Rick Avery

Rick Avery: Das packende Leben Eines Black-Belt Stuntmasters

Rick Avery cover

Der Kampf um Erfolg und Ansehen im Filmgeschäft ist groß, vor der Kamera und dahinter. Neben den Spitzenverdienern sind bei Actionfilmen vor allem die Stuntmen für den Erfolg eines Filmes verantwortlich. Kampfsportpionier und Schwarzgurtträger Rick Avery ist einer der besten Stuntleute in Hollywood. In über 250 Filmen und Fernsehproduktionen hielt er seine Knochen für die Darsteller hin. Wie in einem guten Film wurde seine Karriere vor allem durch die Rückschläge geprägt. Sein Wille durchzuhalten führt er vor allem auf sein langjähriges Kampfsportraining zurück.

Unser US-Korrespondent John Corcoran führte mit dem erfolgreichen Stuntman das erste Interview, das in einem Kampfsportmagazin erscheint. Natürlich exklusiv in KICK – illustrierter Kampfsport.

KICK: Wo, wann und bei wem haben Sie mit dem Kampfsport begonnen ?

Avery: Ich begann 1968. Zu dieser Zeit war ich mit der Armee in Vicenza in Italien stationiert und lernte bei einem Mann namens Sergeant Dixon. Ich erinnere mich nur an seinen Nachnamen. Er war einer meiner Vorgesetzten. Sein Stil kam aus Korea und er brachte mir die Grundtechniken bei. Es war alles sehr formlos, wir hatten keine Anzüge oder sowas. Als ich die Armee 1969 verließ, schrieb ich mich bei der Schule eines Paul Wagner in Santa Barbara ein. Bei ihm lernte ich Kenpo. Nach drei Jahren, 1972, legte ich bei Joe Lewis erfolgreich die Prüfung zum schwarzen Gürtel ab. Ich mußte sogar mit Joe Lewis kämpfen, um die Prüfung zu bestehen. Oder sagen wir besser, ich mußte den Kampf mit ihm überleben! Es war interessant, denn in unserem System mußten wir bei dieser Prüfung gegen Schwarzgurte aus anderen Stilen kämpfen. Die Prüfer ließen auf einige Bewerber gleich drei oder vier Leute los, um sie müde zu machen.

Rick Avery with Ed Parker and Jeff Speakman

Rick Avery with Ed Parker and Jeff Speakman

Ich mußte nur gegen Joe kämpfen, aber ich mußte schnell feststellen, daß dies genauso war, als würde ich gegen drei unterschiedliche Leute kämpfen. Zunächst wich er mir ständig aus und machte mich damit müde. Ich konnte ihn kaum gefährden. Dann ließ er mich näher herankommen und blockte meine Angriffe, bis ich vor Erschöpfung auf meine Knie sank. Dann sagte er, „gut, jetzt bin ich der Angreifer.“ Mein Test endete damit, daß ich mit schlotternden Knien im Büro stand und meine Graduierung entgegennahm. Ich konnte kaum stehen, aber ich war heilfroh, überstanden zu haben. Joe war ein richtiger Gentleman und sehr höflich. Für mich war es eine außerordentliche Ehre.

KICK: Haben sie dann eine Karriere im Kampfsport vollzogen ?

Avery: Nach meinem Abschied von der Armee beendete ich meine Aus-bildung zum Englisch- und Sportlehrer. Sechs Monate vor dem Ende fragte mich mein Trainer Paul Wagner, ob ich seine Sportschule in Santa Barbara übernehmen wolle.Er wollte etwas anderes machen, und so ergriff ich damals noch als Braungurt die Chance. Er verkaufte mir seine Schule. Ich ging zur Handelsschule um die kaufmännische Seite zu lernen. Meine Mutter war empört über meinen Entschluß, denn mit der Schulübernahme mußte ich meine College-Ausbildung aufgeben. Dennoch war es eines der besten Dinge, die ich je unternommen habe. Ich war sehr erfolgreich und behielt das Dojo für satte 13 Jahre bis 1985.

KICK: Haben sie die Schule nicht einmal unter die Aufsicht von Joe Lewis gestellt ?

Avery: Zunächst lief die Schule unter Tracys Namen, dann ein Jahr als Joe Lewis Schule. Dann wurde ich unabhängig, um in erster Linie meinen eigenen Namen hervorzuheben. Schließlich schloß ich mich Ed Parker an, denn ich dachte, daß mein Stil seinem Kenpo sehr ähnelte. Ich ging in seine Schule und lernte, daß er nicht Wasser sondern Wein reichte. So blieb ich bis zu seinem Tod (1990) sein Schüler.

Rick Avery Karate

Rick Avery bei einem Sportkarate Turnier in Kalifornien

KICK: Wie sind Sie ins Showbusineß gekommen ?

Avery: Früher dachte ich, man müsse Trophäen gewinnen, um sie ins Schaufenster der Sportschule stellen zu müssen. Ich ging also auf Turniere, bis zu drei pro Wochenende. Ich kämpfte und lief Formen, mit und ohne Waffen. Ich machte einfach alles und war erfolgreich. Dabei gewann ich über 100 Titel und gelangte in die Rangliste des „Professional Karate“ Magazins. Bei einem Turnier traf ich dann einige Teilnehmer, die auch als Stuntman arbeiteten. Da man die selben Leute praktisch an jedem Wochenende bei einem Turnier traf, blieben Gespräche nicht aus, und ich begann mich für die Arbeit der Stuntman zu interessieren. Ich war schon immer sehr sportlich, begeisterte mich für Autorennen, Reiten und Motorräder. Wir freundeten uns an, und ich begann mit Ihnen zu trainieren. Zunächst übten wir richtiges Fallen, dann kam ein Seiltrick, der bei Schußszenen angewandt wird. In einer Szene wird man mit einer Schrotflinte aus kurzer Entfernung getroffen. Man wird dabei von einem Kabel, das am Rücken befestigt ist, nach hinten geschleudert. Nun, zu dieser Zeit hatten wir kein Geld für ein richtiges Kabel und eine Seilwinde. Wir nahmen einfach ein normales Seil, banden das eine Ende an einen Baum. Das andere Ende schnürten wir uns um die Hüfte, setzten uns auf ein Motorrad und gaben Gas – bis das Motorrad weg war, und man auf dem Boden saß (Lachen).

Jacky Chan

Kampf mit jacky Chan: "Auf dem Highway ist die Hölle los"

KICK: Sie müssen froh gewesen sein, daß sie sich nicht das Genick gebrochen haben ?

Avery: Das hätten wir auch um ein Haar. Das lustige an der Geschichte ist, daß wir auf dem Boden eine Stelle markiert hatten, auf der wir landen sollten, doch das gelang uns nicht. So haben wir unsere ersten Stunts gelernt.

KICK: Wer waren ihre Freunde, und waren sie erfolgreich in ihrem Geschäft ?

Avery: Die Leute, mit denen ich begann, waren Tom Elliot, der heute Tom Cruise doubelt, und Richard Eppner, ein Stuntman in der fünften Generation. Außerdem Steve Lambert, ein Kampfsportler, der seiner Zeit selbst erst anfing und James Lew, ein weiterer bekannter Kampfsportler, der zu dieser Zeit noch in den Anfängen steckte. Die Jungs lebten in Hollywood und hatten Erfolg, ich nicht. Ich versuchte über vier Jahre erfolglos eine Mitgliedschaft in der Schauspielerinnung zu erwirken.

KICK: Vier Jahre – in welchen Jahr haben sie begonnen ?

Avery: Ich begann 1972 oder 1973. Ich hatte keinen Erfolg, denn ich kannte die wichtigen Leute nicht. So gab ich zunächst auf, konzentrierte mich auf meine Schule und beabsichtigte, Polizist zu werden. Ich war schon immer ein Spätstarter, so kam auch meine spätes Interesse für den Beruf des Polizisten als ich schon 30 Jahre alt war. Ich war der älteste Anwärter in der Polizeiakademie von Ventura. Ich absovierte die Prüfung als Klassenbester und arbeitete in diesem Beruf fünf Jahre.

KICK: In dieser Zeit unterhielten sie aber weiterhin ihre Schule ?

Avery: Ja, ich hatte sogar schon zwei Schulen. Eine davon gab ich jedoch auf, da ich nicht genug Zeit hatte. Als ich Polizist war erhielt ich eines Tages, es war an Weihnachten, einen Anruf, daß ich ein Opfer eines Autoüberfalls an einem vereinbarten Treffpunkt aufsuchen sollte. Ich kam zum Ort, doch nieman war da. Als ich auf dem Revier anrief, sagte man, ich solle mich genauer umsehen, denn es sollte sich um John Travolta handeln, der zu dieser Zeit ein großer Star war.

KICK: War das schon nach seinem großen Filmerfolg „Saturday Night Fever“ ?

Avery: Ja, und kurz vor seinem nächsten Erfolg „Urban Cowboy.“ Er war sehr berühmt. Ich war ein großer Fan von ihm und so sagte ich, „nun, dann werde ich mich noch mal umschauen.“ Es ist schon toll, wie der Zufall einem mitspielen kann. Als ich um die nächste Ecke bog, stand da ein weisser Jaguar und John Travolta saß am Steuer. Ich verhörte ihn und er sagte, jemand wäre auf das Autodach gesprungen und hätte einen Scheibenwischer abgerissen. Er war verängstigt, und fragte nach Rat. Der Mann der ihn begleitete war kein Bodyguard, sondern nur ein Freund und ich sagte „vielleicht sollten sie sich einen Leibwächter anschaffen.“ Er fragte mich, ob ich einen guten kennen würde, und ich entgegnete: „Ja, ich selbst!“ Er verlangte nach meiner Visitenkarte und forderte mich auf, ihm einen Lebenslauf zuzusenden. Ich wußte noch nicht einmal, wie man einen Lebenslauf aufsetzte. Ich mußte meinen Schwager bitten, mir dabei zu helfen. Dann legte ich sie Johns Butler in seiner Ranch in Santa Barbara vor. Es verging dennoch ein gutes Jahr bis ich von ihm hörte. Sein Anwalt rief mich früh am Morgen an, und fragte, ob ich Johns Security übernehmen wolle. Wie ich später herausfand meldete er sich nur deswegen so spät, weil kurz nach unserem ersten Treffen seine Mutter und seine Freundin verstarben und er sich aus der Öffentlichkeit völlig zurückgezogen hatte. Zunächst dachte ich, er hätte mich vergessen. Doch dann erwies sich, daß er ein sehr ehrlicher Mensch ist. Er heuerte mich an. Zu diesem Zeitpunkt war ich für seine Sicherheit verantwortlich, arbeitete als Polizist und betrieb meine Karateschule. Ich arbeitete mindestens achtzig Stunden pro Woche. Glücklicherweise traf ich viele wichtige Leute in Hollywood, so z.B. einen Mann namens Hal Needham.

„Ich muß ihnen sagen, daß wirklich alles, was ich in meinem Leben gemacht habe, auf meinen Kampfsport zurückzuführen ist. Ich meine, ich kann zurückblicken und eine gerade Linie durch mein Leben ziehen, von dem Moment an, als ich die Prüfung zum Schwarzgurt bestanden habe.“

KICK: Hal Needham, die Stuntman-Legende ?

Avery: Ja, genau der. Sie drehten gerade einen Film mit Burt Reynolds in Santa Barbara. Ich besuchte Hal, um einen Job zu bekommen. In der Fachsprache nennt man es „Hustling,“ wenn ein ein Stuntman von Drehort zu Drehort geht und einen Job sucht. Hal war der Koordinator für die Stunts, und so stellte ich mich ihm vor. Er war sehr höflich und sprach mit mir. Er sagte, er habe alle Leute beisammen, doch er riet mir, am nächsten Tag wiederzukommen, was ich auch tat. Ich kam mit meinen Dienst-Motorrad. Ein Produktionsassistent kam zu mir und gab mir ein Funkgerät, Hal war am anderen Ende. Er fragte, ob ich Motorradfahren könne, und ich antwortete, daß ich bereits auf einem Motorrad sitze. Er schlug vor, meine Uniform gegen die Filmrequisiten umzutauschen und eine Begräbnisszene in diesem Film anzuführen. Ich machte mit und bekam einen Job bei Hal Needham, der einer der bekanntesten Stunt-Koordinatoren in der Geschichte des Films ist. Hal, damals Geschäftsführer von Stunts Limited, lud mich zum Essen ein, um mit mir über das Busineß zu reden. Ich folgte seiner Einladung. Er erklärte, daß er mir beim Einstieg ins Stuntgeschäft helfen würde, allerdings unter der Bedingung, daß ich nach Los Angeles ziehen müßte.
Zu diesem Zeit konnte ich diesen Schritt jedoch nicht vollziehen. Ich war verheiratet, hatte gerade ein Haus gekauft und hatte eine berufliche Verpflichtung. Ein Jahr später, 1979, aß ich mit einer Bediensteten von John Travolta zu Abend. Während unseres Mahls lief eine Fernsehsendung über Stuntman. Ich erzählte ihr über mein Absichten in diesem Job, und das ich nach einer Chance suchte. John selbst wußte nicht, daß ich an dieser Arbeit interessiert war. Ich wollte Johns Freundschaft nicht als Sprungbrett für meine Karriere benutzen. Später wußte ich, daß das Geschäft nur so funktioniert. Als ich am nächsten Abend mit John sprach, sagte er: „Du wirst ab sofort in all meinen Filmen mitspielen.“ Sein nächster Streifen war „Blow Out“ und ich war mit dabei.

KICK: Hat nicht Brian De Palma bei diesem Film Regie geführt ?

Avery: Richtig, es war ein großer Film mit 30 Millionen Dollar Budget. Ich mußte meinen Job bei der Polizei kündigen. Kurz danach traf ich Alan Gibbs, einem Musterschüler von Hal Needham. Er ist nicht nur der beste Stuntman, den ich kenne. Er ist der wichtigste Mann in meine Karriere als Stuntman. Ich lernte ihn bei den Dreharbeiten zu „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ kennen. Sechs Monate später eröffnete er sein eigenes Stuntteam, und ich war mit dabei. Ich arbeitete bei jedem seiner Filme mit, bis er vor fünf Jahren starb.

KICK: Warum bezeichnen sie Alan als den größten Stuntman aller Zeiten ?

Avery: Es ist nicht nur, daß er viele großartige Stunts absolvierte. Er war sehr kreativ, hatte viele neue Einfälle und war sehr mutig. Jetzt, fünf Jahre nach seinen Tod an einem Krebsleiden, frage ich mich oft, „wie hätte Alan dies gehandhabt ?“

KICK: Sind sie dann nach Los Angeles gezogen und die Karriereleiter nach oben geklettert ?

Avery: Ja. Ich habe meine Schule verkauft und immer intensiver gearbeitet. Es dauert gut acht Jahre, um als Stuntman bekannt zu werden. Wenn man gut arbeitet, wird man immer bekannter. Anstatt sich selbst um einen Job zu bemühen und umherzulaufen, wird man immer öfters angerufen. Mein Telefon begann, immer öfter zu klingeln. Alan gab mir meinen ersten Job als Stunt-Koordinator bei einer TV-Serie mit dem Titel „Our Family Honor“, die in New York gedreht wurde.

KICK: Haben sie nicht auch mit Jackie Chan im zweiten Teil von „Auf dem Highway ist die Hölle los“ gearbeitet ?

Avery: Ja, habe ich. Wir wurden Freunde. Als wir in Arizona gedreht haben, haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Dazu kam, daß Jacky unbedingt einen Leibwächter brauchte und so empfohl ich ihm einen meiner früheren Polizeikollegen. Er ist der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann. Man muß ihn einfach mögen. Dafür, daß er so erfolgreich ist, ist er sehr höflich. Das hat mir sehr imponiert.

KICK: Kurz vor unserem Interview haben sie gesagt, daß sie ihre Kampfsportqualitäten niemals dazu benutzt haben, um einen Job in diesem Geschäft zu bekommen.

Avery: Das ist richtig. Als ich meine ersten Jobs suchte, wollte ich unbedingt Autos zu Schrott fahren. Ich wollte Treppen stürzen und von Gebäuden fallen. Ich konnte es kaum abwarten, das erste Mal in Brand gesetzt zu werden. Ich wollte nicht, daß die Leute mich bloß engagieren, weil ich Karate konnte. So hielt ich meinen Mund. Später sah ich, daß Steve Lambert und James Lew mehr Jobs bekamen, weil sie sich auf Kampfsport spezialisiert hatten. Danach lernte ich, daß ich als Stunt-Koordinator für Kampfsportfilme die besten Möglichkeiten hatte, denn auch bei diesen Filmen gab es Autounfälle und ich konnte natürlich Kampfszenen koordinieren. Ich bekam mehr Aufträge und konnte ebenfalls meinen Hunger nach Action stillen. Ich habe mit Jean-Claude Van Damme und Chuck Norris gearbeitet und ich leitete die Aufnahmen für „3 Ninjas.“ In diesem Genre wurde ich immer erfolgreicher, was mir völlig neue Möglichkeiten eröffnete. Zufällig habe ich dann Jeff Speakman getroffen, mit dem ich drei Filme gemacht habe. Demnächst werde ich bei seinem neuen Film Regie führen.

stunt work

Arbeit als Stuntman mit John Travolta

KICK: Sie sind praktisch fließend zum Regisseur aufgestiegen ?

Avery: Ja, bei Speakmans letztem Film, „Der Experte.“ Und alles ohne sich einzuschleimen oder so. Zu Beginn der Dreharbeiten war ich nur Stunt-Koordinator und Leiter des zweiten Aufnahmeteams. Als es dann zu einem Streit zwischen dem Produzenten und dem Regisseur kam, bat man mich, den Film zu Ende zu führen. Dabei hatten wir gerade mal 25 Prozent im Kasten.

KICK: Ist es nicht sehr schwer, dort weiterzumachen, wo ein anderer Regisseur mit vielen Problemen gescheitert ist ?

Avery: Und ob. Es ist äußerst schwer, denn man hat überhaupt keine Vorbereitung und man muß mit den Visionen eines Fremden arbeiten. Wir waren hoffnungslos hinten im Zeitplan und dennoch haben wir den Film rechtzeitig abgedreht. Einige Löcher konnten wir wegen des Zeitmangels nicht vollständig füllen, doch wir waren stolz auf unsere Arbeit. Der Produzent war mit mir so zufrieden, daß er über einen weiteren Film sprach.

KICK: Wie hat der Kampfsport ihre Karriere beim Film beeinflußt?

Joe Lewis und Rick Avery

Rick Avery (l.) zusammen mit der amerikanischen Karate- und Kickboxlegende Joe Lewis. Bei Lewis legte er seine Prüfung zum Schwarzgurt ab, betrachtet die Prüfung als den wichtigsten Punkt in seinem Leben.

Avery: Ich muß ihnen sagen, daß wirklich alles, was ich in meinem Leben gemacht habe, auf meinen Kampfsport zurückzuführen ist. Ich meine, ich kann zurückblicken und eine gerade Linie durch mein Leben ziehen, von dem Moment an, als ich die Prüfung zum Schwarzgurt bestanden habe. Es waren vor allem das Selbstvertrauen und die Disziplin, die ich mir bei diesen Test angeeignet habe. Kampfsport ist, wie die Besteigung eines Berges. Man muß viele Hindernisse überwinden, um ein guter Kämpfer zu werden. Man muß sich selbst und andere respektieren lernen. All diese Dinge, die man braucht um ein Schwarzgurt zu werden, zahlen sich später im Leben aus. Und ich glaube, das sind auch die Dinge, die mir das notwendige Selbstvertrauen gegeben haben. Ich war vorher sehr schüchtern und ruhig. Das Training hat mir das Selbstvertrauen gegeben, vor den Augen anderer aufzutreten. Und es hat mir das Selbstvertrauen gegeben, um zu tun, was ich heute mache. Es war Joe Lewis, der mir die Einsicht in diese Notwendigkeit und den Glauben in meine Fähigkeiten gab. Um sich an ihre Leser zu wenden, möchte ich sagen, daß ich ein Beispiel dafür bin, daß Kampfsport einem sehr viel bringen kann. Ich habe dem Sport alles zu verdanken. Es gibt einem die Möglichkeit, sich ständig zu verbessern, egal, was man macht. Trainiert und werdet erfolgreich.

Kick 1995 Ausgabe 05 Ernie Reyes

Kick 1995 Ausgabe 05


Dieses Interview wurde in der Ausgabe 05/95 veroeffentlicht. Rick Avery betreibt eine eigene Website: www.hardknocks.tv.

Fighter News 1996-04

Agnes will Jeanette verhauen

Agnieszka Rylik

Weltmeisterin Agnes Rylik

Die junge Polin Agnieszka Rylik hat ein Angebot erhalten, in Berlin ihren Weltmeistertitel im Profi-Kickboxen (WAKO-PRO) gegen die Berlinerin Jeanette Witte zu verteidigen. Obwohl dies für Witte der erste Profikampf sein soll, wird die WAKO der Amateur-Weltmeisterin gleich die Chance geben um eine Profi-WM zu kämpfen. Ob der Kampf tatsächlich stattfindet, bleibt abzuwarten, denn das Angebot, mit dem WAKO-Präsident Ennio Falsoni an Rylik herantrat, lautet auf das Kampfdatum 31. April. „Lustiges Datum,“ meint Rylik-Manager Marek Frysz. „Jedes Kind weiß doch, daß der April nur 30 Tage hat.“

Hauptrolle für „Sugarfoot“?

Portraet

Peter Cunningham

Der große US-Kickbox-Star Peter Cunningham (siehe Interview in unserer letzten Ausgabe) arbeitet weiterhin an seinen Comebackplänen im Kick- und Thaiboxen. Doch vielleicht kommt ihm demnächst eine große Filmrolle dazwischen. Ende 1995 drehte er für den bekannten Action-Regisseur John Woo (arbeitete u.a. mit van Damme) einen Trailer für einen neuen Action-Streifen. Sollte der Probefilm den erhofften Anklang finden, wird Pete eine Hauptrolle bekommen. Die Verträge sind bereits unterschrieben.

Jubiläum für Vienna Open

Exenberger

Frity Exenberger (re)

Fritz Exenberger, Chef der bekannten Wiener Sportschule Octagon Gym und Organisator der Vienna Open Kickboxmeisterschaften feiert am zweiten Juni-Wochenende mit seinem großen Semi- und Vollkontakt-Turnier die zehnte Auflage. Anläßlich dieses Jubiläums hat er das rennomierte Budocenter im Süden der österreichischen Hauptstadt gleich für drei Tage gemietet.
Erstmals veranstaltet er im Rahmen des Turniers eine „Best of the Best“-Kategorie. Dem Sieger winkt ein Geldpreis in Höhe von 1.000 DM.

Emin Boztepe

Emin Boztepe

Botztepe schlägt Gracie

Diese Falschmeldung konnten Compuservenutzer im Januar im Martial Arts Forum des amerikanischen Internets lesen. Ein User aus Berlin hatte behauptet, daß der dreifache Gewinner der „Ultimate Fighting Championships,“ Royce Gracie ein Seminar in einer deutschen Sportschule gegeben hat. Anläßlich dieses Lehrgangs wurde er angeblich vom WT-Experten, an dem die US-Internet-User sonst kein gutes Haar lassen, aufgesucht und innerhalb von 10 Sekunden krankenhausreif geschlagen. Während sich die WT-Surfer über die Ente freuten, deckte ein Gracie-Intruktor die Falschmeldung auf: „Royce Gracie hat überhaupt kein Seminar in Berlin gegeben.“

Dan Inosanto kommt nach Deutschland

Dan Inosanto Seminar Germany

Dan Inosanto mit Udo Müller

Wer von Jeet Kune Do spricht, der kommt an einem Mann nicht vorbei: Dan Inosanto. Der kalifornische Meisterschüler des verstorbenen Bruce Lee und absolute Spitzenkönner in Sachen Kali wird auf Einladung des Speyrers Udo Müller an Pfingsten erneut zu einem großen Seminar nach Deutschland kommen. Nähere Informationen zu diesem Seminar kann man den Terminplänen und der Werbung in der Fachpresse entnehmen, oder direkt über die Sportakademie Udo Müller in Römerberg bei Speyer.

Jacky Chan in Rumble in the Bronx

Jackie Chan in „Rumble in the Bronx“

Jacky Chan in Rumble in the Bronx

Jacky Chan in Rumble in the Bronx

Die Vollendung des definitiven Action-Abenteuers kann Jacky Chan nicht in Hong Kong erreichen: Er versucht mit „Rumble in the Bronx“ zum fünften Mal mit einer US-Produktion die Herzen der Film- und Kampfsportfans zu erobern. Mit wagemutigen Stunts, schallender Komik und einer erfolgversprechenden Story spielt der Streifen ab Februar in den amerikanischen Kinos. Hier ein Vorgeschmack auf den neuen Film des mit dem „MTV-Lifetime-Award“ ausgezeichneten „Little Clint Eastwood“ aus der Fernostmetropole Hong Kong.

Jacky Chan punch

Als der Hong-Kong-Bulle Jackie Chan nach New York kommt, um der Hochzeitsfeier seines Onkels beizuwohnen, denkt er an ein wenig Entspannung, Sightseeing und im Familienbetrieb, einem Gemischtwarenhandel, auszuhelfen. Es hat ihm wohl jemand vergessen zu sagen, daß sich der Laden in der Süd-Bronx befindet, wo gewalttätige Straßengangs regieren. Inmitten der Auseinandersetzungen beweist Chan den Gangs, daß man sich mit ihm besser nicht anlegen sollte.
Jackie Chan kam die Idee zu „Rumble in the Bronx“ als er vor 16 Jahren zu den Dreharbeiten von „The Big Brawl,“ seiner ersten westlichen Produktion, erstmals in den Staaten drehte. „Nachdem der Film abgedreht war, blieb ich um Englisch zu lernen. Dabei bekam ich die Idee für einen Film, in dem ich einen chinesichen Studenten spielen würde, der nach Amerika kommt und sich mit Gangs auseinandersetzen muß,“ erinnert Chan sich an seine ersten Einfälle. „Als ich die Idee meinem Boß darlegte, sagte er nur, daß ich ständig zu lange drehen würde und das Budget strapaziere. In Amerika würde man mir das nicht erlauben. Einige Jahre später kam ‘Karate Kid,’ in dem rund 70 Prozent meiner Story umgesetzt wurde. Da sagte ich zu meinem Boß: Siehst du, genau so eine Story wollte ich machen.“ Nachdem fünfzehn Jahre seit den ersten Ideen zu „Rumble in the Bronx“ vergangen waren, mußte Chan sein Konzept erweitern. Da er etzt schlecht einen Studenten darstellen konnt, wurde aus ihm ein Polizist auf Urlaub.
Die Hauptszenerie der Filmes, ein zweistöckiger Supermarkt, wurde auf einem Parkplatz in Vancouver, Kanada, erbaut. Drumherum entstand die Kulisse des New Yorker Elendsviertels South Bronx. Jackie ist Polizist in Hong Kong und besucht New York anläßlich der Hochzeit seines Onkels. Als er merkt, daß die Gangs den Supermarkt ausrauben, stellt er sich den Verbrechern in den Weg. Das Geschehen beruhigt sich jedoch nicht – ganz im Gegenteil: Jackie platzt mitten in Auseinandersetzungen der Gangs mit der Mafia hinein. Damit öffnet sich die Handlung für die Art von Action, für die Jackie Chan seit rund 20 Jahren als einer der beliebtesten Schauspie-ler weltweit bekannt geworden ist. Es folgen Action- und Kampfszenen bei der zahlreiche Knochen brechen – doch nicht einfach so – die typische „Jackie-Chan-Komik“ kommt dabei nicht zu kurz. Die Explosion des Supermarkts stellt den Höhepunkt der Handlung und gleichzeitig der produktionstechnischen Umsetzung des Films dar. Daß die Action- und Kampfszenen anderen Chan-Filmen wie z.B. „Police Story“ in nichts nachstehen, belegen die Verletzungsstatistiken der Stuntleute, bei denen zahlreiche Knochenbrüche verzeichnet wurden. Hauptdarsteller Jackie Chan – dafür ist er u.a. weltbekannt geworden – mutete auch in „Rumble in the Bronx“ keinem Stuntman zu, in brenzligen Szenen in seine Haut zu schlüpfen. Bei einem 15-Meter-Sprung von einer Brücke auf ein fahrendes Luftkissenboot brach er sich ein Fußgelenk, so daß er die letzten drei Wochen der Dreharbeiten – Kampfszenen inklusive – mit einem Gipsverband arbeiten mußte.

Jacky Chan Movie

Es ist überhaupt ein Wunder, daß Jackie Chan noch lebt. Der chinesiche Akro-bat und Kung-Fu-Stilist glitt bei zahlreichen Stunts nur haarscharf am Tod vorbei. Sein oberstes Prinzip lautet: „Der Zuschauer muß deutlich sehen, daß alles echt ist, und nicht ein Special Effect.“ Seine Schauspielkarriere begann in Kindesalter. Mit sieben Jahren trat er der Chinesischen Opern Schule bei, die er zehn Jahre besuchte – 19 Stunden pro Tag! Neben dem Schauspielen lernte er zu singen, und zu tanzen sowie Akrobatik, Mimik und Kung Fu. Mit 17 arbeitete er bei den weltbekannten Hong-Kong-Produzenten Shaw Brothers, zwei Jahre später war er schon Stunt-Koordinator. 1971 stand er in „Little Tiger from Canton“ erstmals selbst vor der Kamera. Als er den Kampfsportunerfahrenen Regisseur Lo Wei davon überzeugen konnte, Kung Fu in seine Filme einzubauen, begann sein Aufstieg als Darsteller. Den Durchbruch erzielte er mit „Drunken Master.“ In diesem Film konnte er erstmals seine Vorstellung einer Kung-Fu-Komödie umsetzen. Mit der Anzahl seiner Filme entstand um ihn ein Mythos, so daß er in der Filmserie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ eine Gastrolle neben den Hollywood-Stars Burt Reynolds und Roger Moore erhielt. Mit „Projekt A“ und „Police Story“ verhalf er dem Hong-Kong-Film zu neuem Ansehen im Westen. „Aber ich denke, es gibt demnächst einen zweiten Teil von ‚Rumble in the Bronx,“ kommentiert Chan seine Zukunft.
Millionen Dollar ein. Demnächst kommt mit „The Quest“ – produziert in Thailand – sein erster Film in die Kinos, in dem er Regie geführt hat. In einer weiteren Rolle ist übrigens Ex-007-Darsteller Roger Moore zu sehen.

Sifu Blech mit Lok Yiu

Wichtige Mitteilung der Ving Tsun Athletic Association Ltd.

Sifu Blech mit Lok Yiu

Treffen in Hong Kong: Sifu Wilhelm Blech bei Lok Yiu

Die nebenstehende Mitteilung klärt eindeutig den Status der bekannten Kung Fu Organisation in Hong Kong und regelt den Gebrauch des Titels „Headmaster.“

1) Der Titel „Headmaster“ (Cheung Moon Yan) ist im Ving Tsun-Stil noch nie vorgekommen, es gibt ich derzeit nicht und es wird ihn nicht geben. Dies ist der Fall, weil ein solcher Titel nicht mit den Erwartungen und Forderungen der Gesellschaft übereinstimmt.

2) 1966 beauftragte Großmeister Yip Man sieben Schüler damit, eine Ving Tsun-Vereinigung zu gründen. Die Vereinigung wurde 1967 offiziell in Hong Kong gegründet und wurde Ving Tsun Athletic Association genannt. Sie war die erste in Hong Kong gegründete Kung Fu Vereinigung. Die Hauptziele der Vereinigung sind, die Ving Tsun-Kampfkunst zu fördern und zu verbreiten und die Einheit und die Be-ziehungen unter den Mitgliedern des Ving Tsun-Clans überall in der Welt zu festigen in Übereinstimmung mit der Lehre und den Erwartungen des verstorbenen Großmeisters Yip Man.

3) Auf der Jahreshauptversammlung der Vereinigung werden durch Stimmabgabe aller anwesenden Mitglieder elf Direktoren gewählt. Der Vorsitzende wird unter den Direktoren gewählt. Der Vorsitzende und das Direktorium erfüllen die täglichen Pflichten der Vereinigung.

4) Der Wahlvorgang ist vollkommen demokratisch und niemand wird ausgeschlossen. Die Direktoren werden auf der Grundlage ihre Beitrages zur Förderung und Verbreitung des Ving Tsun sowie der Festigung der Einheit und der Beziehungen unter den Mitgliedern des Ving Tsun-Clans gewählt, ungeachtet ihres Status innerhalb des Clans und dem Grad ihres Könnens in der Kampfkunst.

5) Die Ving Tsun Athletic Association ist eine energetische Organisation mit bemerkenswerten und weitsichtigen Zielen. Deshalb müssen wir demokratische Politik zur Grundlage unseres Handelns machen, um den Anforderungen der modernen Gesellschaft gerecht zu werden. Feudalismus, der Stil der elterlichen Führung, kommt nicht zur Anwendung.

Anmerkung – die 7 Gründer: Chan Tai Yin, Yeung Chung Hon, Alan Miao, Wat Kwai Wing, Chan Tak Chiu, Ricky Hui Siu Cheong und Yip Chun.

Sifu Blech mit Klaus Fillbrandt

ELYWCIMAA & DWCV: Kung Fu Seminar in Darmstadt

Sifu Blech mit Klaus Fillbrandt

Sifu Wilhelm Blech mit Klaus Fillbrandt beim Seminar in Darmstadt


Die Akademie des Deutschen Wing Chun Verbandes (DWCV) in Darmstadt-Eberstadt fand auf Einladung von Klaus Fillbrandt eine Seminar im authentischen traditionellen Wing Chun unter Si-Fu Wilhelm Blech (Präsident der ELYWCIMAA, der der DWCV angeschlossen ist) statt. Man freute sich über den regen Zuspruch, der aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer. Die gründliche Einführung zur Siu Lim Tau, wie sie von Yip Man und Lok Yiu gelehrt werden, stand zu Beginn auf dem Programm. Die hieraus resultierenden Anwendungen im Kampf verblüfften selbst routinierte Wing Chun-Lehrer. Spätestens hier wurde klar, was so anders an diesem Wing Chun Stil ist, der nach der Lehre Yip Mans durch Meister Lok Yiu in Hong Kong und durch Si-Fu Wilhelm Blech in Europa vertreten wird. Effektivität und das Verstehen der Siu Lim Tau hatte mit dem Wing Chun, das man bis dahin kannte, nichts gemein. Man zeigte sich begeistert von der Einfachheit und Effektivität des Stils, eine Überraschung im positiven Sinn.
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Schwerpunkt des zweiten Seminartages war es, die Siu Lim Tau umzusetzen, und zwar aus den Bewegungen des Lap Sau heraus. Dies bedeutete genauste Detailarbeit bei den Bewegungen. Ständig demonstrierte Wilhelm Blech die Wichtigkeit der Bewegungen der Siu Lim Tau in der Bewegung, die dann in der direkten Anwendung eine verblüffende Wirkung hinterließ. Die Übungen des Sat San Cheu sowie die Lap Sau Übung Ma Ma Cheong Ma wurden eingehend geübt und erklärt, so daß jeder diese grundlegenden Wing Chun-Prinzipien verstand.
Die Teilnehmer zeigten sich von der Einfachhat des Wing Chun Stils, den der Lehrgangsleiter demonstrierte, beeindruckt. Man sah jedoch auch, daß unermüdliche Arbeit notwendig ist, um seine Fertigkeiten im Wing Chun zu vervollkommnen. Hoch motiviert bedankten sich die Teilnehmer am Ende mit gebührendem Applaus
Text: DWCV
Foto: ELYWCIMAA

Cynthia Rothrock

Die Könige der Freestyle Formen

Zum Takt von fetziger Musik das Beste zu bieten, was die Kampfkünste offerieren, das ist die Spezialität der Formenstars. Wer kennt nicht die einzigartigen Musikkatas eines Jean Frenette, Kevin Thompson oder Mike Chaturantabut. Bei welcher anderen Darbietungsform gibt es im Budosport soviel frenetischen Applaus? Technik, Akrobatik, Schnelligkeit gepaart mit einer aggresiven Ausstrahlung werden in ein bis zwei Minuten so knackig dargeboten, daß man dafür getrost die meisten zweistündigen Actionfilme vergessen kann. Wir haben die besten Formenkünstler aller Zeiten in einer ewigen Rangliste vereint.

Mitte der siebziger Jahre vollzog sich bei amerikanischen Sport-Karateturnieren ein signifikanter Wechsel in den Kata-Disziplinen. Die Leute hatten genug von den festgefahrenen, traditionellen Katas und Hyongs. Die Freestyle-Formen kamen auf. In dieser neuen Disziplin konnten die amerikanischen Kampfsportler ihrer Kreativität freien Lauf lassen: Sie kombinierten Techniken unterschiedlicher Stile, stellten Katas selbst zusammen und boten den imaginären Kampf gegen fiktive Angreifer synchron zu Musik bei. Die Widersacher, die befürchteten, daß diese Entwicklung zu einem Kampfsport-Balett verkommen würde, mußten sich eines besseren belehren lassen. Traditionelle Katawettbewerbe kennt man heute in den USA kaum noch. Bei vielen Turnieren sind die Formen Wettkämpfe attraktiver als die meisten Kämpfe. So mag es auch nicht verwundern, wenn die Talentsucher aus Hollywood vornehmlich nach jungen Formenassen Ausschau halten, anstatt wie früher, guten Kämpfern nachzuspähen.
Wir haben diese Rangliste mit den besten und erfolgreichsten Formenkünstlern aufgestellt. Beim Ergebnis wird man feststellen, daß es sich ausnahmslos um Amerikaner handelt. Die US-Boys und Kanadier betreiben diese neue Form der Wettkampfkata sehr lang, so daß sie den Europäern weit überlegen sind. Der Vorsprung ist so graß, daß wir diese Ratings problemlos bis 100 oder 200 Ränge weiterführen könnten, ohne daß ein Europäer auftauchen müßte. Die Tatsache, daß bis auf den Hamburger Meisterschüler von Al Dacascos, Christian Wulf, nie ein Europäer erfolgreich an einem großen US-Turnier teilgenommen hat, unterstreicht diese Feststellung energisch. Die Entwicklung der Formen steckt in Europa noch in den Kinderschuhen. Es wäre mehr als nur eine Überraschung, wenn ein Europäer noch in diesem Jahrzent in die Spitzengruppe der US-Koryphäen einbrechen könnte. Aus Deutschland stehen mit Antony Spatola, Sandra Hess und Werner Stark drei Topstars an der europäischen Spitze. Bis zu einer ernsthaften Teilnahme an einem US-Turnier dürfte für die emsig trainierenden Super-Talente noch eine gewisse Entwicklung nötig sein.
Den entscheidenden Einfluß, daß die Formen sich so weit in den USA fortentwickelt haben, übte der in San Jose, Kalifornien, ansäßige Leiter des West Coast Demo Teams, Ernie Reyes Sr. aus (siehe KICK 5/95). Er vermischte als erster Stile und involvierte Musik in die Darbietungen. In Europa wurden die Formen durch die Aufnahme im internationalen Sportplan der WAKO bekannt. Die Begründer Mike Anderson (USA) und Georg Brückner (Berlin) beschloßen 1987 auf eigene Faust gegen die Stimmen der anderen Funktionäre die Formen einzuführen. Der große Erfolg in der Münchener Olympiahalle gab ihnen recht. Die Stimmen der übrigen Verbandsfunktionäre, die damals energisch gegen den Allein- gang protestierten – sich aber nicht durchsetzen konnten, sind schnell verstummt.

George Chung forms champion

George Chung - der beste Freestyle Formen Spezialist auf unserer Liste

1. George Chung

Wie die meisten namhaften Formenläufer in den USA begann George Chung unter Ernie Reyes jr. mit dem Taekwondo. Chung war praktisch der erste große amerikanische Champion, der die Turniere beherrschte als man begann die traditionellen Katas mit eigenen kreativen Formen zu ersetzen und mit Musik vorzutragen. Bekannt wurde der besonders flexible Revolutionär durch seine Serienkicks in Form mehrerer 360-Grad-Drehungen, den „Machine-Gun-Kicks“. Chung spielte in zahlreichen Filmen („Eyes of the Dragon“), die er z.T. selbst produzierte und verfaßte zusammen mit seiner früheren Freundin und Gefährtin aus dem West Coast Demo Team, Cynthia Rothrock“ das Lehrbuch „Andvanced Kicking und Stretching“.

Cynthia Rothrock

Cynthia Rothrock war die Beste! Heute ein sehr populaerer Movie Star

2. Cynthia Rothrock

Die heute weltbekannte Action-Darstellerin („China‘O‘Brian“) war das weibliche Konterpart zu George Chung der amerikanischen Formenszene. In ihrer gesamten Karriere blieb sie ohne Niederlage. Während sie in den Frauenklassen nahezu konkurrenzlos blieb, mußte sie in den siebziger Jahren in den Klassen mit Waffen auch gegen männliche Mitbewerber antreten. Hier gelang ihr das Meisterstück: Sie setzte sich als einzige Frau gegen die Konkurrenten vom starken Geschlecht durch.

Mike Bernardo

Mike Bernardo

3. Mike Bernardo

So wie der Kanadier kann kaum jemand mit dem Bo (Stock) umgehen. Seine Art Waffen-Formen vorzutragen zeigt deutlich, welchem Zweck die fernöstlichen Waffen und Techniken dienen. Man kann sich richtig vorstellen, wie er seine zahllosen imaginären Gegner abserviert. Bernardo ist einer der ganzen wenigen Formenchampions, der mit seinen Darbietungen auch ganz und gar ohne Musik überzeugen kann. Seit zwei Jahren verfolgt er in Los Angeles, Kalifornien eine Schauspielkarriere. Seinen größten Auftritt hatte er bislang an der Seite von Don „the Dragon“ Wilson und Lauren Avedon in „Grid Runners,“ einem Sci-Fi Thriller. Er zaehlt zu den ganz grossen Talenten. Man wird sicher noch viel von ihm hoeren.

Jean Frenette

Jean Frenette became famous in Munich, 1987

4. Jean Frenette

Wer kennt ihn nicht, den „Canadian Tornado“ aus Montreal. Es gibt kaum eine Budo-Großveranstaltung, bei der er mit seiner Kür zu „Staying Alive“ der Bee Gees die Zuschauer nicht von den Sitzen gerissen hätte. Der Gewinn von drei Weltmeistertiteln im Hard-style (1987, 1990, 1992) bei der WAKO und einen Vize-Weltmei-stertitel (1987) in der harten Waffendisziplin machen ihn zum erfolgreichsten Formenläufer im internationalen Vergleich. Als Autor von drei Lehrbüchern und mehreren Lehrvideos ist er weltweit ein Begriff geworden. Nach seinem Rücktritt von aktiven Wettkampf hat er sich dem Aufbau seines eigenen traditionellen Sankudo-Karate-Verbandes (gegr. von Nanbu) verschrieben. Ausserdem bildet Frennet in Kanada Stuntmen fuer Filmproduktionen aus.

John Chung

John Chung, 1983 at Wembley Stadium London, UK

5. John Chung

Während die meisten Formenläufer Filmmusik und aktuelle Hits fuer ihre Begleitung wählen, bevorzugte der Taekwondo-Stilist aus Washington die Klassik. Zur Ouvertüre von Beethovens fünfter Sinfonie zeigte er eine legendäre Kata, mit der er über viele Jahre die Turniere an der Ostküste der Staaten gewann. Nach mehreren Hüft-und Knieoperationen hat er bereits 1987 seinen Rücktritt erklärt. Unvergessen: Seine hauchdünne Niederlage gegen Jean Frenette bei der WAKO-WM 1987 in der Münchener Olympiahalle. Chung ist ein direkter Schüler des Grossmeisters Jhoon Rhee, Washington.

Simon Carmichel

Simon Carmichel, USA

6. Carmichael Simon

Heute ist er in den USA der Top-Star auf den großen Turnieren der NASKA.
Über sehr viele Jahre regierte er bei den Junioren die Szene.
Bereits in seinem ersten Jahr in den Erwachsenenklassen gewann er die Grandchampiontitel der ganz großen Turniere.
Nach dem Abschluß des College beabsichtigt er, an die Westküste überzusiedeln und eine Karriere im Filmgeschäft anzustreben wie viele andere Formenchampions es bereits verwirklicht haben.

Keith Hirabayashi

Keith Hirabayashi

7. Keith Hirabayashi

Trotz seines zweifachen WM-Gewinns 1987 in der Softstyle und der Waffendisziplin (über Jean Frenette) sowie einiger Filmrollen, erreichte Hirabayashi nie die Beachtung der Fachpresse, die er wirklich verdient hätte. Er ist einer der ganz wenigen Softstyle-Spezialisten, der seine Darbietung der „weichen Kampftechniken“ so effektiv und publikumswirksam darbieten kann, daß er selbst gegen Konkurrenten aus dem Hardstyle bestehen kann. Er arbeitet zur Zeit als Stuntman und Schauspieler in Kalifornien.

Kevin Thompson

Kevin Thompson, New York

8. Kevin Thompson

Kaum jemand trägt seine Formen so knackig vor wie der farbige „Little K.A.“ aus New ´York. Der Wirbelwind von der Ostküste gewann Ende der achtziger Jahre alle großen Turniere. Mit seiner Kama-Form zu Michael Jacksons „Smooth Criminal“ errang er 1990 die Weltmeisterschaft der WAKO. Nach mehrjähriger Wettkampfabstinenz siegte er im letzten Jahr bei großen US-Turnieren. Darüber hinaus zählt er zu den besten Semikontakt-Fightern an der Ostküste der USA. Den grossen Sprung ins Filmgeschaeft wagte er nicht. Kevon Thompson arbeitet hauptberuflich als Schullehrer.

Mike Chat

Mike Chaturantabat, USA

9. Michael Chaturantabut

Zusammen mit Carmichael Simon ist er der neue Star in den USA. 1995 siegte er bei den WAKO-Weltmeisterschaften. Weitere Auftritte bei den Budogala-Veranstaltungen in Deutschland folgten. In diesem Jahr werden neue Auseinandersetzungen mit Simon zeigen, ob er in dieser Rangliste weiter steigen kann.

Christine Bannon Rodriguez

Christine Bannon-Rodriguez

10. Christine Bannon-Rodriguez

Neben Cynthia Rothrock steht Christine Bannon-Rodriguez aus Rhode Island, USA, als die erfolgreichste Formenkünstlerin ganz oben an der Weltspitze. Die international ungeschlagene, mehrfache Weltmeisterin siegte in den Staaten bei allen großen Turnieren wie US-Open, Battle of Atlanta, Ocean State Nationals, Diamand Nationals und, und, und …
In ihrer Spitzenzeit war sie Mitglied des rennomierten „Atlantic-Oil-Teams“, das unter der Leitung von Chuck Merriman von einem Ölkonzern mit 1,5 Millionen Dollar gesponsort wurde. Zur Zeit arbeitet die Softstylistin und erfolgreiche Semikontakt-Fighterin nach dem Rückzug vom aktiven Wettkampf an der Fernsehserie „WMAC-Masters.“ Ihre ersten Erfahrungen beim Film hat sie vor zwei Jahren erlebt: Sie doubelte unter Anleitung des legendären Kampfchoreographen Pat Johnson („Ninja Turtles“) die Hauptdarstellerin Hilary Swank in „Karate Kid – die neue Generation.“ Die zierliche Christine ist mit Promoter und Sportschulbesitzer Don Rodriguez verheiratet.

Kick 1996 04

Dieser Artikel erschien in der Kick Ausgabe 04/1996.

Don King mit Mike Tyson

Interview mit Don King 1996

„Das einzig wichtige … ist mein Herz aus Gold“ – Wer kennt ihn nicht, den erfolgreichsten Boxpromoter aller Zeiten: Don King. Unser Mitarbeiter Tobias Drews führte mit ihm ein interessantes Interview über Schmuckstücke, Mike Tyson, Axel Schulz und sein großes Herz.

Don King mit Mike Tyson

Don King dachte 1996 ueber einen Kampf von Mike Tyson gegen Axel Schulz

KICK: Herr King, wenn sie an die Lesitung von Axel Schulz im Kampf gegen George Foreman denken – wer hatte für Sie diesen Kampf gewonnen?

King: Ganz klar, das war Axel Schulz. Er brachte eine große Leistung und zeigte jedes einzelne Jahr Foremans deutlich. Er hat einen unglaublich beherzten Kampf gemacht, den ihm wohl die wenigsten vorher wirklich zugetraut hätten.

KICK: Vor der Niederlage gegen Botha haben sie laut über einen möglichen Kampf von Axel Schulz gegen Mike Tyson nachgedacht. Sind die Pläne nun vom Tisch?

King: Ich hätte mir einen Kampf von Axel gegen Mike sehr gut vorstellen können. Wir hätten die größte Arena nehmen müssen, die es in Deutschland gibt und hätten Siew locker voll bekommen. Axel ist ein junger und noch heißer Boxer, der langsam den Berg hinaufklettert, auf dem Tyson schon sitzt. Das wäre ein Riesenkampf gewesen, denn Tyson hatte mir schon sein Einverständnis dafür gegebn, womöglich sogar in Deutschland anzutreten. Um den kampf nun, nach den Ereignissen von Stuttgart zu realisieren, muß Axel seinen Manager (Wilfried Sauerland; Anm: Redaktion) verlassen und sich einen anderen, besseren suchen..

KICK: Wo war für sie der Reiz einer begegnung Schulz gegen Tyson?

King: Tyson ist der zur Zeit populärste Sportler. Niemand ist größer, niemand ist besser, niemand kann ihm das Wasser reichen. Er ist der Mercedes unter den Boxern, das absolute Highlight, das Größte. Axel Schulz hat einen guten Eindruck im Foreman-Kampf hinterlassen. Er ist, verglichen mit Tyson, zwar gerademal ein Volkswagen, aber jeder der sich mit Tyson in den Ring traut, muß an seine Chance glauben. Außerdem könnte Axel mit einem Schlag zum Millionär werden. Wahrscheinlich wäre es nur nicht sein eigener.

KICK: Nach mehr als fünf Jahren Abstinenz haben sie wieder die drei Weltmeister im Schwergewicht unter Vertrag. Was bedeutet ihnen das ?

King: Erstmal bedeutet Boxen für mich alles. Es hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich habe mehr Veranstaltungen gemacht, als irgendjemand sonst in dieser Welt. Ich veranstalte Shows mit mehr als zehn oder zwölf hochkarätigen Kämpfen. Ich habe unzählige Boxer zu Dollar-Millionären gemacht und werde in der kommenden Zeit auch noch andere Boxer nach oben bringen. Und deshalb bedeutet mir das Schwergewicht auch soviel, es ist nicht umsonst die Königsklasse des Boxens.

KICK: Sie tragen eine unübersehbare Goldkette, einen dicken Brilliantring und rauchen eine sündhaft teure Zigarre. Was bedeutet ihnen dieser Luxus?

King: Das ganze Zeug bedeutet mir nichts. Es kommt nicht darauf an, wieviel Schmuckstücke man besitzt und wieviele davon aus Gold sind. Es kommt auch nicht darauf an, wieviel Geldman auf dem Bankkonto hat. Es geht einzig und allein um die Persönlichkeit, die man darstellt. Das einzige wichtige, was ich besitze, was aus Gold ist und was wirklich wichtig ist, ist mein Herz aus Gold. Das macht einen zu einem guten Menschen..

KICK: .. Der sie sein wollen ?

King: Der ich bin !

KICK: Was sind die nächsten Pläne, die Sie haben ?

King: Nun, als erstes bekommt Mike Tyson am 16.März in Las Vegas die Chance, wieder um Weltmeister zu werden. Wie schon bei seiner ersten Regentschaft, wird er sich zuerst den WBC-Weltmeister vornehmen. Damals war das der Kanadier Trevor Berbick, heute ist es der Engländer Frank Bruno. Wenn Tyson gewinnt, dann wird er sich noch in diesem Jahr auch die beiden anderen Titelträger vornehmen und aller Voraussicht nach, den Titel im Schwergewicht zusammenführen.
Ein anderes Highlight ist der Kampf zwischen Julio Cesar Chavez und Oscar de la Hoya, der für Mitte des Jahres geplant ist.

Kick 1996 04

Tobias Drews fuehrte dieses Interview und stellte die Fotos aus Archiven zur Verfuegung. Tobias Drews betaetigt sich als TV Journalist, Publizist und Buchautor. Er leitet den Bombus Verlag, München.

Dieser Artikel erschien in der Kick Ausgabe 04/1996.

Interview mit Don Wilson

Future Kick mit Don the Dragon Wilson

Don Wilson in der Hauptrolle: „Future Kick“ und Cover des KICK Magazins

Chuck Norris, Steven Seagal und Jean-Claude van Damme sind nach dem legendären Bruce Lee die erfolgreichsten Kampfsportler in Filmbusiness. Nach 20 Filmen setzt Don „The Dragon“ Wilson zum Sprung in diese Spitzengruppe an. Wir sprachen mit dem 10-fachen Profi-Kickboxweltmeister über seine Karriere, seine Absichten, bei den „Ultimate Fights“ ein Comeback zu starten und seinen Wunsch, die Nummer eins unter den großen Actiondarstellern zu werden.

Chuck Norris mit Don Wilson

Zwei ganz Grosse Fighter: Chuck Norris mit Don Wilson


KICK: Vor einiger Zeit haben wir eine Rangliste veröffentlicht, aus der sie als bester Kickboxer aller Zeiten hervorgegangen sind. Wie gefällt ihnen das ?

Wilson: Ich fühle mich sehr geehrt. Ich sehe mich nicht unbedingt als den besten Kickboxer, aber ich bin sicher, einer der besten zu sein, so daß es mich freut, wenn man mich an diese Position setzt. Es gibt viele Faktoren, die es unmöglich machen, eine endgültige Rangliste aufzustellen. Man muß die Anzahl der Kämpfe berücksichtigen, die unterschiedlichen Titel der zahlreichen Verbände und nicht zuletzt die verschiedenen Regeln. Ich denke selbst ein Computer könnte eine solche Rangliste nicht aufstellen.

KICK: Vor ein paar Jahren haben sie sich vom Wettkampf zurückgezogen. Reizt es sie nicht, wieder zu kämpfen ?

Wilson: Mir wurden schon viele Comebacks angeboten. Ich glaube, wenn ich diesen Schritt gehe, wird es bei den Ultimate Fighting Championships sein. Im Kickboxen habe ich über 17 Jahre alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Die UFC sind eine neue Herausforderung. Ich habe fast alles getan, und es ärgert mich ein wenig, dies noch nicht gemacht zu haben. Wenn ich ein Comeback starte, dann hier.


KICK: Neben anderen Kampfsportgrößen wurden auch sie von den Gracies herausgefordert. Nehmen sie diese offene Herausforderung ernst ?

Challenge of the Dragon

Wilson eröffnet seinen Talentsuchwettbewerb „Challenge of the Dragon“, dem einzigen Budoturnier, bei dem man Filmrollen gewinnen kann.

Wilson: Es ist mir nicht bewußt geworden, daß sie mich herausgefordert haben. Ich höre das heute zum ersten Mal. Nun, die Gracies sind keine professionellen Fighter. Sie kämpfen gegen Leute, die erstmalig in dieser Art von Wettkampf mitmischen. Natürlich sind sie darin einem Shotokan-Kämpfer, der zum ersten Mal gegen einen Grappler antritt, weit überlegen. Man sieht aber, daß Royce Gracie nicht mehr an der UFC teilnimmt. Das hat seinen Grund, denn jetzt kann er nicht mehr durch den Überraschungseffekt gewinnen. Jetzt setzt sich der bessere Sportler durch. Einmal kämpfte Gracie unentschieden, ein weiteres Mal konnte er das Turnier wegen einer Verletzung nicht fortsetzen. Er hat viele Jahre in dieser Disziplin trainiert und seine Kontrahenten dadurch überrascht, daß er sie zu Fall gebracht hat und sie dort klar dominierte. Heute kennt man ihn, und ein Profi-Kämpfer weiß, wie er ihn schlagen kann. Man kann dies mit dem Thaiboxen vergleichen: Vor einigen Jahren waren die Thais den Europäern und uns Amerikanern in Sachen Lowkicks weit überlegen. Jetzt haben wir dazugelernt. Mal gewinnen die Thais, mal andere. Es setzt sich der bessere Sportler durch.

KICK: Als sie vor einigen Jahren in Fernost kämpften, haben sie Angebote bekommen in sogenannten „Mixed-Styles-Matches“ mitzumachen. Warum würden sie heute an den UFC teilnehmen, wenn sie damals nicht mitgemacht haben ?


Wilson: Das ist nicht ganz richtig. Wegen dieser Mixed-Matches hat man mich nie angesprochen. Ich habe von diesem Kampf zwischen Inoki und Ali gehört, und daß in Japan mit dem Shoot-Fighting eine neue Disziplin aufgekommen ist. Darauf hat man mich tatsächlich angesprochen. Ich hielt dies jedoch für nichts anderes als gewöhnliches Catchen, mit dem ich nichts zu tun haben wollte. Die Angebote die ich zum Ende meiner Karriere aus Japan erhielt, basierten nicht auf sportlichem Wettkampf. Ich sollte die Kämpfe nach Absprache bestreiten, doch das wollte ich nicht.

Don Wilson kicks Branco Cikatic

Mit stechenden Sidekicks frustrierte er viele Gegner. Hier attackiert er den Kroaten Branko Cikatic, den er durch K.o. besiegte

KICK: Sie haben gesagt, daß sich bei den Ultimate Fights der bessere Sportler durchsetzt. Sie sind jetzt knapp über 40 Jahre alt. Meinen sie, mit 25-jährigen Spitzensportlern mithalten zu können ?

Wilson: Es gibt keine Chance, daß ich die gleiche Kraft oder Widerstandsfähigkeit eines 25-jährigen aufbringen kann. Auf der anderen Seite kann ein 25 Jahre alter Fighter keinesfalls die gleiche Erfahrung aufweisen, wie ich. Wenn man sich die Wettkampfart anschaut, stellt man fest, daß es kein Marathon ist. Die meisten dieser Kämpfe sind in zwei bis drei Minuten vorbei. Die Erfahrung wiegt hierbei die körperliche Fitneß auf. Der körperliche Vorteil eines jungen Kämpfers kann von der Intelligenz und Abgebrühtheit eines älteren ausgekontert werden. Würde es sich um einen 12 Runden Kickboxkampf handeln, hätte der Jüngere natürlich einen großen Vorteil.

KICK: Was motiviert sie, an diesen Kämpfen ohne Regeln teilzunehmen ?

Maskiert als Bösewicht in „Batman Forever“

Maskiert als Bösewicht in „Batman Forever“

Wilson: Es ist sicher nicht das Geld. Auch Ruhm spielt keine Rolle, denn meine Filme werden von mehr Menschen gesehen als die Pay-TV-Übertragungen. Es ist das Verlangen nach echtem Wettkampf. Ich bin ein vielseitiger Kampfsportler. Mit dem Kickboxen habe ich begonnen, weil ich ein besserer Kämpfer werden wollte. Der Wettkampf liegt mir ganz einfach. Ich werde sicher nicht ohne Geld an einem Wettkampf teilnehmen. Die Börse von 150.000 Dollar wurde bei solchen Wettkämpfen schon ausbezahlt, doch dafür würde ich nicht in den Ring steigen. In der Zeit, in der ich für diesen Wettkampf trainiere, verliere ich eine Menge Geld. Es gibt nur wenige Leute, die bereit sind drei oder vier Monate hart zu trainieren und darauf verzichten, Geld zu verdienen. Das wäre ein teures Hobby, das ich mir nicht leisten kann. Es muß allein deshalb um viel Geld gehen, um eine intellektuelle, oder besser gesagt, eine gesellschaftliche Rechtfertigung dieser Wettkämpfe zu erreichen. Es wäre nicht besonders intelligent, sich für so wenig Geld wie 100.000 Dollar auf einen Wettkampf wie die Ultimate Fighting Championships einzulassen.

KICK: Es gibt Leute, die sagen, sie würden allein um die Ehre kämpfen, wenn sie gegen die Gracies antreten. Können sie diese Motivation, die z.B. der Wing Tsun-Kämpfer Emin Botztepe öffentlich vertritt, nachvollziehen ?

Wilson: Ich kenne Emin Botztepe überhaupt nicht. Im amerikanischen Football gibt es ein Sprichwort, das besagt: Jeder ist hinter dem her, der den Ball hat. Wenn es um Kampfsport geht, sind die Gracies diejenigen, welche den Ball haben. Daran gibt es keinen Zweifel. Es ist ganz natürlich, daß es Leute gibt, die meinen, durch eine Herausforderung an die Gracies deren Ruhm und Respekt gewinnen zu können. Ich selbst würde die Gracies nie herausfordern. Sie sind einfach nur Kampf-sportler wie alle anderen auch. Wenn ich an den Ultimate Fights teilnehme, würde ich die Regeln der Veranstalter akzeptieren und jeden gesetzten Gegner für das Kräftemessen mit meinen Fähigkeiten akzeptieren. Ich denke, daß es zwar Royce Gracie sein wird – er gewann zweimal und ist in aller Munde – doch würde ich auch gegen den amtierenden Champion Dan Savern oder andere antreten. Wenn das Geld da ist, kämpfe ich gegen jeden. Ich würde niemals jemanden herausfordern, denn ich bin ein professioneller Sportler. Alles, was ich tun kann, ist meine Fähigkeiten als Kämpfer zu präsentieren und darauf hoffen, daß ein Promoter ein so lukratives Angebot ausspricht, daß es wert ist, in den Ring zu steigen. Solange dies nicht der Fall ist, werde ich lieber ein paar Filme drehen. Früher hieß es einmal, ich hätte Jean-Claude van Damme herausgefordert, doch das war nicht korrekt. In einem Interview hatte man mich gefragt, ob ich für eine Börse von 100.000 Dollar gegen van Damme kämpfen würde, und ich sagte ja. Ich kenne keinen Kickboxer, der mit nein geantwortet hätte. Ich habe die ganze Publicity nicht verstanden, oder können sie sich etwa vorstellen, daß Mike Tyson den Schauspieler Sylvester Stallone herausfordern würde. Das ist einfach haarsträubend.

Walter Koennig (Chekov from Startrek)

Don Wilson with Wakter Koenig from Startrek

KICK: Nach dem WM-Gewinn von George Foreman in Profiboxen steigen viele ältere Boxer in den Ring. Vor kurzem kehrte sogar der 51-jährige Ex-Ali-Herausforderer Ernie Shavers wieder ins Geschäft zurück. Können sie sich vorstellen in zehn Jahren noch ein Comeback zu starten ?

Wilson: Ich denke, daß ist eine sehr gefährliche Sache. Beim Boxen erhält man Schläge an den Kopf, und das ist nicht gesund. In so einem hohen Alter kann man sich nicht mehr so einfach davon erholen, wie z.B. im Alter von 20. Ich bin sehr besorgt um die Gesundheit dieser Sportler.

KICK: Durch das Kickboxen wurde ihre Karriere als Schauspieler begünstigt. Seit einiger Zeit betätigen sie sich auch als Fernseh-moderator. Was kommt als nächstes ?

Wilson: Ich verhandle zu Zeit mit einem Videoproduzenten über Lehrvideos. Es handelt sich dabei um ein Selbstverteidigungsvideo und ein Fitneßband für Männer. Die Produktion läuft noch diesen Frühjahr. Obwohl ich von nahezu allen Produzenten von Kampfsportvideos angesprochen worden bin, habe ich bislang abgelehnt, denn deren Qualitätsmaßstäbe sind sehr, sehr niedrig. Solche Bänder würden nur meinem Image schaden.

KICK: Ihre Filme und ihre Auftritte verbessern sich von Produktion zu Produktion. Wie sehen sie Ihre Zukunft ?

Kenny Baker R2D2

Zusammentreffen mit Kenny Baker (spielte „R2D2“ in „Krieg der Sterne“ anläßlich einer Science Fiction Filmmesse in Las Vegas

Wilson: Es ist eigentlich so: man kann mich nicht dafür loben oder verantwortlich machen, wenn meine Filme besser oder schlechter werden. Man kann das nicht mit meiner Karriere als Kickboxer vergleichen. Als ich früher in den Ring gestiegen bin, lag alles an mir, und nur an mir. Bei einem Film sind soviele Elemente wichtig: Ton, Schnitt, Kostüme, andere Schauspieler, und, und, und. Ein Film wird nicht von einem Schauspieler geprägt, sondern vom ganzen Team. Ich habe gerade meinen zwanzigsten Film abgedreht, so daß man sagen kann, ich bin erfolgreich. Wichtiger ist das Geld. Je größer das Budget, desto besser das Team. Bis auf die Ausnahme von Costners „Waterworld“ trifft die Feststellung, daß ein teurer Film besser ist als ein billiger, fast ausnahmslos zu. Wenn meine Filme besser werden, dann heißt daß nichts anderes, daß die Produzenten bereits sind, mehr Geld auszugeben. Es wird noch einige Zeit dauern bis sich die großen Studios um mich bewerben werden, aber ich glaube, es wird passieren.

KICK: Wollen sie sich in Zukunft mehr um die Schauspielerei kümmern oder sich als Filmproduzent betätigen ?

Wilson: Ich denke, ich werde in die etwas teureren Low-Budget-Filme mit drei bis fünf Millionen Dollar Budget aufsteigen, und mich dort als Schauspieler neu beweisen müssen, bevor ich für die großen Studios interessant werde. Mit meinen ein bis zwei Millionen teuren Filmen bin ich zwar erfolgreich, doch die großen Produzenten suchen sich ihre Stars aus einer höheren Liga aus, schließlich kostet ein großer Studio-Film rund 30 Millionen. Wenn ich in dieser neuen Produktionsebene erfolgreich bin, bekomme ich sicher einen Vertrag für große Produktionen. Dieses System, daß die führenden Studios Schauspieler unter Vertrag nehmen und um sie herum Dreh-bücher und Publicity organisieren, existiert noch immer. Jean-Claude van Damme ist das beste Beispiel.

Mike Anderson, Georg F. Brueckner mit Don Wilson 1998

Publicityauftritt mit Mike Anderson (l.) und Georg F. Brückner, den Begründern des modernen Kickboxwettkampfes, vor dem WM-Kampf gegen Ferdinand Mack (Berlin, 1989), Wilsons‘ einzigen Kampf in Deutschland.

KICK: Befürchten sie nicht, daß sie mit 20 Low-Budget-Filmen ihren Namen so abgenutzt haben, daß dadurch ihre Chancen bei großen Studios schlechter sind, als die eines Newcomers ?

Wilson: Nein, auf keinen Fall. Viele bekannte Schauspieler haben mit billigen Filmen angefangen, z.B. Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Natürlich werden die großen Produzenten nicht auf mich zukommen, weil ich in zwanzig Low-Budget-Filmen erfolgreich war, und mir in einen 30 Millionen Projekt gleich die Hauptrolle anbieten. Auf der anderen Seite wird es mir nicht zum Nachteil gereichen. Mein größtes Problem ist meine asiatische Abstammung. Natürlich hat man mir Rollen in teuren Filmen angeboten: In einem Stallone-Film sollte ich einen Verbrecher spielen, ebenso in einem Film mit Sean Connery und Wesley Snipes. Diese Rollen sind nicht gut für mich, denn es sind Klischee-Rollen für sogenannte „Bad guys“, in denen die Verkörperung des bösen Japaners wichtiger ist, als das erfolgreiche Spielen der Rolle. So kann man nicht bekannt werden. Nur als Joel Schuhmacher mich anrief, um mir eine Rolle als Bösewicht in „Batman Forever“ anzubieten, habe ich angenommen, weil alle meine Bedingungen erfüllt worden sind. In der Geschichte von Hollywood hat es noch nie einen asiatisch aussehenden Hauptdarsteller gegeben, der einen Film angeführt hat. Der einzige war Brandon Lee, aber ihn kann man nicht so richtig als Asiaten zählen, denn er sieht nicht so aus. Ohne der Sohn Bruce Lees zu sein, hätte er es wahrscheinlich ohnehin nicht geschafft. Als Bruce Lee mit der „Todeskralle“ seinen großen Erfolg feierte, war nicht er es, der den Film führte: Es war John Saxon. Hätte Saxon, wegen dem sich kaum jemand den Film angeschaut hat, nicht mitgespielt, wäre dieser Film nie gedreht worden. Alle wollten Bruce Lee sehen, doch die Studiobosse wollten nicht, daß er der große Star war. Man glaubt in Hollywood einfach nicht, daß ein asiatisch-aussehender Schauspieler ein Star werden kann. Schwarze Darsteller hatten über viele Jahre das gleiche Problem.

KICK: Befürchten sie, daß ihre Karriere als Schauspieler mit einem unbedachten Zug zum Stillstand kommen könnte ?

fitness workout power

Täglich steht Fitnesstraining mit einem Personal Trainer auf dem Programm

Wilson: Nein, daß kann ich mir nicht vorstellen. Als Kickboxer habe ich viele Kämpfe bestritten, wovon ich ein paar verloren habe. Doch das hat meine Karriere nicht beendet. Sehen sie sich z.B. John Travolta an. Er hat viele Filme gedreht die nicht sehr erfolgreich waren. Dann kam „Pulp Fiction“ und er ist wieder ganz oben. Man kann Fehler machen, aber das muß nicht bedeuten, daß die Karriere deshalb zerstört wird. Solange man sich weiterentwickelt kann man seine Laufbahn fortsetzen.

Denise Buick beim Kicking

Kampftraining mit der Actiondarstellerin Denise Buick, wine junge Action-Darstellerinnen für eine Roger-Corman-Produktion

KICK: Die drei großen Kampfsport-Stars Steven Seagal, Jean-Claude van Damme und Chuck Norris lassen sich hinter der Kamera von Budosportexperten beraten. Selten finden diese Leute den Weg vor die Kamera. Sie geben den Kampfsportlern vor der Kamera eine Chance. Warum ?

Wilson: Ich denke, sie haben im Wettkampf ihr Können bewiesen. Sie haben ihre Chance verdient. Heute werden mehr Martial-Arts-Filme gedreht, so daß mehr Kampfsportler ins Business eintreten können. Vor zehn Jahren war das anders. Natürlich kann ich nicht jedem eine Chance geben; auf der anderen Seite veranstalte ich Talentsuchwettbewerbe wie die „Challenge of the Dragon.“ Es ist mein eigener Wunsch, Cham-pions wie z.B. Mike Bernardo, der über viele Jahre die Formenszene dominierte, eine Chance zu geben und sie damit für ihre Leistungen zu belohnen.

KICK: Sind sie mit dem zufrieden, was die Sportler, denen sie eine Chance gegeben haben, erreicht haben, oder gibt es einige, die sie enttäuscht haben ?

Wilson: Der einzige, der mich enttäuscht hat, war Rob Kaman. Er war derjenige, der in einem Interview schlecht darüber redete. Vor einigen Jahren rief ich ihn an, um ihm eine Rolle in einem Film auf den Philippinen anzubieten. Damals fand er die Sache toll, denn er war gerade für einen Kampf in Thailand und düste schnell auf die Inseln um mitzuspielen. Er kam mit seiner Freundin, spielte eine kurze Szene und flog wieder weg. Einige Jahre später las ich dann in Black Belt, daß er das nicht gut fand und meinte, ich hätte ihn ausgenutzt. Was soll das ? (Lachen) Ich hab ihm eine Chance gegeben, und er tut nichts als schlecht darüber reden. Ich werde mich sicher nicht bei den Produzenten dafür einsetzen, daß er wieder eine Filmrolle bekommt. Das war die einzige negative Erfahrung, die ich mit Leuten gemacht habe, denen ich eine Chance im Filmgeschäft vermittelt habe.

KICK: Können sie sich vorstellen, warum sich z.B. Chuck Norris nicht so für die Kampfsportler einsetzt ?

Wilson: Ich denke, er macht soviel er kann. Richard Norten spielte in „Octagon“ und Bill Wallace war in „Der Bulldozer“ zu sehen. Es ist nicht so, daß er sparsam mit der Vergabe von Chancen an Kampfsportler umgeht. Ich denke, er kann nicht soviel Kontrolle bei der Besetzung und der Produktion ausüben, wie ich es als Ko-Produzent kann. Ich denke, er ist schon bemüht, den Kampfsportlern zu helfen, doch seine Filme sind nicht so kampforientiert wie meine.

James Warring attacks the Dragon

Als Opfer eines Justizirrtums muß Wilson sich in „Bloodfist 3 – Forced to Fight“ vor Mithaeftlingen erwehren

KICK: In der Karriere von Chuck Norris gab es vor zehn Jahren einen Punkt, wo er gesagt haben soll, daß er nur noch Action- und keine Kampfsportfilme mehr spielen wird. Können sie sich vorstellen, so zu handeln ?

Wilson: Wenn er das einmal gesagt hat, dann war dies zeit- und karrierebedingt. Nach dem großen Erfolg von „Bloodsport“ wurden wieder mehr Kampfsport-filme gedreht, so daß er später von den reinen Actionfilmen abgekommen ist. Mir ist es egal, welche Filme ich drehe. Und wenn ich 50 Jahre alt bin und jemand bietet mir einen Part in einem bahnbrechenden Kampfsportfilm – sagen wir es gäbe noch kein „Karate Kid“ und man würde es mir anbieten – ich würde sofort annehmen. Ich will nicht von den Martial Arts davonlaufen, ich will einfach immer bessere Filme machen. Wenn ich zwei gleich gute Drehbücher angeboten bekomme, das eine mit Kampfsport, das andere – sagen wir ein Western, ich würde den Kampfsportfilm machen.

KICK: Gibt es einen bestimmten Film, in dem sie gerne mitspielen würden ?

Wilson: Ich würde gerne Cato in „Green Hornet“ spielen, obwohl ich gehört habe, daß man die Rolle schon Jason Scot Lee angeboten hat. Ich denke, Bruce Lee würde lieber mich in dieser Rolle sehen als Jason Scot Lee. Nicht gegen ihn, aber nach allem, was ich über Bruce Lee gelesen habe, haben wir viel gemeinsam. Wir sind beide Rechtshänder und kämpfen trotzdem mit der rechten Seite vorne. Wir benutzen beide den Sidekick als die effektivste Waffe, sind ähnlicher Abstammung und von Hause aus Kung-Fu-Stilisten. Das sind eine ganze Menge Gemein-samkeiten, so daß ich glaube, Cato ganz hervorragend spielen zu können.

KICK: Wenn sie ein junger Kampfsportler fragt: Welchen guten Rat für sein Leben und seinen Sport geben sie ihm ?

Wilson: Was auch immer er machen will, ich rate ihm, in allem sein Bestes zu geben. Das ist alles. Es sieht aus wie eine einfache Formel, doch es steckt viel mehr dahinter. Wenn man nur mit der Hälfte seiner Energie arbeitet, ist jeder Erfolg, den man erreicht, nur halb so groß wie er sein könnte. Wenn man sein bestes gibt, holt man immer das Maximum heraus. Für mich hat dieser Leitsatz funktioniert. Ich bin nach Hollywood gekommen, um ein Star zu werden. Bis heute habe ich 20 Filme gedreht. Natürlich könnte ich jetzt das Geld nehmen, das ich verdient habe, es anlegen, ein Haus kaufen und die Beine hochlegen. Aber das mache ich nicht: Ich denke, meine Karriere hat jetzt erst begonnen. Stellen sie sich einen Kickboxer vor, der gerade 20 Kämpfe absolviert hat, und alle gewonnen hat. Der Junge fängt an ernst genommen zu werden, an Rücktritt kann er noch lange nicht denken. Mein erster wirklich großer Erfolg ist dann gekommen, wenn ich einen Vertrag bei einem der großen Studios bekomme. Doch auch dann ist für mich der Punkt zum Aufhören nicht erreicht. Ich will mich nicht damit begnügen nur einmal unter die Top Ten gekommen zu sein. Ich will mein bestes geben, um die absolute Nummer eins zu werden. Jetzt dürfte Sylvester Stallone die unumstrittene Nummer eins sein. Er hat einen Vertrag für drei Filme, für die er jeweils 20 Millionen Dollar einstreicht. Später will ich einmal an seiner Stelle stehen. Das ist mein großes Ziel.

Action Szene aus Bloodfist 3

Action Szene aus Bloodfist 3

Kick 1996 04

Timothy Baker fuehrte dieses Interview und stellte einen Teil der Fotographien zur Verfügung. Baker arbeitete als Publizist fuer Don Wilson’s Marketing.

Dieser Artikel erschien in der Kick Ausgabe 04/1996.

Speed Up Kicks

Als Kampfsport-Schüler machen wir uns oft zu Sklaven, in dem wir versuchen, uns dem Stil, den wir trainieren, anzupassen. Als Schwarzgurte versklaven wir dann die Techniken, indem wir sie unseren Bedürfnissen und Fähigkeiten anpassen. Am Anfang dienen wir dem Stil, um ihn am Ende uns dienen zu lassen. So wie Flexibilität nötig ist, um hoch kicken zu können, braucht man Flexibilität im Kopf, um sich dem Treten richtig nähern zu können. Der Rundtritt, der im Training unterrichtet wird, mag gut funktionieren, doch muß man verstehen, daß durch die verschiedenen Drehungen und Winkel zu einem Basistritt 20 Variationen entstehen können. Viele Schüler verwenden viel Zeit und Energie darauf, einige Techniken zu lernen, manche werden sie sogar ganz gut beherrschen.

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Linda Denley 1987

Linda Denley

Linda Denley 1987

Linda Denley, USA

Die Texanerin Linda Denley war die erfolgreichste Amerikanische Semikontakt Figherin in den 80er Jahren. Denley siegte bei fast allen großen US Turnieren im Kampf um den Grand Champion Titel. Ihre strengsten Rivalinen waren Arlene Limas und Lori Lantrip.

International feierte Linda Denley drei Weltmeisterschaftstitel bei den Frauen in der Gewichtsklasse +65 Kg (WAKO). Den ersten Titel errang sie 1995 in London. Weitere Welt-Titel folgten 1987 in München und 1990 in Mestre, Italien. Sie war stets unangefochten an der Spitze ihrer Division und eine sehr charmante Persönlichkeit. Sie leitet heute eine Sportschule in ihrer Heimat: Texas Black Belt Academy. Ihre Studenten nennen sie aus Respekt Grandmaster Linda Denley.

WAKO London 1985

Georg F. Brückner bei der Siegerehrung der Damen +65 Kg bei der WAKO WM in London, England: Linda Denley gewinnt ihren ersten WM Titel. Es war die erste Kickbox Weltmeisterschaft, an der Damen Titel gewinnen konnten.





Denley spielte von 1984 bis 1986 in mehreren Hollywood Filmen mit: Armour of God mit Jackie Chan in der Hauptrolle und Killpoint mit Hauptdarsteller Richard Roundtree.

Persönliche Homepage: Linda Denley