer mit dem Muay Thai und dem klassischen Boxen in Verbindung, verfügen folglich auch ausserhalb des Vollkontakt-Kickboxens über beachtliche Kampferfahrungen und zumeist über einen starken Background als Amateur.

Don Wilson

Nummer eins: Don „The Dragon“ Wilson

1. Don „The Dragon“ Wilson
Er kämpfte von 1975 bis 1991 in allen Gewichtsklassen vom Mittelgewicht aufwärts. Insgesamt gewann er 10 Weltmeisterschaftstitel bei den Professionals. Zum Beginn seiner Karriere war er vor allem für seine tollen Kicks bekannt, denn in den schweren Gewichtsklassen gab es kaum einen Fighter, der so gut kicken konnte wie er. Später erntete er den Ruf eines sehr berechnenden, abgebrühten Konterfighters, der seine sich seine Gegner austoben ließ, und im Laufe der letzten Runden ausknockte. Seine besten Kämpfe lieferte er sich mit Jean-Ives Theriault (Unentschieden), Branko Cikatic, Ferdinand Mack (K.o.-Siege), Dennis Alexio und Maurice Smith (beides Punktsiege). Als er ab 1988 im Filmgeschäft Fuß faßte vernachlässigte er jedoch sein Training und beendete nach einer Titelverteidigung seiner WKA-Leicht-Schwergewichtskrone über Gabe Carmichael (USA) seine Karriere. In einem seiner letzten Fight erlitt er gegen den Polen Marek Piotrowski ein umstrittene Punkt-Niederlage, die praktisch den einzigen gravierenden schwarzen Punkt in seiner Laufbahn darstellt.
Siehe auch: Interview mit Don Wilson



2. Benny Urquidez
Seit 1974 bestritt Benny Urquidez, der aufgrund seiner blitzschnellen Fußtechniken auch als „The Jet“ bezeichnet wird, Kämpfe im Vollkontakt, mit und ohn Lowkicks und im Thaiboxen. Er war der erste und für lange Zeit der einzige US-Amerikaner der in Fernost unter original Thaiboxregeln mit Lowkicks kämpfte. Seine Kämpfe gegen die Japaner Okao und Suzuki sind vielleicht die besten Kämpfe der Kickboxgeschichte. Durch seine zahlreichen Kämpfe Ende der siebziger Jahre half Urquidez bei der Etablierung der WKA (World Karate Association) als konkurrierenden Verband zur führenden PKA (Professional Karate Association). Ab Mitte der achtziger Jahre kämpfte Urquidez nur noch selten. Seine hohen Gagenforderungen machten es für viele Veranstalter unmöglich mit ihm zu veranstalten. 1993 verabschiedete er sich mit einem knappen Punktsieg über den Japaner Tagami vom aktiven Wettkampf. Heute arbeitet er vornehmlich im Filmgeschäft als Stuntman, Trainer und Choreograph. Ausserdem veröffentlichte er drei Bücher und mehrere Lehrvideos.

3. Rick Roufus
Er ist der US-Superstar im Vollkontakt schlechthin. Seine Kicks und Schläge sind so schnell, daß auch er den Spitznamen „Jet“ trägt. Sein KIampfstil ist wie Kickboxen aus dem Bilderbuch. Er hat die meisten Kontrahenten vom Mittel- bis zum Cruisergewicht in den letzten 12 Jahren vorzeitig mit einem Kick auf die Bretter geschickt. Ein K.o.-Sieg über den starken Holländer Rob Kaman findet man ebenso wie Siege über Piotrowski, Theriault und Hoost. Seine einzige schwere Niederlage im Fullcontact hat ihm der Holländer Ernesto Hoost im letzten Jahr in Frankreich zugefügt. Die Revanche für die Schlappe steht für den 11. November in Marseille an. Danach will Roufus mit dem Kickboxen aufhören um sich als Berufsboxer nach vorne zu schlagen.

4. Demetrius Havanas, USA
Heute kennen ihn nur noch sehr wenige, den „Griechen.“ Er war einer der ersten amerikanischen Kämpfer aus der Gründerzeit Mitte bis Ende der siebziger Jahre. Sein Kampfstil war so spektakulär, das es bis heute keinen Fighter gibt, der ihm gleich kommt. Seine große Stärke war seine immense Kondition, die es ihm ermöglichte über viele Runden hohe, harte und spektakuläre Sprung- und Drehkicks auszuführen. Seine Ausdauer trainierte er sich mit Sprints und Dauerläufen unter der drückenden Mittagssonne von Dallas. 1981 fand Havanas bei einem Flugzeugabsturz einen tragischen Tod. Seinen größten Fight bestritt er gegen Benny Urquidez, den er umstritten nach Punkten verlor.

5. Rob Kaman, NL
Kaman, mit bürgerlichem Namen heißt er Diem, ist der erfolgreichste und einer der vielseitigsten Kämpfer Europas. Ob Thaiboxen, Kickboxen mit oder ohne Lowkicks, er kämpft einfach alles. Seine gefürchtete Waffe ist sein Lowkick, mit dem er seine Gegner wie mit einem Fallbeil von den Beinen holt oder sie bis zur Aufgabe maltretiert. Er kämpfte oft in Thailand und Japan. In Holland und Frankreich ist er ein sehr bekannter Sportler. Im klassischen Vollkontakt hat er zahlreiche Siege über bekannte Fighter errungen. Der Schweizer Jean-Marc Tonus und der Kanadier Jean-Ives Theriault konnten nicht gegen ihn mithalten. Lediglich US-Boy Rick Roufus konnte ihm eine schwere Niederlage zufügen. Den spannendsten Kampf seiner Karriere bestritt er in Amsterdam gegen seinen Landsmann Ernesto Hoost. Kurz vor einer Niederlage stehend zog er in der letzten Runde alle Register und riß das Rad mit einem K.o.-Erfolg auf seine Seite. Im Vorjahr gewann er in Paris einen großes Preisgeldturnier. In naher Zukunft dürfte vielleicht ein Fight mit dem Ami Dennis Alexio anstehen.

6. Dennis Alexio, USA
Während im Boxen die Hauptanziehung vom Schwergewicht ausgeht, sind im Kickboxen die gewichtigeren Jungs eher als träge, langsam und kickfaul bekannt. Nicht so Dennis Alexio. Der Amerikaner, der an der Seite von Jean-Claude van Damme in „The Kickboxer“ mitwirkte, ist mit Abstand der beste Kicker, den es im Vollkontakt gegeben hat. Zahlreiche seiner K.o.-Siege errang er mit der brachialen Zerstörungskraft seiner schnellen und ungemein kraftvollen Kicktechniken. Ob vorderes Bein, hinteres Bein, Sprung- oder Doppelkicks, Alexio kann alles. Darüber hinaus hat er jede Menge Dampf in den Fäusten. In seinem Rekord tauchen Besiegte auf wie z.B. Jerry Rhome (USA) und Branko Cikatic. Nur von Don Wilson konnte Alexio bislang in die Schranken gewiesen werden. Im letzten Jahr hat Alexio keinen Kampf bestritten. Obwohl er offiziell noch nicht zurückgetreten ist, rechnen viele damit, daß er in Kürze seine Titel aufgeben wird, es sei denn, daß es zu lukrativen Kämpfen gegen Roufus oder gegen Kaman kommen sollte.

7. Peter Harbrecht, Deutschland
Der Darmstaädter verblüffte Mitte der siebziger Jahre bei WAKO-Turnieren in ganz Europa die Fachwelt. Mit seine exakt getimten Kombinationen überrollte er wie eine Kampfmaschine seine Widersacher. 1978 gewann er als erster Deutscher einen WM-Titel im Vollkontakt durch einen Finalsieg über den US-Amerikaner Harold Roth. Harbrecht war seiner Zeit um zwei Generationen voraus. Selbst heute geben ihm viele Fachleute noch eine hohe Chance, ganz oben mitzuspielen. Sein aggressiever Kampfstil war allseits beliebt und gefürchtet. 1980 beendete er im Alter von 21 Jahren ungeschlagen seine Karriere und hinterließ bis heute eine Lücke, die selbst so bekannte und versierte Kämpfer wie Ferdinand Mack und Michael Kuhr nicht schließen konnten.

8. Peter Cunningham, USA
Wenn Cunningham im Ring steht, sieht man garantiert die besten Techniker, den man im Kickboxsport je zu sehen bekommen hat, und das in alles unterschiedlichen Regeln und Verbänden. Cunninghams Stärke sind seine formidablen Kicks, die es ihm erlauben jeden Kämpfer auf Distanz zu halten. Mit ihnen erntete er den Spitznamen „Sugarfoot.“ Er bewegt sich fließend und verfügt über Boxkombinationen die stark an das Boxidol Sugar Ray Leonard erinnern.
Siehe auch: Interview mit Peter Cunningham
und Bauchmuskel Training fuer Kickboxen.

9. Gilbert Ballentine, NL
Seine Fans nennen ihn den „Bullterrier,“ ein Kämpfer der sich festbeißt und niemals aufgibt. Wie Kaman, bestritt der leichtgewichtige, farbige Holländer zahlreiche Kämpfe in Fernost. Er akzeptiert alle Regeln und kämpft so vielseitig, daß ihm kaum einer seiner Kontrahenten das Wasser reichen kann. Siege über seinen Landsmann Ramon Dekker, den Thai Chanoy und die Deutschen Murath Cömert und Michael Kuhr schmücken seine Kampfbilanz.

10. Ferdinand Mack, D
Der 35jährige Mannheimer ist der erfolgreichste Vollkontakt Kickboxer im Lager des Weltverbandes WAKO. Bekannt und erfolgreich wurde er durch seinen vielseitigen Kampfstil, in dem er zahlreiche Doppelkickkombinationen implementierte. Der vierfache WAKO Amateurweltmeister wurde in seiner Laufbahn vor allem durch den euripäischen Kickboxpionier Georg Brückner und Peter Harbrecht beeinflußt. 1989 griff er erstmals im Profilager nach einem WM-Titel, verlor jedoch unglücklich nach hoher Führung in der vorletzten Runde gegen Don Wilson. Zwei Jahre später erkämpfte er sich durch einen Punkterfolg die Profi-WM im Mittelgewicht über den Ami Robert Harris, der zuvor John Longstreet die erste Niederlage zugefügt hatte.

11. Peter Aerts, Holland
Der Holländer ist der am stärksten Aufstrebende Thaiboxer. Für einen Schwergeichtler verfügt der Harinck-Schüler über ausgezeichnete Kombinationen und Kicks. Siehe auch Samurai Bericht ueber sein Comeback im K-1 Kickboxen.

12. Ernesto Hoost, Holland
Im letzte Jahr besiegte er Rick Roufus, doch dann folgte eine Niederlage gegen Branko Cikatic. Mit ein paar Niederlagen weniger auf dem Konto könnte er in dieser Rangliste viel weiter oben stehen.

13. Jean-Ives Theriault, Kanada
Er regierte in den achtziger Jahren das Mittel- und Leichtschwergewicht bei PKA, PKC und ISKA. Er ist der bekannteste Kickboxer, der aus Kanada kommt. Man sagt ihm Pfund für Pfund die härtesten Fäuste im Kickboxbusineß nach.

14. Ramon Dekker, Holland
Meine Fresse, ist der hart. Doch er bestreitet des Geldes wegen zuviele Kämpfe. Interessant wäre eine weitere Auseinadersetzung mit Gilbert Ballentine oder ein Superfight mit Peter Cunningham.

15. Joe Lewis, USA
Der erste Vollkontakt-Fighter überhaupt. Er hob den Sport aus der Taufe, und ging als erster Schwergewichts-Weltmeister (1974) in die Annalen ein, drehte mehrere Lehrvideos. Hier mehr ueber das Sidekick Training mit Joe Lewis.

16. Steve Shepard, USA
Unter den ersten Vollkontaktfightern war er der beste Geschäftsmann. Er veranstaltet seine Kämpfe selbst, verdiente dabei großes Geld. Er war einer der gefürchtetesten Fighter überhaupt.

17. Troy Dorsey, USA
Der Texaner gewann Titel bei WAKO, PKA, ISKA, PKO und anderen Organisationen. Dem Leichtgewichtler gelang 1991 der Titelgewinn im Profiboxen nach Version der IBF.

18. Jeff Smith, USA
Der erste Leicht-Schwergewichtsweltmeister. Ein sehr disziplinierter Kämpfer mit guten Kombinationen und harten Fäusten.

19. Bill Wallace, USA
Das schnellste linke Bein. Wallace konnte aufgrund eines Unfalls nur mit links kicken, das aber besonders gut. Er dominierte von 1974 bis 1981 das Mittelgewicht. Zuvor kämpfte er erfolgreich traditionelles Karate und Semikontakt. Bill Wallace Seminare in Deutschland.

20. Ronnie Green, England
Der beste britische Fighter. Holte u.a. Titel bei der WKA. Von vielen Insider wird der Toddy-Schützling als der beste leichtgewichtige Europäer betrachtet. Er kaempfe u.a. gegen Benny Urquidez.

Die vorliegende Top Ten Rangliste wurde nach folgenden Kriterien zusammengestellt:

1. Erfolge: Anzahl der Titel, nach Möglichkeit in unterschiedlichen Verbänden und Gewichtsklassen.
2. Charisma: Je einzigartiger und erfolgreicher der Kampfstil eines Kämpfers ist, desto höher kann er sich plazieren.
3. Qualität: Die Klasse der bestrittenen Kämpfe. Waren die Kämpfe spannend, sehenswert und herausfordernd ?
4. Quantität: Zahl der Kämpfe insgesamt und Kampfrekord mit möglichst vielen Siegen, nach Möglichkeit vorzeitig. Kontinuität der Leistung.
5. Verdienste: Durch ein ansprechendes Image und weite Bekanntheit in den Medien kann sich ein Sportler um den Sport besonders verdient machen.

In der kommenden Ausgabe präsentieren wir die ewige Rangliste der weltbesten Semikontakt-Fighter.

Kick Joe Lewis

KICK 12/95 mit Joe Lewis


Veröffentlicht in Ausgabe 12/95.