James Lew

James Lew wuchs in South Central Los Angeles auf, wo er mit dem koreanischen Karate begann als er die Unterstufe der Highschool besuchte. Später begann er mit dem kampforientierten Kung Fu Stil Choy Lay Fut, das er von einem ehemaligen Mitglied der Green Barets der US-Army lernte. Darauf folgten so exotische Stile wie „White Eyebrow“ und „Five Animal“ Kung Fu. Die unterschiedlichen Techniken und Voraussetzungen in diesen Stilen brachten Lew eine gute Basis für die schwierigen Anforderungen bei künftigen Engagements im Filmgeschäft.

James Lew sword

In „Red Sun Rising“ spielt Lew „Jaho,“ den Gegen-spieler zum Hauptdarsteller Don Wilson




Seinen Erfolg im Kampfsport und in der Filmindustrie führt Lew nicht nur auf sein facettenreiches Training zurück. Vor allem seine guten Kontakte zu den großen amerikanischen Budozeitschriften „Inside Kung Fu“ und „Inside Karate“ hält er für gleichermaßen wichtig. Durch diese journalistische Beziehung zum Sport hatte er schon früh Kontakt mit Fach-Größen wie Joe Lewis und Jackie Chan schließen können. „Ich habe damals allen Großen die Hand geschüttelt, die in die Redaktion kamen. So konnte ich von allen ein wenig lernen,“ erklärt er den Ausgangspunkt für seinen späteren Erfolg im Showbusiness.

Erste Rolle in „Kung Fu“
Seinen Einstieg ins Filmgeschäft schaffte Lew, als 1972 ein offener Aufruf für die Besetzung einiger Rollen in der bekannten TV-Serie „Kung Fu“ mit David Carradine veröffentlicht wurde. Er bewarb sich, und spielte über mehrere Jahre unterschiedliche Rollen in der Serie. Er kam meistens dann zum Zuge, wenn Expertenkentnisse in allen Bereichen den Kämpfens verlangt wurden. Meistens war es für die Rollen notwendig, eine Maske zu tragen, und so erinnert er sich noch heute an die strapaziösen Tage; „Am Ende eines Drehs zogen wir die Maske ab und legten sie mit der Öffnung nach oben. Als der Schweiß sich sammelte, hätte man damit eine Kaffeetasse füllen können.“

Zahlreiche Wiederholungen
Die Serie schrieb als eine der ersten denkwürdigen Episoden-werke Fernsehgeschichte. Bis heute erfreut sich „Kung Fu“ großer Beliebtheit, zahlreiche Wiederholungen in vielen unterschiedlichen Ländern sprechen selbst nach zwanzig Jahren für die Bedeutung als Serie und als Promoter für den Kampfsport im positiven Sinn. Ein wichtiger Grund für den Erfolg war vor allem der für seine Zeit ungewöhnlich hohe Produktionsstandart und das Können der Schauspieler.

James Lew Film

Im Film „Hot Shots 2“ lieferte James Lew Hauptdarsteller Charlie Sheen einen „denkwürdigen“ Kampf .

Fight Scene Fanatic
Nachdem Lews Arbeit bei „Kung Fu“ beendet war, erhielt er zahlreiche Anfragen, Rollen bei Kampfszenen in Fernseh- und Kinoprojekten zu bekleiden. Das brachte ihn schließlich auf den Plan, sich tiefer in komplizierte Stuntarbeiten zu stürzen. Er schloß sich dem Verband für Stuntman an, der ihm ein einträgliches Einkommen in dieser Branche garantierte. „Als Kampfsportler erhielt ich viele Angebote, als Stuntman zu arbeiten,“ erinnert sich Lew an seinen Einstieg. „Zu dieser Zeit hatte ich ohnehin keine Ambitionen, Schauspieler werden zu wollen. Ich dachte, es wäre einfach toll, in Kampfszenen mitzuwirken und dafür bezahlt zu werden. Es war ein völlig natürlicher Schritt für mich.“
Mit der Zeit hatte Lew sich als Stuntman etabliert. Nun begann er einen Weg zu gehen, den nur ganz wenige Kampfsportler und Stuntman zu gehen wagen: Er lernte die Schauspielerei von der Pike auf. Aus dem kombinierten Training als Stuntman und Schauspieler folgerte er, „ Ich glaube, daß ich immer im Stuntgeschäft tätig sein werde. Es gefällt mir. Aber jetzt, wo ich über viele Jahre Schauspielen erlernt habe, glaube ich, beide Seiten in einer völlig neuen Dimension vereinen zu können. Ich werde ein Action-Actor (Schauspieler).“ Von diesem Selbstverständnis ausgehend begann Lew, als die Low-Budget Produktionen mit Kampfsportthemen Konjunktur hatten, in zahlreichen Filmen mitzuwirken. Dabei mimte er u.a. in „Ninja Turf“ mit Philipp Rhee („Best of the Best“), „Ninja Academy“ und „Young Dragon“ mit; letzterer wurde in Taiwan gedreht.

Erfahrungen in Taiwan
„Die beste Erfahrung in meinem Leben war die Arbeit in Taiwan,“ sagt er im Hinblick auf den Stil der vor allem in Hong Kong Verbreitung findet. „Es ist ein völlig anderer Stil mit einem ganz anderen Rhythmus als für das realistische Darstellen von Kämpfen. Das sensationelle im Kampf ist gefragt, und daher kommt es mehr auf die Perfektion der Techniken als auf Kamerawinkel an. Außerdem gibt es hier fünfzig Techniken in einer Szene, für die man im Westen nur zehn Techniken verwenden würde. Man kann über diese Szenen lachen, aber sie sind äußerst schwierig zu drehen und man muß dabei jede Menge Schweiß lassen.“

Sichere Perfektion
Als ein ehemals sehr erfolgreicher Formenläufer glaubt Lew, daß seine Wettkampfbasis den entscheidenden Ausschlag für seinen Erfolg im Business gegeben hat, und ihn somit den Übergang vom „wirklichen Kampfsport“ zum „simulierten Kampf“ erleichterte. „Im Formenwettkampf muß man sich seiner Perfektion sicher sein. Mit diesem Hintergrund kommt auf der Leinwand vieles deutlich sauberer heraus. So war es auch bei Bruce Lee. Viele Leute wissen es nicht, aber er hat viel Zeit mit dem Training der traditionellen Kung Fu Formen verbracht. Später hat er sie hinter sich gelassen, aber er hatte das Training und das entscheidende Wissen daraus in seinem Repertoire.“

James Lew

Jahrelanges Training ist deutlich sichtbar und zahlt sich aus.

Durchbruch mit „Big Trouble“
Neben der Schauspielerei betätigt sich Lew als Produzent und Fight Choreograph. In diesen Tätigkeiten wirkte er u.a. in einem der ausgeklügeltesten Martial-Arts-Streifen aller Zeiten mit, „Big Trouble in Little China“ von John Carpenter. Diesen Job erhielt er, als er bei Starregisseur Carpenter vorsprach und seine Referenzen darlegte. Lew war von der Arbeit zu diesem Film sehr begeistert. Erstmals hatte er durch das enorm hohe Budget der Produktion die Möglichkeit, jeden Drehort im Vorfeld zu bereisen, um so die Kampf- und Stuntszenen optimal vorbereiten und koordinieren zu können. Ausserdem konnte er Einfluß auf die Requisiten und Drehutensilien ausüben, so daß die Kämpfe später besonders spektakulär in Szene gesetzt werden konnten. Die Vorbereitungen für die einzelnen Szenen für „Big Trouble in Little China“ wurden sehr aufwendig betrieben. Für jede Kameraeinstellung wurden eigene „Storyboards“ (Zeichnungen) angefertigt, damit alles beim Dreh so eingefangen werden konnte, wie er es sich vorgestellt hatte. „Wenn ich zu John Carpenter gegangen wäre, und ihm erklärt hätte, daß ein bestimmter Darsteller einen zweifach gesprungenen Drehkick ausüben würde, hätte er mich wahrscheinlich nicht verstanden. So zeigte ich ihm einfach die Storyboards und er verstand sofort, so daß wir die Szenen mit gleichen Voraussetzungen vorbereiten konnten.“ Zusammen mit anderen Enthusiasten seines Arbeitsfeldes glaubt Lew, daß „Big Trouble in Little China“ trotz des mäßigen Publikumserfolges seiner Zeit weit voraus war. „Wenn der Film heute herauskommen würde, wäre er ein großer Erfolg.“

Leitfaden „Action-Actor“
Bei Drehschluß zu Carpenters Produktion hielt Lew seinem Leitfaden, ein „Action-Actor“ zu werden, die Treue. Er arbeitete u.a. an „Hot Shots – der zweite Versuch“ (siehe KICK 4/94), eine Arbeit, die er als die lustigste Sache seines Lebens beschreibt: „jeder am Set hatte soviel Spaß.“ Obwohl Lew eine durchaus denkwürdige Kampfszene mit Hauptdarsteller Charlie Sheen bestritt, war das Ergattern der Rolle für ihn gar nicht so einfach. „Ich ging zum Vorsprechen und der Regisseur Jim Abrams mochte mich auf Anhieb. Er sagte, er wollte mich irgendwie einbauen. Das erzählte ich dann meinem Manager, der daraufhin die Verantwortliche der Besetzungsfirma anrief, um alles klarzumachen. Die sagte ihm, ich sei nichts weiter als nur ein Stuntman, und sie würde für mich nicht das hohe Schauspielerhono-rar zahlen wollen. Mein Manager entgegnete, daß sie sich dann einen anderen als mich suchen müsse. Jim Abrams wollte mich aber wirklich, so mußte sich die Dame später doch auf mich als Schauspieler einlassen.“

Kämpfer haben einen schlechten Ruf in Hollywood
Man muß wissen, daß Darsteller aus Kampfsportkreisen und Stuntleute in Hollywood keinen besonders hohes Ansehen ge-nießen. Man hält sie nur für minderwertige, schlechte Schauspieler, die im Prinzip nur schlagen und treten können. Dazu Lew: „Ich muß sagen, daß diese Einstellung meine Karriere stark beeinträchtigt hat, denn die Leute wissen, daß ich als Kampfsportler und Stuntman angefangen habe. Wer zuvor als Kellner gearbeitet hat muß nicht mit solchen Vorurteilen kämpfen. Er kann von heute auf morgen ein glaubwürdiger Darsteller sein. Als Martial Artist hat man jedoch gleich den Ruf weg, ein schlechter Schauspieler zu sein.“ Mit ein wenig Glück werden die Verantwortlichen in den Produktionsbüros das wahre Talent des ehemaligen Formenchampions erkennen, und ihn nicht mehr mit seinen schlechten Kollegen vergleichen.

Strapazen mit Jeff Speakman
Der Weg zum „Action-Actor“ begleitete ihn auf der nächsten Stufe durch den Jeff Speakman Thriller „Die perfekte Waffe“, den Film, der ihm bislang das härteste Arbeitspensum abgefordert hat. In diesem Streifen gab es eine Kampfszene, an der über eine Woche gedreht wurde. „Wir machten es immer wieder, jedesmal mit neuen Kameraeinstellungen. Wir waren völlig ausgebrannt.“ Sogar die Mitglieder der Aufnahmemannschaft konnten kaum glauben, daß Lew diese Strapazen durchgestanden hat. Ungläubig fragten sie ihn „wie oft kannst Du überhaupt kicken.“

Gegenspieler: Steven Seagal und Van Damme
In „Brennendes Eis“ kämpfte Lew nicht nur mit dem Hauptdarsteller Steven Seagal, sondern koordinierte auf dessen Bitte hin eine Kampfszene, als der eigentliche Verantwortliche zu einem anderen Drehort bestellt wurde. Mit dem Bewußtsein um Seagals Ruf in der Martial Arts Szene als ein gnadenloser Kämpfer in Zweikämpfen auf der Leinwand, beschreibt er die Arbeit des Superstars wie folgt: „Es war ungemein schwer die Szene in den Kasten zu bekommen. Das rührt daher, daß er in seinen Filmes einen nahen Bezug zur Realität herstellen will. Alles ist echt, also gibt es richtige Treffer, und die können schmerzen. Ich habe gehört, daß Fighter bei seinen Filmen verletzt wurden. Er glaubt, daß das daran liegt, daß sie nicht schnell genug reagieren. Also versuchte ich alles daran zu setzen, nicht getroffen zu werden. Das gefiel ihm sehr.“
Im folgenden spielte Lew in „Time Cop“ in einer Messerkampfszene den Kontrahenten für Superstar Jean-Claude Van Damme. Jeder-man weiß, ein schwer verletzter Stuntman erhielt von Van Damme nach den Dreharbeiten zu „Cyborg“ eine sechsstellige Summe Schadenersatz für den Verlust seines Sehvermögens auf einem Auge, und so plante Lew für seine Szene einen kleinen Gag ein. Er wollte zu Beginn des Messer-kampfes eine Schutzbrille anziehen, den Ex-Belgier in die Augen schauen und sagen: „O.K., jetzt können wir anfangen.“ Aus Zeitgründen mußte er sein lustiges Vorhaben auslassen. Die Drehar-beiten hinkten stark hinter dem Plan her. „Mal sehen, ob Jean-Claude darüber lacht, wenn er es liest,“ grinst er dem Reporter zu.

Es gibt viele Stuntleute, die Van Damme aufgrund seiner exzessiven Härte kritisieren, doch James hat bei seiner Arbeit nichts Wahres daran finden können. „Er war sehr auf Sicherheit bedacht, sehr bemüht, nicht zu treffen.“ Obwohl er viele Anfragen für Stuntaufträge bekommt, hat Lew einen Punkt erreicht, der es ihm gestattet diese Offerten abzulehnen, um sich voll auf die Schauspielerei zu konzentrieren, obwohl „es mir wirtschaftlich schadet. Es fällt mir schwer das Geld abzulehnen Aber man muß Zugeständnisse machen, wenn man vorwärts kommen will.“ Lew, der zur jeder Gelegenheit Schauspielunterricht nimmt, vergleicht das Filmgeschäft nur allzu gerne mit den Martial Arts: „Wenn man einmal angefangen hat, und den ersten Erfolg sieht, will man sich verbessern. Man will einen Sprung oder eine Drehung zum Kick einbauen. Wenn es beim Film einen Schwarzgurt gebe, würde ich ihn machen.“

Eigene Philosophie
Lews Philosophie zum Darstellen führt ihn zu der Überlegung, daß es „ besser ist, einen Charakter seiner Stärke als seiner Schwäche wegen darzustellen. Wenn jemand an die Rolle, die er bekleidet, glaubt, ist die Wirkung viel stärker. Dieses Selbstvertrauen ist das Wichtigste, das ich in meine Rollen einbringen muß.“ Wenn man seine Rolle des „Jaho“ in Don Wilsons „Red Sun Rising“ (Videostart in Deutschland: Mai 1995) kann man ihn durchaus zum Erreichen seines Ziels beglückwünschen. „Mir gefällt es, den Bösewicht zu spielen. Je größer der Held, desto größer die Herausforderung. In diesem Film wird meine Rolle übergroß projiziert. Wenn man sich die großen Filme anschaut, stellt man schnell fest, daß großartigste Bösewichte auftauchen. Man braucht sich nur „Terminator“ oder „Darth Vader“ in „Krieg der Sterne“ ansehen.

Fehler sind für immer
James Lew hat im Action Film sein ersten Akzente gesetzt. Mit dem Fortgang seiner Karriere wird er in diesem Genre weiter an Bekanntheit und an Beliebtheit gewinnen. Doch obwohl die Zeichen auf Erfolg stehen, bleibt Lew mit beiden Beinen fest auf dem Bo-den: „Das Geschäft ist sehr hart. Der einzige Weg, das zu überstehen, besteht darin, allem das Positive abzugewinnen. Man kann es nichtnur machen, weil man Geld verdienen oder berühmt werden will. Nur wenn einem gefällt, was man macht, schlägt es auf die Arbeit mit Erfolg durch. Man muß bedenken, daß alles, was man im Filmgeschäft anfängt, für alle Zeit auf dem Bildschirm verewigt wird. Das gilt auch für Fehler. Darum bemühe ich mich, mein Bestes zu geben – immer!“

Eric Lee Cover

Ausgabe 07/1995 mit Eric Lee

Diese Reportage über den amerikanischen Stuntman und Martial Arts Star wurde in der Ausgbabe 07/1995 veröffentlicht.
Text: Scott Shaw

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