Hubert Numrich

Hubert Numrich fightet in Japan

Freefight Hubert Numrich

Gleich dreimal konnte der Darmstädter Hubert Numrich seinen japanischen Gegner auf die Bretter schicken, bevor das Blatt sich wendete.

Deutschlands schönster und bester, weil auch einziger, Freefighter war wieder im Einsatz. Nach Belgien, Holland und Brasilien war diesmal der Ort seines Wirkens Japan. Von den Organisatoren New Japan eingeladen, kämpfte er gegen deren Superstar Hashimoto Shinya in einem Mixed-Fight. Die Kulisse war gewaltig, denn in dem Fukuoka Dome, wo das Spektakel abgehalten wurde, fanden sich 48.000 Zuschauer ein, die dem Hauptkampf entgegen fieberten, den Numrich gegen Hashimoto lieferte. Doch das Kampfesglück war Numrich nicht treu.

Hubert Numrich Fighter

Hubert Numrich beim Einlauf ins Fukuoka Dome vor 48.000 Zuschauern

Nachdem Hashimoto bereits in der ersten Runde dreimal angezählt werden mußte, konnte der Japaner ihn im Verlauf der zweiten Runde werfen und einen Armhebel ansetzen aus dem Numrich kein Entkommen mehr fand, und er so aufgeben mußte. Obwohl seine Bewunderung über die japanische Weiblichkeit („Dotterknie“) bei weiten nicht die Ausmaße fand, die sein Erstaunen über die Kulisse mit 48.000 Zuschauern fand (Wooaahh!!), war er mit dem Kampfverlauf doch ganz zufrieden. Hatte er sich doch gut und teuer verkauft. In einem Vorkampf war auch UFC Gewinner Don Frye aus Amerika zu sehen. Der machte mit seinem Gegner Yamazaki Icho halblanges Spiel. Nach 11 Minuten hatte er ihn in einem Armhebel, und Yamazaki mußte aufgeben.

Hashimoto Free Fight

Hashimotos (li.) Wrestling-Techniken entschieden den Kampf

Free Fight Event 3 [VHS] mit Hubert Numrich bei Amazon

Kick Illu 1998 01

 

Text und Fotos: Horst Kalcher.

Diese Nachricht erschien in der Ausgabe 01/1998, welche im Dezember 1998 im Zeitschriftenhandel erschien.

 

Praha fight

Prügel in Prag

Lubos Suda

In den letzten Jahren hat sich die Kickboxszene immer weiter nach Osten verlagert. Waren früher Amsterdam und Paris die europäischen Hochstädte harter Fäuste und schneller Kicks hört man heute von dort fast nichts mehr. Dafür steht Prag immer mehr im internationalen Rampenlicht. Dies ist hauptsächlich Igor Jushko und seiner OKKO Promotion zu verdanken, die es in den letzten Jahren verstanden haben, große Produktionen mit ebenso großen Namen in die tschechische Hauptstadt zu holen. Diesmal war es eine mittelgroße Veranstaltung, die im Prager Hilton Atrium abgehalten wurde. Nichtsdestotrotz war sie ausverkauft, das Publikum bekam gute Kämpfe zu sehen.

Österreicher vorne dabei: Diesmal waren auch Kämpfer aus dem benachbarten Ausland Österreich, dabei. Der junge Altay Mevlüt feierte seinen Einstand im internationalen Ring. Im stand der Tscheche Martin Mica, seines Zeichens Fünfter bei den Amateur Muay Thai Weltmeisterschaften und Dritter bei der Amateur EM, gegenüber. Entweder hatte man auf der tschechischen Seite den Gegner unterschätzt oder keine Zeit zum Vorbereiten gehabt, den Mirca konnte über die Distanz den Erwartungen nicht gerecht werden. Gleich von Anfang an legte Altay mit harten Lowkicks los und wußte auch im Clinch zu überzeugen. Der Tscheche hingegen zeigte wenig bis gar nichts, vor allem keine Kondition. Spätestens ab Runde drei war bei ihm die Luft draussen, sodaß Altay mit seinen Lowkicks und Knien den Kampf vollends bestimmte. Klarer Punktesieg also in die rote Ecke, in der sich neben „Mr. Octagon“ Fritz Exenberger auch Igor Smilevic befand.

Runde 3

Die Modelle von Czech Casting waren wie stats sehr bezaubernde Rundengirls.


Haue für England:
England war im Thaiboxen immer eine der führenden europäischen Nationen gewesen. Umsomehr war man gespannt, was die Begegnung Richard Smith gegen den Holländer Wahid Wennekes zu bieten hatte. Wennekes trainiert beim Shima Gym von Lex Kristel und im Mejiro Gym von Andre Mannaart. Und ganz „Mejiromäßig“ waren seine Kombinationen. Linke Rechte, linker Haken-Lowkick-Kombinationen bestimmten den Kampfverlauf. Das holländische Kraftpaket lies Smith nur wenig Möglichkeit zur Gegenwehr. Außer einem kurzem Aufflackern in Runde zwei war von dem Engländer nicht viel zu sehen. Im Verlauf der Kampfzeit setzten ihm Wennekes Kombinationen und harte Fäuste immer mehr zu, sodaß er immer mehr zu einem lebendigen Sandsack degradiert wurde. Das Ende kam in Runde fünf. Nach einer weiteren harten Attacke des Holländers wurde Smith angezählt, und lies es gut sein. Sein Kampfwille war gebrochen, und fünf Runden Prügel waren schließlich genug. Der Sieg ging somit nach Holland an Wahid Wennekes.

Ring girl

Ob blond oder dunkelhaarig, die Rundenzahl stimmte bei den attraktiven Ringgirls so genau wie bei einem Schweizer Uhrwerk.

Hengstberger vernichtet: Österreichs Thommy „Tattoo“ Hengstberger war als nächster an der Reihe. Ihm stand der junge Bylare Sergej Karpin gegenüber, der gleich von Anfang an Lowkicks aus allen Rohren schoß. Während der ersten Runden wurden diese auch noch von Hengstberger geblockt, was er aber in weiterer Folge vernachlässigte. In letzter Zeit hatte Hengstberger sich mehr mit Boxkämpfen beschäftigt und auf sein Kickboxtraining verzichtet, was sich sträflich niederschlug, im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder trafen die Lowkicks des Bylaren bei Hengstberger, der mit seinen Fäusten auch nicht den entscheidenden Treffer landen konnte. Schon in Runde vier waren die Beine des österreichers schwer bedient, so daß das Ende vorauszusehen war. Es kam in Runde fünf. Nach einem weiteren Lowkick Karpins ging Hengstberger zu Boden, und war nicht mehr in der Lage aufzustehen.

fullcontact kick

Zbigniew Firek aus Polen mit gesprungenem Backkick gegen Lokalmatador Suda.

Tschechischer Sieg: Der tschechische Fullcontact Superstar Lubos Suda sollte den vorletzten Kampf dieser Veranstaltung liefern. Diesmal war sein Gegner Zbigniew Firek aus Polen, und es kann ohne Übertreibung gesagt werden, daß der Pole der härteste Gegner war, der Suda seit langem im Seilgeviert gegenübergestanden ist. Schon zu Anfang zeigte Firek mit harten Kicks zum Körper, daß er nicht zu unterschätzen ist. Auch mit den Händen war er brandgefährlich, was Suda in der Anfangsphase mehr als einmal zu spüren bekam. Suda hingegen lies es eher gemächlich angehen. Außer ein paar Kontergeraden war bei ihm in den ersten Runden nicht viel zu sehen. Besonders seine Kicks, für die er so bekannt ist, ließen lange auf sich warten. Sie kamen erst ab Runde fünf. Suda hatte nun sein Mittel gegen den Polen gefunden, und bearbeitete ihn mit harten Fäusten. In Runde sechs brachte er einen gesprungenen Drehkick, der Firek im Gesicht traf, durch. Danach lies der Tscheche nichts mehr anbrennen und setzte mit harten Kombinationen nach. Die letzten beiden Runden zeigten Suda, wie man ihn kennt: harte Fäuste und schnelle hohe Kicks, die vor allem das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Doch Firek lies es nicht soweit kommen, daß das Ganze zu einer „One man show“ ausartetet. In der letzten Runde setzte er alles auf eine Karte. Doch es reichte nicht. Nach Ablauf der Kampfzeit war Suda auf den Punktzetteln der Ringrichter vorne, und konnte so einen weiteren Sieg, wenn auch einen hart verdienten, auf seine Liste schreiben.

Danny Bille high kick

Danny Bille (li.) stellte in Prag seine Weltklasseform im Thaiboxen unter Beweis

Bille gewinnt überlegen: Zu einer „one-man-show“ wurde allerdings der Hauptkampf. Die Hauptrolle darin hatte der dunkle Franzose Danny Bille. Mit dem Holländer Peter Kley hatte er keinen ungefährlichen Gegner und einen dreifachen ISKA Weltmeister im Thaiboxen im Ring gegenüberstehen. Nichtsdestotrotz lies sich der Franzose dadurch nicht beeindrucken, und setzte seinen Kampfstil durch. Jedesmal wenn Kley einen Kick brachte, fing Bille diesen ab, und der Holländer landeten auf dem Rücken. Ähnliches widerfuhr ihm, als er sein Glück im Clinch versuchte. Geschickt konnte Bille den Holländer werfen, der ihn in keiner Phase des Kampfes gefährlich werden konnte. Nachdem der Holländer sich in den ersten drei Runden fast mehr liegend als stehend im Ring befand, war es bei ihm mit seiner Konzentration und Taktik vorbei. Nun begann Bille zu zeigen, daß er nicht nur werfen, sondern auch kicken konnte. Oft schlugen die Kicks des Franzosen bei Kley ein, und auch ein wunderschöner Frontkick zum Gesicht des Holländers fand sein Ziel. Bei Kley hatte man mittlerweile das Gefühl, daß er überhaupt nicht mehr wußte wie ihm geschah. Wenn er versuchte mit seinen Fäusten zu kontern, zwang Bille ihm den Clinch auf und der Holländer fand sich erneut auf dem Ringboden wieder. Bei Kickattacken des Holländers widerfuhr ihm selbes. So irritiert konnte Kley seine Linie nicht mehr finden, und Bille immer mehr dominieren. So blieb es über den Verlauf der gesamten Kampfzeit, so daß nach den fünf Runden der dunkle Franzose eindeutig zum Punktesieger erklärt wurde. Eine gelungene Feuerprobe für seinen anstehenden Kampf gegen den Holländer Ramon Dekker.

Marco Ruas

 

Text und Fotos: Horst Kalcher.

Dieser Bericht erschien in der KICK Ausgabe  98/01, welche ab Ende Dezember 1997 im Zeitschriftenhandel verkauft wurde. Diese Seite dient als Archiv.

 

interview Choi Hong Hi

Interview: General Choi Hong Hi

Die gestohlene Kampfkunst

Es gibt kaum einen Pionier im Kampfsport, der so umstritten ist wie General Choi Hong Hi. Der Koreaner entwickelte die moderne Kampfkunst Taekwondo und führt heute die „International Taekwondo Federation,“ ITF an. Jedes Interview, das in den letzten Jahren mit ihm veröffentlicht wurde, versprach viel, geriet jedoch zu Reinfällen. Zum ersten Mal stellte unser Mitarbeiter Robert Ferguson dem Vater des modernen Taekwondo unausweichlich harte und sehr wichtige Fragen, die sich bislang noch nie ein Journalist zu fragen getraute, bzw. auf die noch nie jemand eine Antwort erhalten hat. Dieses aufschlußreiche und informative Interview wird viele veranlassen, ernsthaft über das Taekwondo nachzudenken.

Choi Hong Hi

General Choi trainiert mit Senior-Intruktoren des US-Verbandes. Er demonstriert stets in Straßenkleidung. Umziehen ist ihm zu unständlich.

KICK: Robert Wheatley und Chuck Sereff, Repräsentanten des Amerikanischen Taekwondo-Verbandes haben dieses Interview ermöglicht. Was halten sie von ihnen?

Beide sind sehr nett. Sereff hält den achten Dan, der erste Nicht-Koreaner, der eine so hohe Graduierung erhalten hat. Er hat seit 1967 seine Loyalität mir und der ITF gegenüber unter Beweis gestellt. Er ist wie ein Sohn für mich und ich vertraue ihm. Die Amerikaner können froh sein, einen so tollen Instruktor zu haben.

KICK: Man sagt, sie hätte den Namen und das System Taekwondo erfunden. Stimmt das?

Natürlich! Ich habe diesen Namen am 11. April 1955 entwickelt.

KICK: Wie lange haben Sie an der Zusammenstellung des neuen Systems und den Prinzipien des Taekwondo gefeilt?

Im März 1946 habe ich meine Forschung begonnen, Tag und Nacht über 9 Jahre daran gearbeitet. Bis Ende 1954 war die Entwicklung fertiggestellt. 1955 gab ich dem System den Namen „Tae Kwon Do.“ Der Name basiert auf Kraft, Forschung, Mathematik und Philosophie. Für das Kämpfen habe ich Militär-Techniken eingefügt.

KICK: Ist es richtig, daß sie General der Koreanischen Armee waren?

Ich war ein Zwei-Sterne-General. Ich bin eines der Gründungsmitglieder der koreanischen Streitkräfte, die am 15. Januar 1946 errichtet wurden. Ich war damals der Leiter der Sprachschule des Militärs.

Die WTF macht gar kein Taekwondo. Was die machen ist nichts anderes als Karate. Sie haben die Bezeichnung Taekwondo gestohlen.

KICK: Zählen im Taekwondo Kicks mehr als Handtechniken?

Insgesamt gibt es 3.200 Techniken und Abläufe im System. Man soll damit in allen Lagen gewappnet sein, sich zu verteidigen.

Chuck Sereff

General Choi übergibt Chuck Sereff eine Auszeichnung für seine langjährige Loyalität.

KICK: Auch auf dem Boden?

Aber sicher, überall. Es gibt 2.000 Handtechniken und über 1.200 Fußtechniken, die ich erfunden habe. Wenn man alle beherrscht, kann man sich jederzeit gegen jeden Gegner zur Wehr setzen. Die Philosophie bedeutet, daß ein einziger Treffer einen Kampf entscheidet. Taekwondo-Sportler müssen Kraft haben und sich kraftvoll verteidigen. Daher muß man lernen, wie man Kraft erzeugt und damit umgeht.

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KICK: Zur Zeit sieht man Taekwondo eher als eine Sportdisziplin als eine Kunst der Selbstverteidigung. Mit all diesen unterschiedlichen Organisationen kennen die meisten Sportler sie Gen. Choi wahrscheinlich gar nicht.

Die WTF macht gar kein Tae-kwondo. Was die machen, ist nichts anderes als Karate. Sie haben sich die Bezeichnung Taekwondo gestohlen – auf politischem Wege.

KICK: Sie behaupten, die WTF hat das Taekwondo gestohlen?

Aber sicher. Wenn sie es als Taekwondo bezeichnen wollen, dann müssen sie genau das tun, was ich vorgegeben habe. Jigoro Kano hat einst Techniken entwickelt, die wir heute als Judo kennen. Es ist bis heute dasselbe. Im Taekwondo sollte das keinen Unterschied machen. Wenn die WTF schon den Namen benutzt, dann sollen sie auch das machen, was der Begründer General Choi vorschreibt. Aber sie mißbrauchen es durch politische Macht. Es ist also kein Taekwondo. Sie betreiben nur Karate. Die WTF ist von Grund auf eine Karate-Organisation.

Die Philosophie bedeutet, daß ein einziger Treffer einen Kampf entscheidet. Taekwondo-Sportler müssen Kraft haben und sich kraftvoll verteidigen.

KICK: Sie haben doch versucht, mit der WTF zusammen zu arbeiten?

Ja, aber nur weil es meine Pflicht war. Ich habe versucht sie (ITF und WTF) zusammenzubringen. Ich war bereit, zurückzustecken, aber sie wollten es nicht annehmen. Sie haben wohlklingend Taekwondo angepriesen mit ihrer politischen Macht und enormer materieller Unterstützung bestochen.

KICK: Wann haben sie die ITF ins Leben gerufen?

Ich habe den Verband am 22. März 1966 in Seoul, Korea errichtet.

Es gibt über 14 Millionen Taekwondo-Schüler weltweit, die die Techniken so trainieren, wie ich sie entwickelt habe. Alle machen es gleich, in 113 Nationen.

KICK: Kann jeder bei ihnen Mitglied werden?

Natürlich, unsere Tore stehen offen. Kung Fu und Karate-Sportler kommen ständig hinzu. WTF-Mitglieder kommen ebenfalls zu uns. Es gibt über 14 Million Taekwondo-Schüler, weltweit, welche die Techniken so trainieren, wie ich sie entwickelt habe. Alle machen es gleich, in 113 Nationen. Jeder Anführer eines Landes ist wie ein Sohn für mich.

KICK: Viele der bekannten Taekwondo-Meister waren ihre Schüler, z.B. Jhoon Rhee. Ist das korrekt?

Ja, klar. Leider wurden viele politisch beeinflußt, so daß sie meinen Verband verlassen mußten. Heute versuchen sie, zurückzukehren.

Hochblock

General Choi trainiert mit Senior-Intruktoren des US-Verbandes. Er demonstriert den wahren Sinn von Blocktechniken.

 

KICK: Welche Qualitäten müssen Taekwondo-Meister besitzen um gute Lehrer zu sein?

Taekwondo ist eine hochentwickelte Kampfkunst, nicht nur Sport. Wenn ich von Kampfkunst rede, dann meine ich damit die mentale Disziplin und den moralischen Charakter, der die Techniken exakt begleiten muß. Das ist Kampfkunst. Daher braucht man hochqualifizierte Meister und Lehrer. Beim normalen Sport braucht man nicht unbedingt einen Lehrer, da es keine Moral gibt, die man nur mit einem Lehrer erlernen könnte. Es ist sehr schwierig, einen guten Lehrer zu finden, denn er muß beide Seiten, die Technik und den Geist, vermitteln. Ein guter Lehrer ist zugleich Dozent und Soldat.

KICK: Stellt die östliche Lebensphilosophie ein wichtiges Element für das Training einer Kampfkunst dar?

Aber natürlich. Es besteht ein enger Zusammenhang, obgleich es für Menschen aus dem Westen nur schwer nachzuvollziehen ist. Dennoch kennen viele meiner engen Schüler den Zusammenhang der Moral sehr gut. Wenn wir das beherrschen, können wir davon ausgehen, das wir jeden Kampf mit einem einzigen Schlag beenden können. Sie sehen, man kann Disziplin und Moral nicht deutlich genug hervorheben um auf sie hinzuweisen.

United States Taekwondo Federation

KICK: Vor wenigen Jahren waren die Martial Arts nur Erwachsenen vorbehalten. Heute trainieren mehr Kinder als Erwachsene. Was halten sie für das ideale Einstiegsalter?

Sieben oder acht Jahre ist ideal.

KICK: Sollten Taekwondo-Intruktoren auch Anatomie- und Ernährungsunterricht erteilen?

Ich hoffe doch. Das ist eine Sache, die ich hervorhebe, sogar in meinen Seminaren. Man muß Anatomie studieren, um seinen Körper besser zu verstehen und die Techniken so anwenden zu können, daß man mit nur einem Treffer siegen kann. Das ist der Sinn.

KICK: Wenn sie unterrichten: wieviele Stunden dauert ihr Seminar?

Ca. 6 Stunden pro Einheit.

KICK: Trainieren sie selbst jeden Tag?

Seit 1983, jeden Tag morgens eine Stunde. Bis heute lasse ich keinen Tag aus.

KICK: Trainieren sie am Makiwara?

Früher mal, heute schlage ich gegen die Wand! (Lachen)

interviewe Robert Ferguson

General Choi beim Interview mit unserem Mitarbeiter Robert Ferguson.

KICK: Würden Sie auch WTF-Mitglieder unterrichten?

Aber sicher. Sie haben überhaupt keine Technik, nicht im Geringsten. Ein paar Kicks vielleicht, das ist alles.

KICK: Sie zeigen bei den Formen auf, das man konstant atmen soll. Warum konzentrieren sie sich so auf die Atmung?

Nicht nur bei den Formen ist die Atmung wichtig. Jede Bewegung benötigt einen Atemzug. Menschen müssen atmen, sonst sterben sie. Wir zeigen, wie man richtig atmet.

KICK: In der WTF betont man die Atmung aber nicht so stark wie bei ihnen.

Die haben ohnehin keine Technik, sie haben also auch nichts zu lehren. Darum müssen sie sparren und kicken. Sie gebrauchen nur ihre Hände und Füße. Da gibt es keine Technik und auch keine Kraft.

KICK: Das heißt, die WTF zeigt nicht die gleichen Techniken wie sie in der ITF?

Nein, nein, nein! Sie machen Karate. Karate ist gleich WTF. Es ist dasselbe, nur nennen sie es Taekwondo.

KICK: Ärgert es sie nicht, daß sie nicht das Taekwondo lehren, das sie erfunden haben?

Ja, ungemein.

KICK: Haben sie selbst die alte Kunst des Taek Kyon erlernt?

Taek Kyon hat keine Bewegung. Es ist ein schlichtes Hilfsmittel für rudimentäre Übungen. Sie dachten früher das Taekwondo und Karate wären verbunden, aber sie sind es nicht. Wenn ich Karate nicht gekannt hätte, hätte ich nichts besseres erfinden können. Da ich es jedoch kannte, war es leicht etwas besseres zu entwickeln.

KICK: Bedeutet Taekwondo wörtlich übersetzt „Fuß-Hand-Philosophie“?

„TAE“ bedeutet „fliegender Fuß,“ „springen,“ „Kicken,“ „blocken“ oder „ausweichen.“ „KWON“ kommt von „Hand“ oder „Faust.“ Jedermann kann. … „Do“ heißt „Kunst,“ „Weg,“ oder „gepflasterter Weg.“ Es bedeutet, daß Menschen reisen müssen, um ans Ziel zu kommen. Taekwondo beinhaltet mentales Training und Techniken für den unbewaffneten Kampf mit vielen Tricks. Das ist Taekwondo.

KICK: Gibt es Bodenkampftechniken wie z.B. beim Judo?

Aber sicher. Darum habe ich 3.200 Bewegungen und Techniken erfunden, um sowohl im Stehen als auch im Liegen in der Lage zu sein, sich zu verteidigen.

KICK: Kannten sie den Erfinder des modernen Karate und Shotokan, Gichin Funakoshi, persönlich?

Ja. Ich habe ihn 1942 in Japan besucht. Ich hatte die Gelegenheit (als ich in Japan lebte) Karate zu lernen. Ich konnte es sehr gut, hielt den zweiten Dan.

KICK: Werden sie jemals nach Südkorea zurückkehren?

Natürlich werde ich das eines Tages. Die Leute fragen mich ständig nach meiner Heimat. Ich sage ihnen, ich lebe in der Luft. Ich erkläre ihnen, daß ich an zwei Orten wohne, der eine ist auf dem Boden, der andere in der Luft. Seit 1972 verbringe ich jedes Jahr rund 700 Stunden in irgendwelchen Flugzeugen. So kommt es, daß ich sage, ich lebe in der Luft. Wo immer ich hingehe, um Seminare zu geben, am nächsten Tag sitze ich wieder in der Maschine.

KICK: Wollen sie, daß die Welt etwas ganz Spezielles über sie erfährt?

Mein Leben ist faszinierend, aber unglücklicherweise bin ich immer tausende von Meilen von meiner Heimat entfernt. Nur wenige werden mich für mein Leben beneiden. Wie auch immer, ich bin der glücklichste Mensch auf dieser Welt. Ich weiß, wohin ich auch gehe, meine Techniken werden sich immer weiter verbreiten.
Ich zeige meinen Schwarzgurten, wie sie die Techniken weitertragen sollen.
Seit 35 Jahren schreibe ich an einem Buch, das 15 Bände umfaßt mit 30.000 Fotos. Alleine 12 Jahre habe ich gebraucht um alles per Hand niederzuschreiben.

KICK: Wie sehen sie die Zukunft für das Taekwondo im 21sten Jahrhundert?

Meine Traumvorstellung geht soweit, daß Taekwondo über die ganze Welt verbreitet wird, unabhängig von Religionen, Rassen, Nationalitäten, Ideologien, Grenzen – und daß ich es bin, der das schafft. Heute ist die Welt für mich sehr klein geworden. Meine Hoffnung ist, daß es eines Tages auch auf dem Mond und anderen Sternen verbreitet wird. Ich werde alt, so werde ich es nicht mehr schaffen, aber meine Söhne und Töchter werden diesen Traum im 21sten Jahrhundert Verwirklichen.

Robert Ferguson and General Choi

 

Ein hartes Interview:
Ein Kommentar von John Corcoran

Es gibt keinen Zweifel: Obwohl seine Gegner es nie eingestehen werden, General Choi Hong Hi ist tatsächlich der „Vater des Tae Kwon Do.“ In den Gründerjahren hat er enorm viel für die Verbreitung der Disziplin geleistet und ist damit vergleichbar mit Gichin Funakoshi, dem „Vater des modernen Karate.“ Mit dem Zusatz „Do“ bereicherte Choi den Stil um eine philosophische Dimension. Durch das genaue Katalogisieren aller Techniken in seinen ersten Büchern hat er für die Techniken des Taekwondo eine umfangreiche Basis geschaffen. In aller Welt rekrutierte er seit Ende der sechziger Jahre zahlreiche Schwarzgurte. Wenn wir heute eine Rangliste mit den 10 wichtigsten und einflußreichsten Kampfkunst-Pionieren aufstellen würden, müßte Gen. Choi mit Sicherheit in dieser Liste stehen.
Auf der anderen Seite zählt Choi zu den kontroversesten Figuren der Martial-Arts-Szene. Seine „International Taekwondo Federation“ (ITF), welche er selbst ins Leben gerufen hat, führt mit der „World Taekwondo Federation“ (WTF), die unter Leitung von Dr. Un Yong Kim zur olympischen Disziplin avancierte, eine ewige Auseinandersetzung. Als die Regierung die WTF anerkannte, vollzog Gen. Choi 1973 den umstrittensten Zug seiner Karriere: Er verbündete seine ITF mit dem kommunistischen Norden Koreas, dem Todfeind von Südkorea. Danach wanderte Choi nach Montreal aus, wo er 1974 das Hauptquartier der ITF errichtete. Darüber hinaus wurde seine Verbindung mit der Koreanischen Taekwondo Association, dem offiziellen Verband Südkoreas, aufgelöst. Aufgrund bestimmter politischer Umstände kursierten Gerüchte, daß General Choi Landesverrat begangen habe und schließlich aus seinem Heimatland geflohen sei, nachdem man sein Leben bedroht hatte.
Zweifellos stellt Gen. Choi Hong Hi eine intrigante Mischung aus Pionier und Politiker dar, er ist gleichzeitig Leitbild und Ausgestoßener. Alle Interviews, die bislang mit ihm geführt wurden, gerieten zur Farce. Zum einen durch amateurhafte Journalisten, zum anderen durch die geschickte Inszenierung des Generals.

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Unser Mitarbeiter Robert Ferguson, freiberuflicher Journalist und Gründer der „International Combat Taekwondo Federation“ nahm, sechs Jahre nachdem er die ersten Schriftstücke von Gen. Choi sah, die Gelegeheit beim Schopf, ihn als einziger amerikanischer Journalist während seines US-Seminars in Santa Barbara, Kalifornien, zu interviewen. Er befragte den Exil-Koreaner gleichermaßen aus dem Blickwinkel eines Journalisten wie als erfahrener Kampfsportler. „Ich habe ihn nach vielen Dingen gefragt, die andere Kampfsportler wissen wollten,“ erläutert Ferguson, „und ich war in der Lage seine intimen Vorstellungen von Ideologie und seine weitgestreuten Konzepte und Prinzipien auszuloten.“
Für mich als langjährigen Kampfsportjournalisten ist das Interview von Ferguson ein richtiger „Home Run.“

John Corcoran, USA

 

Christine Bannon Rodriguez

Kick 1996/06

 

Dieses Interview wurde vom Mitarbeiter Robert Ferguson in den Vereinigten Staaten von Amerika geführt und von John Corcoran bearbeitet. Es erschien in Kick Ausgabe 06/96, welche im Mai 1996 in den Handel gelangte. Diese Seite dient lediglich als Archiv.

Ving Chun auf der You 96 Messe

Als einziger Kampfkunstverband stellte die Euro Ving Chun Connection bei der ersten europäischen Jugendmesse „You 96“ aus. Viele begeisterte Jugendliche erhielten die Möglichkeit sich am Stand von Sifu Birol Özden über Selbstschutz zu informieren.

Ving Chun Demo

Dem Nachwuchs eine Chance: Zwei „Knirpse“ zeigten, was sie mit jungen Jahren schon so drauf haben.

Dortmund: Outfit, Sport und Lifestyle – unter diesem Motto lief vom 6. bis 9. Juni 1996 in Dortmund die YOU 96. Gleich am ersten Tag ereignete sich leider das tragische Hubschrauberunglück, das in der Presse weit reflektiert wurde. Doch die erste europäische Jugendmesse in den Dortmunder Westfalenhallen lief weiter – auf vielfachen Wunsch der Jugendlichen. Mit von der Partie: die Euro Ving Chun Connection (EVCC), die sich an einem eigenen Stand und zusätzlich mit großen Demos und Vorführungen präsentierte.

Und das in guter Gesellschaft: Trendsportarten wie Inlineskating, Ving Chun (VC), Streetball, Freeclimbing wurden in eigenen Hallen geboten. Ebenso jede Menge Konzerte bekannter Chartstürmer wie Tic Tac Toe und Co., Diskussionen, Sportveranstaltungen, ein großer Modelwettbewerb, Modeshows und Auftritte von bekannten Fernsehstars.

Chi Sao Ving Chun

Jeden Tag eine Vorführung: Akteure aus dem Showteam der EVCC zeigen Chi-Sao auf der „You ‘96“

 

Anwesend war alles was Rang und Namen hatte: Autohersteller, Zeitungen und Verlage, Sportartikelhersteller, Fernsehsender, und, und, und. Sie alle interessieren sich natürlich genauso für die europäische Jugend wie der Staat, vertreten durch die Bundesjugendministerin Claudia Nolte, welche die YOU ‘96 am 6. Juni eröffnete.

Es war eine Messe zum Anfassen. Die Besucher hatten Gelegenheit, auch selbst aktiv zu werden und Neues zu entdecken. Und zahlreiche Jugendliche interessierten sich für Ving Chun nach dem Konzept von Sifu Özden. Der war übrigens auch selbst vor Ort und stand jedem der wollte Rede und Antwort.

Birol Özden kick

Helfer der EVCC waren gekommen, um anzupacken, wo sie konnten. Man legt viel Wert auf Zusammenarbeit.

Action brachte ein VC-Demoteam aus Schülern und Ausbildern in die Sache. Zusätzlich zum bunten Geschehen mnd um den eigenen Stand zeigten die VC Leute auf einer der großen Modebühne Ving Chun vom feinsten. So war die EVCC die einzige Organisation auf der YOU 96, welche die Sparte Selbstschutz anbot und behauptete damit ein weiteres Mal ihre Vorreiterstellung in Sachen Kampfkunst.

Mike Chaturantabut

 

Text und Fotos: EVCC, Abteilung: Presse. Dieser Bericht erschien in der Ausgabe 10/96 (Oktober 1996) und dient nur zu Archiv Zwecken.

Bundeswehr Kampfsport

Die Gipfelstürmer

Indoor und Outdoor Sportarten der Sportfördergruppe Sonthofen auf dem Weg zu neuen Horizonten. Taekwondo, Karate, Kanu Slalom, Kanu Abfahrt, Eishockey, Motorsport, Klettern und Eisstock Athleten „unter einem Hut“ und auf demselben Berg.

Als eines der Highlights der Sportfördergruppe Sonthofen ist die alljährliche Aus- und Weiterbildung ihrer Spitzenathieten – und seit geraumer Zeit auch Athletinnen- der verschiedenen Sportfachverbände. Hierzu gehören die international erfolgreichen Taekwondo- und Karate Nationalkämpfer der DTU und des DKV. Im Taekwondo waren dies neben dem amtierenden Welt- und Europameister Aziz Acharki, EM-Medaillengewinnerin Anke Girg, Militär-WM-Medaillengewinnerin Anja Greb, und Worldcup-Medaillengewinner Marco Scheiterbauer. Vom Karate waren Vize-Worldcup-Siegerin Nicole Jakobs, Fadi Caabo, Frank Markwart, Richard Pajer, Miaden Petrovic und Thomas Höppner (alle Militär-EM-Medalllengewinner) mit dabei. Während der Ausbildung wurden neue Impulse in den Bereichen angewandte Pädagogik, Psychologie, Rhetorik, Kommunikation, Medizin und Naturerlebnis gesetzt.

Bundeswehr Kampfsport

Taekwondo-, Karate- und Ju-jutsu-Kämpfer beim Gipfelfoto. Foto: Hölzer

Die Diplom-Trainer Günter Schröter (Kanu Bundestrainer), Georg Streif (Taekwondo Bundestrainer) und Diplom Trainerstudent Walter Hölzler (Klettern) vermittelten, unter der Koordination von Sportfördergrupppenleiter Udo Wilke, ihre Kenntnisse und brachten ihr Fachwissen interdisziplinär an die Athleten. Im Rahmen eines dreitägigen Hüttenaufenthalts des in 1600 m Höhe gelegenen Staufher Haus am Hochgrat (2000m) erlebten die Athleten/innen einen außergewöhnlichen Team Event. Hierbei wurde besonderen Wert auf soziale Kompetenz gelegt.

Gruppendynamik und Sfreßbewältigung über den Wolken Nach der routinemäßigen Gruppeneinteilung und des Ausrüstungschecks ging es in den schweißtreibenden, für die meisten Kampfsportler ungewohnten, Hüttenaufstieg. Zwischen In- und Outdoor-Sportlern entwickelte sich in den vereisten Steilpassagen bereits jetzt schon ein positives Gruppengetühl. Durch die schlechte Sicht war jeder einzelne bedacht seinen Kameraden sicher und hilfreich zur Hüfte zu bringen. Nach ca. 600 zurückgelegten Höhenmetern kam ein aufatmen und Raunen durch die einzelnen Grüppen, denn unterhalb ihnen lag ein sagenhaftes Wolkenmeer unter einem königsblauen Himmel. Es war nicht mehr weit zum ersten Tagesetappenziel, wo sie der Oberstaufener Hüttenwirt „Woifi“ mit einer deftigen Brotzeit herzlich empfing. Schon nach dem ersten Bissen verwandelte sich der Aufstiegsstreß in ein gemeinschaftliches Erfolgserlebnis. Ob In- oder Outddoor, das erste Ziel erreichten alle gemeinsam.

Nach dem Fachsimpeln und Aufarbeiten der Erlebnisse stellten sich die Sportler mit spannenden Videoclips untereinander vor und berichteten über ihre Erfolge, Wünsche, Ideen und Ziele in der Sportfördergruppe. Jeder bekam Einblick und Respekt in die Schönheit und Faszination der einzelnen Disziplinen, unabhängig, ob olympisch oder nicht.

Stockfinster, heulender Wind um die Hüfte, die Athleten/innen reißt der rasselnde Wecker aus dem tiefen Schlaf. Ein „guten Morgen“ erklang in den Schlafräumen. Wenige Minuten später sah man nur noch Silhuetten in Richtung Hochgrat aufsteigen. Nebelschwaden umzogen die Gruppe. Wann und wo wird wohl der Tag heute erwachen, fragte sich so mancher. Um 7:35 Uhr wurde gemeinsam das Gipfelkreuz erreicht. Wie angekündigt konnten die Frühaufsteher den atemberaubenden Sonnenaufgang über dem Hochvogel verfolgen. Für eine positive Tageseinstimmung und mehr Naturverständnis war gesorgt. „Das war etwas für die Seele“ äußerte sich so mancher. So ließen es sich die Kampfsportler auch nicht nehmen, einige Techniken auf dem Gipfel zu üben. Nach imposanten Fotoaufhahmen folgte der Abstieg ins „Basislager“ um das ersehnte Frühstück zu genießen.

Unter der Leitung des staatlich geprüften Bergführers Walter Hölzler wurde die zuvor gemeinsam ausgearbeitete fünf Stunden Route entlang der Nagelflugkette durchgeführt. Ziel war es hier, das Grüppengefühl zu festigen, Naturverbundenheit zu fördern und Möglichkeiten aufzuzeigen die aerobe Ausdauer zu verbessern und koordinativen Fähigkeiten zu schulen. Diese fiel um so leichter, da über dem Nebelmeer ein strahlender Sonnenschein herrschte.

Rollenspiele für Interviews leiteten den geselligen Abend ein und festigten das Selbstbewußtsein und die rhetorischen Fähigkeiten der jungen Sportler. Bewußt überzogene Negativbeispiel bewogen die Sportler selbst dazu Interviewbeispiele positiv unter Beweis zu stellen, die per Videoaufnahme nachgearbeitet wurden. Ein Ziel der Leitung war es, sich als Athlet in der Öffentlichkeit jederzeit selbstbewußt den Deutschen Sport, ihre Sportfachverbände und die Sportförderung der Bundeswehr zu äußern. Hier wurde großes Interesse festgestellt.

Am darauf folgenden Tag wurden die Unterkünfte sauber verlassen und der Abstieg ins Tal vorbereitet. Manch einer hatte seine Einstellung anderen Sportarten gegenüber sichtlich verändert. Schon in der Hütte wurden Möglichkeiten erörtert die jeweilige Disziplin auch in der Praxis kennenzulernen. Das nun entstandene „Wir-Gefühl“ trug dazu bei den Hüttenabstieg in einer lockeren Atmosphäre mit spektakulären Rutschpartien ausklingen zu lassen.

Beim abschließendem Resümee des Sportfördergruppenleiters, der Disziplinchefs und der Athleten/ innen wurde festgestellt, daß es auf jeden Fall von Vorteil ist, hin und wieder über den berüchtigten eigenen „Tellerrand“ hinauszuschauen, um sich auch außerhalb des Kampfsportes Anregungen und Hilfen für die Verbesserung seiner eigenen Leistungsfähigkeit zu holen. Das sollte der enge Terininplan der Athlethen in der Übergangsperiode oder zum Teil auch in den Autbauphasen zulassen, und in der Jahresplanung ein fester Bestandteil sein. Denn dies unterstützt sicherlich das Hauptziel der Sportfördergruppe und der Verbände, Medaillen zu erringen. Der Weg ist das Ziel, wurde von einigen ganz philosophisch bekundet. Hier wurden großer Wert auf das positive „Do“ gelegt.
Cynthia Rothrock
Dieser Artikel wurde von APA als Mitteilung zur Verfügung getsellt. Foto: Hölzer. Publikationstermin: Frühjahr 1997. Ausgabe: KICK 04/1997.

TKD Training in Seoul

TKD Trainingslager in Seoul

Nach der Kontaktaufnahme zu Herrn Prof. Lee Seung Kook, Technischer Direktor für Taekwondo bei der Hanguk Chadae Universität in Seoul, fand die Teamzusammenstellung und Reiseorganisation statt. Zum Team von Bundestrainer Georg Streif zählten neben dem amtierenden Weltmeister Aziz Acharki (-70 Kilo), Markus Nitschke (-83 Kilo), Marco Scheiterbauer (-76 Kilo, beide Medaillengewinner bei Weltturnieren), Ralf Gützlaif (+83 Kilo), Markus Böschek (~4 Kilo), Markus Konrad (-58 Kilo), Pracha Ladiges (-54 Kilo, alle EM-Teilnehmer 96) sowie die zwei Youngsters Marcel Betz (-64 Kilo, Medaillengewinner der Jugend WM und EM) und Alexander Seethaler (-58 Kilo). Alle erschienen in Top Trainingszustand am Flughafen Frankfurt um den 16 Stundenflug über Paris nach Seoul anzutreten.

TKD Training in Seoul

Georg Streif und Aziz Acharki am TKD-Olympia-Momument vor dem WTF-Hauptquartier in Seoul

Die Organisation in Seoul wurde unterstützt von Udo Mönig, der als Deutschlehrer in Seoul arbeitet, und Herrn Prof. Lee. Die Erfahrung von Marcus Nitschke, der schon mehrere Monate in Seoul verbrachte und, zum Erstaunen Aller, gute Kenntnisse der koreanischen Sprache hatte, kam dem deutschen Team sehr zu Nutzen.
Als Unterkunft wurde eine kleine, preiswerte „Pension,“ unweit der Physical Education Universität, mit Schlafmöglichkeiten auf Reismatten auf dem Boden gewählt. Hier fand auch das diesjährige Trainertreif der erfolgreichsten koreanischen Taekwondo Coaches statt. Von dort aus waren es nur ca. 15 Minuten Fußweg zur erfolgreichsten Sport Universität, bei der alle olympische Sportarten professionell gefördert und betrieben werden. Die große, mit Mattenboden ausgestattete, Taekwondo Halle befand sich neben den Räumlichkeiten der Tischtennis-, Judo-, Ringer-, Feldhockey- und Fechterathleten. Ein etwas konventioneller Kraftraum war im selben Gebäude. Hier konnten einige Olympiamedaillengewinner bei ihrer sehr strengen und disziplinierten Ausbildung beobachtet- und eine Erklärung für die vielen Erfolge bei der letzten Olympiade für die Koreaner gefunden werden. Nach den üblichen Ansprachen und dem Geschenkaustausch begann das erste Training unter der Leitung des 3fachen Weltmeisters Jang Dae Sung, der 1991 in Sindelfingen bei der Veranstaltung aller amtierende Weltmeister gegen die amtierende Europameister einen Showkampf gegen Georg Streif absolvierte. Er gilt als einer der besten Trainer der neuen Generation, bei der die alten Traditionen nicht mehr so stark im Vordergrund stehen und neue Trainingsformen sowie pädagogische Werte ihren Einzug erhalten. Die auffällige asiatische hierarchische Eistufung war jedoch immer noch zu sehen.

Trainingsumfang und Bedingungen: Das Training fand vom Anreisetag bis Abreisetag mit zwei bis drei Einheiten pro Tag bei ca. 30 Grad Hitze und 80% Luftfeuchtigkeit statt. Zwei Tage wurde Ausgleichstraining mit einer Stunde Laufen im Olympiapark und einem Freitraining durchgeführt.
Vormittagstraining: Vormittags trainierte das deutsche Team untereinander ihre individuellen Schwerpunkte und Taktiken aus ihrem Trainingsplan für die anstehende Europameisterschaft sowie das einstudieren der neu gesehenen Kombinationen, während die Koreaner mit Laufübungen ihre Grundlagenausdauer auffrischten. Marcus Nitschke kundschaftete zeitweise andere Schulen für einen Trainingsbesuch aus.
Nachmittagstraining: Nachmittags fand das gemeinsame Training mit dem „Chaedae“ Damen und Herrenteam, dem Seoul City Team, dem Jinru Profiteam und einigen Nationalkämpfern aus Dänemark, z.B. World Games Sieger Abor Haider und Youssef Lharraki, dem anschließendem Finalgegner von Aziz Acharki bei der EM in Helsinki, die im selben Hotel untergebracht waren wie die Deutschen, unter der Leitung von Jang Dae Sung statt. Als Co-Trainer, mit Anweisungen und Übersetzungen für die eigenen Kämpfer, fungierten Chung Kuk Hyun (4-facher Weltmeister, Trainer Profiteam), der City Teamcoach und der deutsche Nationalcoach. Das Training war geprägt durch Standard-, Westen- und Pratzenübungen sowie vielen Sparringsformen.

Sparring mit Vorzeichen für die Zukunft: Interessante, harte und technisch hochwertige Kämpfe waren z. B. zwischen Marco Scheiterbauer und seinem WM-Gegner aus Manila sowie zwischen Aziz Acharki und dem Worldcupsieger aus Rio de Janeiro, an dem der Deutsche Weltmeister nicht teilnehmen konnte, Kwak Taek Yong zu sehen und mit Videoaufzeichnungen zu archivieren. Der Koreaner sollte einige Monate später der Finalgegner von Acharki bei der Militär-WM in Pula werden. Es war eine Augenweide die besten Taekwondo Kämpfer der Welt mit ihren ästhetischen und geschmeidigen Techniken in einem Dojang zu sehen. Am dritten Trainingstag waren 6 Weltmeister, ein Juniorenweltmeister und eine 2fache Weltmeisterin in einem Training gemeinsam aktiv. Ebenso bereiteten sich einige späteren Studenten-Weltmeister in dieser Halle auf das Großereignis vor.





Das Abendtraining wurde als Freitraining für die koreanischen, dänischen und deutschen Kämpfern durchgeführt. Hier fand wieder individuelles Training statt. Die Deutschen konzentrierten sich auf Taktiktraining, Basistraining, Entspannungsübungen und paßten die Intensität wieder ihrem individuellen Leistungsstand an. Teilweise wurde Regenerationstraining durchgeführt. Einige interessante Sparringeinheiten mit den Koreanern und interessante Technikvarianten vor dem Spiegel (Grimassen schneiden) waren ebenfalls zu entdecken.

Wettkampfbesuch und High School Training:
Während die „Chaedaekämpfer“ einen Wettkampf, bei dem das Militär-, die Universitäten- und die Profiteams in verschiedenen Kategorien antraten, außerhalb Seouls besuchten, trainierten die deutschen Kaderkämpfer in der berüchtigten Dong Sung High School, einer christlichen Schule, die früher unter der Leitung von Kim Sei Hyuk (Dytchagi Kim) als die Talent- und Trendschmiede galt. Hier war die Qualität der Kämpfer jedoch nicht mehr so gut wie vor einigen Jahren, jedoch für 13- bis 17-jährige immer noch weit überdurchschnittlich. Dort wird 4-5 Jahre lang mit zwei mal täglichem intensivem Training die Basis für die späteren Uni- und Nationalmannschaftskämpfer gelegt. Dies ist einer der Hauptgründe für die Stärke der koreanischen Kämpfer. Die erfolgreichsten Kämpfer aus den verschiedenen High Schools erhalten anschließend die besten Studiensplätze.

Die Einstellung der deutschen Kämpfer war auch in dieser Schule immer noch optimal. Jedoch waren größere Unterschiede in der Leistungsstärke zu sehen. Vor allem unsere leichten Klassen, die in Deutschland wenig Gegner haben, hatten alle Hände und Füße voll zu tun, um einigermaßen mithalten zu können. Sie zeigten jedoch besten Willen und trotz einiger kleinen Verletzungen (Veilchen, Zerrungen, Hämatome usw.) Durchhaltevermögen und Härte. Das Training war mit vielen Sparringsübungen gekennzeichnet. Die Größe der Koreaner waren vor allem für Pracha Ladiges, Alexander Seethaler, Marcel Betz und Markus Böschek geeignet.

Wettkampf:
Wir hatten das Glück, zwischen unseren Trainingseinheiten, das Militärturnier besuchen zu können. Das Turnier dauerte 4 Tage. Teamsieger wurde unsere Chaedae Universität. Der deutsche Bundestrainer Georg Streif wurde vom Organisator Herrn Fang Young Gab eingeladen und zu einem TV-Interview im SBS-Sender gebeten, bei dem die Olympiade 2000 und die deutsche Einstellung zum modernen Wettkampf Taekwondo das Hauptthema war. Die Kaderkämpfer wurden mehrmals interviewt und fotografiert und waren anschließend in einigen Zeitungen wieder zu finden. Videoaufnahmen der koreanischen Teams im Training und Wettkampf durften natürlich nicht fehlen, da die Militär- Weltmeisterschaft und die Studenten-Weltmeisterschaft noch bevorstanden. Somit waren wir über den Kampfstil der koreanischen Team bestens informiert und konnten zu hause viele Videoanalysen durchführen.

Kulturprogramm: Die wenige Zeit die verblieb, wurde für Besuche im legendären Kukkiwon und ihrem Museum, dem Kyong Bok Palast, dem Seoul Tower und den berühmten Märkten genutzt. Aufgrund des Boxkampfes zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon fand der geplante Kulturnachmittag zum Folk Village vor dem Fernseher statt.

Fazit: „Wir kehrten ohne größere Verletzung, mit vielen neuen Impulsen und Erkenntnissen der Koreaner nach Hause. Diese Impulse sollen eine Langzeitwirkung bei den Nationalkämpfern und vor allem deren Umfeld (die leistungsstärksten Vereinen der DTU) habeii>Der verzögerte Trainingseffekt soll sich auch positiv auf die Zukunft auswirken. Wir haben die Stärken und auch Schwächen der Koreaner und ihres Umfeldes gesehen und erlebt. Somit wollen wir uns realistisch einschätzen und unsere etwas beschränkteren Möglichkeiten weiter steigern. Unser Ziel bleibt ein guter Platz zwischen den „Profiteams“ und ein Vorsprung von den „Amateurteams,“ bekundete Bundestrainer Georg Streif. Bei den anschlies-senden internationalen Turnieren (EM, Militär- und Studenten-WM) konnten die deutschen Kader-kämpfer einen EM-Titel und Vize-Militär-WM-Titel von Aziz Acharki, einen Militär-WM-Titel und eine EM-Medaille von Marcus Nitschke, ein Vize-Militär-WM-Titel sowie ein Viertelfinalplatz bei der EM von Marco Scheiter-bauer, ein Viertelfinalplatz bei der EM von Markus Böschek und der Vize-Studenten-WM-Titel von Oliver Knecht erkämpfen. Dies läßt für die Zukunft hoffen und motiviert für die Herausforderung Olympia 2000. Wir wollen uns der Konkurrenz stellen und unser Maximum innerhalb unseren Möglichkeiten erreichen. Für 1997 steht der Worldcup in Kairo, der Europacup in Zagreb und die Weltmeisterschaft in Hong Kong als Highlights auf dem Saisonplan.

Cynthia Rothrock
Dieser Artikel wurde von APA als Mitteilung zur Verfügung gestellt. Publikationstermin: Frühjahr 1997. Ausgabe: KICK 04/1997. Diese Seite dient lediglich als Archiv.

Moranbon Cup 1997

Moranbon Cup ’97
Europäer räumen beim Japanischen ITF-Taekwondo-Großereignis ab

Die internationale Bedeutung des Moranbon Cups mag verschwindend gering sein, für Japan ist es aber das Taekwondo (ITF) Ereignis schlechthin. Was auch mit, wie in Japan so üblich, mit Geldpreisen verbunden ist. Pro Gewichtsklasse winkt dem Gewinner immerhin rund 7.000.- DM. Nicht viel im Vergleich zum K-1, aber immer noch besser als der berühmte Stein am Kopf.

Tomaz Barada mit Pierre Guenette

Tomaz Barada (re.) mit Pierre Guenette

Internationale Erfolge: Um das Ereignis auch für das Publikum interessanter zu gestalten, werden von den Organisatoren immer ausländische Kämpfer eingeladen. Pro Gewichtsklasse, in der acht Kämpfer starten, sind das vier, also die Hälfte. Es sind nicht irgendwelche, wie oft von anderen Kampfsportorganisationen getan, um den japanischen Nationalstolz zu heben, sondern die Stärksten und Besten, die es gibt, was sich meist weniger gut auf die Resultate und auf den japanischen Nationalstolz auswirkt. Aber was sollte ein koreanischer Nationalsport schon groß mit japanischen Nationalstolz am Hut haben? Im Oktober 1997 wurden wieder zwölf starke Ausländer für drei Gewichtsklassen eingeladen. Am prominentesten las sich die Teilnehmerliste im Leichtgewicht. Neben Weltmeister Vladislav Nam aus Uzbekistan waren auch Stephan Tapilatu aus Holland, Ex-Weltmeister Hwang Su Il aus Japan und Tomaz Barada aus Slowenien am Start. Letzterer ist nicht nur im TKD 4-facher EM, sondern auch WM und 3-facher EM im Leichtkontakt Kickboxen. Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften war im das Glück nicht so hold. Er mußte den Titel Nam überlassen, aber die Stunde der Rache war gekommen. Im ersten Kampf entledigte er sich bravourös des Japaners Kaito Atsushi. Eine Runde höher aufgestiegen stand Barada dem früheren Weltmeister Hwang Su Il, einem in Japan lebenden Koreaner, gegenüber.





Der Gefährlichkeit seines Gegners bewußt, lies es der Slowene eher verhalten angehen. Zum richtigen Zeitpunkt wußte er aber Druck zu machen, und konnte siegreich aus dieser Begegnung schreiten. Somit hatte er den Sprung ins Finale geschafft. Dort traf er auf Widersacher Vladislav Nam, der sich über den Japaner Utsugi Noboru und Stephan Tapilatu ins Finale gekämpft hatte. Nun hieß es ernst machen, und die bei der Weltmeisterschaft erlittene Schmach wieder heimzuzahlen. Was man im Finalkampf der beiden sah, lies davon spüren und war vom Feinsten. Blitzschnelle Chagis wechselten mit gutgetimten Konterpunches ab. Eine wahre Werbung für das ITF Taekwondo. Nach Ablauf der Kampfzeit war es Barada, der die meisten Treffer gelandet hatte, und als Sieger feststand. Glücklich stand er auf dem Siegertreppchen und strahlte, als er die Siegerprämie entgegennahm. Und mal ehrlich, wer hätte das nicht getan.

Maranbon TKD

Tomaz Barada siegt beim groІen TKD-Preisgeldturnier in Tokio

Schuster bleib bei deinen Leisten: Auch im Schwergewicht waren bekannte Namen am Werk. Die meiste Aufmerksamkeit kam aber jenem Manne zu, der den Moranbon Cup schon zweimal gewonnen hatte: dem Kanadier Pierre Guenette. Moment doch, mögen sich einige Leser denken, den Namen kenne ich doch. Aber woher? Ja, dieser Pierre Guenette war es, der Andy Hug dieses Jahr den Einzug in den K-1 Grand Prix ermöglichte, wenn nicht gar erleichterte. Immer auf der Suche nach neuem Blut war K-1 Promoter Ishii letztes Jahr auf Guenette aufmerksam geworden als dieser den Moranbon Cup das zweite Mal gewinnen konnte, und fragte ihn, ob er denn nicht einmal beim K-1 mitspielen möchte. Der Farbe des Geldes erlegen, schließlich bekam er für seine Teilnahme am K-1 genausoviel wie für den Turniersieg beim Moranbon Cup, sagte Guenette auch zu und stand flugs Andy Hug gegenüber. Dieser freute sich besonders, denn so einen leichten Gegner hatte er schon lange nicht mehr gehabt. 16 Kilo leichter als Hug und Leichtkontaktler, was begehrt das Thaiboxerherz noch mehr? Daß Andys Freude berechtigt war, zeigte sich, als Guenette sich schon in der ersten Runde durch KO verabschiedete. Sein Auftritt beim K-1 war kurz aber schmerzvoll. Somit war die K-1 Karriere Guenettes Geschichte, und er erinnerte sich wieder seiner Herkunft. So war er auch heuer wieder mit dabei beim Moranbon Cup um zu zeigen, was er denn wirklich so drauf hat. Und im ITF Taekwondo ist das einiges. Nichts und niemand konnte ihn stoppen, und auch im Finale war ihm Landsmann Thommy Cacio kein wirklicher Gegner. Guenette konnte die Bewegungen Cacios voraussagen, und war so im Stande ihn herrlich auszupunkten. Somit war der Moranbon Cup zum dritten Mal sein, und auch die 7.000.- DM. Diesmal mit weit weniger Schmerzen als beim K-1. Hinter Sprichwörter steckt manchmal doch ein Funken Wahrheit.
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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Januar 1998 (9801), veröffentlicht im Dezember 1997. Verfasser: Horst Kalcher. Diese Seite dient als Archiv.

Dana Hee TKD

Von Olympia zur Stuntfrau: Dana Hee

Ihre langen Beine sind ihr Markenzeichen: Dana Hee

Ihre langen Beine sind ihr Markenzeichen: Dana Hee

Lange Beine braucht man, um im Taekwondo nach vorne zu kommen. Um mit den Beinen auch beim Film Erfolg zu haben, müssen diese und die gesamte Erscheinung besonders attraktiv sein. Diese Voraussetzung erfüllt die Amerikanerin Dana Hee, denn so wie nur wenige Menschen jemals Olympiasieger werden, erreichte sie das, was noch viel weniger erreichen: sie ist eine professionelle Stuntfrau. Wir stellen die bezaubernde junge Dame vor.

Wenige Leute können es für sich in Anspruch nehmen, eine olympische Goldmedaille gewonnen zu heben. Erst recht nicht in einem Sport, in dem dessen Erfinder, die Koreaner, als führend gelten. Die Frau, auf die das zutrift, ist Dana Hee, und der Sport ist Taekwon-do. Aus einem Wettbewerb mit Weltbeteiligung ging sie 1988, als Taekwondo zum ersten mal olympischer Demonstrationssport war, als Siegerin für die USA hervor. Obwohl es ein starkes Teilnehmerfeld war, half Dana Hee das, was sie als “mentale Spiele” bezeichnet, zu Siegen. “Ich lag hinter vielen Teilnehmern zurück, weil ich erst zweieinhalb Jahre vorher mit dem Wettkampfsport begonnen habe”, sagt sie.




Seoul Olympics

Sieg ueber eine Daenin zum Einzug ins Finale bei den Olympischen Spielen.

Seoul Olympic Gold

Ehrung in Seoul: Gold für Dana Hee (USA), Silber für Karin Schwartz (Dänemark), Bronze für Holland und China.

Sieg durch Kontrolle
“Der Grund, weshalb ich gewonnen habe, liegt in meiner geistigen Einstellung und darin, daß ich das Spiel kontrollieren konnte. Immer dann, wenn eine Gegnerin dachte, sie könnte angreifen, habe ich angegriffen. Sie dachten, ich würde nichts machen, und ich habe etwas gemacht. Ich habe sie so weit frustriert, daß sie nicht mehr effektiv punkten konnten.” Hee erinnert sich an ihren Sieg: “Es war mein Traum, eine Goldmedaille zu gewinnen. Also habe ich fast drei Jahre dafür trainiert. Das Ziel war aber so weit weg, es schien so unerreichbar, daß ich, als ich auf dem Treppchen stand, nur gedacht habe: Oh, das ist toll.”

Ich sage euch, der einzige Grund, weshalb ich mich heute für eine Stuntfrau halten darf, ist meine Goldmedaille. Es ist meine Eintrittskarte, mein Fuß in der Tür.

Sie schreibt ihren Sieg dem Einstellung: “Zielsetzen und erfolgreich sein, koste es, was es wolle” zu. Sie ist der Ansicht, daß viel zu viele Leute zwar Ziele haben, diese aber nie erreichen, weil sie aufgeben, sobald es richtig zur Sache geht. Diese Einstellung half ihr auch in ihrer Karriere als Stuntfrau.

On set

Drehpause: Dana Hee (mitte) posiert mit Dennis Quaid und Kathleen Turner.

Undercover Blues
Während der zwei Jahre nach ihrem Olympiasieg reiste Dana Hee um die Welt, um als Fürsprecherin ihres Sports Taekwondo populärer zu machen. Danach wollte sie ihrem Leben eine neue Richtung geben: Stuntarbeit. Die Pro- duktionsfirma von “Undercover Blues” sprach sie an: Wenige Tage vor Drehbeginn wurde eine Frau benötigt, die viel von Kampfkunst verstand und die Schauspielerin Fiona Shaw doubeln konnte. Dana nahm die Herausforderung an und begann eine neue Karriere. Ihren Erfolg bis “Undercover Blues” verdankt sie dem Choreographen James Lew, der mit ihr zusammengearbeitet hat. “Ich hatte die Möglichkeit, mit diesem Super Kampf-Coordinator James Lew zusammenzuarbeiten. Es war so eine tolle Erfahrung, daß ich, nachdem die Dreharbeiten beendet waren, mich dazu entschlossen hatte, nach Los Angeles zu ziehen und diesem Beruf nachzugehen.”

Arbeit mit Cheryl Wheeler
Hinzu kommt, daß sie an der Seite von Cheryl Wheeler, einer ehemaligen Kickbox-Weltmeisterin, auftreten konnte. Sie war Kathleen Turners Stunt-Double und übte einen starken Einfluß auf Hee aus. “Sie war sehr beeindruckend”, sagt Hee, “wir habe zusammen trainiert und wurden sehr gute Freunde. Cheryl und ich haben ungefähr das gleiche Gewicht und die gleiche Größe. Normalerweise würde sich ein starkes Konkurrenzdenken aufbauen, aber nicht mit ihr – ich kann nur gut von ihr sprechen.”

Wäre ich nicht so vielseitig, dann wäre es sehr schwierig für mich, Kampfszenen zu machen, denn vor der Kamera ist es ganz anders als sonst.

Schwierige Stunts
“Undercover Blues” ist bis heute Hees größtes Werk als Stuntfrau. Sie erzählt von den schwierigen Stunts, wie Beispielsweisedem Hängen an einer Hubschrauber Leiter und Sprün-gen von einer Klippe.Vor allem erinnert sie sich an die Kampfszene mit Cheryl im Schlamm. Konkurrenz in der Welt der Stunts: Ihr Eintritt in die von Machtkämpfen geprägte Welt der Stunts kam nicht von heute auf morgen. “Es ist harte Arbeit”, sagt sie. Sie bekam ihre Stunt-Auftritte durch, wie sie sagt, “Verbindungen, Gespräche, Politik und Hingabe. Es ist ein sehr, sehr schwieriges Terrain für Einsteiger, weil es so eine kleine, fest zusammenhängende Gruppe ist, die alles unter sich aufteilt.” “Ich sage euch, der einzige Grund, weshalb ich mich heute für eine Stuntfrau halten darf, ist meine Goldmedaille. Es ist meine Eintrittskarte, mein Fuß in der Tür. Auf dieser Basis unterhalten sich die Leute mit mir und denken: “Ja, vielleicht können wir sie gebrauchen.”

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Eigenwille der Stunt-Koordinatoren
Sie versteht den skeptischen Blick, den viele Stunt-Koordinatoren unbekannten Stuntmen gegenüber aufsetzen: “Wenn sie jemand unbekanntes anheuern, gehen auch sie ein Risiko ein”, sagt sie. Sie glaubt allerdings, daß sie, aufgrund ihrer Hingabe und ihrem Willen zu lernen, die Verantwortlichen nicht enttäuscht. “Wäre ich nicht so vielseitig, dann wäre es sehr schwierig für mich, Kampfszenen zu machen, denn vor der Kamera ist es ganz anders als sonst.” Dana Hee ist nicht nur eine sehr gute Kämpferin auf der Leinwand, sondern sie bereitet sich auch sehr hart auf die sonstige Arbeit im Stuntbereich. Sie springt Trampolin, geht mit den anderen Stuntleuten aus und trainiert Stürze von hohen Gebäuden, Autofahren und reiten.

Die Arbeit eines Tages
Hees jahrelange Reitpraxis mache sich in dem film “Time Master” bezahlt. Sie erinnert sich: “In einer Szene war ich gefesselt, wurde zu Boden geschlagen und von einem Pferd bedrängt. In einer anderen Szene kam dieser Typ mit dem Pferd auf mich zu und trat mich mit voller Kraft, so daß ich nach hinten umgefallen bin. Auch wenn dies Situationen sind, die normale Menschen nicht gerade als angenehm empfinden mögen, lacht Dana Hee bei diesen Erzählungen. In einem Werbespot für Buick zog sie einen Ninja-Anzug an und seilte sich vom San Jose Civic Center ab. “Das war der helle Wahnsinn: Ich mußte mich einfach fallenlassen. Ungefähr 20 Meter vor dem Boden konnte ich dann abbremsen.”Sie beschreibt ihre typische Arbeit wie sie sie erst kürzlich in “Stranger by Night” erledigt hat: “Es war fantastisch, ich wurde verprügelt und geworfen, es hat viel Spaß gemacht.”

Brennender Mann
In dem Video “Johnny Mnemonic” hat sie nochmal mit James Lew zusammengearbeitet. Dafür hat sie nicht nur die Basisbewegungen des Capoeira gelernt, sondern drehte auch eine Szene mit, in der ein Stuntman angezündet wurde. Sie und Lew mußten auf die Plattform klettern, wo sie den brennenden Mann mit einem Kick abschüttelte. “Die Flammen züngelten einen halben Meter von seinem Körper weg. Ich mußte voll durchtreten. Danach hat auch meine Hose gebrannt. Also habe ich das Feuer ausgeklopft und weitergemacht.” „Ich liebe die Gefahr“: An diesem Punkt muß man fragen, ob sie ihren Körper gerne dieser Art von Gefahr aussetzt: “Oh, ich liebe es”, sagt sie ohne zu zögern. “Ich mag die Herausforderung.” So gesehen ist sie im richtigen Geschäft.

Terminal Velocity

Letzte Besprechung: Dana Hee (r.) bespricht eine Szene mit Natassja Kinski zu „Terminal Velocity“

„Terminal Velocity“
In den Film “Terminal Victory” mit Charlie Sheen und Nastassja Kinski zeigte Hee noch einmal mehr ihr Können, indem sie Kinski doubelte. “Da war eine zwei Meter hohe Mauer, über die wir, Kopf voraus, springen mußten. Auf der anderen Seite rollten wir uns ab und rannten weiter.” Obwohl es eine kleine Rampe gab, war das eine beachtliche Leistung.

Großes Gefahrenpotential
“Beim ersten Versuch blieb mein Partner mit seiner Jacke hängen, er dachte: “Schande, das Mädel packt es und ich bleibe hängen.” Die Stuntarbeit beinhaltet ein großes Gefahrenpotential, nur um die Zuschauer an die Sessel zu fesseln. Trotzdem erinnert sich Dana an den die Dreharbeiten zu “The Pack”. Sie und ein Stuntman doubelten ein Liebespaar, das sich das Leben nehmen will. Sie fallen Hand in Hand durch eine Glastür, dann über den Balkonrand, bis sie zwei Stockwerke tiefer aufkommen. “Das war echt lustig”, meint sie. Bescheidenheit: Hee ist sehr bescheiden, wenn es um ihre Position in der Filmindustrie geht: “Manchmal gefällt es den Schauspielerinnen nicht, wenn ich Dinge tue, die sie nicht tun können. Dann sage ich ihnen, daß ich dazu da bin, sie besser aussehen zu lassen, denn der zuschauer sieht nur einen fantastischen Stunt und denkt, sie hätten es getan.”

Momente, in denen man alles geben muß
Allerdings gibt sie zu, daß sie nach den meisten Auftritten irgendwo Schmerzen hat, trotzdem macht sie in ihrer Karriere große Schritte. “Es muß so aussehen, als zerstört man seinen Körper, ohne ihn wirklich zu zerstören”, philosophiert sie. “Natürlich gibt es Momente, in denen man alles geben und es den Körper auch spüren lassen muß. Es ist wie beim Kämpfen: Du bist vorbereitet, aber sobald es losgeht, gibst du alles.” Willenstark: Während man sich über Hees masochistische Ader wundert, wird man feststellen, das sie eine der willensstärksten und Stuntfrauen ist. Sie hat ihren zielorientierten Einsatz, der ihr zu ihrer Goldmedaille verholfen hat, auf einen neuen Aspekt konzentriert: Hollywood Stuntwork.

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Verfasst von Scott Schaw.
Dieser Artikel erschien in der Kick Ausgabe August 1995.

James Lew Film

James Lew

James Lew wuchs in South Central Los Angeles auf, wo er mit dem koreanischen Karate begann als er die Unterstufe der Highschool besuchte. Später begann er mit dem kampforientierten Kung Fu Stil Choy Lay Fut, das er von einem ehemaligen Mitglied der Green Barets der US-Army lernte. Darauf folgten so exotische Stile wie „White Eyebrow“ und „Five Animal“ Kung Fu. Die unterschiedlichen Techniken und Voraussetzungen in diesen Stilen brachten Lew eine gute Basis für die schwierigen Anforderungen bei künftigen Engagements im Filmgeschäft.

James Lew sword

In „Red Sun Rising“ spielt Lew „Jaho,“ den Gegen-spieler zum Hauptdarsteller Don Wilson




Seinen Erfolg im Kampfsport und in der Filmindustrie führt Lew nicht nur auf sein facettenreiches Training zurück. Vor allem seine guten Kontakte zu den großen amerikanischen Budozeitschriften „Inside Kung Fu“ und „Inside Karate“ hält er für gleichermaßen wichtig. Durch diese journalistische Beziehung zum Sport hatte er schon früh Kontakt mit Fach-Größen wie Joe Lewis und Jackie Chan schließen können. „Ich habe damals allen Großen die Hand geschüttelt, die in die Redaktion kamen. So konnte ich von allen ein wenig lernen,“ erklärt er den Ausgangspunkt für seinen späteren Erfolg im Showbusiness.

Erste Rolle in „Kung Fu“
Seinen Einstieg ins Filmgeschäft schaffte Lew, als 1972 ein offener Aufruf für die Besetzung einiger Rollen in der bekannten TV-Serie „Kung Fu“ mit David Carradine veröffentlicht wurde. Er bewarb sich, und spielte über mehrere Jahre unterschiedliche Rollen in der Serie. Er kam meistens dann zum Zuge, wenn Expertenkentnisse in allen Bereichen den Kämpfens verlangt wurden. Meistens war es für die Rollen notwendig, eine Maske zu tragen, und so erinnert er sich noch heute an die strapaziösen Tage; „Am Ende eines Drehs zogen wir die Maske ab und legten sie mit der Öffnung nach oben. Als der Schweiß sich sammelte, hätte man damit eine Kaffeetasse füllen können.“

Zahlreiche Wiederholungen
Die Serie schrieb als eine der ersten denkwürdigen Episoden-werke Fernsehgeschichte. Bis heute erfreut sich „Kung Fu“ großer Beliebtheit, zahlreiche Wiederholungen in vielen unterschiedlichen Ländern sprechen selbst nach zwanzig Jahren für die Bedeutung als Serie und als Promoter für den Kampfsport im positiven Sinn. Ein wichtiger Grund für den Erfolg war vor allem der für seine Zeit ungewöhnlich hohe Produktionsstandart und das Können der Schauspieler.

James Lew Film

Im Film „Hot Shots 2“ lieferte James Lew Hauptdarsteller Charlie Sheen einen „denkwürdigen“ Kampf .

Fight Scene Fanatic
Nachdem Lews Arbeit bei „Kung Fu“ beendet war, erhielt er zahlreiche Anfragen, Rollen bei Kampfszenen in Fernseh- und Kinoprojekten zu bekleiden. Das brachte ihn schließlich auf den Plan, sich tiefer in komplizierte Stuntarbeiten zu stürzen. Er schloß sich dem Verband für Stuntman an, der ihm ein einträgliches Einkommen in dieser Branche garantierte. „Als Kampfsportler erhielt ich viele Angebote, als Stuntman zu arbeiten,“ erinnert sich Lew an seinen Einstieg. „Zu dieser Zeit hatte ich ohnehin keine Ambitionen, Schauspieler werden zu wollen. Ich dachte, es wäre einfach toll, in Kampfszenen mitzuwirken und dafür bezahlt zu werden. Es war ein völlig natürlicher Schritt für mich.“
Mit der Zeit hatte Lew sich als Stuntman etabliert. Nun begann er einen Weg zu gehen, den nur ganz wenige Kampfsportler und Stuntman zu gehen wagen: Er lernte die Schauspielerei von der Pike auf. Aus dem kombinierten Training als Stuntman und Schauspieler folgerte er, „ Ich glaube, daß ich immer im Stuntgeschäft tätig sein werde. Es gefällt mir. Aber jetzt, wo ich über viele Jahre Schauspielen erlernt habe, glaube ich, beide Seiten in einer völlig neuen Dimension vereinen zu können. Ich werde ein Action-Actor (Schauspieler).“ Von diesem Selbstverständnis ausgehend begann Lew, als die Low-Budget Produktionen mit Kampfsportthemen Konjunktur hatten, in zahlreichen Filmen mitzuwirken. Dabei mimte er u.a. in „Ninja Turf“ mit Philipp Rhee („Best of the Best“), „Ninja Academy“ und „Young Dragon“ mit; letzterer wurde in Taiwan gedreht.

Erfahrungen in Taiwan
„Die beste Erfahrung in meinem Leben war die Arbeit in Taiwan,“ sagt er im Hinblick auf den Stil der vor allem in Hong Kong Verbreitung findet. „Es ist ein völlig anderer Stil mit einem ganz anderen Rhythmus als für das realistische Darstellen von Kämpfen. Das sensationelle im Kampf ist gefragt, und daher kommt es mehr auf die Perfektion der Techniken als auf Kamerawinkel an. Außerdem gibt es hier fünfzig Techniken in einer Szene, für die man im Westen nur zehn Techniken verwenden würde. Man kann über diese Szenen lachen, aber sie sind äußerst schwierig zu drehen und man muß dabei jede Menge Schweiß lassen.“

Sichere Perfektion
Als ein ehemals sehr erfolgreicher Formenläufer glaubt Lew, daß seine Wettkampfbasis den entscheidenden Ausschlag für seinen Erfolg im Business gegeben hat, und ihn somit den Übergang vom „wirklichen Kampfsport“ zum „simulierten Kampf“ erleichterte. „Im Formenwettkampf muß man sich seiner Perfektion sicher sein. Mit diesem Hintergrund kommt auf der Leinwand vieles deutlich sauberer heraus. So war es auch bei Bruce Lee. Viele Leute wissen es nicht, aber er hat viel Zeit mit dem Training der traditionellen Kung Fu Formen verbracht. Später hat er sie hinter sich gelassen, aber er hatte das Training und das entscheidende Wissen daraus in seinem Repertoire.“

James Lew

Jahrelanges Training ist deutlich sichtbar und zahlt sich aus.

Durchbruch mit „Big Trouble“
Neben der Schauspielerei betätigt sich Lew als Produzent und Fight Choreograph. In diesen Tätigkeiten wirkte er u.a. in einem der ausgeklügeltesten Martial-Arts-Streifen aller Zeiten mit, „Big Trouble in Little China“ von John Carpenter. Diesen Job erhielt er, als er bei Starregisseur Carpenter vorsprach und seine Referenzen darlegte. Lew war von der Arbeit zu diesem Film sehr begeistert. Erstmals hatte er durch das enorm hohe Budget der Produktion die Möglichkeit, jeden Drehort im Vorfeld zu bereisen, um so die Kampf- und Stuntszenen optimal vorbereiten und koordinieren zu können. Ausserdem konnte er Einfluß auf die Requisiten und Drehutensilien ausüben, so daß die Kämpfe später besonders spektakulär in Szene gesetzt werden konnten. Die Vorbereitungen für die einzelnen Szenen für „Big Trouble in Little China“ wurden sehr aufwendig betrieben. Für jede Kameraeinstellung wurden eigene „Storyboards“ (Zeichnungen) angefertigt, damit alles beim Dreh so eingefangen werden konnte, wie er es sich vorgestellt hatte. „Wenn ich zu John Carpenter gegangen wäre, und ihm erklärt hätte, daß ein bestimmter Darsteller einen zweifach gesprungenen Drehkick ausüben würde, hätte er mich wahrscheinlich nicht verstanden. So zeigte ich ihm einfach die Storyboards und er verstand sofort, so daß wir die Szenen mit gleichen Voraussetzungen vorbereiten konnten.“ Zusammen mit anderen Enthusiasten seines Arbeitsfeldes glaubt Lew, daß „Big Trouble in Little China“ trotz des mäßigen Publikumserfolges seiner Zeit weit voraus war. „Wenn der Film heute herauskommen würde, wäre er ein großer Erfolg.“

Leitfaden „Action-Actor“
Bei Drehschluß zu Carpenters Produktion hielt Lew seinem Leitfaden, ein „Action-Actor“ zu werden, die Treue. Er arbeitete u.a. an „Hot Shots – der zweite Versuch“ (siehe KICK 4/94), eine Arbeit, die er als die lustigste Sache seines Lebens beschreibt: „jeder am Set hatte soviel Spaß.“ Obwohl Lew eine durchaus denkwürdige Kampfszene mit Hauptdarsteller Charlie Sheen bestritt, war das Ergattern der Rolle für ihn gar nicht so einfach. „Ich ging zum Vorsprechen und der Regisseur Jim Abrams mochte mich auf Anhieb. Er sagte, er wollte mich irgendwie einbauen. Das erzählte ich dann meinem Manager, der daraufhin die Verantwortliche der Besetzungsfirma anrief, um alles klarzumachen. Die sagte ihm, ich sei nichts weiter als nur ein Stuntman, und sie würde für mich nicht das hohe Schauspielerhono-rar zahlen wollen. Mein Manager entgegnete, daß sie sich dann einen anderen als mich suchen müsse. Jim Abrams wollte mich aber wirklich, so mußte sich die Dame später doch auf mich als Schauspieler einlassen.“

Kämpfer haben einen schlechten Ruf in Hollywood
Man muß wissen, daß Darsteller aus Kampfsportkreisen und Stuntleute in Hollywood keinen besonders hohes Ansehen ge-nießen. Man hält sie nur für minderwertige, schlechte Schauspieler, die im Prinzip nur schlagen und treten können. Dazu Lew: „Ich muß sagen, daß diese Einstellung meine Karriere stark beeinträchtigt hat, denn die Leute wissen, daß ich als Kampfsportler und Stuntman angefangen habe. Wer zuvor als Kellner gearbeitet hat muß nicht mit solchen Vorurteilen kämpfen. Er kann von heute auf morgen ein glaubwürdiger Darsteller sein. Als Martial Artist hat man jedoch gleich den Ruf weg, ein schlechter Schauspieler zu sein.“ Mit ein wenig Glück werden die Verantwortlichen in den Produktionsbüros das wahre Talent des ehemaligen Formenchampions erkennen, und ihn nicht mehr mit seinen schlechten Kollegen vergleichen.

Strapazen mit Jeff Speakman
Der Weg zum „Action-Actor“ begleitete ihn auf der nächsten Stufe durch den Jeff Speakman Thriller „Die perfekte Waffe“, den Film, der ihm bislang das härteste Arbeitspensum abgefordert hat. In diesem Streifen gab es eine Kampfszene, an der über eine Woche gedreht wurde. „Wir machten es immer wieder, jedesmal mit neuen Kameraeinstellungen. Wir waren völlig ausgebrannt.“ Sogar die Mitglieder der Aufnahmemannschaft konnten kaum glauben, daß Lew diese Strapazen durchgestanden hat. Ungläubig fragten sie ihn „wie oft kannst Du überhaupt kicken.“

Gegenspieler: Steven Seagal und Van Damme
In „Brennendes Eis“ kämpfte Lew nicht nur mit dem Hauptdarsteller Steven Seagal, sondern koordinierte auf dessen Bitte hin eine Kampfszene, als der eigentliche Verantwortliche zu einem anderen Drehort bestellt wurde. Mit dem Bewußtsein um Seagals Ruf in der Martial Arts Szene als ein gnadenloser Kämpfer in Zweikämpfen auf der Leinwand, beschreibt er die Arbeit des Superstars wie folgt: „Es war ungemein schwer die Szene in den Kasten zu bekommen. Das rührt daher, daß er in seinen Filmes einen nahen Bezug zur Realität herstellen will. Alles ist echt, also gibt es richtige Treffer, und die können schmerzen. Ich habe gehört, daß Fighter bei seinen Filmen verletzt wurden. Er glaubt, daß das daran liegt, daß sie nicht schnell genug reagieren. Also versuchte ich alles daran zu setzen, nicht getroffen zu werden. Das gefiel ihm sehr.“
Im folgenden spielte Lew in „Time Cop“ in einer Messerkampfszene den Kontrahenten für Superstar Jean-Claude Van Damme. Jeder-man weiß, ein schwer verletzter Stuntman erhielt von Van Damme nach den Dreharbeiten zu „Cyborg“ eine sechsstellige Summe Schadenersatz für den Verlust seines Sehvermögens auf einem Auge, und so plante Lew für seine Szene einen kleinen Gag ein. Er wollte zu Beginn des Messer-kampfes eine Schutzbrille anziehen, den Ex-Belgier in die Augen schauen und sagen: „O.K., jetzt können wir anfangen.“ Aus Zeitgründen mußte er sein lustiges Vorhaben auslassen. Die Drehar-beiten hinkten stark hinter dem Plan her. „Mal sehen, ob Jean-Claude darüber lacht, wenn er es liest,“ grinst er dem Reporter zu.

Es gibt viele Stuntleute, die Van Damme aufgrund seiner exzessiven Härte kritisieren, doch James hat bei seiner Arbeit nichts Wahres daran finden können. „Er war sehr auf Sicherheit bedacht, sehr bemüht, nicht zu treffen.“ Obwohl er viele Anfragen für Stuntaufträge bekommt, hat Lew einen Punkt erreicht, der es ihm gestattet diese Offerten abzulehnen, um sich voll auf die Schauspielerei zu konzentrieren, obwohl „es mir wirtschaftlich schadet. Es fällt mir schwer das Geld abzulehnen Aber man muß Zugeständnisse machen, wenn man vorwärts kommen will.“ Lew, der zur jeder Gelegenheit Schauspielunterricht nimmt, vergleicht das Filmgeschäft nur allzu gerne mit den Martial Arts: „Wenn man einmal angefangen hat, und den ersten Erfolg sieht, will man sich verbessern. Man will einen Sprung oder eine Drehung zum Kick einbauen. Wenn es beim Film einen Schwarzgurt gebe, würde ich ihn machen.“

Eigene Philosophie
Lews Philosophie zum Darstellen führt ihn zu der Überlegung, daß es „ besser ist, einen Charakter seiner Stärke als seiner Schwäche wegen darzustellen. Wenn jemand an die Rolle, die er bekleidet, glaubt, ist die Wirkung viel stärker. Dieses Selbstvertrauen ist das Wichtigste, das ich in meine Rollen einbringen muß.“ Wenn man seine Rolle des „Jaho“ in Don Wilsons „Red Sun Rising“ (Videostart in Deutschland: Mai 1995) kann man ihn durchaus zum Erreichen seines Ziels beglückwünschen. „Mir gefällt es, den Bösewicht zu spielen. Je größer der Held, desto größer die Herausforderung. In diesem Film wird meine Rolle übergroß projiziert. Wenn man sich die großen Filme anschaut, stellt man schnell fest, daß großartigste Bösewichte auftauchen. Man braucht sich nur „Terminator“ oder „Darth Vader“ in „Krieg der Sterne“ ansehen.

Fehler sind für immer
James Lew hat im Action Film sein ersten Akzente gesetzt. Mit dem Fortgang seiner Karriere wird er in diesem Genre weiter an Bekanntheit und an Beliebtheit gewinnen. Doch obwohl die Zeichen auf Erfolg stehen, bleibt Lew mit beiden Beinen fest auf dem Bo-den: „Das Geschäft ist sehr hart. Der einzige Weg, das zu überstehen, besteht darin, allem das Positive abzugewinnen. Man kann es nichtnur machen, weil man Geld verdienen oder berühmt werden will. Nur wenn einem gefällt, was man macht, schlägt es auf die Arbeit mit Erfolg durch. Man muß bedenken, daß alles, was man im Filmgeschäft anfängt, für alle Zeit auf dem Bildschirm verewigt wird. Das gilt auch für Fehler. Darum bemühe ich mich, mein Bestes zu geben – immer!“

Eric Lee Cover

Ausgabe 07/1995 mit Eric Lee

Diese Reportage über den amerikanischen Stuntman und Martial Arts Star wurde in der Ausgbabe 07/1995 veröffentlicht.
Text: Scott Shaw

Karate Fumio Demura

Die Fumio Demura Story

Fumio Demura Karate

Mit dieser Vorführung begeisterte Fumio Demura 1973 die Zuschauer bei der Martial Arts Expo in der Los Angeles Sports Arena.

Amerikas erster Karate Showman

Als Jugendlicher war Meister Fumio Demura so schüchtern, daß er nicht sprechen konnte, ohne zu stottern. Auf Grund dieser Tatsache und seiner körperlichen Schwäche fiel er bei seiner ersten Weißgurtprüfung durch. Heute gilt er als der erste professionelle Kampfkunst-Unterhalter und als einer der besten Techniker der Welt. Hier seine provokative Geschichte:

Ein Spitzentechniker, ein Kampfkünstler, ein dynamischer Showmann, der Sensei schlechthin – diese und andere Bezeichnungen der Superlative werden mit dem Karate-Meister Fumio Demura aus Santa Ana in Kalifornien gleichgesetzt. Er zählt vor allem zu den besten Lehrern und Waffen-Experten Amerikas. Für viele hochgraduierte Schwarzgurte ist er die letzte Instanz – warum? Weil er und seine Gruppe bereits seit 1969 etliche Tausend Vorführungen an verschiedenen bekannten Touristenattraktionen Amerikas gegeben haben. Darüber hinaus war Meister Demura der erste professionelle Karateka in Amerika, wenn nicht auf der ganzen Welt. Er war der erste, der Licht, Musik, Kostüme und Schauspielerei mit Kampfkunstdemonstrationen verknüpft hat. Vor seinen Veränderungen beinhalteten Karate-Demos nur Bruchtests und langweilige Selbstverteidigungs-Vorführungen. Meister Demura brachte die Kampfkünste ins Showgeschäft ein.
Meister Demuras Karate- und Samurai-Shows beinhalten Humor, aber es ist trotz allem seine exzellente Karate-Basis, die die Zuschauer von den Stühlen reißt. Sein Markenzeichen sind sein unheimlich präziser Fauststoß und sein Front-Kick, den er seinen Gegnern ans Kinn setzt. Dies ist die klassische Pose, mit der Demura in Verbindung gebracht wird. Und sie begeisterte die Leute so sehr, daß sie mehr Nachahmer fand als Elvis Presley in der Musik-Industrie. Allerdings erreichen sie nicht einmal annähernd das Niveau von Demura. Seine Vorführungen bescherten ihm Einladungen nach Kanada, Mexico, Honduras, Guatemala, Frankreich, Deutschland, England und in den berühmten Budokan in Japan. In Kampfkunstkreisen ist Fumio Demura mindestens ebenso bekannt für die etlichen Bücher, die er über Selbstverteidigung und okinawanische Waffenkampfkunst geschrieben hat.



Ein schwaches Kind
Demura kam 1940 in Yokohama/ Japan zur Welt. Sein Vater, ein Seidenimporteur, schickte ihn ins Kendo-Training unter Meister Asano, der auch Karate unterrichtete. Sein Vater hatte für Karate nicht viel übrig, hielt aber viel von Kendo und Judo. Der junge Fumio bekam so seinen ersten Einblick in die Kampfkünste. Als Asano die Stadt verließ, nahm Demura Unterricht bei Ryusho Sakagami, der heute noch sein Lehrer ist. Er lernte bei ihm Shito Ryu Karate und Iai-Do. Weder Karate, noch Kendo oder Iai-Do fiel Demura anfangs leicht – kaum zu glauben, wenn man heute sein ausgezeichnetes Niveau sieht.

Bruce Lee with Paul Newman

Fumio zusammen mit Bruce Lee und Paul Newman

Training in Japan
Damals war das Training sehr hart, weil wir sehr viel Basis geübt ha-ben. Ich habe drei mal in der Woche trainiert, fünf Stunden am Tag. Oft kam ich erst nach Mitternacht nach Hause. Kurz nachdem er an die Universität kam, lernte Demura den legendären Kenshin Taira kennen, einen Lehrer für Kongou-Ryu-Kobudo. “Er unterrichtete mich in all den traditionellen Waffen”, sagt Demura, “und er hat viele Kampfkünstler beeinflußt, weil er viel gereist ist”.

Frühe Rückschläge
1961 nahm Demura erstmals an einem Karate-Turnier teil und wurde sogleich All-Japan-Karate-Champion. Das war das erste Turnier, bei dem Shotokan-, Guju-Ryu-, Wado-Ryu- und Shito-Ryu-Stilisten aufeinandertrafen. “Alle Großen waren da”, erinnert sich Demura: “Mikami, Kanazawa, Yoshitake und Kotaka. Ich war sehr nervös, da ich nur einmal an einem kleineren Turnier teilgenommen hatte”. Bei seiner ersten Gürtelprüfung ging es ihm nicht anders, denn, wie er heute zugibt, ist er einmal bei seiner Weißgurtprüfung durchgefallen. “Das hat mich dann so geärgert, daß ich mir Ziele gesetzt habe, und die habe ich dann erreicht. Heute bin ich froh darüber, denn so habe ich viel gelernt.” Nachdem er das große Turnier gewonnen hatte, reiste er oft nach Okinawa, um dort bei Chosin Chibana zu trainieren.

Karate Fumio Demura

Fumio Demura bei einer seinen Demos (Mitte)

Ein folgenreiches Treffen
1963 trat Demura bei einer Gala auf, in deren Rahmen die bekanntesten Meister ihr Können zeigten. Einer der Zuschauer war Dan Ivan, der mit Demuras Freund Don Draeger befreundet war. “Als ich Demura sah, dachte ich, das ist der schnellste Karateka, den ich je gesehen habe. Don machte uns miteinander bekannt, und so begann unsere Freundschaft”, erinnert sich Ivan. Doch was war der Unterschied zwischen Demura und den anderen Meistern? Dan Ivan: “Es waren dieselben Punkte, die ihn heute auszeichnen: Seine Kraft, seine Präzision…, Man sieht, sobald er sich bewegt, daß er ein ausgezeichneter Karateka ist. Das hat mich damals beeindruckt. Er ist so vielseitig: Formen, Waffen, Kampf. Ich habe damals viele Karateka gesehen, aber keiner kam an ihn `ran.” Ivan begann sodann, regelmäßig unter Demura zu trainieren.

All Japan Karate Champion Demura

1961: Fumio Demura präsentiert die Siegertrophäe der All Japan Championships

Amerika
Selbst als Dan Ivan Demura nach Amerika einlud, um dort ständig Karate zu unterrichten, dachte er noch nicht daran, hauptberuflich zu unterrichten. “Ich hätte nie gedacht, daß ich vom Karate leben könnte”, sagt er. “Selbst während der ersten Jahre in Amerika habe ich nicht daran gedacht. Ich ging zurück nach Japan und kam dann wieder nach Amerika. Dann entschloß ich mich dazu, hauptberuflich zu unterrichten.” Der Rest ist Geschichte. Demura und Ivan hielten ihre Partnerschaft 20 Jahre lang aufrecht. Sie trennten sich erst, als Ivan eine eigene Filmgesellschaft gründete. Ab dem Moment, in dem die beiden sich zusammentaten, blühte das Geschäft. 300 aktive Schüler trainierten in ihrem Central-Dojo in Santa Ana im sonnigen Kalifornien. Sie hatten mehr als 20 Dojos in Kalifornien und Filialen in ganz Amerika.

Kulturschock
Meister Demuras Übersiedlung in die Vereinigten Staaten brachte auch Probleme mit sich: Neben den Schwierigkeiten, sich der neuen Kultur anzupassen, hatte er mit der englischen Sprache zu Kämpfen. “Ich lag zwei Tage lang heulend im Bett, weil es so schwer war, mit anderen zu kommunizieren. Selbst heute finde ich nicht immer die richtigen Worte”, gibt er zu. Doch etwas fiel ihm leicht: Das zu tun, was er am besten konnte: Karate. Dadurch wurde er in der gesamten amerikanischen Szene bekannt. Dan Ivan erzählt, wie es dazu kam: “Einer unserer Danträger arbeitete in einem Freizeitpark. Die suchten Leute für neue Vorführungen. Und so machten wir dort jedes Wochenende unsere Show.”

Kritiker und Neider
“Natürlich hatten wir auch Kritiker, die sagten, wir würden die Kampfkünste mißbrauchen. Heute würde kein Hahn danach krähen, aber damals war das etwas anderes”, erklärt Ivan. Diese Shows waren die ersten in Amerika, die professionell aufgezogen waren. Es wurde Licht und Musik verwendet, und durch Kostüme und Schauspielerei wurde das angereichert, was sonst nur eine normale Karate-Vorführung gewesen währe. Und dann kam ein Wendepunkt im Leben des Senseis: “1970 kam meine Mutter nach Amerika und sah meine Vorführung. Ich bekam viel Applaus und meine Mutter war begeistert. Sie gab mir noch mehr Selbstbewußtsein. Nachdem wir uns unterhalten hatten, wurde mir klar: Wenn du von den Leuten Geld nimmst, mußt du ihnen etwas dafür geben. Als Entertainer muß ich also eine gute Show machen. Und es scheint den Leuten zu gefallen, denn sonst würden sie nicht wieder kommen und bezahlen. Das gab mir viel Selbstbewußtsein”, sagt er heute.

TJ Roberts mit F. Demura

Demura arbeitet mit dem Nachwuchs: Hier mit T.J. Roberts

Kritiker verstummen
Nachdem Demura auch bei den Weltmeisterschaften der WUKO 1975 in Long Beach sein Können demonstriert hatte, verstummten die Kritiker. Sie hatten verstanden, daß es ihm lediglich darum ging, gutes Karate zu präsentieren. Demura und seine Gruppe hat über die Jahre hinweg sicher mehr Zuschauer erreicht als jeder seiner Nachahmer. Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, den Einfluß, den diese Demonstrationen auf die Entwicklung der Kampfkünste in der westlichen Welt hatten, richtig einzuschätzen. Wieviele Menschen mit dem Karate begonnen haben, nur weil sie Fumio Demura in Aktion gesehen haben, ist kaum zu schätzen. “Karate war immer gut für uns”, meint Dan Ivan, “weil wir so viel Zeit investiert haben. Vielleicht hat es sich nicht so ausgezahlt, wie ein anderes Geschäft, aber es lief ganz gut. Wir haben das Kapital, das wir über die Jahre angehäuft haben, ganz gut angelegt, vor allem im Immobilien- bereich. Daher steht Meister Demura recht gut da. Er ist finanziell unabhängig, er könnte also mit seiner Arbeit aufhören, wenn er wollte. Aber da sieht man seine Hingabe: Obwohl er es eigentlich nicht nötig hätte, unterrichtet er 99 Prozent seiner Kurse selbst. Kein anderer Lehrer mit diesem Status unterrichtet so viel oder ist noch so aktiv. Die meisten haben aufgehört oder die Arbeit an ihre Schüler delegiert”, meint Dan Ivan.

Eric Lee Cover

Ausgabe 07/1995 mit Eric Lee


Diese Reportage war einer der Leitartikel in der KICKillu Ausgabe Juli 1995.
Fotos: Archiv Demura