WAKO Weltmeisterschaft 1993, Atlantic City

WAKO Weltmeisterschaften
Atlantic City, USA
4.-6. November 1993

Semikontakt Herren

-57 Kg
1, Oliver Drexler Deutschland
2, Bruno Manca Italien
3, Lantos Gyla Ungarn
3, Bernd Duffy Irland

-63 Kg
1, Tony Young USA
2, Maurizio Cuccu Italien
3, Martin Kilgus Deutschland
3, Hardus Laurens Süd-Afrika

-69 Kg
1, Pedro Xavier Cap Verde
2, Mike Conroy USA
3, Billy Bryce England
3, Istvan Toth Ungarn

-74 Kg
1, Lajos Hugyets Ungarn
2, Emanuele Bozzolani Italien
3, Franjo Zobic Österreich
3, Chris Rappold USA

-79 Kg
1, Ralf Kunzler Deutschland
2, Stefan Martin Schweiz
3, Markus Zadra Italien
3, Peter Edwards England

-84 Kg
1, Alfie Lewis England
2, Soltan Scucs Hungary
3, Jerry Fontanez USA
3, Volpato Dieco Italien

-89 Kg
1, Emanuel Bettencourt Cap Verde
2, Barnabas Katona Ungarn
3, Steve Babcock USA
3, Maik Böttcher Deutschland

+89 Kg
1, Alvin Mighty England
2, Ali Özkan Türkei
3, Richard Plowden USA
3, Kai Schlupkothen Deutschland

Semikontakt Damen

-50 Kg
1, Lori Lantrip-Stanley USA
2, Amanda Quansah England
3, Tiziana Favaro Italien
3, Rita Pesuth Ungarn

-55 Kg
1, Christine Bannon-Rodriguez USA
2, Miriam Diller Deutschland
3, Ann-May Viksund Norwegen
3, Nancy Morneau Kanada

-60 Kg
1, Kirsten Sims USA
2, Christina Senigalia Italien
3, Carla Ribeiro Brasilien
3, Manon Desrochers Kanada

-65 Kg
1, Dawn Roffey Kanada
2, Michelle Arango USA
3, Tunde Kocksis Ungarn
3, Eunice Huthard England

+65 Kg
1, Tiziana Zennaro Italien
2, Carylanne Lamb England
3, Nicola Corbett Irland
3, Sue Brazelton USA

Leichtkontakt Herren

-57 Kg
1, Lantos Gyula Ungarn
2, Piotr Siegoszynski Polen
3, Spanu Gianpaolo Italien
3, Gabriel Damm Deutschland

-63 Kg
1, Jorge Coelho Deutschland
2, Chad Barron USA
3, Joachim Wage-Mons Belgien
3, Silvano Cosentino Italien

-69 Kg
1, Istvan Toth Ungarn
2, Sergei Lettland
3, Piotr Bartnicki Polen
3, Ottavio Panunzio Italien

-74 Kg
1, Lajos Hugyetz Ungarn
2, Michael Wübke Deutschland
3, Haci Avcioglu Türkei
3, Dimitri Smirnov Belgien

-79 Kg
1, Herman Muhlheim Schweiz
2, Bernd Reichenbach Deutschland
3, Piotr Panczuk Polen
3, Ali Chehadeh Libanon

-84 Kg
1, Zoltan Scucs Ungarn
2, Stefan Dietrich Deutschland
3, Martin Cantin Kanada
3, Bartolomeo Bonvino Italien

-89 Kg
1, Jean-Marc Koumba Deutschland
2, Victor Chicko GUS
3, Abundio Munoz USA
3, Nuno Souto Kap Verde

+89 Kg
1, Pele Reid England
2, William Eves USA
3, Mladen Paylin Slowenien
3, Sascha Beganovic Schweiz

Leichtkontakt Damen

-50 Kg
1, Rita Pesuth Ungarn
2, Giovanna Neglia Italien
3, Shelly Taylor USA
3, Amanda Quansah England

-55 Kg
1, Iwona Buzowska Polen
2, Lorraine Cotter Irland
3, Marianna Hegyi Ungarn
3, Ann-May Viksund Norwegen

-60 Kg
1, Gaby Bada Ungarn
2, Caroline Suter Schweiz
3, Ulrike Wörz Deutschland
3, Linda Dice USA

-65 Kg
1, Birgid Sasse Deutschland
2, Tunde Kocsis Ungarn
3, Justina Hall USA
3, Marta Kickner Polen

+65 Kg
1, Christina Cerpi Italien
2, Lisa Crosby USA
3, Doris Aboagye England
3, Claudia Schregele Deutschland

Formen, Männer

Hardstyle
1, Dominic Adam Kanada
2, Gabe Ryenaga USA
3, Pedro Xavier Kap Verde

Softstyle
1, Richard Brandon USA
2, Earl Blijd Holland
3, Emanuel Bettencourt Kap Verde

Hardstyle Waffen
1, Alan Belisle Kanada
2, Werner Stark Deutschland
3, Pedro Xavier Kap Verde

Softstyle Waffen
1, Richard Brandon USA
2, Sylvester Enmgelhardt Holland
3, Anthony Spatola Türkei

Formen, Frauen

Hardstyle
1, Patricia Lamoureux Kanada
2, Stacy Knight USA
3, Caroline Suter Schweiz

Softstyle
1, Christine Bannon-Rodriguez USA
2, Natali Bordijan Lettland
3, Tatjana Anjenko Weißrußland

Hardstyle Waffen
1, Manon Desrochers Kanada
2, Michelle Arrango USA

Softstyle Waffen
1, Chritine Bannon-Rodriguez USA
2, Natali Bordijan Lettland
3, Tatjana Anjenko Weißrußland

Team-Wertungen

Semikontakt

1, USA 21
2, Italien 14
3, England 12
4, Deutschland 11
4, Ungarn 11
6, Kap Verde 6
7, Kanada 5
8, Schweiz 2
8, Türkei 2
8, Irland 2
11, \tab Süd-Afrika 1
11, Österreich 1
11, Norwegen 1
11, Brasilien 1

Leichtkontakt

1, Ungarn 19
2, Deutschland 16
3, Italien 9
3, USA 9
5, Polen 8
6, England 5
7, Schweiz 4
8, Lettland 2
8, Irland 2
9, Türkei 1
9, Belgien 1
9, Weißrußland 1
9, Libanon 1
9, Kanada 1
9, GUS 1
9, Kap Verde 1
9, Slowenien 1

Leichtkontakt + Semikontakt + Formen

1, USA 48
2, Ungarn 30
3, Deutschland 29
4, Italien 23
5, Kanada 18
6, Engalnd 17
7, Kap Verde 10
8, Polen 8
9, Schweiz 7
10, Lettland

New Generation Kickbox-Gala Berlin 1996

Um Berlin, die alte Hochburg des deutschen Kickboxens, ist es in den letzten Jahren rughig geworden. Mit neuen Stars wie Cengis Koc und Andre Mewis soll die Szene in der Bundeshauptstadt wieder belebt werden. Als Geburtsstätte des europäischen Kickboxen wurde Berlin bekannt. Seit vielen Jahren ist es um die Szene der Kickboxer in der neuen Bundeshauptstadt ruhig geworden. Veranstaltung fanden nur ein kleinem Rahmen statt und nach dem Rücktritt des bekanntesten deutschen Kickboxers, Michael Kuhr, wuchsen zunächst keine neuen Stars nach.

Rundengirl BerlinRundegirl 2

Schnelle K.o.‘s in den Vorkämpfen
Der Zossener Gerald Meinel von der Agentur Media Point will dies ändern und frischen Wind in das Lager der Faust- und Fußkämpfer blasen. Seine erste Gala organisierte er Mitte Dezember 1996 in der Schöneberger Sporthalle am Sachsendamm. Rund 1.600 Zuschauer sahen Kickboxkämpfe mit und ohne Lowkicks, einen Seidokan-Karate-Fight und zahlreiche Demos.

'Rippchen' Dittrich gegen S. Bayram

'Rippchen' Dittrich gegen S. Bayram

Die ersten Kämpfe der Galaveranstaltung gewannen J. Reimann (Bushido Halle) und C. Küchler (Fitline Zossen) jeweils Vorzeitig. Die Pausen zwischen den Kämpfen wurden von Demos ausgeschmückt, wobei jedoch nur die Bachi-Ki-Do-Truppe um Ralf Bartsch überzeugte. Als Höhepunkt zeigten sie einen Bruchtest, bei dem Bartsch und einige Schüler auf einem Nagelbrett liegend das Zertrümmern von Steinplatten tapfer über sich ergehen ließen.

Wer sich nicht verteidigt, hat Pech
Bereits in der ersten Runde endete der dritte Fight, den der spindeldürre ‚Rippchen‘ Dittrich gegen S. Bayram vom Fit Studio Berlin nicht mehr fortsetzen konnte. Er wurde von Bayram mehrmals hart zum Kopf getroffen. Obwohl ‚Rippchen‘ nicht K.o. ging, nach ihn der Kampfrichter aus dem Fight, denn man konnte bei ihm keine Bereitschaft oder Fähigkeit entdecken, sich zu verteidigen. Wenn man der Ansicht ist, daß man in einem Kampf zunächst Nehmerquali-täten zeigen muß, bevor man sich wehrt, kann man diese Entscheidung anzweifeln, doch die Regeln geben dem Unparteiischen Recht.

Roland Conar

Roland Conar Comeback Fight

Harter Schlagabtausch

Harter Schlagabtausch

Semikontakt-Star Conar feiert Comeback im Kickboxen
Den ersten Höhepunkt erlebten die Zuschauer im 5-Runden-Kampf zwischen dem Lokalmatadoren Hakan Sönez vom Budokan Berlin und dem Karlsruher Roland Conar, der nach langjähriger Abstinenz aus dem Vollkontakt sein Comeback feierte. Der technisch brillante Karlsruher nahm in den letzten Jahren nur an Semikontakt Wettbewerben teil – und das sehr erfolgreich. Neben zwei WM-Titeln im Lager der WKA errang er im Sommer 1996 als erster Europäer den Grandchampiontitel bei den renommierten US-Open in Orlando.

Sieg

Siegreich: Roland Conar

Der Wiedereinstieg fiel ihm gegen Senöz zunächst sehr schwer. Der Berliner setzte Conar in den ersten beiden Runden so stark unter Druck, daß ein vorzeitiges Aus für den Spitzentechniker in greifbarer Nähe lag. Conar fing sich in der dritten Runde, traf Senöz mit zwei Kicks zum Kopf und erhöhte mit gestärktem Selbstbewußtsein das Tempo. Die letzten beiden Runden gingen klar an den Karlsruher, der den stark aus der Nase blutenden Berliner mit Kicks attackierte und geschickt die Distanz wahrte, um kein Risiko mehr einzugehen. Am Ende hieß der verdiente Sieger des Kickboxkampfes mit Lowkicks: Roland Conar.

Seidokan Berlin

Seidokan Regeln: Andre Mewis mit Sidekick gegen Klaus Nonnemacher

Mewis unter Beschuß
Mit großer Spannung erwarteten die Berliner den Auftritt ihres hochgelobten Stars im Seidokan-Karate. Bei diesem Karate-Stil wird zunächst drei Runden ohne Schützer Karate mit Vollkontakt gekämpft, ähnlich dem Kyokushinkai.

Seidokan Andre Mewis

Seidokan Fighter Andre Mewis

In den letzten beiden Runden ziehen die Fighter das Oberteil des Gis aus, streifen Boxhandschuhe über und kämpfen nach dem Reglement des Thaisboxens bis zum Ende der fünften Runde. Erwartungsgemäß entschied Mewis die ersten beiden Runden in seinem Stil klar für sich, obgleich er in der zweiten Runde einen harten Knietreffer zum Kopf einstecken mußte. Die dritte Runde ging an Nonnemacher, der kurz vor dem Rundengong nach einer spektakulären Technik von Mewis einen Cut auf der Stirn erlitt. Der Berliner trat nach einem Handstandüberschlag mit der Ferse auf den Kopf des völlig überraschten Karlsruhers. Unter Thaiboxregeln verlief der Rest der Auseinandersetzung mit knappen Vorteilen für Nonnemacher, der es jedoch versäumte, entscheidende Akzente zu setzen und am Ende knapp nach Punkten unterlag. Es war ein spannender Fight, der Mewis erstmals auf deutschem Boden in Bedrängnis sah. ψIch hatte zuvor zwei andere Kämpfe bestritten, und war nicht optimal vorbereitet,“ erklärte Nonnemacher die Tatsache, daß er unter ψseinen“ Regeln in den letzten beiden Runden nicht mehr Druck ausüben konnte, wie nötig gewesen wäre, um die Punktrichter nachhaltig zu beeindrucken. Mal sehen, ob es ein Rematch geben wird. Es wäre allemal als Hauptattraktion für eine gute Gala geeignet.

Nonnemacher

Mit Kickboxregeln ging es dann weiter zwischen Mewis und Nonnemacher

Numrich mit Lowkick

Numrich mit Lowkick gegen Cengiz Koc

Numrichs patentierte Lowkicks
Ein Kampf im Schwergewicht über fünf Runden mit Lowkicks stand zum Abschluß auf dem Programm. Der 19jährige Berliner Cengiz Koc, Amateur-Weltmeister der IAKSA und WAKO, wurde frenetisch gefeiert, als er einlief um gegen den 18 Jahre älteren Kickboxveteran Hubert Numrich, der schon mit Welt-klassefightern wie Peter Aerts, Vitaly Klitschko und Przemyslav Saleta im Ring gestanden hat, anzutreten. Der Atem stockte Kocs Fans, als Numrich sich mit einer neuen Spezieltechnik, einem gedrehten Sidekick auf die Innenseiten der Oberschenkel, auf den jungen Türken einkickte. Koc sank mehrmals zu Boden, Numrich wurde verwarnt, erhielt sogar zwei Minuspunkte. Zu unrecht, denn Numrichs Treffer gingen nicht zum Unterleib, sonst hätte Koc den Kampf selbst beim besten Tiefschutz nicht mehr weiterführen können. Daß der junge Berliner am Ende verdient als Punktsieger den Ring verließ geht dennoch völlig in Ordnung. Koc war es, der den Kampf ψmachte“ und jedesmal traf, wenn er den über 20 Kilo schwereren Darmstädter mit schnellen Boxkombinationen überraschte. Mit mehr Erfahrung wird Koc in Zukunft sicher weit vorne in internationalen Kickboxen mitreden können.

Cengiz Koc

Lokalmatador Cengiz Koc holt den Sieg ueber Oldtimer Humbert Numrich

Gerald Meinel

Veranstalter Gerald Meinel

Das nächste Mal ohne Pannen
Wenn man von den üblichen Pannen, die bei einer Gala eigentlich nicht passieren sollten, absieht, kann sich Veranstalter Gerald Meinel über das Ergebnis seiner Veranstaltung freuen. Sollte es ihm gelingen den künftigen Galas einen angenehmeren Rahmen zu geben, wir er es mit seinen Sponsoren und den Zugpferden Mewis und Koc schaffen können, regelmäßig gutbesuchte Kampfabende auf die Beine zu stellen.

Neue Gala im Februar
Die nächste Gala steht bereits. Am 22. Februar soll Lokalmatador Cengis Koc den amtierenden Deutschen Schwergewichtsmeister Ergin Solmaz herausfordern. Davor wird der bekannte Weltmeister Frank Scheuermann mit dem neuen Berliner WAKO Star Thorsten Schmitz Fäuste und Füße kreuzen. Als Stargast ist der Amerikaner Peter ‚Sugarfoot‘ Cunningham angekündigt, der an diesem Wochenende für Seminare in Berlin weilt.

kickboxen

Koc kick Numrich zurück

Klaus Nonnemacher WKA

Klaus Nonnemacher WKA Roundhouse Kick

Bruchtest

Bachi-Ki-Do-Truppe um Ralf Bartsch mit Bruchtest Demo

Samurai Magazin mit Don Wilson

Samurai Magazin 01/1997

Diese Gala Reportage aus Berlin erschien in der Erstausgabe des Samurai Magazins. Die online Ausgabe enthaelt Fotos, die bsilang unveroeffentlicht blieben.

Resultate: Taekwondo WM 1995, Manila

Weltergewicht Herren (52 Teilnehmer)

Gold Jose Marquez (Spain)
Silber Jean Lopez (USA)
Bronze Tsu Ien Liu (Chinese Taipei)
Bronze Nico Davis (Schweden)

Deutschland: Marco Scheiterbauer
1 Freilos, 1. Kampf gegen Korea verloren

Weltergewicht Damen (25 Teilnehmer)

Gold Hyang Mi Jo (Korea)
Silber Chih Ling Hsu (Chinese Taipei)
Bronze Inci Tasyurek (Türkey)
Bronze Dana Marten (USA)

Deutschland: Sonny Seidel
1. Kampf gegen Finland verloren

Leichtgewicht Herren (58 Teilnehmer)

Gold Aziz Acharki (Germany)
Silber Roberto Estrada Garibay (Mexico)
Bronze David Gonzales (Schweden))
Bronze Fariborz Askari (Iran)

Leichtgewicht Damen (27 Teilnehmer)

Gold Kyung Suk Park (Korea)
Silber Vanina Sanchez Veron (Argentina)
Bronze Marlene Ramirez (Mexico)
Bronze Miet Filipovic (Croatia)

Deutschland: Sonja Schiedt
2 Kämpfe, gegen Argentinen verloren

Fliegengewicht Herren (43 Teilnehmer)

Gold Cihat Kutluca (Türkey)
Silber S. Mehrdad Rokni (Iran)
Bronze Gergely Salim (Hugary)
Bronze Ruben Palafox Hernandez (Mexico)

Deutschland: Aydin Ates
Freilos, 1. Kampf gegen Iran verloren

Fiegengewicht Damen (36 Teilnehmer)

Gold Hamide Bickin (Turkey)
Silber Monika Sprengel (Germany)
Bronze Betsy Ortiz ( Puerto Rico)
Bronze Tran Thy Lin (Vietnam)
Federgewicht Herren (56 Teilnehmer)

Gold Byoung Uk Kim (Korea)
Silber Clayton Barber (USA)
Bronze Bjan Maghanloo (Iran)
Bronze Nolando Claudio (Itaien)

Deutschland: Sven Händersen
1. Kampf gewonnen,
2. Kampf gegen Spanien verloren

Federgewicht Damen (33 Teilnehmer)

Gold Seung Min Lee Jan (Korea)
Silber Leonildes Dos (Brasil)
Bronze Nuray Deliktas (Turkey)
Bronze Janet Glassmann (USA)

Deutschland: Cathrin Vetter
1. Kampf gwonnen,
2. Kampf gegen Korea verloren

Fingewicht Herren (38 Teilnehmer)

Gold Seung Tae Chin (Korea)
Silber Roberto Cruz (Philippines)
Bronze Flah Moh`d Al-Hamed (Jordan)
Bronze Carlos Chamorro (Schweden)

Deutschland: Sahin Ozan
1. Kampf Freilos 2. Kampf gegen Lesotho gewonnen 3. Kampf gegen Frankreich verloren

Fingewicht Damen (25 Teilnehmerinnen)

Gold Chiu Chin Huang (Chinese Tapei)
Silber So Hee Yang (Korea)
Bronze Atzeni Christina (Italy)
Bronze Coral Falco (Spain)

Deutschland: Tharshini Thevathasan
2 Kämpfe gewonnen,
3. Kampf gegen Italien verloren

Mittelgewicht Herren (48 Teilnehmer)

Gold Dong Wan Lee (Korea)
Silber lysses Marcelino (Philippines)
Bronze Mikael Meloul (France)
Bronze Zoran Fredad (Yugoslavia)

Deutschland: Marcus Nitschke
2 Kämpfe gewonnen,
3. Kampf gegen Korea verloren

Mittelgewicht Damen (24 Teilnehmerinnen)

Gold Ruiz Irena (Spain)
Silber Sun Mi Park (Korea)
Bronze Heidi Juarez (Guatemala)
Bronze Monica Delreal Jaime (Mexico)

Deutschland: Anke Girg
1 Freilos; 1. Kampf gewonnen;
2. Kampf gegen Spanien verloren

Bantamgewicht Herren (53 Teilnehmer)

Gold Dae Soon Chang Korea)
Silber Gabriel Esparza (Spain)
Bronze Chih Hsiung Huang (Chinese Taipei)
Bronze Tran Quancha (Vietnam)

Deutschland: Jan Krumpen
1. Kampf gegen Türkei verloren

Bantamgewicht Damen (28 Teilnehmer)

Gold Sun Jin Won (Korea)
Silber Mitchelle Thompson (USA)
Bronze Minako Hatakeyama (Japan)
Bronze Shan Chen Wu (Chinese Taipei)

Deutschland: Patrizia Manuele
1. Kampf gegen Australien verloren

Schwergewicht Herren (30 Teilnehmer)

Gold Je Gyoung Kim (Korea)
Silber Pascal Gentil (France)
Bronze Romano Massilmiliano (Italy)
Bronze Lucio Aurelio Silva (Brasil)

Deutschland: Olaf Wilkens
1. Kampf gewonnen, 2. Kampf durch Disqualifikation des Gegners gewonnen,
3. Kampf gegen Korea nicht angetreten

Schwergewicht Damen (20 Teilnehmer)

Gold Myoung Sook Jung (Korea)
Silber Yolanda Garcia (Spain)
Bronze Natasa Vezmar (Croatia )
Bronze Hsio Ying Huang (Chinese Taipei)

Deutschland: Bettina Hipf
1 Kampf kampflos gewonnen
2. Kampf gegen Griechenland verloren

West Coast Demo Team

Interview mit Ernie Reyes

Ernie Reyes

Ernie Reyes steckt voller Widersprüche. Auf der einen Seite ist er weltbekannt für seine Arbeit im Showbusiness, auf der anderen Seite ist er ein Lehrer, der traditionellen Sport unterrichtet. Dabei war er es, der zusammen mit seinen hochkarätigen Schülern – George Chung, Gary Na-kahama, Dayton Pang, Cynthia Rothrock und seinem Sohn Ernie Reyes jr. – die amerikanische Formenszene revolutionierte. Sie waren es, die Ende der siebziger Jahre das Fundament für die modernen Musikkatas mit spektakulären Techniken entwickelten.

Über ein ganzes Jahrzehnt dominierte Reyes mit seinem bekannten West Coast Demo Team die großen amerikanischen Turniere. Schnell bekam er den Ruf, der erfindungsreichste Kampfsportler auf dem Kontinent zu sein. Wenn sein Team, ursprünglich eine reine Taekwondo-Truppe, auftrat, hielt es die Zuschauer nicht mehr auf den Stühlen. Standing ovations waren an der Tagesordnung. Die Techniken stammten aus den Taekwondo, und sie wurden meisterlich vorgetragen. Dennoch erhielten Taekwondo-Schüler, die von den Demonstrationen begeistert waren, von ihren Lehrern den Kommentar, daß die Demos nicht in das traditionelle System paßten.

West Coast Demo Team

West Coast Demo Team mit Sohn Lee und Ernie Sr.

Heute kann man in vielen amerikanischen Taekwondo-Schulen das lernen, mit dem Ernie Reyes einst die Traditionalisten schockierte. So kann man oft sogar Waffentechniken erlernen. Formen zu Musik vorzutragen, ist heute allemal Standart. Obwohl man ihn als Innovator kennengelernt hat, bezeichnet Reyes sich selbst als einen Traditionalisten. In seinen Sportschulen in und um San Jose bei San Franzisko lehrt er primär das Taekwondo und Formen. Kämpfen ist optional, mit Waf-fentechniken kommen nur Fortgeschrittene in Berührung.
Besonderen Wert legt Reyes auf die traditionellen Werte. Prinzipien wie Ehrlichkeit, Loyalität und bürgerliche Familien-werte sind für ihn – und seine Art zu lehren – sehr wichtig. Um noch mehr über den weltbekannten Kampfsportler zu lernen, haben wir unseren amerikanischen Mitarbeiter Jeffrey Kelly damit beauftragt, ein Interview mit ihm im Anschluß an die Dreharbeiten zu Steetfighter durchzuführen.

KICK: Sie arbeiten viel in der Filmindustrie. Ist es nicht so, daß dies nicht ihre Haupttätigkeit ist ?

Reyes: Das ist richtig. Meistens unterrichte ich. Das ist genau die Sache, die mir die größte Erfüllung bereitet. Einen Schüler vom weißen zum schwarzen Gürtel zu begleiten, ist ein tolle Sache. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, fähig zu sein, dies immer wieder zu schaffen. Da wir mittlerweile 15 eigene Schulen betreiben, ist die Zahl der Mitglieder entsprechend hoch. Die neue Herausforderung heißt, die Qualität des Unterrichts aufrecht zu halten. Unsere Leute unterrichten die Anfänger, doch die Schwarzgurte unterrichte ich alle persönlich, so daß ich immer noch einen maßgeblichen Einfluß auf alle Mitglieder üben. Das ist meine Hauptbetätigung.

KICK: Wie lange unterrichten sie schon ?

Reyes: Ich unterrichte seit über 20 Jahren.

KICK: Wie haben sie selbst im Kampfsport begonnen ?

Reyes: Als ich jung war, habe ich viel Sport getrieben. Im Junior-College habe ich beinahe eine Stipendium für mein Talent im Basketball bekommen, bis mich eine komplizierte Fußverletzung zurückwarf. Als ich zur Bundes-Universität in San Jose wechselte, gab es dort einen Taekwondo Club. Ich hatte vorher schon Kampfsportun-terricht an der Highschool beobachtet, doch nach meiner Verletzung war ich irgendwie gelangweilt. So kam ich zu dem Entschluß, mich dem Taekwondo Club anzuschließen. Der Lehrer Dan Choi war, genau wie ich selbst, im wesentlichen auf den Wettkampf ausgerichtet. Wir nahmen an Wettkämpfen teil, um Titel und Trophäen mit nach Hause zu nehmen. Ich habe viel Semikontakt gekämpft und errang 1977 den Titel des amerikanischen Meisters. Später wuchs mein Interesse für die Formen.

Arnis mir Ernie Reyes

Arnis Stockkampf mir Ernie Reyes

KICK: Was hat Sie zu den Formenwettkämpfen hingezogen ?

Reyes: Mir gefielen die Bewegungen. Zu dieser Zeit gab es fast nur traditionelle Formen, und das Taekwondo kannte nur wenige Kicks. Es war den japanischen Systemen sehr ähnlich, doch das interessierte uns kaum. Es kam die Zeit, als die ersten stiloffenen Formenwettkämpfe angeboten wurden, und ich dachte, das wäre eine gute Gelegenheit, den Kicktech-niken aus dem Taekwondo Ausdruck zu verleihen. Dann kam dazu, daß man Formen auch zu Musik vortragen konnte. Eine großartige Neuerung folgte der nächsten.

KICK: Sie sind durch ihr West Coast Demo Team bekannt geworden. Wie entstand die Idee dazu ?

Reyes: Wir haben ein Demoteam zusammengestellt, um z.B. an der Highschool Vorführungen zu geben. Später weiteten wir unsere Vorführungen auf regionale Meisterschaften aus, später auf nationale Ebene. Wir gaben Demos von der West- bis zur Ostküste Amerikas, später weltweit.

KICK: Ihr Demoteam war sicher die innovativste Kampfsportmannschaft in den späten siebziger Jahren. In ihren Demos benutzen sie aber auch Waffen wie Kamas und Stöcke, die im Taekwondo normalerweise nicht zum Einsatz kommen. Wie kamen sie dazu ?

Reyes: Ich hatte einmal die Gelegenheit, Remy Presas kennenzulernen. Ich hatte großes Interesse, Waffentechniken zu lernen. Es war so eine Entscheidung in meinem Leben, wie auch der Anfang mit dem Semikontakt, dem Taekwondo Wettkampf oder dem Boxtraining. Eine Sache, die ich einfach mal machen wollte. Als ich Presas sah, war ich von seinem Arnis begeistert. Außerdem stamme ich selbst von den Philippinen, so daß mein Interesse dadurch noch stieg. Zunächst nahm ich an einem zweiwöchigen Lehrgang teil. Als ich die Stöcke das erste Mal in die Hand nahm, fühlte ich mich wie ein blutiger Anfänger. Ich mußte lernen, wie man die Stöcke dreht und in die richtigen Winkel und Positionen bringt. Es war eine richtige Herausforderung für mich. Mein Lehrer, Dan Choi, wollte nicht, daß ich einen anderen Stil als Taekwondo trainiere. Ich betrieb das Waffentraining also nur nebenbei und heimlich. Er bekam es erst heraus, als ich richtig gut wurde. Ich brachte es meinen Schülern bei und machte mit ihnen ein Demo. Dann war auch Choi davon begeistert.
Auf mein Taekwondo hat sich das Waffentraining sehr positiv auswirkt, denn ich hatte viele flüssige, geschmeidige Bewegungen erlernt. Es war eine wirklich gute Bereicherung gegenüber einem so geradlinigen und harten System wie dem Taekwondo. Arnis besitzt einen schönen Fluß und bereichert darüber hinaus um die Möglichkeit, vielseitig zu kontern und sich gegen mehrere Angreifer gleichzeitig zu wehren.

KICK: Sie haben die Waffentechniken also nicht dazu genommen, um die Demos aufzupeppen ?

Reyes: Nein, definitiv nicht. Wir haben sie eingebaut, um den Aspekt des Kampfes und des Budosports zu verstärken. Ich dachte, „Wow, das wird uns ein riesiges Stück nach vorne katapultieren.“

KICK: Denken Sie, die Rolle der Waffentechnik in der Kampfsportszenen wieder populär gemacht zu haben ?

Reyes: Zu dieser Zeit gab es einige Lehrer für das Arnis wie den legendären Angel Cabales, doch sie hielten den Unterricht zurück. Für sie war es eine Familienangelegenheit. Remy Presas war der erste, der in aller Öffentlichkeit für den Stil warb und auch jedermann unterrichtete. Dann gab es nur noch Leo Gaje aus New York und, natürlich, Dan Inosanto. Erst später kamen andere hinzu. Mit dem West Coast Demo Team haben wir das Arnis in den ganzen Staaten populär gemacht und die Waffentechniken in unseren eigenen Stil eingearbeitet. Ich glaube, wir haben sehr viel dazu beigetragen, die Waffentechniken bekannt zu machen.

Ernie Reyes Jr. und Sr. im Film 'Surf Ninjas'

Im Prinzip war ich selbst sehr traditionell eingestellt. Meiner Meinung nach war es für einen Taekwondoin ein großes Tabu, Kung Fu oder einen anderen Stil zu betreiben. Obwohl ich dachte, daß es falsch war, wuchs ich so im Kampfsport auf. Später lernte ich, daß jeder Stil seine guten Seiten hat, und ich begann umzudenken.

KICK: Unterrichten sie in ihren Schulen traditionelles Taekwondo oder eine Mischung aus verschiedenen Stilen?

Reyes: Um seinen Schwarzgurt zu erhalten, muß man in unseren Schu-len dieselbe traditionelle Ausbildung durchlaufen, wie auch ich sie bei meinem Lehrer absolvierte. Das einzige, was bis dahin aus anderen Stilen hinzukommt, sind Selbstverteidigungs- und Stocktechniken in Grundzügen. Für das Programm zum zweiten und dritten Meistergrad kommen weitere Techniken aus dem Arnis, hier insbesondere Entwaffnungsübungen gegen Messerangriffe, Boxtechniken und moderne, kreative Formen hinzu. Die Taeguk-Formen fördern wir nicht, wir benutzen die Palgue-Formen, die mein Instruktor mir beibrachte.

KICK: Sie waren eine der wichtigsten Personen, die zur Innovation der Formenwettkämpfe beigetragen haben. Viele der herausragenden Formendarbieter distanzieren sich von der traditionellen Seite des Sports. Sie nicht. Warum?

Reyes: Ich möchte die Tradition überliefern. Ich glaube, daß mein Lehrer mir etwas ganz Spezielles gegeben hat. Er brachte mir bei, ein guter Kampfsportler zu sein. Ich bin mir darüber klar, daß ich seine Arbeit fortführen will. Er soll stolz auf mich sein. Für mich ist das ein Weg, ihn für seine Arbeit zu belohnen.

Red Sonja Movie

Sohn Ernie jr. spielte als Kind an der Seite von Arnold Schwarenegger in 'Red Sonja'

Ich möchte, daß meine Schüler vielseitig werden. Wenn sie die Schule meines Lehrers besuchen, sollen sie sich problemlos einfügen können, auch wenn sie vielleicht ein wenig mehr gesehen und gelernt haben. Sie sollen sich in einem traditionellen Umfeld wohlfühlen, und mein alter Lehrer soll sich mit ihnen als Schüler anfreunden können. Wenn sie auf der anderen Seite in eine typisch amerikanische Sportschule gehen, in der es etwas offener und liberaler zugeht, werden sie sich ebenfalls problemlos anpassen können. Wenn sie einmal Vollkontakt kämpfen wollen, brauchen sie ohnehin eine solide technische Basis. Sie werden lernen, gut zu kicken und zu boxen. Und wenn sie mehr zur Waffentechnik tendieren, werden sie ebenfalls eine solide Basis haben.
Vor kurzem habe ich einen alten Freund aus Hong Kong zu mir eingeladen, um Unterricht im Wu Shu und den Chinesischen Waffensystemen abzuhalten. Die Aspekte seines Trainings fließen in die Grundausbildung meiner Schüler ein, die ab der kommenden Generation zum Standard wird. Dennoch ist es mein Hauptanliegen, sich nicht zu weit vom traditionellen System wegzubewegen. Es gilt das Gleichgewicht zwischen den Traditionen und dem Fortschritt zu wahren.
In den traditionellen Systemen sehe ich soviele Werte wie Respekt und Disziplin, die man heute im gesellschaftlichen Leben braucht. Ab und zu besuche ich Turniere und stelle fest, daß diese Werte nicht mehr vorhanden sind. Die Teilnehmer heben den sportlichen Aspekt über alles, sie verbeugen sich noch nicht einmal voreinander. Sie beachten den Kampfrichter nicht, und sie respektieren oftmals das Urteil der Punktrichter nicht, obwohl sie wissen, daß sie im Unrecht sind. Für mich ist es normal, einen Punkt zu akzeptieren, ob er nun gut oder schlecht war, sich zu verbeugen, und es noch einmal versuchen. Dies nicht zu respektieren ist für mich ein Widerspruch gegen die wahren Werte des Sports, die einem Frieden und Harmonie bringen sollen. Das Hauptziel soll sein, sich selbst verteidigen zu können, um sich gut und sicher zu fühlen.

KICK: Sie und ihre Schüler waren und sind sehr erfolgreich bei Turnieren. Dennoch hört es sich nicht so an, daß Gewinnen ihr oberstes Ziel ist.

Reyes: Es ist es sicher nicht. Ich glaube, daß Gewinnen ein Weg ist, um Menschen zu ändern und sie in eine positive Richtung zu bewegen. Zu gewinnen, um ein schlechtes Beispiel zu geben, halte ich für negativ. Als Kampfsportler haben wir schließlich keine Wahl, denn wir lehren wichtige und machtvolle Dinge, die das Leben von Menschen verändern können. Wir haben Wissen und Erfahrung in geistiger und geistlicher Hinsicht. Wir behandeln die Menschen als ganzes. Der ganze Körper und Geist ist in unserer Kunst implementiert, und daher meine ich, wir sind sehr einflußreich.

Waffentechnik mit Schwert

Waffentechniken mit Schwert sind seine Spezialität

KICK: Wie bringen sie ihren Schülern die wichtigen Werte bei?

Reyes: Als Lehrer geben wir Wissen an unsere Schüler weiter. So wie wir unsere Organisation führen, kann man sehen, daß sich jeder um den anderen kümmert. Das ist nicht nur oberflächlich, denn ich bekomme nicht nur einen bestimmten Geldbetrag durch den ich verpflichtet werde, eine Gegenleistung in Form von Unterricht entgegenzusetzen. Es geht weit darüber hinaus. Unsere besten Leute haben die richtige Einstellung und sie verbreiten sie auf alle anderen. Wir konzentrieren uns darauf, und versuchen, es nicht zu vernachlässigen. Je größer wir werden, desto größer wird die Herausforderung, es dabei zu belassen. Man darf nicht aufgeben, man muß sich stets bemühen, die Werte aufrechterhalten. Unsere Schu-len sind eine so einzigartige Einrichtung. Sie geben viel positive Energie, jeder kümmert sich um jeden, und der Respekt, den man voreinander hat, ist fast übernatürlich. Die Martial Arts haben mir soviel gegeben. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die durch ihr Leben gehen und nichts damit anzufangen wissen. Ich war so glücklich zu wissen, was ich wollte und ich sagte schon früher zu mir selbst: „Wie kann ich dieses Gefühl an andere weitergeben?“. Das wurde zu meiner Mission, die Suche nach dem Sinn meines Lebens.

KICK: Wenn sie in die Zukunft blikken; was sind ihre Hoffnungen und Ziele?

Reyes: Ich glaube, die Martial Arts haben einen hohen Stellenwert für die Gesellschaft, besonders in den Vereinigten Staaten. Viele Jugendliche werden heute irregeführt. Viele von ihnen erhalten nie eine echte Chance. Das Kampfsporttraining kann diese Lücke füllen. Damit dies eintritt, sind jedoch die Lehrer gefragt. Im Moment sehe ich in der Gesellschaft nicht die nötige Portion an Disziplin und Respekt. Es herrscht Mißtrauen, und viele Leute gehen nur bewaffnet auf die Straße. In meiner Jugend war das anders. Natürlich gab es auch damals die eine oder andere Schlägerei, doch man hatte irgendwie mehr Achtung vor dem Leben anderer Menschen. Ich denke, man muß etwas dagegen tun. Beim Training kann man die Kids beeinflussen und ihre Meinung verändern. Natürlich ist es nicht nur das Training oder der Kampfsport, aber die Meister haben einen großen Einfluß auf ihre Schüler, um Änderungen zum Guten zu erreichen. Der Ansporn zu diesem Handeln muß jedoch von den Anführern der Verbände kommen.
Ich selbst möchte in der Lage sein, erfolgreich Schulen zu leiten, um viele Leute durch das Training positiv zu beeinflussen. Ich glaube, der Kampfsport ist eine Sache für die ganze Familie. Wir haben mehr neue Schüler als je zuvor, und wir behalten ebenfalls umso mehr unserer alten Leute. Das ist ein Zeichen dafür, daß der Familiensinn immer weiter steigt. Jeder erfreut sich am Schlagen und Kicken, und man fühlt sich dabei gut. Ich freue mich darüber, mehr und mehr Leute zum Training zu bringen und sie für lange Zeit dafür zu begeistern. Für meinen eigenen Teil versuche ich, fit zu bleiben, mich körperlich und geistig fortzuentwickeln, und als Hobby mache ich Filme.

KICK: Wenn wir gerade über Filme sprechen, haben Sie nicht gerade bei Streetfighter mitgewirkt?

Reyes: Ja, Jean-Claude Van Damme und Raul Julia spielen die Hauptrollen. Die meisten Schauspieler waren keine Kampfsportler, so wurde ich für fünf Wochen angeheuert, um einige Stars bei Stunts zu doubeln.

KICK: Waren die Stunts spektakulär oder gar gefährlich?

Reyes: Mit einem Budget von 50 Millionen Dollar war es ein sehr teurer Streifen. Die Apparaturen für die Stunts waren entsprechend aufwendig. Man weiß natürlich nicht, ob die Tatsache, daß einige Hauptdarsteller gedoubelt werden mußten, dem Film schadet. Aber natürlich war noch Jean-Claude da, wegen dem wohl die meisten Zuschauer in die Kinos kommen werden.

KICK: Gab es noch andere bekannte Kampfsportler, die in diesem Film mitgewirkt haben?

Reyes: Ja, aber das hat nichts zu sagen. Wenn sie Techniken zeigen, die zu schwierig sind, dann haben die Schauspieler große Probleme, sie bei den Nahaufnahmen nachzuahmen. Ich hoffe, daß sie beim Schnitt ein wenig Magie in die Bewegung bringen.

KICK: In Streetfighter haben sie nur gedoubelt, im vorhergehenden Film hatten sie aber ein Hauptrolle?

Reyes: Mein Sohn Ernie Jr. und ich spielten in „Surf Ninjas.“ Das Drehbuch für den in Thailand produzierten Film wurde genau auf uns zugeschnitten. Es war eine großartige Sache, Leute zu finden, die praktisch für uns ein Drehbuch schrieben und einen Film daraus machten. Die Dreharbeiten waren wie ein großartiger Siegeszug. Man muß wissen, daß es nicht gerade einfach ist, ein Projekt auf diesem Weg zu verwirklichen. Dennoch dauerte alles beinahe zwei Jahre.

KICK: „Surf Ninjas“ war ein etwas komischer Streifen. Sollte der Film ursprünglich anders aussehen?

Reyes: Zunächst sollte es ein ganz ernster Film werden. Dann begann man, ihn umzuschreiben. Sie heuerten Leslie Nielson und Rob Schnieder aus „Saturday Night Live“ an, und die machten dann daraus eine Komödie. Es wurde eine völlig andere Geschichte, bei der die Produzenten mitzogen.

KICK: Waren Sie mit dem Film zufrieden?

Reyes: Teils, teils. Wir hatten nicht gerade viel Zeit, uns auf den Aspekt des Kampfsports im Film zu konzentrieren, um Ernie Jr. hervorzuheben. Dennoch machten wir das beste daraus, und wir setzten unsere Highlights in Komödie und Schauspielerei. Das war ein wenig enttäuschend. Die Kampfszenen erhielten sehr gute Kritiken, und das ist gut so, denn Ernie Jr. und ich haben dafür einen großen Aufwand betrieben. Bei Probeaufführungen vor dem eigentlichen Kinostart schnitt der Film sogar besser ab als die Ninja Turtles. Jeder, der den Film gesehen hatte, mochte ihn auf Anhieb. Beim Marketing lief etwas schief. Beim Betrachten des Film- plakates konnte man kaum ausmachen, um was für einen Film es sich handelt. Es gab dadurch Probleme beim Ansprechen des Publikums. Die Kids und Teenager konnten kaum etwas mit dem Titel anfangen. Schade, denn der Film war wirklich gut, ein Film für jedermann. Besonders gefiel mir, daß die Grundsätze des Kampfsports zum Tragen kamen.

KICK: War es von Anfang an ihre Absicht, diese charakterlichen Grundzüge hervorzuheben?

Reyes: Ich wollte schon immer die Idee für einen solchen Film verwirklichen, in dem Ehre, Loyalität, Familie und alle anderen positiven Eigenschaften, die durch das Kampfsporttraining betont werden, herausragen. Das ist, worauf ich mich konzentriere.

Kick 1995 Ausgabe 05 Ernie Reyes

Kick 1995 Ausgabe 05


Dieses Interview wurde in der Ausgabe 05/95 veroeffentlicht.

Stretching mit Jean Frenette

Mit seinen präzisen, hohen Kicks, wie auf dem großen Foto links zu sehen, wurde Jean Frenette weltbekannt. Der dreifache Formen-Weltmeister aus Kanada führt seine exzellenten Techniken auf sein ausgiebiges Stretching Übung zurück. Selbst wenn nur ganz wenige Menschen in der Lage sein werden, die Techniken mit gleichem Erfolg auszuführen, können seine Trainingstips von großem Vorteil sein, was er ständig bei seinen Seminaren unter Beweis stellt. Neben den klassischen Dehnungsübungen, die allein ausgeführt werden, bevorzugt er Partnerübungen.

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Dunja Grdseloff

Dunja Grdseloff: Austrias Kickbox Girl

Dunja Grdseloff

Dunja Grdseloff aus Wien ist eine top Fighterin der IASKA

Wer die zierliche 17-jährige Gymnasiastin mit dem unaussprechlichen Namen zum ersten mal sieht, möchte kaum glauben, daß sie Österreichs Nummer eins im Kickboxen der Damen im Mittelgewicht und Vizeeuropameistern der IAKSA ist. Im Semikontakt versteht sich, da es in diesem Amateurverband keinen Damenvollkontakt gibt.
Nur Semikontakt ???

Wer einmal ein Trainings-Match mir ihr bestreitet, wird schnell zum überzeugten Fan. Trotz ihrer blitzschnellen, technisch perfekten Kicks ist ihre Lieblingswaffe die Backfist. Daß sie auch regelmäßig in der Kraftkammer zu finden ist, sieht man am perfekt austrainierten Body, der keine Wünsche offen läßt.
Trainiert seit zwei Jahren
Obwohl sie erst etwas über zwei Jahre Kickboxen trainiert, ist sie doch eines der größten heimischen Talente. Von ihren rund 50 Kämpfen im In- und Ausland hat sie 46 gewonnen. Zu ihren größten Erfolgen zählt der bereits erwähnte Vizeeuropameister 1994 der IAKSA, der erste Platz bei der vienna open im Vorjahr gegen die starke Ungarin Eva Szucz, der zweite Platz bei der German open 1994, wo sie trotz heftiger Proteste der Coach gegen die Kampfrichter nicht gewinnen konnte. Weiters der zweite Platz bei der British open 1994 (WUMA), der Gewinn der Int. Ungarischen Juniorenmeisterschaft etc. etc.

Dunja Grdseloff

Befragt nach der Situation der Damen im Kampfsport meint sie, daß das Damenkickboxen noch immer zu stiefmütterlich behandelt wird, ja in manchen (Macho) Gehirnen gerade noch die Wertigkeit von Schlammringen in schummrigen Bars aufweist. Obwohl es in letzter Zeit mit den Turnierangeboten besser wurde, wäre mehr Popularität wünschenswert. In den sechziger Jahren wurde Damen-judo ebenso belächelt, heute ist es olympisch.

„Keine Ahnung ?“
“Jeder, der glaubt, daß wir nicht trainieren oder von Trainingsplanung keine Ahnung haben, soll sich einmal so ein Training ansehen”. Ohne tägliches Training im Club, sei es in der Kraftkammer oder im Trainingsraum, ohne ständiges Stretching oder Ausdauertraining kann man nicht an die Spitze kommen. Daß durch He-ben von Gewichten die Mädchen unansehnlich werden, ist genauso ein Märchen wie die Behauptung, daß Krafttraining langsam macht. Gewußt wie und besser nie als falsch.

Respekt für Halmich
Vollkontakt ist nichts für sie, ob-wohl sie z.B. für Mädchen wie Regina Halmich oder Christine Yao großen Respekt und Sympa-thie aufbringt. Kaum positives füllt ihr zu der Amerikanerin Krasnoo ein. “Sie ist als Kämpferin uninteressant und profitiert nur von ihrer Optik. Nichs gegen sexy Outfit, aber alles zu seiner Zeit und speziell auf ihrem Gebiet in den Formen sollte sich sich traditions-bewußter geben, wenn man das noch als Kampfsport bezeichnen will”.

Keine Angst
Angst vor Verletzungen hat sie keine, denn jeder Sportler trägt das gleiche Risiko. Prozentual gesehen ist das Risiko von Verletzungen im Skifahren oder Fuß-ball wesentlich höher als im Kampfsport. Wer auch beim Training mit der richtigen Schutzausrüstung kämpft und sich vorher ordentlich aufwärmt, kann das Verletzungsrisiko ohnehin auf ein kleines Restrisiko minimieren.

grdseloff kickboxing iaska

Titelträume
Ihre nächsten Ziele sind der österreichische Staatsmeister Titel im Sommer und eine Medaille bei den IAKSA Weltmeisterschaften in Kanada im Herbst dieses Jahres.
Jeder, der ihren Einsatz beim Training sieht, traut ihr zu, daß sie erreicht, was sie sich vornimmt.

Kick 1995 Ausgabe 05 Ernie Reyes

Kick 1995 Ausgabe 05

Dieses Portrait erschien in der Ausgabe 05/1995 in s/w.
Text & Fotos: Fritz Exenberger

Fritz Exenberger betreibt die Organisation WKF Kickboxing in Wien, Oesterreich.

Kurz-Steckbrief:

Name: Dunja Grdseloff
Verein: Octagon Wien
Kampfrekord: 46 Siege, 1 Unentschieden, 6 verloren
Alter: 17 Jahre
Beruf: Gymnasiastin (mit Vorzug)
Gew. Klasse: Mittelgewicht -65 kg, IAKSA
Familienstand: verliebt

Die Karriere des John Corcoran

Als Anhang zu unserem Artikel und Interview: John Corcorans Karriere im Überblick

Siehe Original Artikel: Kampfkunst Autor John Corcoran

1967
Beginn des Karate-Trainings in Pittsburgh, Pennsylvania, angeregt Sierch die Verwendung von Kampfkunstelementen im James Bond-Film “Man lebt nur zweimal”. 1970 — Als Braungurt Wechsel zu einer Stilrichtung des Okinawa Shorin-Ryu Karate unter dem bekannten Vertreter Glenn Premru, der später auf nationaler Ebene Kata-Champion wurde.
1970-72
öber 40 Trophäen im Kata-Bereich, Kyu-Klasse, gewonnen.
1972
Ersten Artikel für die Zeitschrift Official Karate geschrieben. Zum 1. Dan aufgestiegen und den persönlichen Schwarzgurt seines Trainers erhalten. Umzug nach Los Angeles, Kalifornien.
1973
Amerikas erste “Top-10”-Beurteilung für den Bereich Kata- Wettbewerb ins Leben gerufen, erschienen im Official Karate Yearbook. Wurde der erste hauptberufliche Buchherausgeber bei Ohara Publications. Arbeitete mit Autoren wie Fumio Demura und Chuck Norris zusammen. Versetzung in die Zeitschriften-Abteilung des Unternehmens, dort der erste Karate-Schwarzgurt, der Redakteur beim Magazin “Black Belt” wurde. Training mit Jerry Smith, Schützling der Karate/Kickbox-Legende Joe Lewis.
1974
öbernahme eines Redakteur-Jobs bei Mike Anderson, Gründer/Herausgeber von Professional Karate, der Zeitschrift, die Bewegung in die Kampfsport-Szene brachte. Prägte den Namen “Semikontakt” für eine neue Form des Karate-Wettkampfes, der heute weltweit verwendet wird. Half bei der GrünSieng der 1. “World Professional Karate Championships”, des Wettbewerbs, wo die Disziplin des Vollkontakts gegründet wurde.
1975
Assistierte dem Schwergewicht-Weltmeister Joe Lewis beim Schreiben der bahnbrechenden “Angular Attack”-Artikel, die ein Teil von Lewis brilliantem Konzept sind, das nahezu alle großen Kampf-Champions der ersten Semikontakt-Jahre beeinflußt hat.
1975-77
Arbeit als erster hauptberuflicher, freiberuflicher Kampfkunst-Journalist.
1976
Einführung lokaler Ranglisten im Karate Illustrated Magazin, worauf nationale Ranglisten folgten, was schließlich zur Folge hatte, daß die Zeitschrift von 1978-85 tonangebend auf dem Gebiet der Rang-/Siegerlisten für das amerikanische Sportkarate war.
1976-79
Unabhängiger Berater der “Professional Karate Association” (PKA), um dem Vollkontakt-Karate auf die Sprünge zu helfen. Während dieser Zeit, war er dabei behilflich, aus Bill “Superfoot” Wallace einen Medienstar zu machen.
1977
Erstes Buch veröffentlicht: “The Complete Martial Arts Catalogue”, Mitautor: Emil Farkas, herausgegeben Sierch den großen New Yorker Verleger Simon & Schuster. In zwölf Jahren auf dem Markt 80.000 Ausgaben des Buches verkauft. Schrieb die letzte Kampfkunst-Grabschrift für Elvis Presley anläßlich seines tragischen Todes.
1977-81
Wurde Zimmergenosse und treuer Schützling von Joe Lewis, bis heute Corcorans Hauptlehrer; schaffte den Sierchbruch Sierch den außerordentlichen Einfluß von Lewis. Leistete bahnbrechende Arbeit, indem er in dieser Zeit für mehrere Zeitschrifte Artikel über Kampfkunst schrieb: Geschichten insgesamt in fünf Sprachen in über 70 Ländern erschienen.
1979
Austritt aus der PKA. Da “Inside Kung Fu” Sierch ihn von einer regionalen zu einer in ganz Amerika erscheinenden Zeitschrift wurde, seit dem wichtigster Redaktionsberater des Verlegers Curtis Wong. Stellte Paul Maslak als IKF-Redakteur ein, der später viele wichtige Beiträge für die Kampfkünste in den Medien und in Hollywood-Filmen leistete.
1980
Gründer der Zeitschriften “Martial Arts Movies” und “Inside Karate” (damals “Kick Illustrated” genannt). Neben Paul Maslak Mitbegründer der STAR Ranglisten für das Pro-Kickboxen.
1981
Zweites Buch veröffentlicht: “The Overlook Martial Arts Dictionary”, Mitautor: Emil Farkas.
1983
Drittes Buch veröffentlicht: “The Martial Arts: Tradition, History, People”, die erste maßgebliche Enzyklopädie auf diesem Gebiet; ein gigantisches Nachschlagewerk mit über einer Million Stichpunkten, die 10 Jahre vom Konzept bis zur Fertigstellung benötigte. Mitautor: Emil Farkas. Das Buch wird weltweit als literarischer Meilenstein angesehen. Bis jetzt 100.000 Ausgaben verkauft.
1986
Auserwählt von den Herausgebern der “The World Book Encyclopedia”, die noch heute existierende Eintragung zum Stichwort “martial arts” zu schreiben. Wurde in Florida Teilhaber und Mitbegründer von The Fighter International, dem ersten in den USA erschienen, vollfarbigen, qualitativ hochwertigen Kampfkunst-Magazin. Wurde Medien-Mentor von John Graden aus St. Petersburg, Florida und im Gegenzug eine öffentlich-gefeirte Persönlichkeit.
1987
Verkaufte das erste Alleinverkaufsrecht für eine Kampfkunst-Zeitschrift ans Ausland, die schwedischsprachige Version von “The Fighter International”: Svenska Fighter mit Benny Hedlund. Es war Skandinaviens erstes Kampfkunst-Magazin und erscheint auch heute noch. 1987-88 — Schrieb das entscheidende Interview über die Anfänge der Karriere von Jean-Claude Van Damme, in drei Teilen. Half, aus ihm einen Kampfkunst-Medienstar zu machen, indem er ihn als “Hollywood’s New Bruce Lee” bezeichnete.
1991
Zog zurück nach Los Angeles. Viertes Buch veröffentlicht: “The Martial Arts Companion”, das erste vollfarbige “Bilderbuch” dieses Genres. Schrieb für Cannon Films das Drehbuch zu “American Samurai”. In dem Film, der 1992 gedreht wurde, hatte Mark Dacascos seine erste Hauptrolle.
1992
Kehrte zurück zu Curtis Wong und wurde GrünSiengsredakteur von “Inside Tae Kwon Do”. Begann Karriere als Stuntman im Kampfsportbereich. “Encyclopedia” wird nochmals veröffentlicht unter dem Titel “The Original Martial Arts Encyclopedia” und schlägt alle Verkaufsrekorde.
1995
Fünftes Buch veröffentlicht: “The Martial Arts Sourcebook”. Schrieb das erste Aquisitationshandbuch für Kampfsportler: “Wie man in seiner Stadt ein Karate-Star wird”(How to Become A Karate Star in Your Town”. Neben John Graden Mitveranstalter der “Fortune & Fame”-Seminare, einer landesweiten Serie von neuartigen berufsbezogenen Seminaren für Kampfsportschulen-Besitzer.

Jeff Smith, Bill Wallace, Joe Lewis

KAMPFKUNST-AUTOR JOHN CORCORAN:

John Corcoran

Corcoran fährt am liebsten amerikanische Sportwagen. Seinen Camaro besitzt er seit vielen Jahren.

SEINE FEDER IST MÄCHTIGER ALS DAS SCHWERT: Der erfahrene Schwarzgurt John Corcoran, Redakteur von Inside Tae Kwon Do, gilt als einer der führenden Kampfkunstautoren der Welt. In seiner 22-jährigen Journalistenkarriere hat er Millionen Worte über die Kampfkünste geschrieben, ein umfangreiches, vielgelobtes Werk, das Bücher, Zeitschriften und Drehbücher umfaßt. Dies ist das erste Interview, das er jemals gegeben hat.

von Andre Alex Lima

John Corcoran and Don Wilson

John Corcoran mit Don Wilson

John Corcoran, 45, aus Los Angeles, Kalifornien, wird als einer der ganz großen Literaten über die Kampfkünste angesehen. Für zahlreiche Autoren und Redakteure in aller Welt, besonders für diejenigen, deren Karrieren er beeinflußt hat, gilt er als Vorreiter der modernen Kampfkunstliteratur. Corcoran, aus Pittsburgh, Pennsylvania stammend, begann 1967 im Alter von 17 Jahren Okinawa-Karate zu lernen, nachdem er die eindrucksvolle Kampfsportszene im James Bond-Film “Man lebt nur zweimal” gesehen hatte. Fünf Jahre später erhielt er seinen Schwarzgurt im Shorin-Ryu Karate.
Seit 1977 ist Joe Lewis, der legendäre Schwergewicht-Karatechampion sein einziger Martial Arts Lehrer. 1972 zog Corcoran nach Los Angeles um, mit dem Traum, ein Kampfkunstschriftsteller zu werden und bekam nach neun Monaten Gelegenheitsarbeit seinen Traumjob bei “Black Belt”, Amerikas führendem Kampfsportmagazin. Er war der erste Karate-Danträger, der jemals für “Black Belt” arbeitete. Seit 1973 ist Corcoran Redakteur bei annähernd jeder großen Fachzeitschrift in den Vereinigten Staaten gewesen, darunter “Inside Kung Fu” und “The Fighter International”, das erste in Amerika produzierte vollfarbige Magazin. Zur Zeit ist er Chefredakteur von “Inside Tae Kwon Do”. Seine Artikel erschienen in sechs Sprachen in über 70 Ländern.

Jeff Smith, Bill Wallace, Joe Lewis

Preisverleihung der "Fighter Magazins" (v.l.n.r.) Jeff Smith, Bill Wallace, Howard Petschler, Joe Lewis, John Corcoran

Corcoran wird als bahnbrechender Kampfkunstautor anerkannt. Von seinen fünf Büchern sind bis heute über eine Viertelmillion Exemplare verkauft worden. Am bekanntesten wurde er dierch sein Meisterwerk The Original Martial Arts Encyclopedia, dem Nachschlagewek dieses Genres schlechthin, das zehn Jahre vom Konzept bis zur Fertigstellung in Anspruch nahm und von dem über 100.000 Ausgaben weltweit verkauft wurden. Im Jahre 1988 wurde Corcoran von den Herausgebern von “The World Book Encyclopedia” geehrt. Er wurde auserwählt, um die Eintragung über Kampfkunst zu schreiben. Unter anderem hat er auch am Drehbuch von American Samurai mitgewirkt, dem Film, in welchem der Kung Fu-Superstar Mark Dacascos seine erste Hauptrolle spielte. Corcorans neuestes Projekt, The Martial Arts Sourcebook (Harper Collins), wurde erst kürzlich, im Januar 1995, veröffentlicht und enthält, wie auch seine Enzyklopädie, über eine Million Stichpunkte. Die Bandbreite dieses Werks erstreckt sich von aufgegliederten Verzeichnissen traditioneller Formen über Film- und Videobesprechungen bis hin zu Siegerlisten von allen großen Wettbewerben seit 1957. “The Martial Arts Sourcebook”, so glaubt er, wird sein bisher meistverkauftes Buch, da dessen Inhalte mehr auf die breite Masse zugeschnitten sind als seine bisherigen Bücher. In seiner Karriere als Journalist hat Corcoran Tau-sende von Geschichten über Tausende Kampfkünstler geschrieben. Aber noch immer, bis auf knappe Notizen oder kurze Zeitungsmeldungen, hat er selbst absichtlich das Rampenlicht der Presse gemieden. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dies das erste Interview ist, dem er jemals zugestimmt hat. Bemerkenswert, weil er als Redakteur immer die uneingeschränkte Möglichkeit gehabt hat, sich selbst in seinen eigenen Zeitschriften zu präsentieren, dies aber ablehnte. Der wahre Grund dafür, daß er nun an die Öffentlichkeit tritt, sagt er, ist “da die Kampfkünste mein Leben entscheidend positiv verändert haben, und ich hoffe, daß meine Geschichte andere Kampfkünstler inspirieren wird, nach den Sternen zu greifen und nie aufzugeben.
“Lebe so, daß die Leute dein Autogramm haben wollen und nicht deine Fingerabdrücke.”— John Corcoran

KICK: Über 20 Jahre lang haben Sie es abgelehnt, ein Interview zu geben oder eine Geschichte in den Kampfkunstmedien schreiben zu lassen, selbst in den eigenen Zeitschriften, die Sie herausgegeben haben. Warum haben Sie das Rampenlicht die ganze Zeit über gescheut und jetzt plötzlich den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt?

Corcoran: Das hat viele Gründe, Andre, und Sie sind einer davon. Schaun Sie, es ist der richtige Zeitpunkt, Sie sind, aufgrund Ihrer umfassenden Verbindungen zu Kampfkunstmagazinen, der richtige Journalist und letztendlich werde ich endlich dem Bedürfnis gerecht, meine Geschichte zu erzählen. Die Tatsache, daß ich ein neues Buch veröffentlicht habe, ist nur ein Teil meiner Karriere. Joe Lewis, mein größter Meister, lehrte mich, daß wo Macht ist, auch Verantwortung entsteht. Redakteure und Autoren von Fachzeitschriften befinden sich in einer sehr machtvollen Position – in der Weise, daß sie eine große Leserschaft, darunter viele junge und beeindruckende Kampfkünstler, beeinflussen. Deshalb arbeitete ich während meiner Schriftstellerkarriere immer daran, mir den Ruf eines sehr ehrlichen und verantwortungsbewußten Autors mit starken journalistischen Grund-sätzen zu verschaffen. Ein Bestandteil dieser Wertvorstellungen war die Einsicht, daß der geeignete Platz für mich hinter den Kulissen war. Meine Unterstützung galt immer Freunden, Bekannten und solchen Schwarzgurten, die ihren Rang verdient haben. Sie wurden durch mich bekannt. Aber ich vermied dabei Eigenwerbung, die für mich Machtmißbrauch darstellt. Ein Teil meiner Denkprozesse und Schreibfertigkeiten verdanke ich all den Geschichten, die ich bis jetzt bearbeitet habe. Auf diese Art und Weise “teile” ich ein Stück von mir selbst mit meinen Lesern. Und, letztenendes, dies mag dramatisch klingen, aber man weiß nie: Ich könnte morgen sterben und hätte dann die Chance verpaßt, meine Geschichte zu erzählen. Auf diesem Weg, durch unseren kombinierten Kontakt, wird dieses Interview hoffentlich eine große multikulturelle Leserschaft auf der ganzen Welt in vielen Sprachen erreichen.

KICK: Wo, wann und warum haben Sie mit dem Kampfsport begonnen?

Corcoran: Bevor ich das beantworte, würde ich gerne erklären, wie ich aufwuchs, so daß Sie die enorme Bedeutung erkennen, die die Kampfkünste in meinem Leben als junger Mann einnahmen. Ich wuchs in Pittsburgh, Pennsylvania auf, in einem heruntergekommenen Stadtteil namens North Side, nur ein paar Minuten vom “Three Rivers”-Stadion entfernt. Pittsburgh ist eine Arbeiter- und Industriestadt, die die Heimat von amerikanischen Arbeiterklassenfamilien und den 57 Produkten des Lebensmittelherstellers Heinz ist. Ich wuchs unter trinkfesten, kampferfahrenen irisch-katholischen Einwanderern zweiter Generation auf, die es zu einer Wissenschaft gemacht hatten, anderen Leuten das Leben zur Hölle zu machen. Der Corcoran-Clan, fünf Brüder und drei Schwestern, hatte die Weltwirtschaftskrise und den zweiten Weltkrieg überlebt, und bei Gott, sie haben sich in den wilden 50er Jahren eine verdammt gute Zeit durchlebt, um das vorher Versäumte nachzuholen. Viele ihrer Kinder aus meiner Generation – meine Cousins und Cousinen – sind bedauerlicherweise torkelnd in die Fußstapfen ihrer Vorfahren getreten. Ich blieb in der ersten Klasse aufgrund chronischer unentschuldigter Abwesenheit und mütterlicher Gleichgültigkeit sitzen. Als sich meine Eltern zwei Jahre später scheiden ließen, lebten meine Schwester und ich mit unserer Mutter in einer Pension. Nachts arbeitete meine Mutter als Kellnerin. Eines Nachts – ich war acht Jahre alt – ging sie zur Arbeit und kam nie mehr zurück. Es war das letzte Mal in meinem Leben, daß ich sie sah oder mit ihr sprach.

Art Camacho and John Corcoran

Corcoran mit Choreograph Art Camacho (re.) und einem Filmproduzenten.

KICK: Sie meinen nicht einmal in einem Telefongespräch?

Corcoran: Ja, richtig. Sie ließ uns einfach im Stich. Unser Vater bekam das Sorgerecht. Auf diese Weise begann für uns ein Leben, das aus einer Reihe von Kurzaufenthalten bei verschiedenen Tanten und Onkels bestand. Mein Vater, John Corcoran Senior, ist eine dieser bunten Persönlichkeiten, über die Legenden geschrieben werden. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Kraft bekannt als “John, der Ochse” hatte er sich trotz seiner kompakten Statur – 1,70 m, 90 kg – selbst zum “Besten Straßenkämpfer Pittsburghs” ernannt. Ich glaubte ihm, ebenso wie etwa tausend Herausforderer, die er verdrosch und brutal zusammenschlug, um zu einer Straßenkampf-Berühmtheit zu werden. Bei einer Sache, die mir in bezug auf seine Kühnheit in Erinnerung geblieben ist, ging es um einen Kerl, der mit meiner Mutter flirtete. Mein Vater zog los, um ihn zu suchen, und als er ihn fand, telefonierte dieser Typ gerade in einer dieser alten von Glas und Metall umschlossenen Tele-fonzellen, die in Beton eingegossen war. Es kam wie es kommen mußte: Der Typ weigerte sich, die Tür der Telefonzelle zu öffnen, also riß mein Vater die gesamte Zelle aus der Betonverankerung, warf sie um, so daß sie am Boden in tausend Glasscherben zersprang, zog den Kerl raus und schlug ihn windelweich! Schließlich heiratete mein Vater eine andere Frau – meine Stiefmutter – mit der ich einfach nicht zurecht kam. Also lief ich im Alter von sechs Jahren von zuhause weg und versuchte es auf eigene Faust. Später sollte sich herausstellen, daß es außer mir nur noch ein Familienmitglied in meiner Generation gab, das seine Ausbildung an einer weiterführenden Schule beendete und ich der einzige war, der darüberhinaus eine weitere Ausbildung anstrebte. Mein einziges Hobby war – bevor die Kampfkünste in mein Leben traten – das Sammeln seltener Schallplatten. Pittsburgh war zufällig die Hochburg für Sammler seltener Platten. Ich sammelte seltene “Rhythm and Blues”-Schallplatten – von Schwarzen gesungene Aufnahmen aus der Zeit vor der Rock‘n’Roll-Welle. Ich schlug mich in meiner Schulzeit durch, indem ich mit diesen seltenen Platten handelte und für den damals größten Discjockey Pittsburghs arbeitete, dessen Radio den Namen “Mad Mike” trug. Als ich mein 18. Lebensjahr erreicht hatte, hatten sich bei mir 5.000 seltene Platten angehäuft. Dann verkaufte ich meine Sammlung, um mit dem Geld die Universität zu besuchen. Das waren die Ereignisse, die meinen Eintritt in die Welt der Kampfkünste beschleunigten.

KICK: Und wie kamen Sie zu den Kampfkünsten?

Corcoran: Ich hatte schon immer ein gewisses Interesse für die Kampfkünste, hauptsächlich hervorgerufen durch einige dieser frühen japanischen Samurai-Filme und all die Kampfszenen im Fernsehen, die dem Agentengeschichten-Boom der 60er Jahre zuzuschreiben sind. 1967, einen Monat nachdem ich die weiterführende Schule absolviert hatte, sah ich den James Bond-Film “Man lebt nur zweimal”, und die realistischen japanischen Kampfsequenzen dieses Films verschlugen mir die Sprache. Es dauerte nicht mal eine Woche bis ich meinen Vertrag für Karatestunden unterzeichnete.

KICK: Welche Stilrichtung haben Sie ausgeübt, und welchen Rang haben Sie erreicht ?

Corcoran: Ich hatte keine Vorstellung von Stilrichtungen oder Ähnlichem. Das war als sehr wenig über Karate und andere Kampfkunstsysteme bekannt war. So unterschrieb ich gleich bei der ersten Schule, die ich finden konnte. Der Stil hieß Isshin-Ryu Karate, und ich trainierte drei Jahre unter einem Lehrer namens Tom Voelker. In meinen Augen war Isshin-Ryu eine sehr unschöne Stilrichtung mit hohem Stand, vertikalen Fauststößen und sehr wenig Hüfteinsatz. So machte ich weiter bis zum Braungurt. Dann wechselte ich über zu einer dynamischen Stilrichtung des Okinawa Shorin-Ryu Karate, die von Glenn Premru unterrichtet wurde. Premru war einer der frühen Showleute des Karate und war unter den zehn führenden Katameistern Amerikas. Ich fing wieder als Weißgurt an und erlangte meinen Schwarzgurt. Er gab mir tatsächtlich seinen eigenen schwarzen Gürtel, was für eine sehr hohe Leistung spricht. Während dieser Zeit, von 1970 bis 1972, war ich Mitglied in seinem Demonstrations-Team und nahm an vielen Turnieren teil. Ich gewann über 40 Titel als Braungurt in Kata-Wettbewerben. Später, von 1977 an, wurden Joe Lewis und ich Zimmergenossen, wodurch meine Kampfkunst-Ausbildung unglaubliche Fortschritte machte. Er ist seitdem mein einziger Lehrer .

Zarco Mordic and Karl-Bernd Bockstahler

Kollegen unter sich (v.l.n.r.): Zarko Modric (erster europäischer Korrespondent des US-Magazins "Black Belt"), John Corcoran, Michael Deubner ("Kick"), Bernd Bockstahler (Begründer und langjähriger Chefredakteur des "Karate Budo Journals")

KICK: Bis zu welchem Grad sind Sie vorgerückt ?

Corcoran: Die Graduierung war nie wirklich wichtig für mich. Ich glaube Glenn Premru verlieh mir irgendwann in den 70ern den dritten Dangrad, und das ist die höchste Graduierung, die ich jemals erreicht habe. Aber was mir als wichtig erscheint, ist, wie das Karate-Training mich und mein Leben verändert hat. Durch Karate bekam ich ein sehr ausgeprägtes Gefühl für Selbstbewußtsein und Selbstachtung. Es gab mir positive Verhaltensmuster, die ich nie zuvor in meinem Leben gekannt hatte, und es gab mir meine erste richtige Vorstellung von positiven menschlichen Werten. Plötzlich hatte ich Ziele und Ehrgeiz. Ich glaubte an mich selbst, daran, daß ich aus meinem Leben etwas Bedeutungsvolles machen könnte. Es verwandelte mich von jemandem, der auf die schiefe Bahn hätte geraten können, in jemanden, der etwas für die Gesellschaft tun wollte.

KICK: Wann und warum hast Du damit begonnen, über Kampfkünste zu schreiben?

Corcoran: Als ich 1970 anfing, mit Premru zu trainieren, besuchte ich die technische Schule, um Architektur zu studieren. Ich war pleite. Ich finanzierte meine Stunden, indem ich Pressemitteilungen für ihn schrieb und Werbung machte. Ich habe es nie verpaßt, ihn ins Scheinwerferlicht der Medien zu rücken. Meinen ersten Artikel für ein Kampfkunst-Magazin, Official Karate, schrieb ich 1970. Es war ein Porträt über Premru. Das Ungewöhnliche daran war, daß ich weder Übung im Schreiben formaler Texte noch literarische Erfahrung hatte. Ich liebte das Schreiben einfach, und ich las viele Bücher und Zeitschriften. Ich hatte keine Ahnung, ob ich als Autor gut war oder nicht. Später lernte ich, daß Schreiben, ebenso wie Schauspielen, Malen und andere kreative Beschäftigungen, eine angeborene, von Gott gegebene Gabe ist. Entweder du bist mit der Fähigkeit auf die Welt gekommen oder nicht. In meiner Karriere habe ich Schriftsteller getroffen, die ihren Abschluß an den besten Journalistenschulen des Landes gemacht hatten und nicht einen einzigen kreativen Satz ohne Hilfe schreiben konnten. Heute, nach Jahren des Selbststudiums und nachdem ich recht viel Geld für Kurse im Schreiben von Drehbüchern ausgegeben habe, bin ich einer von wenigen Berufsautoren, die in drei Bereichen tätig sind: Zeitschriftenartikel, Bücher und Drehbücher.

KICK: Okay, Sie haben Architektur in Pittsburgh studiert. Erzählen Sie uns, wie Sie letztlich in Los Angeles gelandet sind und vom Fortgang Ihrer Karriere als Berufsautor.

Corcoran: Ich beendete die technische Schule und arbeitete als Konstruktionszeichner, mußte aber jedes Jahr zwischen vier und sechs Monaten Urlaub nehmen. Ich las ständig die Kleinanzeigen, um eine feste Arbeit als technischer Zeichner zu finden, ind ich hielt weiterhin in den Pittsburgher Zeitungen Ausschau nach gutbezahlten Ingenieurjobs in ganz Kalifornien. Zu dieser Zeit trainierte ich wie ein Besessener Karate, über drei Stunden pro Abend, sieben Tage pro Woche. Ich trainierte so hart, daß meine Muskeln gar keine Gelegenheit hatten, weh zu tun. Eines abends durchforstete ich mal wieder die Kleinanzeigen und entdeckte eine weitere angebotene Ingenieurstelle und – das ist eine wahre Geschichte – ich war buchstäblich, wie man so schön sagt, vom “Blitz aus heiterem Himmel” getroffen. Ich sprang von meinem Stuhl auf und verkündete meiner Verlobten: “Ich ziehe nach Kalifornien.” Einfach so! Sie sah mich an, als wäre ich verrückt, aber ich fühlte intuitiv, daß dies meine Berufung, mein “Rendezvous mit dem Schicksal,” war. Innerhalb von zwei Wochen hatte ich meine Siebensachen gepackt und machte mich auf nach Los Angeles, obwohl ich in dieser riesigen Stadt bis auf einen Vetter keine Menschenseele kannte. Ich hatte die Wahl zwischen einem 300-Meilen-Umzug nach New York City oder oder einem 3.000-Meilen-Umzug nach Los Angeles. Zweckmäßigerweise entschied ich mich für L.A.; erstens wegen des angenehmen Klimas, zweitens wegen seiner Rolle als Entertainment-Hochburg und drittens weil ich schon immer davon geträumt hatte, für die Zeitschrift Black Belt zu schreiben. Zu guter Letzt wollte ich auch etwas für meine Kampfkunstkarriere tun; denn Los Angeles war ein Kampfkunst-Mekka,wo ich meinen Traum realisieren konnte.

American Samurai

John Corcoran schrieb das Drehbuch zu "American Samurai" mit Mark Dacascos und David Bradley.

KICK: Und was geschah dann?

Corcoran: In dieser Welt fällt einem nichts in den Schoß. Etwa neun Monate lang schlug ich mich mit Gelegenheitsjobs durch. Nebenbei beteiligte ich mich beim Aufbau einer Kampfkunst-Zeitung, Karate News – East and West genannt. Ich schrieb eine Titelgeschichte über Muhammad Ali und seine Verbindung zum Karate, die nach Bob MacLaughlin, damals Herausgeber von “Black Belt” bestand. Er sprach davon, daß er möglicherweise einen passenden Job für mich hätte, und als ich ihn anrief, lud er mich ein, ihn zu interviewen. Tja, ich denke, mit dem Interview hatte ich einen Volltreffer gelandet, denn sie stellten mich ein. Ich wurde als erster hauptberuflicher Buchherausgeber des Unternehmens angestellt und gab in dieser Tätigkeit über acht Bücher heraus, und ich arbeitete mit namhaften Kampfkünstlern zusammen, darunter Größen wie Chuck Norris und Meister Fumio Demura. Ich werde nie meinen ersten Tag in diesem Job vergessen. Wie ich schon sagte, hatte ich keine journalistische Ausbildung, keinerlei Literaturstudium, und ich konnte nicht einmal tippen. An meinem ersten Arbeitstag schloß ich meine Bürotür, setzte mich hin und studierte die Schreibmaschinen-Tastatur. Ich begann zu tippen und brachte mir so selbst das Tippen bei. Richtig habe ich es jedoch nie gelernt. Und so mache ich es auch heute noch mit dem Zwei-Finger-Such-System, meine Höchstleistung war jedoch siebzig Anschläge ohne Fehler pro Minute. Innerhalb von sechs Monaten schaffte ich den Sprung von der Buchabteilung zum Redaktionsassistenten von Black Belt, wobei Bob MacLaughlin mein literarischer Mentor war. Nach nur drei Monaten hatte ich in Amerika einen Ruf als Autor.

KICK: So schnell?

Corcoran: Ja, so schnell. Laß mich die Gründe für meinen Erfolg darlegen. Grund Nummer eins: Durch mein Karate-Training hatte ich dieses unglaubliche Bewußtseinsgefühl, das ich schon zuvor erwähnte, verinnerlicht. Ich dachte niemals, nicht mal für einen Augenblick, daran, daß ich scheitern könnte. Wir sind alle ganz schön blind wenn wir jung sind, und ich hatte so gut wie keine Ahnung von Dingen wie dem Erklimmen von Erfolgsleitern. Aber ich war sehr ehrgeizig und setzte mir hohe Ziele, die mir viel abverlangten. Schließlich – und das war mein großer Vorteil – war ich der erste Schwarzgurt, der für die Zeitschrift Black Belt arbeitete. Meine Vorgänger und Kollegen waren eben nur Journalisten, und sie waren nicht so mit dem Herzen bei der Sache wie ich. Ich konnte aus Erfahrung heraus schreiben; viele der Dinge, über die ich schrieb, kannte und praktizierte ich selbst. Diese Tatsache machte aus mir über Nacht eine Art journalistischen Shooting-Star.

KICK: Sie haben als Redakteur danach für viele amerikanische Kampfsportmagazine gearbeitet.

Paul Maslak and Don Wilson

Corcoran (2. v.re.) spielt in "Red Sun Rising" eine Statistenrolle. Ebenfalls mit dabei Paul Maslak (re.), Begründer der STAR-System-Kickbox-Rangliste.

Corcoran: Ja, für zu viele! Ich glaube, ich war Redakteur bei über fünfzehn nationalen und internationalen Zeitschriften. Fast die Hälfte davon erscheinen heute noch, aber das Zeitschriftenwesen ist ein extrem hartes Geschäft mit einer hohen “Todesrate”. Außerdem machte ich im Laufe der Jahre etliche karrieremäßige Fehltritte bei der einen oder anderen Zeitschrift, vor allem weil ich mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf dachte.

KICK: Von Ihren fünf Büchern wurden über eine Viertelmillion Exemplare verkauft. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für diesen Erfolg?

Corcoran: Ich habe sie alle selbst gekauft (lacht). Nein, meine Verrücktheit hat tatsächlich System. Erstens beschränkte ich mich immer auf strikt informative Nachschlagewerke anstatt trivialer “Wie mache ich” – Lehrbücher, die den Markt geradezu überschwemmt haben. Zweitens, so wie ich, schreibt sonst niemand in diesem Bereich. Bücher, die in der Regel zwischen einem und zehn Jahren bis zur Fertigstellung benötigen und über eine Million Fakten enthalten wie meine “Encyclopedia” und mein neuestes “The Martial Arts Sourcebook”. Dadurch habe ich keine Konkurrenz. Um die Sache noch deutlicher zu machen: Ich war ganz verblüfft über ein Kompliment, das ich kürzlich von dem Hauptgeschäftsführer der “Century Martial Arts Products”, des wohl größten Kampfsportartikel-Ausstatters der Welt, bekam. Er berichtete mir, daß meine “Encyclopedia” sich besser verkaufe als die Bücher zwanzig anderer Autoren zusammengenommen! Und zu der Zeit war die “Encyclopedia” schon zwölf Jahre auf dem Markt! Ich denke, das zeigt ganz deutlich, daß Qualität sich wirklich auszahlt. Hier sind die drei wichtigsten Geheimnisse meines Erfolges. Junge angehende Autoren sollten jetzt ganz genau hinhören, denn dies ist der Schlüssel zum Erfolg eines Kampfkunstautors. Ich schreibe Bücher, die 1) Kampfsportler jeder Stilrichtung ansprechen; 2) jeden ansprechen vom Anfänger bis zum Danträger; und 3) die eine globale Leserschaft ansprechen. Um mich der Filmfachsprache zu bedienen, nenne ich es “high concept”. Wenn man alle drei dieser Punkte verwirklichen kann, und dies mit Gehalt und Stil vornimmt, kann nichts schiefgehen. Hinzu kommt – was ich noch erwähnen wollte – daß ich einen großartigen Verleger in New York habe und alle meine Bücher von den größten Heraus-gebern New Yorks veröffentlicht werden. Das bedeutet, ich kann meine Bücher über den Verkauf in ganz normalen Buchhandlungen in großem Maßstab an den Mann bringen, was die Verkaufszahlen jedes Buches enorm in die Höhe schnellen läßt. Ich decke meine Erfolgsformel jetzt auf, weil ich nicht glaube, daß ich noch viele Bücher dieser Größenordnung schreiben werde, und ich möchte die Fackel der nächsten Generation übergeben.

Grid Runners Movie

Weitere Statistenrolle: Neben Art Camacho (li.) und Mike Bernardo (re.) in "Grid Runners". (In diesem Film spielte auch Klaus Nonnemacher, WKA)

Ich hoffe, daß ein paar junge, ehrgeizige Kampfkunst-Autoren, die eines Tages dieses Interview lesen werden, diesen Bereich weiter bringen werden als ich. Und es wird leichter für sie sein, da ich schon die größten Unwegsamkeiten aus dem Weg geräumt habe – das heißt, ihnen den Weg geebnet habe. Aber wer es auch immer sein mag, er muß verstehen: Geld allein kann nicht die nötige Motivation bringen. Die große Belohnung ist das, wonach jeder Mensch Zeit seines Lebens strebt — Unsterblichkeit. Meine Bücher, so glaube ich, werden noch lange nach meinem Tod weiter leben, und es ist ein richtig gutes Gefühl, ein solches literarisches Vermächtnis zu hinterlassen.

KICK: Was macht Deine Karriere als Drehbuchautor ?

Corcoran: 1991 assistierte ich meinem Freund George Goldsmith (“Force Five”) beim Schreiben von American Samurai, um mir im Filmgeschäft einen Namen zu machen. Aufgrund der großen Menge, die ich an Zeit, Geld und Mühe von 1977 investiert habe, das Handwerk des Drehbuchschreibens zu lernen, weigerte ich mich, für irgendwelche billigen Hinterhof-Filmbetriebe zu arbeiten, in denen die meisten der heutigen Kampfsportfilme zusammengeschustert werden. Die Produzenten dieser direkt für den Videomarkt produzierten Filme sehen keine zwingende Notwendigkeit, eine qualitativ hochwertige Story zu liefern. Stattdessen beschränken sie sich auf Schlüsselelemente, um die marktüblichen Klischees zu bedienen, die für einen kommerziellen Erfolg wichtig sind. Sie wollen einen marktgängigen Star in der Hauptrolle, eine actionstrotzende Eröffnungsszene und danach, alle acht Minuten später, einen Stunt oder Kampf. So kommt es, daß das Skript im Genre der billig gemachten Kampfsportfilme zwar zeitlich an erster Stelle steht, in der Umsetzung jedoch eine untergeordnete Rolle spielt. Wie Sie wissen, werden die meisten dieser Filme in gerade mal drei Wochen heruntergekurbelt, was natürlich ein verherendes Arbeitstempo zur Folge hat. Zusätzlich erschwert wird dieser Gewaltmarsch durch die Art, wie Kampfszenen normalerweise behandelt werden. Sie verbringen mehr Zeit mit dem Drehen der Dialogszenen als mit den Kampfszenen, die weitaus komplexer sind und die doch das sind, weswegen sich Zuschauer die Filme ausleihen und ansehen. Außerdem neigen sie oft dazu, die Kampfszenen am Ende eines Arbeitstages abzufilmen – wenn die Mannschaft nach acht bis zwölf Stunden Arbeit am Set längst müde ist.

KICK: Schließlich haben Sie auch alsSchauspieler bei Kampfsportfilmen mitgearbeitet.

Corcoran: Oh, danke, daß Sie das erwähnen. Jetzt werden Ihre Leser noch den Eindruck gewinnen, daß ich die Hand, die mich ernährt, auch noch beiße. Das liegt mir aber ganz fern! Trotz der Widrigkeiten macht mir die Arbeit an diesen Filmen enormen Spaß. Meine Freunde Don “The Dragon” Wilson und der bekannte Kampfszenen-Choreograph Art Camacho haben mich als Experten in Sachen Fallen in bisher über zehn Filmen engagiert. Aber der springende Punkt ist: Ich bin kein Schauspieler, ich bin Schriftsteller. Wenn einer meiner Freunde einen Kampfsportfilm macht, würde ich darin für einen Apfel und ein Ei mitwirken. Aber mein Beruf ist das Schreiben, und auf diese Feststellung lege ich sehr großen Wert. Bei diesen Billigstreifen verdient der Drehbuchautor in der Regel mickrige zwei- bis achttausend Dollar pro Buch. Einigen jüngeren Lesern mag das zwar wie ein anständiges Gehalt erscheinen. aber, glaubt mir, für den Arbeitsaufwand eines wirklich guten Drehbuches ist das weniger als der Mindestlohn nach Hollywood-Standards. Um einen Vergleich zu ziehen, beträgt der derzeitige, vom Schriftstellerverband festgelegte Mindestlohn für ein Drehbuch eines Filmes üblicher Länge um die 40.000 Dollar!

KICK: Das klingt ja so, als wenn Sie das Drehbuchschreiben aufgeben wollen.

Corcoran: Nein, ich bin nur sehr vorsichtig und wählerisch, wenn es um die Projekte geht, an denen ich mitwirke. Während wir hier miteinander sprechen, setzt ein mit mir befreundeter Produzent eines meiner fertiggestellten Skripte über Kampfkunst um in etwas, das er “Lethal Weapon der armen Mannes” nennt. Zweitens liest Jeff Speakman (“The Perfect Weapon”) gerade einen Drehbuchentwurf von mir, und drittens habe ich eine weitere recht teure “high concept” Abhandlung, die zwei Jahre lang im Besitz des britischen Schauspielers Gary Daniels war. Ich glaube, aus Gary wird mal ein großer Star und wir hoffen, daß er in Zukunft eine machtvolle Position erreichen wird, um meine Idee in die Realität umzusetzen. Meine Kollegen und Freunde aus dem Filmgeschäft erwarten viel größere Dinge von mir, also mach ich es auch. Tatsächlich wurde das in den frühen 80ern offensichtlich. Das war als der mit dem Academy Award ausgezeichnete Drehbuchautor Stirling Silliphant (“In the Heat of the Night”), der Bruce Lees Freund, Schüler und Hauptmentor in Hollywood war, mein Potential erkannte, mich unter seine Fittiche nahm und mir half, mich im Filmgeschäft zu etablieren. Der Bestseller-Autor Joe Hyams (“Bogie”), ein weiterer Freund und Schüler Bruce Lees, tat dasselbe für mich im Bereich des Buchverlegens.

KICK: Wie haben Sie sie dazu gebracht, Ihnen helfen zu wollen?

Corcoran: Ich suchte sie auf und führte das entscheidende Interview über ihr Engagement in der Kampfkunst. Ich habe sie zu dieser Zeit nie darum gebeten, mir zu helfen. Nachdem die Interviews veröffentlicht wurden, haben sie mir beide einen Gefallen getan. Für einen jungen Journalisten wie mich, der sich alles selbst beigebracht hat, war das so viel wert, wie wenn ein Weißgurt zu Bruce Lee eingeladen würde. Sie hatten alles – Ruhm und Glück -, und sie hatten in ihrem Bereich alles erreicht, was sie erreichen konnten. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich es mir erlauben kann, mit einem gewissen Grad an Selbstsicherheit in großen Dimensionen zu denken. In Nachhinein betrachtet war es diese Einstellung, durch die ich meinen ersten Job bei “Black Belt” bekam und die mich auf meine journalistische Laufbahn geschickt hat als ich noch nicht einmal ein Journalist war. Jetzt ist es mein Ziel, ein Action-/Abenteuerdrehbuch zu schreiben, das so provokativ ist, das es ganz Hollywood in seinen Grundfesten erschüttern und die Studios in einen harten Kampf darum zwingen wird, wer es kaufen darf. Sollte ich das richtige Konzept finden, wird schon allein der finanzielle Lohn dafür beachtlich sein. Zum Beispiel liegt das derzeitige Höchsthonorar für ein Drehbuch bei drei Millionen Dollar. Nun, ich habe nie viel Geld mit meiner Karriere als Kampkunstautor verdient. Die Arbeit überstieg stets den Lohn, was in Ordnung ist, denn ich liebe meine Arbeit. Aber ich garantiere, daß es mir nichts ausmachen würde, wenn ich das jetzt ausgleichen könnnte. Das ist also das, wonach ich momentan strebe. Ich werde es nicht mit einem Kampfkunst-Drehbuch schaffen, aber was immer ich auch schreiben werde, es wird Elemente der Kampfkunst in sich tragen.

KICK: Welche Kampfkünstler der Vergangenheit und der Gegenwart verehren Sie am meisten und warum?

Corcoran: Von denen der Vergangenheit verehre ich die beiden, die den größten Einfluß auf die Kampfkunst im zwanzigsten Jahrhundert hatten. Das sind Bruce Lee und Gichin Funakoshi, der Vater des modernen Karate. Sie waren beide ausgezeichnete Visionäre, deren Arbeit dazu beigetragen hat, die Kampfkünste in die Welt hinauszutragen und Worte wie Karate und Kung Fu zu allgemein verständlichen Begriffen zu machen. Wenn es Bruce Lee nicht gegeben hätte, wäre ich nie bei “Black Belt” angestellt worden, denn er war verantwortlich für den weltweiten Boom im Kampfsportgeschäft. Von den lebenden habe ich am meisten Respekt vor meinem Lehrer Joe Lewis und Meister Fumio Demura. Jeder weiß, daß Joe ein genialer Kämpfer ist, doch darüber hinaus, und das ist noch viel wichtiger, war er derjenige, der mir gezeigt hat, wie man die Werte der Kampfkünste ins alltägliche Leben überträgt. Das hat den Inhalt meiner Artikel und somit auch meine Leser stark beeinflußt. Meister Demura stellt für mich den idealen Sensei dar. Er ist bescheiden, er ist ehrlich, er ist offen und er ist ein fabelhafter Techniker. Ich bin stolz, ihn meinen Freund nennen zu dürfen.

KICK: Welche Fähigkeiten sollte ein Kampfkünstler haben, um in den USA erfolgreich zu sein?

Corcoran: Das kommt auf seine Ziele an. Um seine Ziele in Amerika oder irgendwo in der Welt zu erreichen, muß man ehrgeizig sein, durchhalten, und man darf keine Niederlage akzeptieren. Eine Niederlage sollte eine Lernerfahrung darstellen, die einen den gleichen Fehler niemals zweimal machen läßt, und, was eben so wichtig ist, man muß mit ganzem Herzen versuchen, das höchste Niveau in allem zu erreichen, was man tut. Man darf nie mit weniger zufrieden sein und nichts nachmachen, was schon da war. Sei ein Original, sei einzigartig. Greif nach den Sternen, denn auch wenn Du sie nie erreichen kannst, wird Dein Blick zum Himmel gerichtet sein. Und vor allem: Lebe so, daß die Leute Dein Autogramm haben wollen und nicht Deine Fingerabdrücke.

Ueberblick: John’s Karriere in Zahlen.

Kicksider Kick Illustrierte 02-1996
Dieses Interview erschien in Ausgabe 01/02 1996 und wurde von Andre Alex Lima gefuehrt. John Corcoran arbeitet heute fuer die Martial Arts Industry Association, wo er als Redakteur taetig ist.

Jean Claude van Damme

Jean-Claude van Damme in „Sudden Death“ oder „Die Hard“ im Eisstadion

Jean Claude van Damme
Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten befindet sich unter 17.000 Fans anläßlich des größten Eishokeyspiels der Saison in der Civic Arena von Pittburgh. Niemand weiß, daß eine Bande von Terroristen das Eisstadion eingenommen haben, um ein Milliarde Dollar vom Staat zu erpressen. Da stellt sich ein Problem: Die Erpresser haben Darren McCords (Jean-Claude van Damme) Tochter als Geisel genommen. Der Feuerwehrmann läßt sich mit den eiskalten Gangstern auf ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel ein.




Die Story des neuen van-Damme-Streifens ist nahezu identisch mit „Die Hard“, dem Film, durch den Bruce Willis zu Weltruhm avancierte. Der muskelbepackte Exil-Belgier spielt einen Feuer­wehr­mann mit dunkler Vergangeheit. Als seine Tochter während dem siebten und entscheidenden Spiels des Stanley Cup Finales zwischen den Pittsburgh Penguins und den Chicago Blackhawks entführt wird, beschließt er, sie auf eigene Faust zu befreien und die Erpressungsversuche der Schwerverbrecher zunichte zu machen. Im größten Film, der über 14 Wochen in der Eishokeymetropole in Norden der USA gedreht wurde – hier entstanden u.a. Aufnahmen zu „Flashdance“, „Das Schweigen der Lämmer“, und „Hoffa“ – versuchte Regisseur Peter Hyams, der bereits in „Timecop“ mit Hauptdarsteller Jean Claude van Damme arbeitete, die übrigen „Die Hard“-Imitate in Sachen Action klar zü überbieten. Van Damme, der sich im und um das Stadion in zahlreichen Kampfszenen seiner Haut erwehren muß, lernte eigens für diesen Film richtig Eishokey zu spielen.

van Damme stunt

„Als ich das Drehbuch sah,
war ich fasziniert von der Idee einen wahrhaft aufregenden Thriller zu drehen. „Sudden Death“ hat dasselbe Potential wie „Die Hard.““
Peter Hyams, Regisseur

partraitJCvD:
(Darren McCord) Seit seinem Durchbruch mit „Bloodsport“ wächst die Fangemeinde um den 34-Jährigen belgischen Ex-Kickboxer und Bodybuilder. Seine Biographie liest sich wie eine Erfolgsstory, wie sie nur in Hollywood möglich ist. Vor rund 12 Jahren lehnte er das Filmangebot einer Ballett-Produktion ab. Er beschloß, auf eigene Faust nach Hollywood zu gehen um ein großer Star zu werden. Die ersten Jahre hielt er sich mit Allerwelts-Jobs als Taxifahrer und Türsteher über Wasser. Er lebte von der Hand in den Mund bis er vor einem Restaurant den namhaften Produzenten Menahem Golan traf und ihm auf der Straße seine Kampftechniken demonstrierte. Nach seinem ersten großen Erfolg in „Bloodsport“ folgten mit ständig steigendem Budget u.a. „Lionheart“, „Double Impact“, „Universal Soldier“, „Hard Target“ und „Streetfighter“. Sein letzter großer Film „Timecop“ spielte weltweit über 135 Millionen Dollar ein. Demnächst kommt mit „The Quest“ – produziert in Thailand – sein erster Film in die Kinos, in dem er Regie geführt hat. In einer weiteren Rolle ist übrigens Ex-007-Darsteller Roger Moore zu sehen.

Eishokey Film

Produzent Howard Baldwin, der seit 1985 insgesamt zwölf Filme abwickelte, plante um die Authenzität des Filmes zu erhöhen, original Szenen aus dem Eröffnungsspiel der 94er-Eishokey-Saison einzubinden. Als Besitzer der Pittsburgh Penguins, die bereits mehrmals die begehrte Stanley-Cup-Trophäe gewonnen haben, konnte Baldwin jedoch nicht verhindern, daß die Auseinandersetzungen zwischen der Ligakommission und denr Spielergewerkschaften den pünktlichen Start der Saison verhinderten. Dennoch dürften die Szenen auf dem glatten Parkett gut gelungen sein, schließlich lebt der Film vor allem durch Van Dammes Kampfkünste und den aufwendigen Stunts, die z.B. einen Hubschrauber-Crash innerhalb des Stadions, dessen einmalige Dachkonstruktion per Knopfdruck geöffnet werden kann, beinhalten. Eigens hierfür mieteten die Produzenten einen rund 140 Meter hohen Kran, von dem das Fluggerät beim Surren von neun Spezial-Kameras in die Tiefe stürzt. 200 Wagen von Polizei und Rettungsdiensten waren im Film im Einsatz. Etliche davon wurden bei einer Explosionsszene im Parkhaus zerstört.
Um die Dramatik des Actionfilms auf das Niveau eines richtigen Thrillers zu potenzieren hat Regisseur Hyams die Action des Eishokey-Spiels und die der Filmhandlung eng verbunden. Die Uhr, welche die Spielzeit limitiert, begrenzt die Zeit für McCord so knapp, daß die Spannung bis zur letzten Sekunde aufrecht erhalten bleibt. Erst wenn die Eishokey-Saison entschieden ist, steht fest, ob die USA einem Anschlag von besonders kaltblütigen Gangstern entgehen können und die 17.000 Zuschauer unbeschadet nach Hause gehen können.

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Antonino Spatola

Budo News 1996-06

Antonino Spatola

Antonino Spatola

Formenweltmeister Spatola tritt bei Arabella Talkshow auf

Der knapp volljährige Antonio Spatola gewann in Stuttgart die Weltmeisterschaften im Formen-Softstyle. Doch seinen großen Traum hat der junge Wolfsburger damit noch nicht erreicht: er will als Filmstar berühmt werden. Ende März trat er deshalb bei der Nachmittags-Talkshow der bekannten PRO-7-Moderatorin Arabella Kiesbauer auf. Bereits mit zwei Jahren hat Vater Antonino den Nachwuchsstar mit gymnastischen Übungen fit gemacht, mit vier beherrschte er bereits die ersten Kung-Fu-Techniken. Daß die Übungen seinem Sohn bei einer möglichen Filmkarriere helfen werden, erfüllt den eifrigen Vater voller Stolz. In der Schule ist Antonio seit Jahren einer der eifrigsten Teilnehmer in der Arbeitsgemeinschaft für Theater.

Escrima-Meister mit Mörder verwechselt

In unserer letzten Ausgabe berichteten wir, daß Anthony Davis in Berlin wegen Mordes verhaftet worden sein soll. In der Tat ist ein Farbiger mit diesem Namen von den Justizbehörden in Gewahrsam genommen worden – darüber berichtete die Lokalpresse – jedoch handelt es sich dabei nicht um den Escrima-Meister, dessen Foto wir neben dem Artikel veröffentlicht haben, sondern um eine andere Person, die in keinem Zusammenhang zur MAI steht. Wir entschuldigen uns hiermit in aller Form bei Herrn Davis und unseren Lesern für diese tragische Verwechslung. Selbst frühere Trainingspartner haben die Meldungen der Berliner Tagespresse (mit Foto) als Bestätigung der Person aufgefaßt, so daß kein Grund bestand, an der Identität zu zweifeln. Wir bedauern den Vorfall zutiefst, stellen jedoch hervor, daß die Verwechslung ohne jegliche Absicht geschehen ist. Wir werden demnächst die kommenden Seminare von Herrn Davis ankündigen.

„Inferno“ wird in gedreht

Das ausführliche Interview mit Don Wilson in unserer letzten Ausgabe erweckte großes Interesse bei unseren Lesern. „Wann kommt der nächste Film,“ wurden die Fragen laut. Nach dem Vampirfilm „Nighthunter“ wird Don von Mai bis Juni erstmals in Indien vor der Kamera stehen. In „Inferno“ spielt er einen Polizisten, der den Mörder seines früheren Partners sucht und im Lande Baddhas mit so machen actionreichen Hindernissen konfrontiert wird.

Japan, Kobudo Karate: Frenette auf Rang 8, Karateka stirbt

Jeder weiß, wie gut der Kanadier Jean Frenette Formen darbieten kann; auf Wettkämpfen hat er sich in den letzten Jahren jedoch recht rar gemacht. Ende letzten Jahres feierte er auf der japanischen Insel Okinawa sein Comeback beim „Pre-World Tournament.“ Er belegte lediglich Platz acht.
In den Sparringsdivisionen wurde das Turnier durch einen Unfall überschattet. Ein Südafrikaner, dessen Name bis Redaktionsschluß nicht weiter bekannt war, wurde nach mehreren Treffern zu Boden geschlagen. Nachdem er sich sichtlich erholt hatte, klagte er plötzlich über Übelkeit und Lähmungserscheinungen. Wenige Tage später verstarb er an den Folgen der schweren Treffer im Krankenhaus von Naha auf Okinawa, Japan.

TopTen entwickelt neue Boxausrüstung

Anläßlich des 50-jährigen Verbandsbestehens des Amateur-Weltboxverbandes, AIBA, und dem 25-jährigen Jubiläums des Europaverbandes stellte die deutsche Sportartikelfirma TopTen bei den Feierlichkeiten in Dublin (Gründungsort der Verbände) eine neue Schutzausrüstung vor.
Das neue System für die olympische Faustkampfdisziplin besteht aus den bekannten Ausrüstungsteilen wie Kopfschutz und Handsafety, jedoch befinden sich in den Schützern elektronische Meßflächen und ein Sander, womit zweifelsfrei alle Treffer und deren tatsächliche Aufschlagkraft gemessen werden kann. Die ersten Einsätze für das Equipment sollen im kommenden Jahr über die Bühne gehen. IOC-Präsident Antonio ch zeigte sich begeistert von der neuen Entwicklung.

Grosses Hick-Hack im Heavyweight

Nach dem Kampf von Stuttgart, bei dem Axel Schulz auch die zweite Chance, Weltmeister im Schwergewicht zu werden, nicht nutzen konnte ist die Zukunft des Schwergewichtlers aus Frankfurt/Oder alles andere als klar. Alles ist möglich, manches wahrscheinlich, aber überhaupt nichts sicher: so ist derzeit der Stand der Dinge. Denn nach dem Kampf gegen den südafrikanischen „weißen Büffel in der Stuttagrter Schleyer-Halle, der nach dem umstrittenen Punkturteil zugunsten des in den USA lebenden Bothas ohnehin zur Farce wurde, vorbei war, gaben die aufgebrachten Fans mit Flaschenwürfen dem Boxen zum Jahresausklang den Rest. Und zu allem Überfluß wurde letztlich der Sieger Botha nach der ersten Dopingprobe gar der Einnahme verbotener Substanzen überführt. Botha soll das chemische Sexualhormon Nandrolon eingenommen haben, welches die Aggressivität steigert und daher gerade bei Kampfsportarten seine Wirkung entfalten kann. Wie der Weltverband IBF (Inter-national Boxing Federation) diesen Fall handhabt und welche Art von Sanktionen auf Botha zukommen, steht noch nicht fest. Sicher ist nicht einmal, ob Schulz eine weitere Chance erhalten soll, um die WM zu boxen. Er selbst fände das „nur gerecht“. Auch Manager Wilfried Sauerland hofft, daß die IBF erst Botha den Titel aberkennt, danach die Ranglistennotierungen wieder auf den Stand von vor dem Kampf bringt und Axel somit, als Nummer zwei der Rangliste, wiederum das Recht hätte, um den vakanten Titel zu boxen. Seit der Niederlage gegen Frans Botha wird Schulz als Nummer fünf der Rangliste geführt. Da der geplante Kampf zwischen George Foreman und Michael Moorer mittlerweile abgesagt worden ist, könnte Michael Moorer, der diesen Titel bis zu seiner K.o.-Niederlage gegen George Foreman inne hatte, wieder als einer der potentiellen Gegner installiert werden. „Ich habe das Gefühl, daß Bob Lee (Präsident der IBF; Red.) seine eigenen Regeln nicht kennt. Aus den IBF-Statuten geht ganz klar hervor, daß ein gedopter Boxer automatish disqualifiziert werden muß.“ Ein Schriftstück, auf dem auch diese Kampfregeln einwadfrei verzeichnet waren, sei von beiden Lagern vor dem Kampf unterzeichnet und somit rechtlich gültig geworden.
Wie in einem Fall einer Doping-Überführung zu handeln ist, ist in den Statuten der IBF nicht zweifelsfrei festgelegt. In anderen Verbänden sind die Handlungsweisen unterschiedlich: Als WBC-Weltmeister im Halbschwergewicht war der Jamaikaner Mike Mc-Callum im Kampf gegen Fabrice Tiozzo mit Aufputschmitteln gedopt gewesen, wurde aber freigesprochen. Gianfranco Rosi wurde dagegen für zwei Jahre gesperrt, nachdem er des Dopings im Kampf gegen Vernon Philips (USA) um die WBO-WM im Halbmittelgewicht überführt werden konnte. Für die Zukunft von Axel wäre eine Disqualifikation Bothas mit sofortigem Recht, wieder um eine WM zu boxen, die beste Lösung. Botha ist der schwächste der möglichen Gegner und außerdem könnte Schulz sich diesmal besser auf den Südafrikaner einstellen. Sollte ein anderer Gegner bestimmt werden, sinken die Chancen von Schulz drastisch, jemals einen Titel nach Deutschland zu holen. Ob Oliver McCall, Michael Moorer oder Henry Akinwande: Im Hinblick auf einen WM-Fight ist für Schulz kaum etwas zu gewinnen. Vielleicht könnte er den einen oder anderen schlagen – stellt sich nur die Frage in welcher Sportart. Nach der Leistung von Schulz gegen Botha ist es wohl traurige Realität, aber kaum zu übersehen: Axel wurde überschätzt. Die Leistung vom Kampf gegen Foreman hatte wenig mit der Klasse von Schulz zu tun, sondern mit der beginnenden Vergreisung des Box-Opas. Aber Axel hatte auch viel Glück: schließlich ist er seit dem Kampf gegen Botha Millionär und zog auch ein paar dicke und lukrative Werbeverträge an Land. Wenn er dennoch mal einen WM-Gürtel in den Händen halten will, braucht er nur in seinem Heimatort ein paar Straßen weiter zu fahren und bei Henry Maske zu klingeln (Tobias Drews)

„Chatos“ neue Chance

Genau ein Jahr ist jetzt her, da sollte der Bielefelder Profiboxer Salvador „Chato“ Yanez die Chance auf einen WM-Kampf bekommen. Nach Auskunft des Veranstalters stand die Gala in allen Einzelheiten fest, bis der Weltverband dazwischenfunkte: Die WBA (World Boxing Association) sanktionierte den Kampf zwischen Salvador und dem US-Amerikaner Frank Liles nicht. Hintergrund für Chato-Trainer Hans Geisler: „Die WBA hatte Axel Schulz nicht als Herausforderer von George Foreman aktzeptiert, konnte deshalb nicht plötzlich bei Yanez eine Ausnahme machen.“ So blieb Yanez nichts anderes übrig, als bis September auf eine andere Chance zu warten: In seiner Heimatstadt am Teutoburger Wald schlug Yanez im Kampf um die „IBF-Interkontinental-Interims-Meisterschaft“ den Russen Yuri Epifantschew nach Punkten. Der Zungenbrecher-Titel hat nur einen Schönheitsfehler: Er ist kaum das Leder wert, aus dem er gemacht ist. Denn der „richtige“ IBF-Intercontinetal-Meister ist der Italiener Silvio Branco, der wegen einer WM-Chance seine Titelverteidigungen aussetzte und somit Yanez den Weg zum „Interims-Meister“ frei machte. Eigentlich hätte Yanez das Recht erworben, im nÄchsten Kampf den amtierenden Meister um dessen Titel zu fordern. Doch der Italiener scherte sich wenig um den Bielefelder, verteidigte seinen Titel gegen einen anderen, Yanez schaute in die Röhre. Was nicht weiter schlimm gewesen wäre, da er im Dezember des vergangenen Jahres vom Manager Jean-Marcel Nartz einen Europameisterschafts-Kampf offeriert bekam. Der sollte in England gegen Richie Woodhall über die Bühne gehen. Die Verträge waren geschlossen. Die höchste Börse und zugleich die größte Chance warteten darauf, von Chato genutzt zu werden. Denn Woodhall, ist in allen Weltranglisten im Mittelgewicht unter den Top Fünf. Bei einem Sieg hätte Yanez große Chancen auf einen WM-Kampf gehabt. Auch dieser Kampf wurde abgesagt, weil Yanez eine alte Kampfverletzung plagte und weil er mittlerweile wieder eine andere WM-Chance erhalten hatte. Und wiederum soll es nun am 23. März in Hamburg um den WBA-Titel im Supermittelgewicht gegen den Amerikaner Frank Liles gehen. Warum die WBA nach dem ersten Verbot nun dennoch ihr o.k. zu dem Kampf geben soll, obwohl Yanez in seinem gesamten Boxerleben noch niemals auch nur einen Kampf im Limit des Supermittelgewichts bestritten hat, erklärt Hans Geisler so: „Chato hat zwischenzeitlich einen Titel gewonnen und einen weiten Schritt nach vorne gemacht.“ Deshalb, so des Trainers Eingabe, gehe der WM-Kampf voll in Ordnung. So ganz sicher ist das ganze Projekt aber wohl doch noch nicht: zwar ging schon eine beträchtliche Vorauszahlung des Veranstalters auf Chatos Konto ein, doch die schlechte Kunde kommt aus England: Dort soll Liles am 09. März, also knapp 2 Wochen vor dem Yanez-Kampf, seinen Titel gegen die aktuelle Nummer 5 der Rangliste, Steve Littles (USA) verteidigen. Möglich, das Yanez auch dieser Kampf durch die Lappen geht. So ganz Titellos braucht er dennoch nicht in die Zukunft zu schauen: Deutscher Meister ist der Bielefelder schließlich noch – im Halbmittelgewicht.