Von Olympia zur Stuntfrau: Dana Hee

Ihre langen Beine sind ihr Markenzeichen: Dana Hee

Ihre langen Beine sind ihr Markenzeichen: Dana Hee

Lange Beine braucht man, um im Taekwondo nach vorne zu kommen. Um mit den Beinen auch beim Film Erfolg zu haben, müssen diese und die gesamte Erscheinung besonders attraktiv sein. Diese Voraussetzung erfüllt die Amerikanerin Dana Hee, denn so wie nur wenige Menschen jemals Olympiasieger werden, erreichte sie das, was noch viel weniger erreichen: sie ist eine professionelle Stuntfrau. Wir stellen die bezaubernde junge Dame vor.

Wenige Leute können es für sich in Anspruch nehmen, eine olympische Goldmedaille gewonnen zu heben. Erst recht nicht in einem Sport, in dem dessen Erfinder, die Koreaner, als führend gelten. Die Frau, auf die das zutrift, ist Dana Hee, und der Sport ist Taekwon-do. Aus einem Wettbewerb mit Weltbeteiligung ging sie 1988, als Taekwondo zum ersten mal olympischer Demonstrationssport war, als Siegerin für die USA hervor. Obwohl es ein starkes Teilnehmerfeld war, half Dana Hee das, was sie als “mentale Spiele” bezeichnet, zu Siegen. “Ich lag hinter vielen Teilnehmern zurück, weil ich erst zweieinhalb Jahre vorher mit dem Wettkampfsport begonnen habe”, sagt sie.




Seoul Olympics

Sieg ueber eine Daenin zum Einzug ins Finale bei den Olympischen Spielen.

Seoul Olympic Gold

Ehrung in Seoul: Gold für Dana Hee (USA), Silber für Karin Schwartz (Dänemark), Bronze für Holland und China.

Sieg durch Kontrolle
“Der Grund, weshalb ich gewonnen habe, liegt in meiner geistigen Einstellung und darin, daß ich das Spiel kontrollieren konnte. Immer dann, wenn eine Gegnerin dachte, sie könnte angreifen, habe ich angegriffen. Sie dachten, ich würde nichts machen, und ich habe etwas gemacht. Ich habe sie so weit frustriert, daß sie nicht mehr effektiv punkten konnten.” Hee erinnert sich an ihren Sieg: “Es war mein Traum, eine Goldmedaille zu gewinnen. Also habe ich fast drei Jahre dafür trainiert. Das Ziel war aber so weit weg, es schien so unerreichbar, daß ich, als ich auf dem Treppchen stand, nur gedacht habe: Oh, das ist toll.”

Ich sage euch, der einzige Grund, weshalb ich mich heute für eine Stuntfrau halten darf, ist meine Goldmedaille. Es ist meine Eintrittskarte, mein Fuß in der Tür.

Sie schreibt ihren Sieg dem Einstellung: “Zielsetzen und erfolgreich sein, koste es, was es wolle” zu. Sie ist der Ansicht, daß viel zu viele Leute zwar Ziele haben, diese aber nie erreichen, weil sie aufgeben, sobald es richtig zur Sache geht. Diese Einstellung half ihr auch in ihrer Karriere als Stuntfrau.

On set

Drehpause: Dana Hee (mitte) posiert mit Dennis Quaid und Kathleen Turner.

Undercover Blues
Während der zwei Jahre nach ihrem Olympiasieg reiste Dana Hee um die Welt, um als Fürsprecherin ihres Sports Taekwondo populärer zu machen. Danach wollte sie ihrem Leben eine neue Richtung geben: Stuntarbeit. Die Pro- duktionsfirma von “Undercover Blues” sprach sie an: Wenige Tage vor Drehbeginn wurde eine Frau benötigt, die viel von Kampfkunst verstand und die Schauspielerin Fiona Shaw doubeln konnte. Dana nahm die Herausforderung an und begann eine neue Karriere. Ihren Erfolg bis “Undercover Blues” verdankt sie dem Choreographen James Lew, der mit ihr zusammengearbeitet hat. “Ich hatte die Möglichkeit, mit diesem Super Kampf-Coordinator James Lew zusammenzuarbeiten. Es war so eine tolle Erfahrung, daß ich, nachdem die Dreharbeiten beendet waren, mich dazu entschlossen hatte, nach Los Angeles zu ziehen und diesem Beruf nachzugehen.”

Arbeit mit Cheryl Wheeler
Hinzu kommt, daß sie an der Seite von Cheryl Wheeler, einer ehemaligen Kickbox-Weltmeisterin, auftreten konnte. Sie war Kathleen Turners Stunt-Double und übte einen starken Einfluß auf Hee aus. “Sie war sehr beeindruckend”, sagt Hee, “wir habe zusammen trainiert und wurden sehr gute Freunde. Cheryl und ich haben ungefähr das gleiche Gewicht und die gleiche Größe. Normalerweise würde sich ein starkes Konkurrenzdenken aufbauen, aber nicht mit ihr – ich kann nur gut von ihr sprechen.”

Wäre ich nicht so vielseitig, dann wäre es sehr schwierig für mich, Kampfszenen zu machen, denn vor der Kamera ist es ganz anders als sonst.

Schwierige Stunts
“Undercover Blues” ist bis heute Hees größtes Werk als Stuntfrau. Sie erzählt von den schwierigen Stunts, wie Beispielsweisedem Hängen an einer Hubschrauber Leiter und Sprün-gen von einer Klippe.Vor allem erinnert sie sich an die Kampfszene mit Cheryl im Schlamm. Konkurrenz in der Welt der Stunts: Ihr Eintritt in die von Machtkämpfen geprägte Welt der Stunts kam nicht von heute auf morgen. “Es ist harte Arbeit”, sagt sie. Sie bekam ihre Stunt-Auftritte durch, wie sie sagt, “Verbindungen, Gespräche, Politik und Hingabe. Es ist ein sehr, sehr schwieriges Terrain für Einsteiger, weil es so eine kleine, fest zusammenhängende Gruppe ist, die alles unter sich aufteilt.” “Ich sage euch, der einzige Grund, weshalb ich mich heute für eine Stuntfrau halten darf, ist meine Goldmedaille. Es ist meine Eintrittskarte, mein Fuß in der Tür. Auf dieser Basis unterhalten sich die Leute mit mir und denken: “Ja, vielleicht können wir sie gebrauchen.”

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Eigenwille der Stunt-Koordinatoren
Sie versteht den skeptischen Blick, den viele Stunt-Koordinatoren unbekannten Stuntmen gegenüber aufsetzen: “Wenn sie jemand unbekanntes anheuern, gehen auch sie ein Risiko ein”, sagt sie. Sie glaubt allerdings, daß sie, aufgrund ihrer Hingabe und ihrem Willen zu lernen, die Verantwortlichen nicht enttäuscht. “Wäre ich nicht so vielseitig, dann wäre es sehr schwierig für mich, Kampfszenen zu machen, denn vor der Kamera ist es ganz anders als sonst.” Dana Hee ist nicht nur eine sehr gute Kämpferin auf der Leinwand, sondern sie bereitet sich auch sehr hart auf die sonstige Arbeit im Stuntbereich. Sie springt Trampolin, geht mit den anderen Stuntleuten aus und trainiert Stürze von hohen Gebäuden, Autofahren und reiten.

Die Arbeit eines Tages
Hees jahrelange Reitpraxis mache sich in dem film “Time Master” bezahlt. Sie erinnert sich: “In einer Szene war ich gefesselt, wurde zu Boden geschlagen und von einem Pferd bedrängt. In einer anderen Szene kam dieser Typ mit dem Pferd auf mich zu und trat mich mit voller Kraft, so daß ich nach hinten umgefallen bin. Auch wenn dies Situationen sind, die normale Menschen nicht gerade als angenehm empfinden mögen, lacht Dana Hee bei diesen Erzählungen. In einem Werbespot für Buick zog sie einen Ninja-Anzug an und seilte sich vom San Jose Civic Center ab. “Das war der helle Wahnsinn: Ich mußte mich einfach fallenlassen. Ungefähr 20 Meter vor dem Boden konnte ich dann abbremsen.”Sie beschreibt ihre typische Arbeit wie sie sie erst kürzlich in “Stranger by Night” erledigt hat: “Es war fantastisch, ich wurde verprügelt und geworfen, es hat viel Spaß gemacht.”

Brennender Mann
In dem Video “Johnny Mnemonic” hat sie nochmal mit James Lew zusammengearbeitet. Dafür hat sie nicht nur die Basisbewegungen des Capoeira gelernt, sondern drehte auch eine Szene mit, in der ein Stuntman angezündet wurde. Sie und Lew mußten auf die Plattform klettern, wo sie den brennenden Mann mit einem Kick abschüttelte. “Die Flammen züngelten einen halben Meter von seinem Körper weg. Ich mußte voll durchtreten. Danach hat auch meine Hose gebrannt. Also habe ich das Feuer ausgeklopft und weitergemacht.” „Ich liebe die Gefahr“: An diesem Punkt muß man fragen, ob sie ihren Körper gerne dieser Art von Gefahr aussetzt: “Oh, ich liebe es”, sagt sie ohne zu zögern. “Ich mag die Herausforderung.” So gesehen ist sie im richtigen Geschäft.

Terminal Velocity

Letzte Besprechung: Dana Hee (r.) bespricht eine Szene mit Natassja Kinski zu „Terminal Velocity“

„Terminal Velocity“
In den Film “Terminal Victory” mit Charlie Sheen und Nastassja Kinski zeigte Hee noch einmal mehr ihr Können, indem sie Kinski doubelte. “Da war eine zwei Meter hohe Mauer, über die wir, Kopf voraus, springen mußten. Auf der anderen Seite rollten wir uns ab und rannten weiter.” Obwohl es eine kleine Rampe gab, war das eine beachtliche Leistung.

Großes Gefahrenpotential
“Beim ersten Versuch blieb mein Partner mit seiner Jacke hängen, er dachte: “Schande, das Mädel packt es und ich bleibe hängen.” Die Stuntarbeit beinhaltet ein großes Gefahrenpotential, nur um die Zuschauer an die Sessel zu fesseln. Trotzdem erinnert sich Dana an den die Dreharbeiten zu “The Pack”. Sie und ein Stuntman doubelten ein Liebespaar, das sich das Leben nehmen will. Sie fallen Hand in Hand durch eine Glastür, dann über den Balkonrand, bis sie zwei Stockwerke tiefer aufkommen. “Das war echt lustig”, meint sie. Bescheidenheit: Hee ist sehr bescheiden, wenn es um ihre Position in der Filmindustrie geht: “Manchmal gefällt es den Schauspielerinnen nicht, wenn ich Dinge tue, die sie nicht tun können. Dann sage ich ihnen, daß ich dazu da bin, sie besser aussehen zu lassen, denn der zuschauer sieht nur einen fantastischen Stunt und denkt, sie hätten es getan.”

Momente, in denen man alles geben muß
Allerdings gibt sie zu, daß sie nach den meisten Auftritten irgendwo Schmerzen hat, trotzdem macht sie in ihrer Karriere große Schritte. “Es muß so aussehen, als zerstört man seinen Körper, ohne ihn wirklich zu zerstören”, philosophiert sie. “Natürlich gibt es Momente, in denen man alles geben und es den Körper auch spüren lassen muß. Es ist wie beim Kämpfen: Du bist vorbereitet, aber sobald es losgeht, gibst du alles.” Willenstark: Während man sich über Hees masochistische Ader wundert, wird man feststellen, das sie eine der willensstärksten und Stuntfrauen ist. Sie hat ihren zielorientierten Einsatz, der ihr zu ihrer Goldmedaille verholfen hat, auf einen neuen Aspekt konzentriert: Hollywood Stuntwork.

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Verfasst von Scott Schaw.
Dieser Artikel erschien in der Kick Ausgabe August 1995.

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