Frauen Kumite

Deutsche Jugend dreht auf – 1996

Entscheidung in Bielefeld: In diesem Jahr erwarten bedeutende Sportereignisse die Jugend der Deutschen Taekwondo Union. Im Mai finden in Zagreb die Europameisterschaften statt und im Juni mißt sich die Jugend erstmals auf Weltebene. In Bielefeld trafen sich Ende März die besten deutschen Jugendlichen, um die Nummer 1 der jeweils acht weiblichen und männlichen Gewichtsklassen zu ermitteln. Bei der Jugend-Euro und -WM darf jede Nation nur einen Kämpfer pro Gewichtsklasse an den Start schicken. In einigen Kategorien gab es jedoch bis zu vier Bewerber um den begehrten Posten im Nationalteam. Daher mußte bei den Nominierungskämpfen in Bielefeld die endgültige Entscheidung fallen.

Kwon Kampfweste

Volltreffer für Mimoun Khaddari (re.)

Fadime Karatas dominiert
In ausgezeichneter Verfassung präsentierte sich Fadime Karatas im Bantamgewicht (-49 Kg). Die LokaImatadorin aus Bielefeld entschied ihren Eröffnungskampf über die Vize-Europameisterin von 1994 (-40 Kg) Katharina Treimer durch technisches K.O. bereits nach der ersten Runde. Nina Schneider blieb gegen die Dutch-Open-Siegerin mit 0 zu 5 chancenlos. Die einzige ernstzunehmende Konkurrenz stellte aufs Neue Anja Kampers dar. Die beiden Top-Fighterinnen lieferten sich zwei packende Begegnungen, die in Spannung nichts zu wünschen übrig ließen. In der ersten Auseinandersetzung konnte sich Fadime Karatas noch mit 2 zu 0 behaupten. im zweiten Kampf wurde es knapper. Doch auch diesmal hieß nach einem 1 zu 0 Punktstand die Siegerin Fadime Karatas. Damit sicherte sich die Deutsche und Internationale Deutsche Meisterin verdient einen Platz im Aufgebot von Bundestrainer Shin ln-Shik. Dieser war sichtlich angetan von der Leistung der Bielefelderin: „Fadime gehört zweifellos zu den heißen Medaillenaspirantinnen bei der EM. In welcher Gewichtsklasse sie in Zagreb ins Rennen gehen wird, ist jedoch noch nicht ganz sicher. Da die Kategorie bis 45 kg bislang noch nicht adäquat besetzt werden konnte, wird Fadime vielleicht in dieser Klasse antreten und Anja Kampers im Gewicht bis 49 Kilo kämpfen.

Morena Guicciardini überrascht
Im Federgewicht (-53 Kg) gingen mit Morena Guicciardini, Anna Poppe und Melanie Kildau gleich drei renommierte Kämpferinnen an den Start. Melanie Kildan galt in diesem Feld als Favoritin, da die 18-jährige über die größte Erfahrung verfügt Mit Morena Guicciardini rechnete zunächst keiner. Ihre Leistung im ersten Kampf, den sie 1 zu 3 gegen Anna Poppe verlor, schien diese Auffassung zu bestätigen. Doch in den folgenden Begegnungen wirkte die gerade 16-jährige wie verwandelt. Melanie Kildau unterlag der Deutschen Meisterin mit 0 zu 1. Anna Poppe mußte im zweiten Aufeinandertreffen sogar eine deutliche 0 zu 3-Niederlage hinnehmen Die Entscheidung fiel im zweiten Kampf gegen Melanie Kildau. Hier fiel bis zum Schluß kein Punkt. Nun mußte der Nominierungsausschuß, der sich aus dem DTU-Vizepräsident Roland Klein und den Bundestrainern zusammensetzt, über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die Wahl fiel zu recht auf Morena Guicciardini, die durch ihren offensiven Kampfstil dominant wirkte und im Resümee überzeugte. Morena Guicciardini wird die deutschen Farben in Zagreb vertreten.

Sabrina Kretzer souverän
Sabrina Kretzer wurde im Leichtgewicht (-57 Kg) ihrer Favoritenrolle überzeugend gerecht. Die Deutsche Meisterin schaltete zunächst Silvia Herman mit 3 zu 1 aus. Gegen Jasmin Povazson mußte die Wiesbadenerin zweimal antreten. Doch Jasmin konnte die Internationale Deutsche Meisterin nicht in Bedrängnis bringen. Die erste Partie endete klar mit 3 zu 1 für Sabrina Kretzer. Im zweiten Kampf konnte sie einen sehr souveränen 4 zu 1-Sieg für sich verbuchen. Damit wird Sabrina Kretzer in Zagreb bei der Europameisterschaft für Deutschland antreten.

Mimoun Khaddari herausragend
In herausragender Manier sicherte sich Mimoun Khaddari das EM-Ticket im Nadelgewicht (-47 Kg). Der Deutsche Meister ließ zunächst Youssef-Michel Bakkar keine Chance. Der Kampf endete nach der zweiten Runde beim Stand von 7 zu 0 durch Abbruch. Mimoun Khaddari hatte durch spektakuläre Kopftreffer die Entscheidung erzwungen. Alexan-der Beck verkaufte sich etwas besser gegen den IDEM-Zweiten aus Iserlohn. Doch am Ende mußte auch er klar mit 1 zu 5 die Segel streichen. Durch seine überzeugende Vorstellung erkämpfte sich Mimoun Khaddari seinen Platz im Nationalteam.

Jochen Schiffmann mit Kampfgeist
Jochen Schiffmann benötigte im Fliegengewicht (-52 Kg) nur einen Auftritt, um sich für das EM-Aufgebot der DTU zu nominieren. Doch dieser Kampf hatte Niveau. Yong-Ki Kim zeigte von Beginn an, daß er es dem Deutschen Meister nicht leicht machen würde. Nach zwei Minuten führte der Hamburger überraschend mit 4 zu 1. Dann startete Jochen Schiffmann eine eindrucksvolle Aufholjagd. Risikobereit bis zum Äußersten holte sich der Öhringer Punkt um Punkt zurück. Am Ende entschied er die atemberaubende Begegnung dank seiner spektakulären Drehkicks mit 5 zu 4 zu seinen Gunsten. „Jochen zeigte eine starke psychische Leistung,“ resümierte Herren-Bundestrainer Georg Streif anerkennend. Bei der EM in Zagreb ist ihm der Sprung aufs Siegertreppchen zuzutrauen. Man muß jedoch Yong-Ki Kim Respekt zollen: der Hamburger wird in Zukunft sicher häufiger auf sich aufmerksam machen.

Alexander Seethaler setzt sich durch
Im Bantamgewicht (-56 Kg) kämpften mit Alexander Seethaler, Markus Baek und Martin Heinze drei gleichwertige Fighter um die EM-Teilnahme. In dieser Konkurrenz kam der besseren Tagesform ausschlaggebende Bedeutung zu. Alexander Seethaler präsentierte sich in herausragender Verfassung. Im ewigen Duell gegen Markus Baek blieb die Partie bis Sekunden vor der Schlußsirene offen. Da punktete der Neuaubinger durch einen knallharten Körpertreffer zum verdienten 5 zu 4-Erfolg. lm Kampf gegen Martin Heinze mußte der Nominierungsausschuß beim Endstand von 2 zu 2 den Sieger bestimmen Die Wahl fiel auf Alexander Seethaler, der dominanter wirkte. Im zweiten Aufeinandertreffen mit Markus Baek schien der Bann bei Alexander Seethaler endgültig gebrochen. Nach einem Feuerwerk an spektakulären Aktionen siegte der Deutsche Meister mit 4 zu 2 und löste damit sein EM-Ticket. „Alexander zeigte heute eine aussergewöhnliche Leistung“, bestätigte Jugend-Bundestrainer Shin In-Shik.

Interessantes DTU-Team
Die deutsche Nationalmannschaft geht bei den Europameisterschaften in Zagreb mit einem interessanten Team an den Start. Den bekannten Leistungsträgern, zu denen man auch Mustafa Khaddari und Marcel Betz zählen muß, kann man zweifellos einige Medaillenerfolge zutrauen. Daneben treten einige Newcomer für die DTU an, die für Überraschungen gut sind. Bundestrainer Stin In-Shik warnte jedoch vor zu großen Erwartungen: „Ein EM-Titel wäre angesichts der starken Konkurrenz aus Spanien und der Türkei bereits ein großer Erfolg“ Bleibt zu hoffen, daß die DTU-Auswahl ihre derzeitige Leistungssärke halten kann um erfolgreich aus Zagreb zurückzukehren.

Die deutsche EM-Nationalmannschaft

Jugend weiblich:
-42 Kg: Tina Stephan
-45 Kg: Fadime Karatas (?)
-49 Kg: Anja Kampers (?)
-53 Kg: Morena Guicciiardini
-57 Kg: Sabrina Kretzer
-62 Kg: Dajana Mack
-67 Kg: Paulina Urbanietz
+67 Kg: Jolanta Mczygemba

Jugend männlich:
-47 Kg: Mimoun Khaddari
-52 Kg: Jochen Schiffmann
-56 Kg: Alexander Seethaler
-60 Kg: Mustafa Khaddari
-66 Kg: Marcel Betz
-72 Kg: Andreas Nitschke
-78 Kg: Thomas Köhler
+78 Kg: Stefan Bauer

Christine Bannon Rodriguez

Kick 1996/06

 

Diese Reportage erschien in Kick Ausgabe 06/1996. Text und Fotos: gezeichnet durch Kai Müller.

kick light competition

Countdown zur Czech Open 2018

Nur noch knapp zwei Wochen und die Czech Open in Prag starten zum 26ten Mal. Das internationale Turnier für Tatami Wettkämpfe findet erstmals über zwei Tage statt. Veranstalter Miroslav Sobotka reagiert damit auf die steigende Popularität seines Turnieres, das bereits im letzten Jahr die 700 Teilnehmer Grenze überschritten hatte.

Pokalturnier Kickboxen

Pokale, Medaillen und Preisgelder für Sieger und Plazierte.

 

Trotz steigender Starterzahlen sind und bleiben die Czech Open eines der am besten organisierten Turniere in Europe. Niedrige Startgebühren ab 15 Euro bei Mehrfachstarts und Preisgelder für die Sieger helfen natürlich. Es ist ein offenes Turnier, an dem Sportler aller Stile teilnehmen koennen. Die Regeln der WAKO gelten und werden von den Offiziellen des Verbandes auf den Kampfflächen angewandt. Ein WAKO Sportpass ist jedoch zur Teilnahme nicht nötig.

 

Ausschreibung: Czech Open 2018

 

Das Turnier ist besonders beliebt im Point Fighting für Kinder und Jugendliche. Teilnehmer aus Polen, Tschechien und Österreich bilden starke Gruppen, so daß selbst in traditionell schwach besetzten Klassen zahlreiche Teilnehmer antreten. Im Kick-Light, dem Leichtkontakt mit Lowkicks ist das Teilnehmerfeld meist besondern stark, insbesondere bei den Frauen. Es ist ein Augenschmauß für die Zuschauer den technisch sauber kämpfenden Ungarinnen und Slovakinnen zuzusehen.

kick light competition

Technisch saubere Kämpfe gibt es im Leichtkontakt und im Kick-Light bei den Damen zu sehen.

In den Damen und Herrenklassen bieten die Czech Open insbesondere Newcomern eine Chance einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Die internationale Elite fehlt bei dem Turnier, da sie am folgenden Wochenende in der Slowakei um die Europameisterschaftstitel kämpft. Man bekommt in Prag die Gelegenheit sich mit Sportlern aus Italien, Irland, Polen und Österreich zu messen. Das ist eine andere Erfahrung, als ständig gegen die gleichen Leute aus Deutschland anzutreten.

Jugend Mädchen

Die Jugend trumpft mit hohen Kicks.

 

Die Stadt Prag ist immer eine Reise wert: Übernachtung und Verpflegung sind im Oktober sehr günstig. Gutes Essen und ein reichhaltiges Kulturprogramm machen die tschechische Haptstadt sehr attraktiv.

Im folgenden ein paar Fotos von den Wettkämpfen aus dem Vorjahr.

Angriff mit Faust

Schneller Angriff eines Jugendlichen im Semikontakt Point-Fighting

Damen Kickboxen

Gut besetzt sind die schwereren Damenklassen im Point-Fighting.

Sidekick mit Ausrüstung

Die die jügsten Fighter zeigen hervoragendes Talent.

Ungarischer Fighter

Beim Grand Champion geht es bei den Herren um ein Preisgeld von 1000 Euro.

Honbu Dojo

Uchi deshi Leben in Japan

Nicolas Pettas, Gary O’Neill

Nicolas Pettas und Gary O’Neill leben und trainieren in Japans Honbu Dojo, der ersten Adresse für Kyokushinkai Karate

Viele Kampfsportfreunde träumen vom Leben und Training in Japan. Knall­hartes Training und das Erlernen „geheimer“ Techniken, die in Deutsch­land keiner kennt, werden oft damit assoziiert. Darüber hinaus kommt noch die geistig-ethische Komponente hinzu, und nach kurzer Zeit ist man sowohl perfekter Kämp­fer als auch Weiser. So oder ähnlich wird es uns auch in zahlreichen Kampfsportfilmen vorgeführt. Doch die Wahrheit sieht anders auch. Wir haben uns in Japan umgesehen, und dort Aus­länder, die in Japan als Uchi Deshi (innere Schüler, d.h. sie leben im Dojo) ihr Dasein fristen, interviewt. Aber nicht bei irgendeinem Karate­verein, sondern im Kyoku­shinkai Honbu Dojo, dem härtesten Dojo der Welt (zumindest wird das Kyokushinkai Karate von vielen als das „härteste Karate der Welt“ bezeichnet, und so ist anzunehmen, daß das Honbu Dojo das Härteste der Welt ist). Die Interview­partner waren auch nicht einfach irgendwelche, sondern sehr bekannte Sportler.

Honbu Dojo

Eher schlicht und unspektakulär: Der Eingang zum Honbu Dojo

 

KICK: Können sie sich bitte für unsere Leser kurz vorstellen?

Pettas: Mein Name ist Nicolas Pettas. Ich komme aus Dänemark, bin 24 Jahre alt, betreibe seit zehn Jahren Karate und bin Träger des dritten Dan. Ich war EM 1995 und Fünfter bei der Weltmeisterschaft 1995. Bei den Karate World Games 1997 bin ich Superschwergewicht Dritter geworden.

O’Neill: Mein Name ist Gary O’Neill. Ich bin Australier und 23 Jahre alt. Ich mache seit elf Jahren Karate und besitze ebenfalls den dritten Dan. Ich war zweimal Australischer Meister im Mittelgewicht. War 1996 und 1997 Zweiter bei den Japan Open und Vierter bei der WM 1995.

KICK: Wie lange sind sie schon in Japan?

Pettas: Seit sieben Jahren, wovon ich die ersten vier Jahre als Uchi Deshi gelebt habe.

O’Neill: Ich bin seit zwei Jahren hier.

KICK: Wie sind sie nach Japan gekommen?

Pettas: Mit 14 Jahren begann ich Kyokushin Karate bei Humberto Budtz in Dänemark. Nach anderthalb Jahren Training habe ich ihm gesagt, daß ich nach Japan zum Training möchte. Er hat daraufhin nur gelacht. Er war selber ein Jahr in Japan gewesen, und wußte wohl warum. Später fragte ich ihn noch einmal, und er meinte ich solle es einmal versuchen. Ich schrieb einen Brief an das Honbu Dojo, und Oyama Sosai schrieb zurück, daß ich im April kommen könne. Das Uchi Deshi Programm im Honbu Dojo dauert drei Jahre. Nach den drei Jahren fragte mich Oyama, ob ich nicht bleiben wolle. Ich sagte, ich habe kein Geld, und er antwortete mir darauf, daß ich im Honbu Dojo unterrichten könne, um mir so mein Geld zu verdienen. Also blieb ich.

Karate Training Tokio

Im kleinen Trainingsraum wird meist in Gruppen trainiert. Hohe Wiederholungszahlen sind das Credo.

O’Neill: Ich war schon in Australien mit 16 uchi deshi. Mein Lehrer, Cameron Quinn, war oft in Japan, spricht Japanisch und kennt die japanische Mentalität gut. Deshalb hatten wir auch in Australien die Möglichkeit uchi deshi zu werden. Damals trainierte ich zweimal am Tag.

KICK: Wie sieht ein typischer Uchi-Deshi-Tag aus?

Pettas: Um 6:30 beginnt man mit dem Reinigen vor dem Dojo. Von 7:00 bis 8:00 ist das erste Training. Meist Kondition, Laufen, Gewichtstraining. Um 8:30 gibt es Frühstück. Um 9:30 findet die Morgenzeremonie statt. dabei versammeln sich alle uchi deshis und Instruktoren im Dojo, Kancho Matsui kommt und verliest den Tagesplan. Das ist aber nichts Außergewöhnliches, das gibt es in japanischen Firmen auch. Danach gibt es noch zweimal Trainingseinheiten, an denen die uchi deshis teilnehmen müssen. Daneben gibt es noch besondere Trainingseinheiten: Kampfklassen, Schwarzgurt­klassen, usw. Als uchi deshi muß man auch oft die Kinderklassen unterrichten, oder Aushilfs­arbeiten leisten, z.B. die Weißgurte beim normalen Training unterrichten.

KICK: Welche Probleme gibt es dabei?

Pettas: Das größte Problem ist, daß man kein Privatleben hat. Als uchi deshi muß man 24 Stunden am Tag bereit sein. Man muß seinen Sempai (Höhergestellten, Höhergraduierten) immer zu Diensten sein, man darf nicht langsam gehen, man muß immer laufen. Ein weiteres Problem ist die Sprache. Als ich nach Japan kam, konnte ich kein Japanisch, was den Umgang mit den anderen uchi deshis unglaublich schwierig machte. Dazu kam der psychische Druck. Jeder der uchi deshis wollte der Beste sein, es gab großen Konkurrenzkampf. Besonders gegenüber der Nichtjapanern. Im Training verprügeln dich deine Sempais. Der mentale Streß war am Anfang das Schlimmste. Auf die körperlichen Anstrengungen war ich gut vorbereitet als ich hier her kam, aber auf die mentale Seite nicht. Nach einem Jahr ging es dann. Da machte ich meine Schwarzgurtprüfung. Als Danträger hast Du wieder ein normales Leben. Wer mir sehr half war Sosai Oyama. Er baute mich immer wieder auf. Zum Vorzeigen von Mae-keage holte er mich zum Beispiel vor, obwohl ich noch Farbgurt war und dort dritte und vierte Danträger saßen. Ich war damals schon gut gedehnt, und so war es kein Problem das vorzuzeigen. Aber als ich die Gesichter der Schwarzgurte sah, dachte ich mir, daß sie mich umbringen werden. Später, als ich selber Danträger war, geschah mir das selbe. Sosai holte nicht mich zum Vorzeigen hinaus, sondern irgendeinen von ganz hinten. Er spielte mit deiner Psyche, er wollte dir zeigen, daß du nie aufhören darfst zu trainieren.

O’Neill: Der härteste Teil war die Sprache, und wie Nick schon gesagt hat, die zwischenmenschlichen Beziehungen. Als ich hierher kam hatte ich schon einige australische Freunde, die hier waren und auch über meinen Lehrer Cameron Quinn bekam ich einige Leute vorgestellt. Was sich zu Australien sehr unterscheidet, ist der Respekt gegenüber den Sempais. In Australien ist der Umgang eher locker. Nach dem Training gehst du zusammen mit dem Trainer ein Bier trinken. Aber hier in Japan geht das nicht. Hier ist alles streng hierarchisch gegliedert, und aus dieser Gliederung kannst du nicht ausbrechen. Dazu kommt, daß dich die Leute hier testen wollen, wie gut du wirklich bist. Bevor ich hierher kam, war ich zweimal australischer Meister, also wollten sie es von mir genau wissen. Ich kickte sie einfach zum Kopf, und somit war die Sache erledigt (lacht).

Pettas: Zu bedenken ist auf jeden Fall, wenn man hierher kommt, daß Japan extrem teuer ist. Von dem Geld, das ich hier in einem Monat brauche, könnte ich in Dänemark lange leben. Dazu kommt noch der Streß von den Leuten. Tokyo ist eine Großstadt mit beinahe 15 Millionen Einwohnern. Es sind einfach überall Menschen. Wenn man das nicht gewohnt ist, kann einen das ganz schön fertigmachen. So gesehen, war das Training für mich immer eine gewisse Flucht aus der Realität. Wenn ich mit den anderen im Dojo stehe und meine kiais mache, fühle ich mich einfach wohl.

KICK: Wie unterscheidet sich das Training in Japan zu westlichen Training?

O’Neill: Man macht hier viel mehr Wiederholungen. Es ist eintöniger als z.B. in Australien. Man macht jeden Tag dasselbe. Zu Hause war man immer bemüht, jedes Training abwechslungsreich zu gestalten, in jedem Training etwas Neues zu bringen. Das gibt es hier nicht.

Kumite Kyokushinkai

Kampfszene von der Japan Open, einem der größten und härtesten Kyokushin Turniere

Mawashi Geri

O’Neill in Aktion (li.)

Ura Mawashi Geri

O’Neill in Aktion (li.)

 

KICK: Beim Wettkampf ist Kyokushin bekannt dafür „japanlastig“ zu sein. Oftmals ist es fremden Kämpfern nicht möglich gegen Japaner zu gewinnen, da alle Kampfrichter Japaner sind. Viele namhafte Kämpfer wie Andy Hug, Michael Thompson, Gerard Gordeau oder Peter Smit haben deswegen mit dem Kyokushin aufgehört. Was sagt ihr dazu?

Pettas: Das stimmt schon, aber ich glaube, man muß sich dem System beugen. Auf längere Sicht macht uns das stärker. Wenn wir unser Bestes geben, und wir können trotzdem nicht gewinnen, müssen wir uns das nächste Mal eben noch mehr anstrengen. In letzter Zeit hat es aber hier auch viele Änderungen gegeben. Der Sport ist fairer geworden. Unter anderen auch, weil die Japaner sehen, daß wir uns nicht unterkriegen lassen.

O’Neill: Bei den All Japan wurden die Kämpfer in den letzten Jahren z.B. gezogen. das hat es früher nicht gegeben, da wurden alle gesetzt. Aber man sollte wenn man verliert nicht das System beschuldigen. Da macht man es sich zu einfach. Man muß an sich selber arbeiten, und versuchen immer stärker zu werden.

KICK: Das waren schöne Abschlußworte.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg.

Pettas: Vielen Dank. Den können wir auch brauchen.

 

Kicksider 1998

 

Das Interview leitete unser Japan Korrespondent Horst Kalcher. Es erschien in der Januar Ausgabe 1998.

Crashtest

Entwicklung statt Nachahmung: Die Geschichte des Top Ten Kopfschutzes

Gibt es einen Kopfschutz, der so häufig im Boxen, Kickboxen und anderen Kontakt-Kampfsportarten getragen wird wie das Top-Ten-Model „Olympia“ ? Nein ?! Was ist denn das Besondere an diesem Schutz, der von zahlreichen Welt-Spitzensportlern bei Wettkämpfen und im Training getragen wird? Wieso hat dieser Helm die alten handgenähten Lederkopfschützer mit Roßhaarfüllung vom Markt verdrängt? Man kann tausend Fragen stellen, und keine Antwort finden, ausser man kennt die Entstehungsgeschichte von Top Ten und die Absichten des Erfinders. Das alles erfahren Sie im folgenden Artikel, exklusiv in KICK – illustrierter Kampfsport.

Die Notwendigkeit, für das Training und den Wettkampf in Kampfsportdisziplinen mit Kontakt, Kopfschützer aufzuziehen, um seine Gesundheit zu schützen, erkannte man vor vielen Jahrzehnten. Während im Boxsport seit langer Zeit Ledermodelle mit Roßhaar- und Wattefüllungen in Gebrauch waren, entwickelten amerikanische Karate- und Taekwondopioniere in den siebziger Jahren neue Formen für Kopfschützer. Diese neuen Modelle bestanden aus lackiertem PU-Material, Schnürungen wurden durch Klettverschlüsse ersetzt. Das Gute an ihnen war die leichte Handhabung, d.h. im Gegensatz zu den klobigen Schützern aus dem Boxen, konnte man mühelos umherspringen, den Kopf drehen und besser sehen. Ausserdem waren sie billig, sowohl in der Herstellung als im Verkauf. Die Entwickler und Hersteller waren in Sportverbänden organisiert, so daß sie die Helme nicht nur an Hochleistungssportler, sondern an die Aktiven aus dem Breitensport verkaufen konnten und so erheblich höhere Stückzahlen erzielten als die Mitbewerber, welche ausschließlich Faustkämpfer belieferten.

Top Ten Material

Das Material BayFlex besteht aus einem Geflecht von offenen Zellen, die durch ihre Elastizität und Strukur starke Kräfte abbauen können ohne zu verschleißen.

Nachteile der Vorgänger
Die neuen Modelle hatten jedoch drei gravierende Nachteile: 1. für harten Kontakt waren sie nur bedingt tauglich, weil die Dämpfungseigenschaften bei hoher Beanspruchung nachließen; 2. das Material riß an empfindlichen Stellen und konnte nicht dauerhaft repariert werden und 3. die Helme verrutschten leicht.

Taube Ohren bei US-Herstellern
Während sich die meisten Hersteller damit beschäftigten, lediglich kleine Details zu verbessern und modische Designs zu entwerfen, forschte ein deutscher Sportschulbesitzer und Turnierveranstalter nach weitgehenden Neuerungen. Seine Vorschläge stießen bei führenden US-Herstellern auf taube Ohren: sie bezogen bei der Preisgestaltung bereits die Kurzlebigkeit ihrer Produkte ein, d.h. sie rechneten damit, daß ihr Produkt nach wenigen Monaten verschlissen war und eine Neuanschaffung für die Sportler nötig wurde. Ein-leuchtend, daß sie ständig das Design ihrer Modelle ändern mußten, um ihre Kunden zu behalten.
Dieser Deutsche – Georg F. Brückner aus Berlin – der maßgeblich mithalf Taekwon-do und Sportkarate in Europa zu verbreiten und später den Kickbox-Weltverband WAKO ins Leben rief, hörte auf, seinen Lieferanten gute Vorschläge zu unterbreiten, und begann, eine eigene Serie von Schutzausrüstungen zu entwickeln.

Von der Heimarbeit zum High-Tech-Equipment
Mit Gipsköpfen und Knetmasse formte er einen Helm, der anatomisch gut saß, und der seiner Ansicht nach alle Voraussetzungen für einen perfekten Kopfschutz erfüllte. Dann suchte er nach ei-nem geeigneten Material, das sowohl leicht als auch besonders energieabsorbierend war, denn der zielstrebige Erfinder sah das Hauptfeld für den Einsatz im neuaufkommenden Vollkontakt-Kickboxen, der Sportart, die er selbst von den USA nach Europa importierte, bzw. hierzulande mit Großveranstaltungen populär machte.

Ideen für den Boxsport
Die Entwicklung des neuen Kopfschutzes zog sich über drei Jahre hin, bis Brückner zusammen mit einem süddeutschen Reifenfabrikanten und später mit dem Kunststoffproduzenten Hübner, Kassel, das richtige Material und geeignete Produktionsmethoden entwickelte. Während dieser Zeit erkannte Brückner durch seine Nachforschungen bei Sport- und Fachärzten, daß genau seine Vorstellungen für einen Kopfschutz im Boxsport angewendet werden können. Das Amateurboxen stand nach tragischen Unfällen und hohen Verletzungsstatistiken ohnehin auf der Abschußliste von Ärzten und dem Internationalen Olympischen Komitee, so daß die Funktionäre des Weltboxverbandes AIBA mehr als dankbar waren, die Entwicklung des Kopfschutzes zu unterstützen.

Serienreife
1983 erreichte der Kopfschutz von TopTen serienreife. Getestet wurde er von führenden Sportlern aus dem Amateurboxen und dem Kickboxen. Die weitere praktische Einführung bei Turniereinsätzen folgte bei deutschen Ranglistenturnieren und der Weltmeisterschaft der WAKO (London, 1983).

Testanforderungen spielend übertroffen
Von da an begann der Siegezug des TopTen Kopfschutzes, der spielend die neuerstellten, harten Prüfungsanforderungen der AIBA-Tests in Bezug auf Schlagabsorbtion und Beständigkeit erreichte und zum Teil um ein Vielfaches überbot. Es war einer der ersten, wenn nicht der erste Kopfschutz, der den Kopf und primär das Gehirn wirklich vor Gefahren schützte. Die ersten Belastungstest der AIBA an der Technischen Universität in Berlin brachten zum Teil erschütternde Ergebnisse: einige der bis dahin führenden Markenkopfschützer versagten bereits nach wenigen Schlägen jegliche Dämpfungseigenschaften. Mit anderen Worten: bis vor rund 10 Jahren hatten Kopfschützer gerademal Alibicharakter. Produkte bekannter Weltmarken schützten nur für Treffer von zwei bis drei Runden und waren dann reif für den Abfalleimer!

Crashtest

Links: Der Boxhandschuh trifft das Dummy mit dem Kopfschutz über 100.000 Mal. Am Material sind keine großen Schäden erkennbar.

Durch Patente geschützt
Das herausragende am TopTen-Kopfschutz sind zwei Punkte:
1. das Design, das vor allem einen festen Sitz und eine gute anatomische Paßform gewährleistet und
2. das Material, das dauerhafte Aufschlagkräfte in hohem Maß absorbiert, ohne daß nennenswerte Verschleißerscheinungen sichtbar oder meßbar werden, zumindest nicht nach 100.000 Belastungen auf ein- und dieselbe Stelle. Während das Design von konkurrierenden Firmen quasi kopiert wird, bestehen zur Zeit in vielen Ländern auf die Herstellungsweise und die Art der Beschaffenheit Patente, die es in den meisten wirtschaftlich starken Ländern verhindern, daß ein Konkurrent das Design und das Material gleichermaßen kopiert. Und selbst, wenn dies aus formell juristischer Perspektive möglich ist, scheitern die Nachahmer an den hohen Kosten für die notwendigen Geräte und Werkzeuge sowie mangelndem Knowhow bei der Herstellung des Materials.

Polyol Kunststoffwerk

Der Ausgangsstoff Polyol lagert in diesen Behältern im Hübner-Werk in Kassel.

Jahrelanges Suchen nach der richtigen Gummi-Mischung
Neben der bahnbrechenden Entwicklung von Georg F. Brückner waren es vor allem zwei Punkte, die dem Kopfschutz aus Sicht der Produktion eine so starke Marktpräsenz ermöglichten. Zum einen wurde nach jahrelanger Forschung eine Rezeptur für das Material gefunden, die laut Herstellungsleiter Christoph Heuser eine gleichbleibende Qualität ermöglichen. Zum anderen wurden die wenigen noch vorhandenen Schwächen behoben. So wurden z.B. die z.T. etwas scharfen Kanten, die beim Pressen der Form entstehen, so verlagert, daß sie nach außen zeigen. Weiterhin wurde das Ohr durch einen zusätzlichen Steg geschützt und an den Öffnungen für die Verschlüsse wurden Verstärkungen angebracht, die von außen nicht zu erkennen sind.

Die richtige Chemie machts möglich
Das Material, aus dem der Kopfschutz hergestellt wird, bezeichnet man als „BayFlex.“ Es setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Polyol, einem Kunststoffgemisch mit Katalysatoren, Farbe und anderen Stoffen und einem Treibgas. Diese beiden Komponenten werden über einen speziellen Mischkopf in eine Leichtmetallform geschossen, wo die Stoffe sich in einer exothermen chemischen Reaktion vereinigen und zur festen Kunststoffmasse erhärten. Bei der Herstellung kommt es zum Erreichen der gewünschten Härte und Elastizität auf das ideale Mischungsverhältnis der Bestandteile, die richtige Temperatur der Form und die sekundengenaue Einhaltung der Reaktionszeit an. Werden diese Bedingungen nicht genau eingehalten, kann es dazu führen, daß die rund 50.000 DM teure Form, die mit einem eigenen Heiz- und Kühlsystem ausgestattet ist, nicht mehr gebraucht werden kann.

Viele Zellen machen das Material felxibel
BayFlex erreicht durch seine Beschaffenheit eine hohe Elastizität, die es ermöglicht, Aufschlagkräfte zu absorbieren und z.T. in Wärme umzuwandeln. Dabei spielt die Struktur des Materials die entscheidende Rolle. Es besteht aus vielen kleinen, rundlichen Zellen, die luftdurchlässig miteinander verbunden sind, wodurch bei einer Belastung (Schlag) ein sanftes Nachgeben des Materials ermöglicht wird. Wären die Zellen geschloßen und nicht luftdurchlässig, würde die Dämpfung allein durch den Widerstand der Luft zurückgehalten werden, was bei extremer Belastung zum „Zurückschlagen“ der nur begrenzt komprimierbaren Luft oder zur Zerstörung des Gewebes führen würde. Da BayFlex an der Außenhaut versiegelt wird, d.h. das Zellgewebe ist in sich luftdurchlässig aber nicht nach außen, entsteht bei der Wegnahme einer Belastung (Schlagrücknahme) ein Vakuumeffekt an der zusammengedrückten Stelle, der dafür sorgt, daß die Luft umgehend zurückströmt und eben diese belastete Stelle augenblicklich wieder widerstandsfähig wird. Andere Anwendungsformen für BayFlex finden sich in der Fahrzeugtechnik, z.B. bei Sitzpolstern, Drehgelenkverkleidungen und Stoßfängern und anderen stark beanspruchten Teilen.

Schweissablauf

Detaillösungen auch innen: Die sichtbare Struktur sorgt für einen Schweißablauf an den Seiten des Gesichts. Sichtbehinderung durch plötzlich triefenden Schweiß bei Stirntreffern sind somit nahezu ausgeschloßen.

Preise produktionsbedingt
Natürlich ist Top Ten trotz hoher Stückzahlen nicht gerade die billigste Marke. Die Preise werden von enormen Entwicklungskosten, laut Hübner GmbH ca. 3 Millionen DM bis zur Serienreife aller Produkte, und den oft beklagten hohen Nebenkosten, die der Industriestandort Deutschland insbesondere durch den hochgeschätzten Umweltschutz nach sich zieht, verursacht. Wenn man daran denkt, daß mit dem Kopfschutz von TopTen in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden, die Umwelt nur minimal belastet wird und keine Kinder- oder Zwangsarbeit in Dritteweltländern in Anspruch genommen wird, relativiert sich der Aufpreis nicht nur aufgrund der bekannten Qualität und dem besonderen Schutz für die eigene Gesundheit.

Freie Wahl für TopTen
Der Erfolg des Olympia-Models spricht für sich. Obwohl die Wahl der Marke z.B. im Amateurboxen den Kämpfern unter den zugelassenen Modellen freigestellt ist, bevorzugt eine große Zahl der Sportler TopTen. Bei internationalen Turnieren tragen laut AIBA Generalsekretär Karl-Heinz Wehr bis zu 75 % der Spitzensportler die deutsche Marke, die in Europa und Afrika weite Verbreitung findet. Im Kickboxen mußte man in den letzten Jahren lange suchen, um z.B. im WAKO-Verband Kopfschützer anderer Marken zu finden. Soweit Turniere von anderen Ausstattern gesponsert wurden, kam es immer wieder dazu, daß die Sportler den Firmenzug überkleben mußten. Bei der letzten WAKO-Kickboxweltmeisterschaft in Stuttgart konnte der offizielle Sponsor Sport Rhode die Welt-Spitzensportler nicht mit einem eigenen Kopfschutz ausrüsten. Der hessische Budosport-Gigant kaufte die offiziellen Kopfschützer kurzfristig direkt vom Konkurrenten TopTen.

Georg F. Brückner

Erfinder Brückner stellt 1987 seine neuen Top Ten Boxhandschuhe vor.

„Man muß ihn anziehen“
Wie sagte der TopTen-Erfinder Georg F. Brückner zu Lebzeiten: „TopTen kann man nicht beschreiben, man muß ihn anziehen und mit ihm trainieren, um zu wissen, wie gut er ist.“

Details, die nicht jeder kennt
Es ist aber nicht nur das Gefühl beim Tragen, das die Entscheidung für einen Helm erleichtern soll, es sind die vielen Details, die erst dann bemerkbar werden, wenn man ausgiebig trainiert hat und wissenschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt. So hat der TopTen Kopfschutz als einer der ganz wenigen einen Schutz für das Schädeldach und die obere Halswirbelsäule. Dieser Schutz wird bei normalen Treffern nicht benötigt, doch einem K.o.-gegangenen Kämpfer kann diese Polsterung beim besinnungslosen Aufschlag auf den Boden das Leben retten.

Gegen Rabbit Punches
Obgleich „Rabbit Punches,“ beim Infight in den Nacken geschlagene Haken, regelwidrig sind, schützt auch hier dieses zusätzliche Polster vor schweren Verletzungen, denn Treffer mit dieser Zielfläche können Gehirnblutungen an der Schädelbasis verursachen und nachhaltige Gesundheitsschäden auslösen.
Die Polster auf der Schädeldecke schützen vor allem beim Kickboxen und Taekwondo vor Axt-Kicks, auch dies ein schutzwürdiger Teil, der von vielen Herstellern nicht berücksichtigt wird, weil z.B. die AIBA-Norm an dieser Stelle eine Polsterung nicht vorschreibt.

Heute wird der Top Ten Kopfschutz in den USA in verschiedenen Formen und Farben durch die Mail Order Firma Fighters Inc. vertrieben: Top Ten Headguard.

Christine Bannon Rodriguez

 

Dieser Bericht erschien in der Ausgabe 06 / 1996. Fotos: Archiv Deubner, Brückner, Budoland GmbH, Hayashi GmbH, Hübner GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Gerhard Stingl Semicontact

Semikontakt der IBU

Hildesheim: Die Löhner Kickboxer der Sportschule Stingl fuhren zu einem Vergleichskampf im Semikontakt nach Hildesheim. Ausgerichtet wurde das Turnier von Frank Körner, dem Sportstudio Physis und der International Budo Federation (IBU). Zweimal zwei Minuten galt es für die Sportler in den Vorkämpfen zu überstehen, die Finale gingen über drei Runden.
Die Löhner Sportler haben sich im Vorfeld sehr gut vorbereitet und bewiesen dies mit einer guten Kampftaktik und Konditionsstärke. Gerhard Stingl, Leiter der Löhner Sportschule, dazu: „Daß unsere Vorbereitung mal wieder gut war, kann man an unseren Plazierungen erkennen. Wir sind mit acht Kämpfern angetreten und fünf von ihnen haben gewonnen.“ Das Turnier lief reibungslos ab, weil es im Vorfeld gut durchorganisiert wurde. Chancengleichheit war gegeben. Die Ergebnisse der Löhner Fighter: Stephanie Helm (1., Frauen, -60 Kg), Otto Diring (2., Herren Leichtgewicht), Mustafa Sen (2., Herren Mittelgewicht), Thomas Schröder (1., Herren Schwergewicht), Ibrahim Yildrim (2., Herren Schwergewicht), Sven Assmann (3. Herren Schwergewicht).
Im Februar 1998 werden die Löhner Sportschule Stingl und die IBU wieder Kreismeisterschaften durchführen. Hierbei werden wieder zahlreiche Sportler aus unterschiedlichen Sportschulen erwartet. IBU

Gerhard Stingl Semicontact

Die Sieger und Plazierten der Sportschule Stingl aus Löhne

Ving Chun Demo

Frohe Weihnachten wünschten die Kölner EVCC-Ving Chun-Ausbilder und -Schüler mit ihren Vorführungen zum Weihnachtsmarkt am Kölner Dom. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Veranstalter fanden dieVorführungen gleich auf der Hauptbühne direkt am Dom statt. Interessierte Besucher konnten sich am benachbarten Infostand beraten lassen und erhielten Adressen für VC-Schulen in ihrer Nähe. PK

Kick illustrierte

Die letzte KICK Ausgabe Januar 1998

Die Nachrichten erschienen in der Ausgabe 01/1998.

Vorschau: Czech Open 2017

Semikontakt Turnier Prag

Das offizielle Poster zum Turnier

Warum nicht einmal ein Turnier mit einer interessanten Reise verbinden? Was sonst nur Leistungssportler machen, kann dank offener Turniere auch jeder normale Kickboxer unternehmen. Die Czech Open, die jedes Jahr in Prag stattfinden, sind eines der besten Kickbox Turniere Europas. Man kann eine der schönsten Städte Europas erkunden und bei einem hervorragend geleiteten und organisierten Turnier um Titel und Trophäen kämpfen.


Termin: 13. – 14. Oktober 2017


Verstalter Mirek Sobotka stellt sein traditionsreiches Turnier auf die Beine. Seit 25 Jahren findet das Turnier in der Stadt mit den goldenen Dächern statt. Erst wurde es vom Tschechischen Kickboxpionier Roman Hladik als offenes Turnier begründet. Seit 2011 setzt Mirek Sobotka das Turnier auf Tatami fort. Mirek war früher selbst einer der besten Semikontakt Fighter in den mittleren Gewichtsklassen. Er kämpfte gegen Weltmeister aus allen Verbänden wie Roland Conar, Zvonko Gribl, Lajos Hugyetz, Markus Zandra, Thomas Pfaffl, Ivan Kulev und viele mehr. Er fightete bei WAKO, IAKSA, WKA/WKU und kleineren Verbänden in Europa und Amerika. Aus eigener Erfahrung kennt er die Szene und den Sport so gut wie kein anderer. Mirek ist einer der Versanstalter, die bei seinem Turnier auf das Wohl der Sportler achten wie kaum ein anderer. Sein Turnier ist tadellos organisiert. Im letzen Jahr nahmen Sportler aus mehreren Ländern am Turnier teil, u.a. aus der Slovakei, Ungarn, Österreich, Irland, Deutschland, Italien, Serbien und Polen. Die Czech Open sind vor allem für die Fighter interessant, die sonst in der zweiten Reihe stehen. Die Startgebühren liegen bei 20 Euro für Kids und 25 Euro für Erwachsene. Da das Turnier kurz vor den WAKO Weltmeisterschaften stattfinden, wird die Weltelite nicht an den Start gehen, wodurch andere eine bessere Chance auf den Gewinn der tollen Pokale haben. Das ist insbesondere für verbandslose Kämpfer eine Gelegenheit auf den riesigen Grandchampion Pokal, der mit einer Siegprämie von 1000 Euro dotiert ist.


Link: Ausschreibung zur Czech Open 2017


Gekämpft wird im Pointfighting, Lightcontact, Kick Light und Musical Forms. Starten dürfen Kadetten ab 7 Jahren. Ansonsten die üblichen Junioren, Senioren und Damen Gewichtsklassen nach den Regeln der WAKO (Details siehe link oben).

KICK war im letzen Jahr bei den Czech Open vor Ort. Eine Gallerie von den Kämpfen und der Verastaltung kann man unterhalb dieses Artikels ansehen. Die Wettkämpfe waren sehr fair und diszipliniert. Es gab keine nennenswerten Verletzungen. Falls doch einmal eine Verletzung entstand waren die Sanitäter innnerhalb von wenigen Sekunden an Ort und Stelle. Sehr beeindruckend.

Jeremi Sport Halle Prag

Das Turnier findet erstmals in der Jeremi Sports Hall statt. Es ist ein grosses integriertes Sportzentrum mit vielen Einrichtungen. Es liegt im Westen der Stadt Prag. Über U-Bahn und Busse ist man innerhalb weniger Minuten am Internationalen Flughafen, an Bahn und Bus Stationen. Für Anreisende mit dem PKW stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Die Sehenswürdigkeiten der Prager Altstadt sind nur wenige Stationen von der Halle entfernt.

Lageplan: Jeremi Sports Hall


Hotel Empfehlungen:

Stodulky hotel

Ansicht: Villa Bohemia

Villa Bohemia:
Information und Online Reservierung

Eine gut bürgerliche Penzion mit Einzel und Mehrbettzimmern. Idyllisch gelegen am Zentral Park von Prag 13. Die Halle ist zu Fuss schnell zu erreichen. Das Frühstück ist im Preis inbegriffen. Sauber und komfortabel. Es stehen ausreichend Parkplätze für Gäste zur Verfügung.

Volcano Spa Bedroom

Das Volcano Spa Hotel ist die exclusive Adresse für einen luxuriösen Aufenthalt in Prag 13.

Volcano Spa Hotel: Information und Online Reservierung

Ein exclusives Sporthotel mit grossen Betten und vielen anderen Annehmlichkeiten. Hier macht Chillen Spaß. Wer das Besondere schätzt, wird hier zufrieden sein.

Penzion Karel: Bilder und Beschreibung

Eine einfach Pension auf der anderen Strassenseite des Sporthalle. Billig, komfortabel und damit perfekt für Leute mit kleinerem Geldbeutel.


Im folgenden eine Gallerie mit Impressionen von den Czech Open 2016 aus dem Vorjahr.

Özden in Bonn

Neuer VC-Rekord in Bonn

Über soviel Nachfrage waren selbst Sifu Özden und seine Ausbilder überrascht: Rund 300 Ving Chun (VC) Schüler aus dem ganzen Rheinland pilgerten Mitte April zum Prüfungslehrgang ins Bonner Ving Chun-Center. Und sie kamen beim Training mit dem Chef der Euro Ving Chun Connection (E.VC.C.) voll auf ihre Kosten.

Effektiver Selbstschutz, Philosophie und jede Menge Power beim Prüfungslehrgang in Bonn – Über 300 Teilnehmer.

Auf dem Programm standen explosive Kampfübungen, denen man ansah, daß sie auch im Ernstfall funktionieren würden. Und gerade für die noch nicht so hoch graduierten Schüler der Unter- und Mittelstufe nahm sich Sifu viel Zeit. Zusätzlich erläuterte er immer wieder die Zusammenhänge von effektiver Kampfkunst und den philosophischen Hintergründen.

Özden in Bonn

Sifu Birol Özden (re.) mit Sihing Gerd Rütten, dem Leiter des VC-Center in Bonn.

Eindrucksvoll demonstrierte er mit seinen Ausbildern, wie man selbst in scheinbar ausweglosen Situationen als Sieger den Platz verläßt. Gegen einen oder mehrere Gegner. Dabei fiel auch langjährigen Schülern und Ausbildern die Kinnlade herunter.

Besonders erfreulich: Einige Polizisten und Security-Spezialisten eines bekannten Sicher-heitsunternehmens waren mit von der Partie wie Kampfsportler anderer Disziplinen. Auch einige Mitglieder von Wing Chun, Ving Tsun und Wing Tsun-Schulen aus dem Bonner Raum machten mit. Sie wollten sich von der Qualität des VC- Konzepts von Sifu Özden überzeugen. Der bedankte sich für das Interesse und den ihm entgegengebrachten Respekt mit den guten Tips und Ratschlägen von über zwei Jahrzehnten Kampfkunsterfahrung.

Das alles motivierte natürlich ungemein. Und so wuchs die Schlange, die sich in der Pause vor dem Büro bildete, wo sich etliche Interessenten für VC-Lizenzen und -Ausbildungen versammelt hatten. Es hatte sich bis zu ihnen herumgesprochen, das man es als VC-Ausbilder von einer kleinen Schule bis zum VC-Center mit 300 Mitgliedern bringen kann.

seminar

Nach getaner Arbeit feiern die Teilnehmer die bestandenen Prüfungen.

Alle konnten am Ende eine gute Portion neuerworbenes und vertieftes VC-Selbstschutz Wissen und eine Urkunde über die bestandene Prüfung mit nach Hause nehmen. Und verabschiedeten ihren Sifu schließlich nach einem gemeinsamen Konditionstraining vor dem VC-Center Bonn mit wohlverdientem Applaus.

Mike Chaturantabut
Dieser Seminarbericht erschien in der Ausgabe 10/96, welche im September 1996 im Zeitschriftenhandel erhältlich wurde.

Wing Chun: Italo Camp 1997

Wing Chun Seminar

Stetano al Mare ist eine kleine Hafenstadt an der italienischen Riviera und der Austragungsort des ersten Italienseminares vom DWCV-Deutscher Wing Chun Verband. Fast das ganze Jahr scheint hier die Sonne und ein leichter vom Meer kommender Wind sorgt für angenehme Temperaturen in den September hinein. Nach einer fast zehn stündigen Anreise, waren alle Teilnehmer am Seminarort angekommen. Es war früh am Morgen, die erste Trainingseinheit war für 16 Uhr vorgesehen – Zeit genug, um sich von der langen Reise auszuruhen. Pünktlich rief Sifu Filbrandt, Cheftrainer für Europa des Deutschen Wing Chun Verbandes, die Teilnehmer zum Training auf. Das Teilnehmerfeld bestand vorwiegend aus Lehrern und Lehreranwärter des DWCV.

Desweitern waren italienische Wing Chun Anhänger verschiedener Stilrichtungen, sowie Vertreter der italienischen Polizei von Imperia angereist. Nach der Bekanntgabe des Seminarverlaufs wurde sofort mit dem Training begonnen. Die Teilnehmer wurden je nach ihrem Ausbildungsstand eingeteilt. Jede Trainingseinheit beinhaltete zu Beginn Schlagserien. Sie galten der Verbesserung des Basisfauststoßes (Pal Kuen), ein Fauststoß mit gleichzeitiger Schutzfunktion aus der Chum Kiu Form, welcher oft als Kettenfauststoß fehlinterpretiert wird. Sifu K. Filbrandt setzte anfangs 500er Serien an, steigerte jedoch im Verlauf des Seminars die Belastung bis auf 1.300 Wiederholungen pro Trainingseinheit. Nach den Schlagserien stand Formtraining auf dem Programm. In der ersten Woche widmete sich Sifu Filbrandt ausschließlich der Siu Lim Tao – der ersten Form im Wing Chun Kung Fu. Hier legte er besonderen Wert auf die Methoden der Steuerung von Kräften, Energiearbeit und Winkelmechanik. Ferner wurde auf den Energieaufbau im „Horsestand“ (Basisstand) eingegangen. Anschliessend befaßten sich die Teilnehmer mit Übungen, Lap Sao und Chi Sao. Zum Ende der ersten Woche legten drei Lehreranwärter des DWCV die Prüfung zur Grundstufe (C-Lizenz) erfolgreich ab. Die zweite Woche umfaßte die zweite Form im Wing Chun Kung Fu – die Cham Kiu. Wing Chun Kung Fu ist ein auf sich aufbauendes und geschlossenes System. Hat man die Siu Lim Tao nicht wirklich verstanden, kann man die Cham Kiu nur als Tanz benutzen. Ein Zitat von Grandmaster Yip Man sagt: „In der Siu Lim Tao finden wir Geist und Absicht des Wing Chun Kung Fu“. Durch die Prinzipien wie „Brückenarme“ oder „Kombinierte Kräfte“, die in der Cham Kiu zum tragen kommen, lassen sich Angriffe unmittelbar zerstören. Die Teilnehmer staunten nicht schlecht, als Filbrandt Anwendungsbeispiele aus der Cham Kiu demonstrierte. Zum ersten mal sah man „andere Wirklichkeiten“! Besonders unsere italienischen Freunde waren überwältigt, ein Wing Chun dieser Art hatten sie zuvor noch nicht gesehen. Es unterscheidet sich von den ihnen bekannten Auslegungen. Die Fassungslosigkeit erreichte ihren Höhepunkt als er Anwendungen zeigte, wie simpel man diese gefürchtete Waffe stoppen konnte. Als er dann noch zu verstehen gab, daß es im klassischen Wing Chun der Yip Man Linie diese Art der bekannten Kettenfauststöße eigentlich gar nicht gibt, war man nicht mehr zu halten, um es selbst auszuprobieren, die eigenen mitgebrachten Kettenfauststöße so stoppen zu können. Was für Gesichter! Mit dieser Erfahrung wand man sich dem Üben des Yat Tze Chung Kuen zu, ein Fauststoß von zerstörerischer Wirkung, die ebenfalls eine Schutzfunktion beinhaltet. Gegen Ende des Seminars waren alle Teilnehmer sichtlich erschöpft, jedoch hochzufrieden mit der Entwicklung, die sie innerhalb dieser zwei Wochen durchlaufen haben.

Kicksider 1998

DWCV:Roberto Laura.
Erschienen als Nachricht in KICK Ausgabe 01/1998.
Veröffentlicht im Dezember 1997.

Mano Mano Seminar

MAMD: MANO MANO & ARNIS SEMINARE

Modern Arnis Seminar

Ein Teil der Bielefelder Lehrgangsteilnehmer
mit Peter Konschak (3.v.r.)

Bielefeld: 30 Teilnehmer trafen sich im Oktober 1997 zu einem Lehrgang in Bielefeld. Viele stilfremde Neulinge erhielten einen ersten Eindruck vom Modern Arnis und dem Modern Mano Mano. Peter Konschak (4. Dan Modern Arnis, 1. Dan Mano Mano), der als einer der besten Lehrer auf diesem Feld gilt, konnte vom TAO Bielefeld e.V. als Leiter gewonnen werden. Konschak zeigte, wie man sich mit den beiden Systemen verteidigen kann. Die Techniken haben keinen Sportcharakter, es handelt sich um reine Selbstverteidigung.
Konschak erläuterte im ersten Teil des des Lehrgangs das Schlagsystem des Modern Arnis mit dem Stock sowie die Basisblöcke. Dem folgten Entwaffnungstechniken mit Stock gegen Stock. Im zweiten Teil wurden waffenlose Techniken (Modern Mano Mano) trainiert. Schnelle Kon-tertechniken und die Kontrolle des Gegners standen im Vordergrund. Am Schluß hatten alle Teilnehmer einen besseren Einblick in die Systeme erhalten.

Mano Mano Seminar

W. Schnur erläutert den Traineranwärtern Techniken mit dem Bolo (Machete)

Niedersachsen: Ein weiteres Trainingscamp fand zuvor im Harz statt. Dieses Camp richtete sich primär an Dojoleiter, Trainer und Traineranwärter, die Gruppen aufbauen oder leiten wollen. Über eine Woche wurde den Teilnehmern viel abverlangt. Sechs Stunden täglich wurde unterrichtet. Klassisches Arnis mit runden und fließenden Bewegungen wurde intensiv trainiert. Dabei standen Schnitt-Techniken für das spätere Messerkampftraining im Vordergrund. Weitere Schwerpunkte waren: Bolo (Machete) und Bankaw (Langstock). Zum Schluß stand Modern Mano Mano auf dem Programm. Bei der waffenlosen Selbstverteidigung des MAMD wurden Kicking, Punching, Trapping und Grappling intensiv trainiert.

Kicksider 1998

Info: Th. Isringhausen
Die Nachricht erschien in KICK Ausgabe 01-1998, welche im Dezember 1997 veröffentlicht wurde. Diese Seite dient als Archiv.

world championships

Taekwondo Weltmeisterschaften 1997

Weltmeisterschaft Taekwondo

Über 90 Nationen bei der Eröffnungsfeier der Taekwon-do Weltmeisterschaften in Hongkong 1997

Silber für für Marco Scheiterbauer

Trotz der Machtübernahme durch die Chinesen hat sich in der ehemaligen englischen Kronkolonie Hongkong nicht viel geändert. Die meisten Budosportler verbinden die Fernostmetropole vor allem mit dem Kung Fu Stil Ving Tsun und zahlreiche Knochenbrecher-Filme. Die besten deutschen Taekwondo-Sportler flogen im November 1997 jedoch aus einem anderen Grund in diese wunderbare Großstadt. Sie nahmen über fünf Tage vor jeweils durchschnittlich 7.000 Zuschauern an der WM teil. Unter den Zuschauern konnte man auch Eastern-Star Jackie Chan sichten. Die hochmotivierten Akteure gaben sich größte Mühe, neben einem Titelgewinn, hätten sie auch für den Film entdeckt werden können.

Aus über 90 verschiedenen Nationen fanden sich die besten Damen- und Herrennationalteams im Hongkong Collisseum zur 13. Herren und 6. Damen Weltmeisterschaft der WTF ein. Diese WM war die erste Großveranstaltung, die nach der Übergabe vom 1. Juli 1997 unter chinesischer Flagge abgehalten wurde. Sie wurde mit großem Medieninteresse begleitet. Das Training in Hongkong war von der Einstellung der deutschen Kämpfer und Kämpferinnen und der Häufigkeit sehr gut und beschleunigte die Akklimati­sierung und Zeitum­stellung. Jedoch mußte die unmittelbare WM-Vorbereitung mangels geeignetem Trainingsraum im Freien stattfinden.

Deutsches Team WTF

Das gesamte deutsche Team bei der WM 1997 u.a. mit Teamarzt Dr. Dirk Jung

1. Tag: Den Anfang mußte Markus Böschek im Leichtgewicht (-70 kg) aus Kaufbeuren/Bayern, 23 Jahre, machen. Er wurde kurzfristig – vier Tage vor Abflug – für den Titelverteidiger Aziz Acharki, der verletzungsbedingt auf den Start verzichtete, nachnominiert. Markus Böschek, „B-Mann“, Ranglistenerster bis 64 kg, DM-Sieger 1996 (-68 Kg) und Worldcupmedaillengewinner von Kairo, wurde in der ersten Begegnung gegen Krygystan kampflos Sieger. Danach traf Böschek auf Argentinien. In diesem spannenden Kampf überzeugte er routiniert und mit hervorragenden Konteraktionen. Lag er zu Beginn noch mit 2:3 Punkten zurück, stand die zweite Kampfrunde bei 4:5. In der letzten Runde gelang ihm der Anschlußtreffer (30 Sekunden vor Wettkampfende) zum Endstand von 5:5.

Doch der Kampfrichterentscheid ging nicht zu seinen Gunsten aus. Etwas mehr Stabilität und Aggressivität zum Schluß hätten ihm geholfen. Weltmeister in dieser Klasse wurde Tarner Abd ElMonaam, der DM Sieger 1997 aus Ägypten.

Beim Damenteam mußte sich Nicole Hartmann aus München, 25 Jahre, im Leichtgewicht (-60 kg), gegen eine Kämpferin aus Polen behaupten. Dies gelang ihr beeindruckend mit einem 3:1-Sieg. Erst in der letzten Kampfrunde konnte die Polin ihren ersten Treffer erzielen, davor führte Hartmann klar mit 2:0, schließlich sogar 3:0 Punkten. Im Achtelfinale mußte sie sich auf die Koreanerin Hae Eun Kang konzentrieren. Beide versuchten den besten Moment abzuwarten und wurden zu mehr Aktionen ermahnt. Schließlich gelang Nicole Hartmann in der zweiten Runde der erste Führungstreffer. In der letzten Kampfrunde erzielte die Koreanerin jedoch einen leichten Kopftreffer und zwei weitere Punkte. Hartmann mußte sich somit im Achtelfinale gegen die spätere Weltmeisterin aus Korea mit 1:3 Punkten geschlagen geben. Durch diese hervorragende Leistung gegen die Koreanerin konnte Nicole Hartmann ihren Erfolg als Vize-Worldcupsiegerin bestätigen.

2. Tag: Im Fliegengewicht (Herren, -54 kg) startete Aydin Ates, aus Offenburg, 26 Jahre, als „Wiedereinsteiger“ gegen den Nationalkämpfer aus Equador. Ates ging mit seinen schnellen Kombinationen früh mit 2:0 Punkten in Führung. Zum Schluß fehlte ihm allerdings die Routine, um seinen Vorsprung gegen den Equadorianer zu halten. Er mußte sich in einem guten Kampf knapp mit 3:2 Punkten gegen den späteren Bronzemedaillisten geschlagen geben.
Im Fliegengewicht der Damen (-47 kg) setzte sich Fadime Karratas, aus Bielefeld, mit 18 Jahren das „Nesthäckchen“, bei ihrer ersten WM klar gegen Selina Njeri Wamaitha aus Kenia mit einem 7:0-Sieg durch. Die 2fache Europameisterin und Bronze-Worldcup-Siegerin 1997 (Kairo) gab auch ihrer nächsten Gegnerin Minna Kestola aus Finnland, die einen ganzen Kopf größer als sie war, keine Chance. Fadime Karratas gewann deutlich mit 4:0 Punkten. Im Achtelfinale gegen Brasilien gelang es Karratas trotz harter Attacken ihrer Gegner, einen Vorsprung aufzubauen und gegen die aktive Brasilianerin sogar zwei Kopftreffer zu erzielen. Selbst ein starker Dytchagi, der der Brasilianerin regelrecht den Boden unter den Füßen wegzog, wurde als Punkt für Fadime Karratas gewertet. Mit 7:1 Punkten Endstand konnte sie verdient ins Viertelfinale einziehen. Ihre Gegnerin: Song Hee Yoon aus Korea. In der ersten Runde standen sich beide ebenbürtig gegenüber und keine erzielte einen Punkt. Danach ging Fadime Karratas mit 1:0 in Führung. Erst in der dritten Runde gelang der Koreanerin der Ausgleich – durch einem Treffer auf den Armschoner. 1:1. Dagegen wurde ein eindrucksvoller Naeryochagi zum Kopf der Koreanerin kurz vor Ende der Kampfzeit nicht gewertet. Es blieb beim Endergebnis von 1:1. Obwohl Fadime Karratas mehr Aktionen als die Koreanerin gezeigt hatte, ging der Vorteil – wie so oft bei unentschiedenen Kämpfen – an die Koreanerin, was vom Publikum mit lauten „Buh-Rufen“ quittiert wurde. Dies war kein Trost für Fadime Karratas, die knapp an einer Medaille vorbei gegen die spätere Vize-Weltmeisterin ausschied. Fadime Karratas bewies in allen Kämpfen ihr herausragendes Talent und ihre Fähigkeit bei allen Turnieren auf vorderen Plätzen mitzukämpfen.
Sonja Schiedt ging im Weltergewicht (-65 kg), aus München, 23 Jahre, für das Deutsche Team an den Start. Die Bronze-Medaillistin des Wordcups 1997 behauptete sich in der ersten Runde gegen die USA mit 2:1. In der nächsten Runde wurde die Amerikanerin stärker und es kam zu vielen Schlagabtäuschen, was der USA die Führung von 5:4 brachte. In den letzten drei Minuten versuchte Sonja Schiedt den Ausgleich zu schaffen, doch dabei paßte sie kurz nicht auf, erwischte einen Kopftreffer. Die Amerikanerin nutzte dies zu zwei weiteren Treffern, so daß sie mit 4:8 Punkten ausschied.

Diana Creti

Diana Creti (re.) im Kampf gegen Chinnanach nach erfolgreichem Konter

Der 23jährige Marktoberdorfer Marco Scheiterbauer, der vor sechs Wochen in Rom mit Siegen über Korea, Iran, Griechenland und Lesotho Militärweltmeister im Weltergewicht (-76 Kg) wurde, besiegte nach einem Freilos Avihad Bloch aus Israel, der den Südafrikaner hinter sich gelassen hatte, durch klare Treffer mit 10:4 Punkten. Der Powerkämpfer aus dem Allgäu ging voll konzentriert zur Sache. Gegen den Kämpfer Pang Ho-Iam aus Hongkong – mit großem Presseaufgebot – wollte Marco von Anfang an dominieren um den Leistungsunterschied aufzuzeigen. Dies gelang ihm mit harten Paltungtreffern und schnellen Kombinationen. 17:4 lautete das Endergebnis, da half auch kein lautes Anfeuern des Lokal­publikums. Der Viertel­finalkampf gegen den Marokkaner, der sich in einer top Verfassung zeigte, erforderte wieder viel Nerven, da einige Punkte eigenartig vergeben wurden. Hier mußte Marco Scheiterbauer noch kurz vor Schluß zwei Punkte aufholen. Aufgrund seiner sicheren Angriffsaktionen gelang ihm das in lezter Sekunde auch mit 13:12 Punkten. Dies bedeutete den Einzug ins Halb-finale gegen den starken Iraner Madjid Aflak­hamseh, der seine Gegner aus Brasilien, Holland, Italien und Türkei in den Vor-kämpfen klar besiegt hatte. Marco Scheiter­bauer ging von Anfang an aufs Ganze und provozierte einige Schlagabtauschaktionen. Obwohl er mit 2:4 zurücklag, gelang ihm mit Kampfgeist, Flexibilität, Härte und Routine der Ausgleich auf 9:9 zum Ende des zweiten Drittels. Ein klarer Kopftreffer in der dritten Runde, bei dem der Iraner angezählt wurde, zeigte Marco Scheiterbauers Risikobereitschaft, die mit einem 15:12 Sieg belohnt wurde. Das Finale mit dem Weltmeister von Manila, Joes Jesus Marquez aus Spanien, der im anderen Pool mitunter den übergroßen (1,92 m) Koreaner Kim Kyong Hun besiegte, wurde von einigen Begleiterscheinungen geprägt. Die deutsche Coachecke war von einigen Spaniern umringt, wovon einer koreanisch, deutsch, spanisch und englisch verstand und die Absprache verfolgte. Anschließend waren von ihm Coachanweisungen zu hören. Hier versuchte der Teamarzt, Dr. Dirk Jung, sich dazwischen zu plazieren. Die ersten Schlagabtausch­aktionen wurden nur für den Spanier gewertet, so daß Scheiterbauer zwei Punkte hinterherlaufen mußte, was den Kampfverlauf beeinflußte. Trotzdem konnte der Militär­weltmeister aufholen. Da es Joes Jesus Marquez verstand einen Kampf zu stören, war es sehr schwer Punkte zu erhalten. Das Endergebnis lautete am Ende 4:6 Trotzdem war die Freude über Marco Scheiterbauers Silber­medaille im Team riesig. Es kamen viele Gratulanten von anderen Nationen. Der Bundes­trainer Georg Streif sah mit Marcos Bilanz – zwei Worldcupmedaillen, einem Vize- und einem Militär-WM-Titel, sowie der Vizeweltmeisterschaft in Hongkong – seine Weltklasse und Konstanz bestätigt. Er erwartet weitere Steigerung.

3. Tag: Nach einem Freilos kämpfte Claudia Renschlag im Bantamgewicht (-51 kg), 20 Jahre, aus Kerpen, gegen Kuba. Die Deutsche Meisterin wich der Kubanerin anfangs gut aus, schaffte in der zweiten Runde nach Punktrückstand den Ausgleich auf 1:1, konnte ihn allerdings nicht allzulange halten (1:3). Claudia Rettschlag sollte nach Bundestrainer Josef Wagner, nicht so lange mit ihren Angriffen warten und mehr Druck machen. Sie erzielte noch einen zweiten Punkt, doch hatte dies nicht ausgereicht und sie schied mit 2:6 Punkten aus.

Sonny Seidel

Sonny Seidel (re.) im Viertelfinalkampf gegen eine Marokkanerin.

Francisco Martin-Villa ,21 Jahre, aus Hassekoth, vom 1. Gelnhäuser TKD Club, ging in der Bantamklasse (-58 Kg) an den Start. Im ersten Kampf traf er auf Michael Reed aus Neuseeland. Gegen ihn konnte Martin-Villa gleich deutlich mit 3:1 Punkten in Führung gehen, obwohl er mit der rutschigen Matte seine Probleme hatte. Auch in der zweiten Runde baute er seine Führung weiter auf 4:1 Punkten aus. Mit agilen, explosiven und beherzten Angriffsaktionen, die ansatzlos auch mit Doppelkicks zum Einsatz kamen, besiegte er den Kämpfer aus Neuseeland souverän mit einem Endstand von 6:1 Punkten. Danach mußte sich Francisco Martin-Villa gegen Yeung Teddy aus Tahiti behaupten. Auch in diesem Kampf bestimmte der bisher schon sehr erfolgreiche junge Sportler vom 1. Gelnhäuser TKD Club (Jugendeuropameister, Internationaler Dänischer Meister, Internationaler Deutscher Meister und Deutscher Meister) das Kampfgeschehen rationell und ließ dem Nationalkämpfer aus Tahiti keine Chance. Mit einem klaren 3:0-Sieg befand sich Francisco Martin-Villa im Achtelfinale. Dort traf er auf Read Mohammed Naji Amer aus Jordanien. Martin-Villa zeigte sich gegen den Jordanier flexibel und war durchaus ebenbürtig. Die zweite Runde blieb bei 1:1 Punkten unentschieden. In der dritten und entscheidenden Runde übte Francisco Martin-Villa großen Druck gegen den Jordanier aus und blieb an ihm dran. Der Kampf war bis zum Schluß offen und hart umkämpft. Der Sieg ging mit 3:2 Punkten knapp an den Jordanier. Für den jungen Francisco Martin-Villa, der schon mit acht Jahren mit Taekwondo begonnen hatte, war dieses die erste WM-Teilnahme.

Für Sonny Seidel, 29 Jahre, aus Hammersbach, vom Chung-Gun-Haminerbach, stellte dieses Flugticket nach Hongkong bereits die sechste WM-Teilnahme in Folge seit 1987 dar. Sie hatte sich ein Jahr lang intensiv mit durchschnittlich 20 Trainingsstunden pro Woche und speziellen Lehrgängen bei Bundestrainer Josef Wagner und beim Bundesherrentrainer Georg Streif vorbereitet. Im Mittelgewicht (-70Kg) hieß Sonny Seidels erste Gegnerin Sabrina Djarroudi aus Frankreich. Seidel ging klar mit 2:0 in der ersten Runde in Führung, baute diese auf 6:0 in der zweiten auf und gab der Französin auch in der dritten runde keine Möglichkeit für Treffer. Mit einem deutlichen 7:0 Sieg gelangte Sonny Seidel weiter. Ihre nächste Gegnerin war Chang Yi-Mei aus Taiwan – das Damenteam aus Taiwan war unheimlich stark und belegte in der Teamwertung am Ende den zweiten Platz hinter Korea. Die Stärke der Taiwanesin zeigte sich besonders in der zweiten Kampfrunde, nachdem sie den Punktrückstand von zwei Zählern aus der ersten Runde aufholen konnte und kurzzeitig mit 4:3 Punkten in Führung gehen konnte. Seidel behielt einen klaren Kopf und kämpfte konzentriert weiter, so daß es wieder zum Ausgleich von 4:4 kam. In der dritten Runde ging es zwischen den starken Kämpferinnen unheimlich spannend zu. Sonny Seidel schaffte jedoch durch eine klasse Kampfleistung einen 7:5-Sieg über Taiwan.

Marco Scheiterbauer

Vize-WM Marco Scheiterbauer (li.) mit Bundestrainer Georg Streif

Im Viertelfinale gegen die Nationalkämpferin aus Marokko ging es um die lang ersehnte Medaille. Nach der ersten Runde stand es unentschieden, 1:1. Der Kampfleiter hatte kräftig Verwarnungen an Sonny Seidel wegen Nichtigkeiten verteilt. In der zweiten Runde führte Seidel zuerst mit 3:2, dann gelangen der Marokanerin der Anschlußtreffer und sogar der Führungstreffer. Spannend verliefen die letzten drei Minuten. In fast letzter Sekunde erzielte Sonny Seidel den Ausgleich zum 6:6 Endstand. Allerdings entging ihr auch bei dieser sechsten WM ganz knapp eine Medaille, da der Sieg wegen eines Minuspunktes an die Marokkanerin und spätere Vize-Weltmeisterin ging. Die Enttäuschung war groß und Sonny Seidel sagte: „Ich hätte noch cleverer kämpfen müssen“, wobei die Verteilung der Minuspunkte vom Kampfrichter umstritten gewesen sind. Selbst der Coach der Marokkanerin entschuldigte sich für den Sieg nach dem Kampf beim Damenbundestrainer Wagner, der sich des Eindrucks, daß hier politisch eine Medaille für Afrika geschmiedet wurde, nicht verwehren konnte.

Bei den Herren im Mittelgewicht (-83 kg) ging Faissal Ebnoutalib, 26 Jahre, aus Offenbach, vom 1. Gelnhäuser TKD Club, mit großen persönlichen Erwartungen – nämlich eine Goldmedaille – an den Start. Bei der WM in 1993 hatte er bereits im Viertelfinale gestanden – dort allerdings noch in den Landesfarben von Marokko. Der erste Kampf gegen Hussein O.D. Tahleh aus Jordanien war gleich sehr fesselnd. Ebnoutalib ging 1:0 in Führung, der Jordanier schaffte den Ausgleich 1:1, und erhöhte auf 1:2. Der verdiente Ausgleich gelang dem Deutschen erst in der zweiten Runde. In der entscheidenden letzten Runde konnte er sich gegen den starken Jordanier mit 4:3 Punkten durchsetzten. In diesem Endspurt waren neben Faissals exzellenter physischer Fitness starke Nerven gefragt.
Danach stieß er auf den Nationalkämpfer aus Kolumbien. Hier konnte Faissal Ebnoutalib durch geschicktes Angreifen mit 5:2 siegen. Im nächsten Kampf stand ihm der Vize-Worldcup Sieger von Kairo, Zacharias Asidah aus Dänemark, gegenüber. Der Däne versuchte mit allen Mitteln einen Infight zu provozieren, was Faissal Ebnoutalib durch deveres Ausweichen und Täuschungsmanöver verhinderte. Er punktete in der langen Distanz und ließ den Dänen leerlaufen. Mit einem überlegenem 3:1-Sieg befand er sich somit im Viertelfinale. Allerdings war Faissal Ebnoutalib angeschlagen. Er mußte inzwischen am Fuß und am Kinn vom deutschen Teamarzt Dr. Dirk Jung genäht werden. Mit diesen Handicaps und einem Kopfverband trat der Mittelgewichtler gegen den Spanier Ruben Montesinos, der für seine unsauberen Aktionen bekannt ist, an. Die ersten Runde blieb mit 2:2 Punkten ausgeglichen. Danach konnte Faissal Ebnoutalib mit 4:2 Punkten in Führung gehen. Der Spanier kämpfte aggressiver und härter, wovon von Seiten des Spaniers mehrfach Tieftritte und Fauststöße zum Kopf ohne Verwarnung blieben. Trotzdem ging der Hesse mit langen Konterkicks 8:4 in Führung, bevor eine Minute vor Schluß durch einen kleinen Stolperer von Faissal Ebnoutalib der Spanier einen Lucky Punch anbrachte. Er traf mit der Ferse so hart, daß Faissal Ebnoutalib k.o. ging. Mehr Pech kann man in einem Viertelfinalkampf wohl kaum haben. Neben seinen Verletzungen war der Ärger von Faissal Ebnoutalib am knappen Scheitern einfach unbeschreiblich. Doch der Herrenbundestrainer Georg Streif ist zuversichtlich und meinte, daß vom eingebürgerten Faissal Ebnoutalib in Zukunft noch einiges zu erwarten ist.

4. Tag: Diana Creti, aus Nehren, 23 Jahre, konnte im Federgewicht (-55 kg) durch konzentriertes und explosives Kämpfen gegen Shen Xu aus China mit 3:1 Punkten gewinnen. Auch gegen die Finnin Laura Salonen dominierte die Militärweltmeisterin von 1996 und Vizemilitärweltmeisterin 1997 klar mit 4:0 Punkten. Im Viertelfinale fiel Diana Creti gegen Thailand mit zwei Punkten in Rückstand und sie fand irgendwie nicht die richtige Distanz. Zusätzlich wurde sie durch einen gebrochenen Kleinfinger, den sie sich beim ersten Schlagabtausch zugezogen hatte, behindert. In der dritten Runde gelang Diana zwar noch ein Kopftreffer, doch im Endergebnis von 2:5 Punkten reichte es nicht für einen Medaillenplatz aus. Für ihre erste WM-Teilnahme bezeichnete Josef Wagner ihre Leistung als ausgezeichnet.

Özgür Günes, aus München, 21 Jahre, ESV Neuaubing, zeigte sich im Federgewicht (-64 Kg) sehr nervenstark. E reagierte sogar bei einer schlechten Punktewertung gegen den Brasilianer routiniert. Özgür Günes konnte einen 0:2 Rückstand durch gezielte und schnelle Angriffsaktionen, die ihm vor einigen Monaten noch schwergefallen sind, ausgleichen und sogar mit sehenswerten Doppelkicks eine 7:5 Führung aufbauen und gewinnen. Gegen Chung Yuklun aus Hongkong mußte Özgür Günes zusätzlich gegen den Heimvorteil ankämpfen. Dies ließ ihn jedoch unberührt und er bestimmte den Kampfverlauf von Anfang bis zum Ende. Mit einem 10:1 Punktesieg zog Günes ins Achtelfinale ein. Dort erwartete ihn Ricardo Santiago Jr. von den Philippinen. Dieser ausgeglichene Topkampf war durch blitzschnelle Mehrfachaktionen gekennzeichnet und endete mit 5:5 Punkten. Mit etwas mehr Risikobereitschaft ab der zweiten Runde hätte das Ergebnis vielleicht anders ausgesehen. Den Vorteil, den Özgür Günes ebenfalls hätte erhalten können, wurde dem Filipino zugesprochen.

Im Schwergewicht (+70 Kg) der Damen hatte Bettina Hipf, München, 27 Jahre, gleich die Favoritin Hyoung Sook Jung aus Korea zur Gegnerin.. In der ersten Runde trenten sich beide 0:0. In der zweiten Runde gelang der Koreanerin ein Punkt. Hipfs Einsatz war nicht stark genug, so daß sie gegen die spätere Weltmeisterin aus Korea mit 0:2 Punkten ausschied. Gegenüber der zweifachen Weltmeisterin zeigte sie einfach zuviel Respekt. Ihre vorhandenen Chancen nutzte sie nicht entschlossen genug. Teilweise war Bettina Hipf zu überrascht, wenn sie an die Koreanerin schnell ran kam und ließ diese Momente ungenutzt verstreichen.
Im Schwergewicht der Herren (+83 Kg) konnte Marcus Nietschke, aus Nürnberg, 29 Jahre, der vor sechs Wochen Vize-Militärweltmeister geworden war, nicht überzeugen wie gewohnt. Gegen Jan Glerup, den dänischen Ex-Europameister, kam er mit seinem Stil nicht durch und versuchte in der dritten Runde einen Kopftreffer zu landen, was auch beinahe gelang. Trotzdem lautete das Endergebnis 0:3 für den Dänen.

5. Tag: Am letzten Weltmeisterschaftstag galt die gesamt Aufmerksamkeit nur noch Tharshni Thevathasan im Nadelgewicht (-43 Kg), 21 Jahre. Die Hildesheimerin mußte gegen die italienische Nationalkämpferin, die amtierende Europameisterin und Bronzemedaillen Gewinnerin der letzten WM, an den Start gehen. Dabei blieben die beiden ersten Runden auf beiden Seiten ohne Punktvergabe, obwohl es einen regen Schlagabtausch gegeben hatte. Erst in der letzten Runde wurden Punkte vergeben und Tharshni Thevathasan mußte sich knapp mit 1:2 gegen Italien geschlagen geben. Bei den Herren blieb das Nadelgewicht unbesetzt, da das deutsche Nachwuchstalent, der 16jährige Mimoun Khaddari, aufgrund einer Verletzung nicht antreten konnte.

    Resümee des Damenbundestrainers Josef Wagner:

„Natürlich kann man mit dem Ergebnis, gemessen an den Medaillen, bei den Damen nicht zufrieden sein. Dennoch sollte man die Leistungen differenziert sehen. Das Damenteam bestand aus vier WM-Neulingen – Fadime Karratas, Claudia Rettschlag, Diana Creti und Nicole Hartmann -und vier erfahrenen Teilnehmerinnen. Sowohl bei der ersten Gruppe – Fadime Karratas – wie auch bei der zweiten Gruppe – Sonny Seidel – war eine Medaille und sogar Edelmetall greifbar nahe. Zwei Medaillen war auch die, denke ich, realistische und angemessene Erwartung an diese WM, auch im nachhinein, wenn man sich die Punktestände der unentschiedenen Viertelfinale anschaut. Erfreulich ist der hohe Anteil der gewonnenen Kämpfe bei den WM-Neulingen. Der Abstand zur Weltspitze ist keineswegs größer geworden, wie man aufgrund des Gesamtergebnisses meinen könnte. Die Kämpfe gingen in der Regel sehr knapp und teilweise sehr umstritten an Finalistinnen verloren.“

    Resümee des Herrenbundes­trainers Georg Streif

Das Turnierergebnis mit einer Silbermedaille von Marco Schei-terbauer, einem Viertelfinalplatz von Faissal Ebnoutalib und zwei Achtelfinalplätzen von Francisco Martin-Villa und Özgur Günes entsprach nur seiner Minimalhoffnung. Im Interview vor der WM hatte er auf die Frage, welche persönlichen Erwartungen er an die WM hat, geantwortet: „Die maximale Leistung innerhalb unserer Möglichkeiten, die mit ein oder zwei Medaillen belohnt wird und eine gerechte Bewertung von den Kampfrichtern.“ Streifs Kommentar nach der WM: „Eine zweite Medaille wäre möglich gewesen. Der 7. Platz unter ca. 90 Nationen in der Nationenwertung hinter Korea, Spanien, Taiwan, Iran, Ägypten, Türkei, Kuba und Frankreich, vor z.B. Dänemark, Mexiko, Italien, Griechenland, USA, Brasilien und Schweden spiegelt den momentanen Stand hinter den „Profinationen“, bei denen eine soziale Absicherung und hohe finanzielle Anreize für die Sportler über viele Jahre hinweg bestehen, und vor den „Amateurnationen“, die ähnliche Bedingen wie wir haben, wieder. Aus europäischer Sicht gab es nur drei Medaillen für Spanien, zwei für Frankreich, zwei für Türkei, eine für Griechenland und eine für Deutschland. Dies dokumentiert den dichten Leistungsstand. Dänemark, Holland, Schweden (noch unter den ersten fünf bei der Europameisterschaft 1996 gewesen) Italien, England, Österreich gingen trotz guter Leistungen leer aus. Die Turnierleistung der meisten Athleten mit insgesamt 12 gewonnenen Kämpfen bezeichne ich als teilweise sehr gut und ausbaufähig. Hiermit bin ich mit einer gleichzeitigen Erweiterung unser Struktur sehr zuversichtlich. Jedoch müssen wir realistisch innerhalb unseres Rahmens, mit den Mehrfachbelastungen unserer Kämpfer, kalkulieren. Wir müssen Ausbildung und Beruf unserer Kämpfer immer mit in die Trainingsplanung einbeziehen und dadurch teilweise mit Kompromissen leben. Wer am Tag 8-10 Stunden arbeiten muß, kann nicht noch 6-7 Stunden am Tag, wie es bei den koreanischen Nationalkämpfern die Regel ist, trainieren.“ Ob sich diese Situation vielleicht im Hinblick darauf, daß Taekwondo erstmals bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 ins offizielle Programm aufgenommen wird, ändert, wird das Interesse der Öffentlichkeit am Taekwondo zeigen.

Kicksider 1998
Dieser Turnierbericht erschien in der Kick Ausgabe 1998/01, veröffentlicht im Dezember 1997.
Verfasserin: Sabine Weigel.
Der Artikel dient zu Archivzwecken.